Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 50 (11.12.1908)
- Date
- 1908-12-11
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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K MrrehmnÄrn?m und Kschrichten [y Deutschland. ff*". S. Berlin, 6. Dezember. Auf Grund des Volksschulunter- .. Haltungsgesetzes vom 28. Juli 1906 ist, sobald innerhalb eines Schnlbezirkes die Zahl der jüdischen Volksschulkinder dauernd mindestens '20 beträgt, ein Ortsrabbiner in die städtische Schuldeputation auf- ''„'auneljmen: Innerhalb des Synagogenbezirkes Berlin sind nunmehr < - die nachstehend genannten Rabbiner zu Mitgliedern .der Schuldeputationen respektive Schulvorstände gewählt worden: Dr. Rosen- - - zweig in Berlin und Lichtenberg, Dr. Hoch selb in Charlottenburg "'..-und Wilmersdorf, Dr. Weiße in Schöneberg, Dr. Warschauer . in Pankow und Weißensee; Dr. Blumenthal in Boxhagen- ^->.v^R'ummel8burg, Dr. Eschelbach er in Rixdorf. ' 8. Berlin, 7. Dezember. Der Zentralausschuß desRabbiner- . r/ Verbandes in Deutschland hat ans den 29. d. M. eine Sitzung nach f?? Berlin einberufen. Die in der vorjährigen Sitzung des Zentraler- ^ausschusses eingesetzte Kommission zur Prüfung beziehungsweise 33er« . besserung des Entwurfs eines Organisationsgesetzes für die Synagogengemeinden Preußens wird ihren Bericht erstatten; Referent ist Herr Dr. Horovitz. Außerdem werden die Delegierten des Verbandes über den vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund vor-, gelegten Entwurf einer Petition Bericht erstatten, die wegen der - Erteilung des jüdischen Religionsunterrichts an den höheren Lehranstalten Preußens an den Kultusminister gerichtet werden soll; als - Berichterstatter ist Herr Dr. Munk bestellt. Im übrigen wird'über . interne Angelegenheiten verhandelt werden. '8. Berlin, 6. Dezember. Der Synagogenbezirk Berlin ist - wiederum erweitert worden, und zwar wird die Ortschaft Nicolassee in seinen Geltungsbereich einbezogen werden. Bei der im Jahre ' 1904 erfolgten Neuabgreuzung des Bezirkes der hiesigen jüdischen Gemeinde ist von dem Regierungspräsidenten zu Potsdam unter anderem auch die Einverleibung der Ortschaft Nikolassee in Vorschlag > ' gebracht, vom Gemeindevorstand jedoch abgelehnt worden. Damals wohnte in Nicolassee kein einziger Jude. In der Zwischenzeit ist v jedoch darin eine Aenderung eingetreten, und Nicolassee hat sich zu einem ausgesprochenen Vorort von Berlin entwickelt, der sich stetig .zunehmender Beliebtheit und wachsenden Zuspruchs gerade aus den . wohlhabenden Kreisen der Bevölkerung erfreut. Auch eine nicht unbeträchtliche Zahl von Juden hat sich in dem Orte niedergelassen, und es ist anzunehmen, daß diese Zahl in der Folge noch wachsen wird. Mit Rücksicht auf die veränderten Verhältnisse, in Anbetracht ferner des Umstandes, daß auch die Nachbarorte Wannsee. und Schlachtensee zum Gemeindebezirk gehören, und vom Standpunkt der Gemeinde aus kein Anlaß vorliegt, die drei Orte hinsichtlich der Ein» gemeindungssrage verschieden zu behandeln, hat der Gemeindevorstand die Einbeziehung der Ortschaft Nicolassee in den Bezirk der " jüdischen Gemeinde zu Berlin beim Regierungspräsidium in Potsdam beantragt. Die Nepräsentantenversammlung hat in ihrer letzten Sitzung, wie wir in unserem Bericht darüber bereits erwähnten, gegen die. Eingemeindung keine Bedenken erhoben, und das Weitere . soll demnächst bei der zuständigen Regierungsstelle veranlaßt werden. s. Berlin, 7. Dezember. Am 29. d. M. tagten im Saale des jüdischen Arbeitsnachweises dev „Verein zur' Förderung der Bodenkultur Deutschlands" sowie die „Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen! Staate" unter dem Vorsitz des Herrn Professor Dr. O. Marburg, der bei der Eröffnung der Versammlung . einen warmen Nachruf dein in diesen Tagen verblichenen, um die -. Zuführung der Juden 31t dem landwirtschaftlichen Berufe so hoch . verdienten Oberamtmann Ludwig Cohn widmete! Den Geschäftsbmcicht-des „Pereins zur Förderungder Bodenkultur" erstattete Dr. Arthur Kahn. Er wies darauf hin, daß man leider, nachdem das Gut Neuhöf von der „Gesellschaft zur Verbreitung des Hand- ■ Werks und des Ackerbaues" verkauft worden ist, keine Schüler zu unterstützen hatte und sich darauf beschränkt habe, im letzten Jahre jüdische Studierende der Landwirtschaft an der hiesigen Universität durch Gewährung von Stipendien zu fördern. Um zu erfahren, ob für die Idee der Zuführung von Juden zur Landwirtschaft Stimmung vorhanden sei, hätte der Geschäftsführer eine Reise unternommen, die gleichzeitig' Propagandazwecken diente. Es könnte konstatiert werden, daß unter den deutschen Juden Sympathie für die Förderung der landwirtschaftlichen Einführung in weiten Kreisen erfreulicherweise vorhanden sei. In Wiesbaden sei eine Ortsgruppe;* mit 70 Mitgliedern, in Offen hach eine solche mit 80 Mitgliedern neu erstanden, desgleichen sei in Leipzig die ganze Loge mit 44 Mitgliedern dem Vereine beigetreten: auch in Marburg sei eine Ortsgruppe in der Bildung begriffen. Der eben verblichene Oberamtmann Cohn habe ihm ans Herz gelegt, eine weitere schriftliche Agitation zu betreiben. Sehr wünschenswert wäre es, in Frankfurt a. M. ein Lokalkomitee einzurichten, und es empfehle sich, dort in der Nähe Frankfurts ein Gut zu erwerben. Dann wäre es ein leichtes, aus Frankfurt jährliche Beiträge bis zur Höhe von 10000 Mark zu erhalten. Er möchte insbesondere auch erwähnen-, daß Herr Rechtsanwalt Guggenheim-Offenbach, der vorzügliche Beziehungen zur hessischen Negierung habe, die . Meinung geäußert habe, daß .mit größter Wahrscheinlichkeit eine jüdische landwirtschaftliche Kolonisation von der hessichen Regierung wesentlich gefördert werden würde, vielleicht sogar materiell, weil die Landflucht dort überhandnehme, und auch die Bevölkerung Hessens an sich abnehme. Ein Pacht- oder Lehrgut mit fester Siedlung, ein solcher Plan würde sicherlich das Entgegenkommen der Regierung finden. Nun sei der Vorschlag von der Alexander und Fanny Simon-Stiftung bezüglich einer gemeinsamen Aktion gekommen, und es werde Sache des Vereins wie der Gesellschaft sein, sich über ein Zusammengehen mit Hannover schlüssig zu werden. Die Einnahmen des Vereins hätten um etwa 1000 Mark zugenommen und betrugen das letzte Jahr insgesamt etwa 9000 Mark, während die Ausgaben sehr gering blieben, da man'außer den Stipendien in Höhe von 600 bis 700 Mark insgesamt nur 3000 Mark für Saläre, Drucksachen und Agitation ausgegeben habe, so daß ein Ueberschuß von reichlich 5000 Mark vorhanden sei. Dann gab Herr Professor Marburg nähere Auskunft über den geplanten Gutskauf durch die Simonsche Stiftung und die beabsichtigte Beteiligung des Vereins wie der Gesellschaft. Es handelt sich um das Gut Steinhaus, das etwa 23 Kilometer von Celle an einer Kleinbahn gelegen ist und ein Areal von zirka 820 Morgen umfasse. Von diesen 820 Morgen sind indessen nur 240 Morgen anbaufähig, der Rest von 580 Morgen bestehe aus Heide, Wald und Sumpf. Man hoffe, von diesem bisher zum Ackerbau nicht verwendbaren Areal im Lause der Zeit den größten Teil anbaufähig machen zu können. Da das Gut zurzeit sich nicht in besonders gutem Zustande befinde, wäre der Preis desselben dementsprechend ein mäßiger, nämlich 120 000 Mark. Dieser Kaufpreis von 120 000 Mark sei in der Weise zu leisten, daß die. Simon-Stiftung 75000 Mark bar zahlt, die als erste mündelsichere Hypothek eingetragen werden Die restlichen 45 000 Mark läßt der Besitzer als auf. fünf Jahre unkündbare Hypothek im Gute stecken. Man hofft innerhalb dieser Zeit so weit Melorationen vornehmen zu können, daß später auch diese 45 000 Mark in die Grenze der Mündelsicherheit fallen. Zum Betriebe des Gutes würden nach fach- - verstänbiger Schätzung weitere'60 000 bis 80000 Mark erforderlich sein. Diese sollen aufgebracht' werden von einer zu begründenden Gesellschaft mit^beschränkter Haftung, deren Anteile übernommen werden sollen: 1. von der Simon-Stiftung ^n Höhe von 25000 Mark; 2. von der Gesellschaft zur Verbreitung des Handwerks und des Ackerbaues in,Höhe von 20000 Mark (das ist fast das gesamte Vermögen der Gesellschaft); 3. 5000 Mark Anteile übernimmt -der Verein zur Förderung der Bodenkultur, und 4. den Rest Privatpersonen. Der MMMDNMWW MDHMWKM ’J: ■ Vrtlagr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums".