Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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=r? Beleihen, im^ 3lob;em 6er^ Die- 20. Hauptversammlung des S Ynagogen-.G e me in d en- V e r 6 and es. des. Regi ernngsbe zir k s Oppeln fand am 1. d. M. in Beuthen im Konzerthanssaale unter. Leitung des Verbandsvorsitzenden, Herrn Justizrat. Berger-Königshütte, statt. Es waren 20 Gemeinden vertreten; die Zahl der Anwesenden, betrug 108. Fast alle Herren Rabbiner Oberschlesiens hatten der. Einladung Folge geleiM./Ham'e'nS..cher,Gemeinde Beuthen begrüßte ihr Vorstandsvorsitzender. Kommerzienrat Grünfeld,, die Der» sammlung aufs herzlichste. Dev Herr Vorsitzende .ergänzte. und erläuterte. den gedruckt vorliegenden, .bereits allen Gemeinden zugestellten Geschäftsbericht. Er referierte über die Tätigkeit der anderen P^rövinzial-Verbände. In der sich anschließenden Diskussion ergreift zunächst Herr Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen das Wort. Redner berichtigte, daß seine Gemeinde annähernd 45 000. Mark für wohltätige .Zwecke aufwende. Herr Rabbiner. Dr. Münz-Gleiwitz erstattete Bericht, über seine Zülzer Exkursion; -er regte die Bildung eines jüdischen oberschlesischen Museums am Herr Dr. Zivier-Pleß hält, die Bildung einer besonderen jüdischen Abteilung im Gleiwitzer Museum für ausreichend. Der Etat des'Waisenhauses und des Verbandes wurde ohne Debatte bewilligt. Es erfolgt Wiederwahl der Kassenrevisoren Herren Kommerzienrat^sGrünseld und Kaufmann Lichtenberg-Gleiwitz und des infolge Ablauf der Amtsdauer ausscheid'enden Ausschußmitgliedes Herrn Pollak-Zabrze: An Stelle des Herrn. Fabrikbesitzers Breit wird Herr Bensamin-Beuthen in das Kuratorium des Waisenhauses gewählt. Zu Mitgliedern des Schiedsgerichts' werden gewählt die Herren: - Kommerzienrat Grünfeld. Justizräte Berger, Schüller, Kaiser und Stadtrat Wiener. Herr Lehrer Cohn-Grottkau hielt den angekündigten Vortrag über »Fürsorge-Erziehung". Ein Antrag des Berichterstatters auf Bildung einer.Fürsorgekommission, bestehend aus Mitgliedern der beiden schlesischen' Provinzial-Verbände, gelangte zur Annahme. Der Vorsitzende machte eine Reihe von Mitteilungen, unter denen die Petitiondes-Verbandes, der Deutschen Juden, betreffend den Religionsunterricht: an höheren Lehranstalten, besonders zu erwähnen wäre. Auf Wunsch des Herrn Rabbiner Dr. Kopfstein-Beuthen wird der: Verband ersucht, die: Petition dahin zu erweitern, daß die jüdischen Abiturienten auch im Religionsunterrichte geprüft-werden, damit der Religionslehrer an den Konferenzen teilnehmen können Herr- Archivar Dr. Zivier-Pleß hielt einen Vortragüber den Anteil der Juden an dem schlesischen Berg- und Münzweseu unter großem Beifall der Versammlung. Aus dem interessanten Referate wäre besonders hervorzuheben, daß ein jüdischer Berggeschworener die Kohlenflöze der Königsgrube entdeckt habe. Nachdem Herr Justizrat Schüller- Gleiwitz dem-Vorsitzenden für die Leitung der Verhandlungen gedankt hatte, wurde die Hauptversammlung geschlossen. Im Anschluß an den Verbandstag fand eine Ausfchußsitzung statt,. in der-die'Verteilung der für den Religionsunterricht bewilligten Mittel an die leistungsschwachen Gemeinden erfolgte. An die Verhandlungen schloß, sich ein.Festmahl. .. . . ' - M. Hamburg, 19. November. Der Verb an d der S ahb at« freunde, Ortsgruppe Hamburg, hielt im Logenheim Hartüngstraße eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende teilte mit, daß betreffs der Sonntagsruhe die Verwaltung' sowohl dem Senat als. auch der Bürgerschaft Eingaben unterbreitete, worin um besondere Berücksichtigung der Geschäfte' ersucht wurde,-die am Sonnabend geschloffen halten. Wenn tratr auch die reichsgefetzliche Regelung der Sonntagsruhe vorerst vertagt.ist, so wird überkurz oder Imlg diese so wichtige Fragedoch wieder zur Sprache kommewund die Aufmerksamkeit des Vereins erfordern. Die ziemlich komplizierten Vorarbeiten für das geplante Kreditinstitut sind' nun 'soweitgediehendaß dessen'Gründung, vor einigen Wochen vor sichgehenkcmnte.- Die schon seit einigen Monaten schwebendeu Verhandlungen wegen Errichtung einer Brockensammkung (Peah) werden vorausftchtkich-in nächster Zeit zum Abschluß gelängen/ nachdem ähnliche'Institutionen in ' anderen Großstädten ' bereits gute Resultate aüszfiweisen Haben. Der von dem Schatzmeister erstattete Kassenbericht wurde - genehmigt und^ die statutengemäß ausfcheidenden VvrstandsMitglreder wurden einstimmig wiedergewählt.' - Nach Erledigung der Tagesordnung referierte Herr Dr. Arthur Kahn aus Berlin über Vas Thema: »Avbeitsaufgaben in der Sindt und auf drnr Lande" . Der Redner betonte, wie sehr die „Landflucht" speziell der. gesetzestreuen^Judenheit. zum Schaden, gereiche und hält es für notwendig, daß auf dem.. Lande eine Jugend im Sinne des Verbandes herangezogen werde» Auch für die Heranbildung eines leistungsfähigen jüdischen« Hand? werkerstandes müsse mehr getan werden. Eingehend . berichtet der Redner sodann über seine Erfahrungen bei der Berliner Brocken-; samnllung (Peah), die schon nach kurzem Bestehen gute Erfolge zeitigte, ohne mit den bestehenden drei nichtjüdischen Brockensammlungen zu kollidieren. Er ist der Ansicht, daß auch für Hamburg sich ähnliche Resultate erzielen lassen, und daß sich auch hier ein aussichtsreiches Arbeitsfeld für die Ortsgruppe eröffnet. .Mit einem Appell zur tatkräftigen Unterstützung des Verbandes schloß der Redner seine Ausführungen, die mit großem Beifall ausgenommen : wurden. . , . . .... ö. Malchin, im November. Die Anbringung' einer lhedenkta.fe.l-. — von einer Denkmalsenthüllung ist gar keine Rede — für ' den Erfinder des Automobils, Siegfried Mareus, über die Sie jüngst, berichtet, sieht nunmehr bevor. Wie Sie seinerzeit meldeten, war die. ursprünglich für den 18. September, dem Geburtstage bes am 1. Juli v. I' verstorbenen Erfinders, geplante Feier plötzlich verschoben worden. Auf eine Anfrage nach dem Grunde des Aufschubes' antworteten Bürgermeister und Rat von Malchin unter dein . 3. Oktober, „daß hier Näheres über das Wirken des Siegfried Marcus und dessen angebliche Erfindung nichts bekannt ist. Auch hat bet Eigentümer' des' Geburtshauses des Marcus bisher seine Zustimmung zur Anbringung einer Gedenktafel nicht erteilt, und! es ist zweifelhaft, ob die Genehmigung überhaupt erfolgen wird", j Diese Zweifel hat nun eine Mitteilung des mecklenburgischen Mini-! steriums vorn 26. Oktober, daß es die Bedenken der Stadtverwaltung! in Malchm zerstreut habe,, endgültig behoben. Eine Nichte von! Siegfried Marcus war übrigens eine Schwägerin jenes Dr. Lieb- ° niann in Stavenhagen, der als Freund Friß Reuters bekannt ist, und'; eine andere Nichte war die Schriftstellerin Rosa Wartens, die mrt l Alexander von Humboldt im Briefverkehr gestanden, im dänischen. : Kriege 1864 sich als Krankenpflegerinbetätigt undauch mit dem. Bismarckschen Hause in Verbindung gestanden hat. Die Tafel zeigt lorbeerumrahmt Marcus' Kops, daneben links sein Automobil'ans dem Jahre 1875. Rechts sieht man einen modernen Kraftwagen,; durch, die Landschaft sausen. Dahinter ragen Schlote empor,. ein, Hinweis auf die Automobitindustrie. Im. Vordergrund bestaunen zwei gefesselte Sphinxe die beiden Fahrzeuge wie eine -Mutter'ihr Neugeborenes: das der Natur entlockte Geheimnis hat der Erfindung das Dasein gegeben.. Die Inschrift der Tafel lautet: „Geburtshaus, von Siegfried Marcus, der Erfinder des Automobils, geboren den. 18. September 1831." 7 "7 7 --- Dortmund, 25. November. Der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen erstattet seinen fünften Jahresbericht und wirst zugleich einen Rückblick auf die gesäurte bisherige Wirksamkeit Nur unter den größten Schwierigkeiten konnten die Zwecke, des Der eins durchgeführt werden. Insbesondere'war ein. tlef eingewurzeltes Vorurteil gegen die jüdische Krankenpflege zü überwinden. . Langer, rnühsamer Arbeit ist das endlich' gelungen. Es wurde allmählich anerkannt, daß die jüdische Mutter gerade so gut ebenbürtige Krankenschwestern heranziehen könne, wie sie der Welt,seitJahr- -Hunderten hervorragende Aerzte geschenkt hat. Im Tätigkeitsgebiet I des Kuratoriums bestand lange Zeit, auch in den'Wohltätigkeitsvereinen und in den ärztlichen Kreisen die Annahme, daß die Aufopferung der katholischen Schwestern,' die als die bevorzugtesten Krankenpflegerinnen galten, ohne ein religiöses Gelübde, darauf die; Freuden - des Lebens verzichtet, gar nicht -möglich' sei. Demgegenüber wurde vorn Kuratorium hervorgehoben, däß die fteiwillige Liebestätrgkeit noch höher im Range Und Werte stehe, als-jene-andere, die von demsittlichen Zwange eines unabänderlichen Gelübdes^ beeinflußt werde. Allmählich wurde das Eis-gebrochen und seitdem-drei jüdische Krankenpflegerinnen durch die Tat ihre hervorragende Leistungsfähigkeit erwiesen hatten, besonders auch, -nachdem' -die völlige Abschaffung der Berechnung von Pflegegebühren erfolgte/- ergab sich ein erfreulicher Aufschwung. In zahlreichen Städten haben die jüdischen Schwestern gepflegt. Aber ihre Zahl reicht nicht' hin, nur allen Anträgen zu entsprechen: Die BerufSfteude der Schwestern