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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-04 · Heft 49 (4.12.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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ihxeürmrner bereite Hand, bte alle Zweige des Bereiches der Hoch» schule. gütig versorgte, muß hier ihr bescheidener. Sinn gerühmt werden. Die Verewigte hat .nie gewollt, daß ihres Wohltuns öffentlich gedacht werde,, sie - hat zu. denjenigen wahren Wohltätern gehört, die für die Sache selbst sich begeistern, und denen der Erfolg ihrer Selbstlosigkeit mehr gilt als jede Anerkennung. Welchen Segen das Werk Nanny Meyers gestiftet hat, das haben die Leiter der Lehranstalt der hochverehrten Frau an den . Freudentagen ihres Greisenalters mit dankerfülltem Herzen bekundet, das gehört für immer der Geschichte der Hochschule an.Ein Hauch ihres frommen Wirkens durchwehte die große Träuerverfammlung im alten Hause in der Sommerstraße, als Rabbiner Dr. Warschauer an der Bahre Sinn und Ziel ihres Erdenwallens mit den Worten Jesaias- (Kapitel 32, 8) pries: „Der Edle sinnt auf edle Werke und beharrt dabei." Dem gedankenvollen, tb»s bewegenden Nachruf, der in kraftvoller/ lebendiger Gestaltung dem Andenken Nanny Meyers dauernde Prägung verlieh und gewiß an anderer Stelle für immer leihen wird, folgten die Ausführungen des Iustizrats Dr. Beit Simon. Der Vorsitzende des Kuratoriums der Lehranstalt gedachte mit Worten innigen Dankes der historischen Stätte dieser Stünde, wo einst der Gedanke der Hochschule geboren wurde und von der Verewigten seine jetzige Vollendung erhielt. Er rühmte das beispielgebende und. darum für allezeit unvergessene Tun Nanny Meyers, deren Vorbild der Wissenschaft des Judentums stets Freunde und Streiter werben und damit das Judentum verherrlichen werde. — Die Beisetzung der Heimgegangenen fand auf dem alten Friedhofe in der Schönhauser Allee statt. 8t. Berlin, 1. Dezember. Der Verein zur Pflege hebräischer Musik veranstaltete am Sonnabend ein in jeder Hinsicht wohlgelungenes Konzert, bei dem wichtige Stücke unseres Gottesdienstes sowie Jnstrumentalvorträge für Harfe, Violine und Orgel -zur Ausführung gelangten. Die Aufführung bewies wiederum, daß wir kunstvolle Kompositionen unserer Liturgie besitzen, wenngleich sie nicht in den Synagogen zu Gehör gebracht werden. Der Vereinsdirigent Albert Kellermann sowie der vorzüglich geschulte Ehor, die mit-aller Hingebung für die heilige Sache eintraten, verdienen aufrichtiges Lob und Anerkennung. In seiner großen Komposition: Un ’sanne* taukef, bewies Kellermann seine musikalische Gestaltungskraft und warmherziges', verständnisvolles Empfinden unserer heiligen Gebete. — Auch die. Solisten, Fräulein Isabella Timar sowie insbesondere Wilhelm Klein, der neue, hochbegabte Kantor unserer Gemeinde, entledigten sich in anerkennenswertester Weise ihrer sehr schwierigen Aufgabe. 22'.Berlin, 1. Dezember. Hier hat sich ein Komitee gebildet, das die Einberufung eines allgemeinen' Kongresses aller derjenigen vorbereitet, die ernstlich gewillt sind, für die Neubelebung der hebräischen Sprache und Literatur das notwendige Fundament zu schaffen. Das Programm des Kongresses soll alle Gebiete des geistigen Lebens berücksichtigen. Erhaben über alle, parteipolitische Engherzigkeit soll es ausschließlich, von allgemeinen jüdischen Grundprinzipien bestimmt sein. Der Kongreß soll ebenso Fragen der Propaganda, die Errichtung von Sprachkursen, Abhaltung von Vorlesungen über allgemeine Wissensgebiete in hebräischer Sprache behandeln wie die Begründung von Fachkommissionen für die Erweiterung der-neUhebräischen Sprache, Begründung eines Verbandes hebräischer Schriftsteller, Kommissionen für die Herausgabe einer Enzyklopädie sowie für. die Herausgabe von Lehrbüchern, Wörterbüchern usw. Ferner soll eine ständige pädagogische Kommission, die sich mit allen Fragen der Erziehung zu befassen hat,, gewählt werden. Die bestehenden hebräischen VerlagsarrstalteN'sollen unterstützt und neue sollen soweit als notwendig begründet werden. Es sollen sodann Mittel gesucht werden, um das Hebräische als Umgangssprache in möglichst weiten jüdischen Kreisen einzuführen.. Auf dem Kongreß soll gleichzeitig der Grundstein gelegt werden für einen Kulturfonds, der die materielle Unterlage der Organisationsarbeiten bilden und die Mittel liefern wird für die Herausgabe von Zeitschriften usw. in hebräischer Sprache. An die Spitze dieser Einzelkommisfionen soll ein Zentralkomitee gesetzt werden, das die Gesamtarbeiten der Organisation zu beaufsichtigen und zu leiten hat. Dem vorbereitenden Komitee ist schon jetzt von bedeutenden Persönlichkeiten . wie .von bestehenden . InstitutwneN /die volle Zu»' stürimung und dje Versicherung tatkräftiger - Anteilnahmeandsm Zustandekommen des Kongresses ausgedrückt worden. Demnächst wird ein Aufruf' erscheinen,- der' von. allen diesen Institutionen. mitunterschrieben sein und.nähere Angaben über das Programm sowie-über den Ort und die Zeit des Kongresses enthalten wird. Das vorbereitende Komitee (Adresse: Joseph Lin, für- Kulturkongreß-KoMrtee, Berlin N. 24, Oranienburgerstr. 58) rechnet auf die Unterstützung aller Kreise, die für eine großzügige Arbeit auf dem Gebiete des neu- < hebräischen Schaffens wirkliches Interesse haben'.. 8. Berlin- 27. November.' Aüt 24. d. M. ist hier berO&etanrt* mann und Nitterguksbesitzer Ludwi g G o Hst im Alter von 62 Jahren verstorben. Derselbe hat, seitdem er' hier' gewohnt, sich um die Hebung der Bodenkultur unter dewJuden große Verdienste erworben. - Auch an anderen Bestrebungen, so z: B. an dem Verein für Arbeits-' Nachweis hat er sich mit regem Eifer beteiligt. Sein Andenken wird in Ehren förtleben! ■ff.. Aus der Provinz Posqn, im Dezember. In der Israelitischen Waisen-Erziehungsanstalt für. Mädchen fand zum ersten- mal im neuen Heim eine Andacht und Seelengedenkfeier für^ die dahingeschiedenen Wohltäter dieser Anstalt statt. Die Feier wurde durch einen Gesang vom Synagogenchor eröffnet, worauf. Herr Vorsteher Manasse Werner eine kurze Gedächtnisrede, hielt und die Namen der hochherzigen Spender erwähnte, Ein Waisenmädchen trug ein Gedicht vor, in welchem auf die Anstalt Bezug genommen wurde. — In letzter Stunde noch ist . hier vor den Stadtverordnetenwahlen ein . antisemitisches Manöverchen verursacht worderr Von einem namenlosen Unbekannten ist an die Wähler der I. Abteilung ein Wahlzettel . versandt worden, in dem an Stelle des Rechtsanwalts Dr. Orgler (Jude), ein anderer Kandidat genannt wurde. Die vereinigten deutschen Wahlkomrtees hätten einstimmig . Herrn Dr. Orgler als Kandidaten aufgestellt. Diese Quertreibereien verursachten große Verwirrung, jedoch wurde Herr Rechtsanwalt Dr. Orgler auf Grund des geschloffenen Kompromisses zwischen den-Freisinnigen und den deutschen Vereinen, gewählt. — Der am 11. Juni d. I. aus dem Leben geschiedene Professor Dr. Georg Adler aus Mel hat seiner Vaterstadt Posen letztwillig iOÖoMark hinterlassen, welche zur Verteilung von Kohlen unter die Armen in dem auf seinem Tode folgenden Winter verwendet^ werden sollen. In Ausführung dieser letztwilligen Bestimmungen wurden 'Kohlenzettel mit dem Aufdrück: „Stiftung des Professors Adler" in den K'ommissionssitzungen am vergangenen Donnerstag an die Ärmenräte ausgegeben. — Herr Rabbiner Dr. Bloch hat Hierselbst einen jüdischen Geschichtskursus eingerichtet. Zu dem am vergangenen Sonntag gehaltenen Börtrag, welcher im Kaiser Wtlhelm-Bibliotheksaale stattfand, hatten sich über 150 Hörer eingefunden. Der Vortragende referierte über: „Das politische Verhältnis zwischen Israeliten und Aegypten" und' ging besonders auf die hochinteressanten Ausgrabungsfunde in Test el Amarnah ein. — In Witkowo würbe Herr Kaufmann Max Berne zum Vorsteher der Shnagogengemeinde gewählt. — Der jüdische Männergesangverein brachte am Bußtag die biblische Oper von Etienne Nicolas Mäh ul „Joseph in Aegypten" zur Aufführung. Mehrere Monate hindurch hatten die Vorbereitungen hierzu, die unter der Leitung des Vereinsdirigenten, Musikdirektors. Julius Berggruen standen, den Verein rn Anspruch genommen. e.r Insterburg, 29. November. Unerwartet starb hier .infolge eines Herzschlages der präsumtive Präsident der neugegründeien Libanonloge, der allgemein verehrte und beliebte Zahnärzt Hermann Eliafchef.f. Der Verewigte.gehörte zu den rührigsten Mitgliedern der Gemeindevertretung, und war einer der Gründer des. hiesigen Literaturvereins. Von der Liebe und Hochachtung, die der in der Blüte seiner Jahre, so plötzlich Dahingeraffte, sich in allen Kreisen erworben hatte, zeugte die zahlreiche Beteiligung bei der Leichenfeier. - Die Großloge U. O. B. B...hatte Herrn Oberlehrer Levy-Allenstein und die Qstpreußische Loge Herrn. Eduard Iakobi-Rastenburg deputiert Dem Schmerze der Familie- und: der-Freunde lieh- Herr Kreisräbbiuer Dr- Beermann ergreifenden Ausdru ck, der den Verblichenen als Mann^ der.Treue.und Hort des Segens.pries. „ ....

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