Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Mag zum nicht geringen Teil sich daher schreiben, daß das uratorium - für ihren Ferienaufenthalt sowie für ihre einstige Versorgung in umfassender Weise bemüht ist. Die Schwestern' pflegen bei . allen Kranken - ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses und des Standes. Im letzten Jahre erfreuten sich folgende Ortschaften der Pflegetätigkeit der Schwestern-'-Dortmund, Ahlen, Bielefeld, Bocholt, Bochum, Drostfeld, Eving,'Gelsenkirchen,'Hagen, Hamm, Hörde, Rheda. Rotthausen, Ruhrort, Salzkotten, Schlüsselberg, Warberg und Witten. Zu den Hauptförderern zählt der Magistrat in Dortmund, die' Märkische Loge, -die Synagogengemeinde und' der Verein v,Chewrah“ in Dortmund. - ' Gesterretch-Nngarn. : : □ Wien, 30. November. Am 26. d. Mts. huldigten alle Kulte dem-Kaiser. Namens der Juden war' eine Deputation erschienen, bestehend aus den Herren Dr. Alfred Stern.'Wien, Dr. Gustav Kohn, Wien, Oberrabbiner Dr. Möriz Güdemann. Wien, Dr. Arnold Rosenbacher. Prag, Dr. Simon Schaff, Lemberg, Dr.'Graf und Dr. Brettholz, Triest, Bernhard Biller, Graz, Dr. Hieronymus Fialla, Brünn, Dr. Samuel Tilles, Krakau, Dr. Beno Straucher, Czernowitz, Benedikt Schwager, Linz, Wilhelm Dannhauser, Innsbruck, Dr. Theodor Sonnenschein, Troppau. Der Präsident der Wiener Kultusgemeinde, Dr. Alfred Stern, richtete an den Kaiser eine Ansprache der Huldigung und überreichte eine Adresse der österreichischen Juden, worauf der Kaiser wörtlich erwiderte.- „Für die Huldigung der israelitischen Kultusgemeinden sage Ich Ihnen Meinen wärmsten Dank. Die israelitische Bevölkerung hat immer eine staats- und gesetzestreue Gesinnung, Ergebenheit für Mein Haus' und Anhänglichkeit an Meine Person bekundet; Ich schätze auch ihren Familiensinn und ihre Freude am Wohltun. Seien Sie versichert, daß Ihre. Glückwünsche Meinem Herzen wohlgetan Habens und daß Sie und Ihre Glaubensgenossen Meines kaiserlichen Schutzes gewiß sein können." Das sind große Worte, auf die die Juden Oesterreichs, stolz sein dürfen!' — Bei den Gemeindewahlen am 22. d. M. ist die Opposition der Demokraten und Zionisten unterlegen. Gewählt wurden Professor Dr. S. Ehrmann, Salo Cohn, Leopold Sachs, Max Frank, Dr. Isidor Samuely, Samuel Steiner, Karl Seligmann, Hosrat Dr. B. Rappaport. — Am'23. fand hier.das' Leichenbegängnis des Lektors M. Friedmann unter zahlreicher Teilnahme Zweiter Kreise statt. Im Vorhof des'Leopoldsstädter Tempels sprachen Dr. Schmiedel und Rektor Schwarz namens des Let-Harm drasch und der Israelitisch - theologischen Lehranstalt, auf dem Zentralfriedhof Dr. Güdemann, Dr. Gelbhaus, Baurat Stiaßny, und namens seiner Schüler stud. Phil. Torezhner. Unter Gesängen des .Tempelchors wurde der Sarg in. die Gruft gesenkt.' Das Andenken'des ausgezeichneten. Gelehrten aber wird fortleben.'— In den niederösterreichischen Landtag ist seitens der Handelskammer der Kommerzienrat C. Spitzer gewählt worden. — Eine" „Raschi- Stiftung" ist in Lemberg begründet worden. Karl Bub er, ein Sohn, des verstorbenen Gelehrten Salomon Buber, hat der Statthälterei von Galizien 20 000 Kronen mit der Bestimmung übergeben, von den Zinsen dieses'Betrages ältere hebräische Schriften zu veröffentlichen. Die Stiftung wird den Namen tragen: Salomon Bubers Raschi-Stiftung. Äußland. - i;; L. T. Odessa, 23. November. , Nach langer schwerer Krankheit 'starb am 19. d. M. im 54. Lebensjahre der Rechtsanwalt Wladimir Pit kiß.^ Der Verewigte wurde in Kischinew geboren, absolvierte das dortige Gymnasium und studierte darauf in Odessa. Hierauf trat er in den Dienst des dortigen Gerichtshofes,. wo er die Stelle eines Sekretärs bekleidete. In jugendlichem Älter von 23 Jahren verheiratete er sich mit' der jüngsten..Tochter des allgemein geachteten ^Dr. Jonathan Dreh seligen Angedenkens, der selbst aus Bayern stammte^ Nach seiner Verheiratung-schied er aus dem Amte, und wurde Rechtsanwalt. Nach kurzer Ehe wurde ihm die Frau entrissen. Er widmete nun /sein/ganzes Leben der Erziehung seiner- Töchter. Ein treuer Sohn seines ,Volkes, widmete er feine ,freie jZeit, den verschiedenen Lehr- und Wohltätigkeitsanstalten der Oöessaer Gemeinde. . So war er lange 'Jahre ^hindurch- Vorsteher des -Kültirstempels/^.i'^ Mitglied der Verwaltung bet/,Clfewrah'Kadischah“ Spitalkurator,. . Mitglied der Kuratorien der- Handwerkerschule j;Trad‘VdS' jüdifchen.^-./^/ Waisenhauses, der professionellen MSdchens^ul^.der?Kommisfion-^üV-/.^W Verteilung von- Mazöt und Kohlen an Arme: Außerdem' war er? -4 Mitglied der Revisionskommission der'/Odesfaer Diskontö-Bank" und, v der „Bessarabisch-Taurischen Agrarbank":- Ueberall^zeigteer' sich als energischer und arbeitsamer Mann. Schreiber dieses, der mit dem - Verewigten im Kuratorium des jüdischen Waisenhauses und in der' . Revisionskommission des „Trud“ faft ein Jahrzehnt.zusammenwirkte»- c muß seine fegensvolle Tätigkeit in diesen überaus nützlichen Anstalten hervorheben. - Ein Mann von seltener Energie, arbeitete er unver,-/. drossen überall, wohin ihn das 'Vertrauen der Gemeinde berief, und brachte viel Nutzen' den verschiedenen Instituten, in denen, er rastlos' '<'■? wirkte. Nach den unglückseligen „schwarzen Novembertagen" des. Jahres 1905 verließ .er- Odessa- und zog mit' seiner.Familie nach . ' Paris. Leider' war'er seit mehr als einem Jahre schwer krank. Er hat in der kurzen Spänne zeit seines Lebens viel'Leid' erlitten. Möge ihm die Erde leicht'sein! Von Ksh und jfrm. Äm 27. d. M. ist hier Dr. Walther Menke, .ein .vielbeschäftigter Arzt, im 45. Lebensjahre : gestorben. Ein bevorzugter Schüler Mrchows, Hatte er sich vor sechzehn Jahren in Berlin niedergelassen und sich. durch ungewöhnliche. Kenntnisse, die mit einer V großen Gewissenhaftigkeit gepaart waren,, sehr bald einen großen und anhänglichen Kreis /von Patienten erworben. Menke litt an. einem , zunächst unbedeutenden /Furunkel, /das zu einer Blutvergiftung geführt hat. — Die direkten Kultussteuern der jüdischen.Bevölkerung innerhalb des Deutschen Reiches beliefen sich im Jahre 1905 ■ auf 5 963 529 Mark. In Preußen erbrachten die Kirchensteuer . . : der Evangelischen 30 969 921 Mark, die der Katholiken 12 393,224 Mark, während die jüdische Bevölkerung 449.0451 Mark entrichtete. Es sei noch erwähnt, .daß von diesem. Betrag die Summe von 1312 208 Maxk allein auf -die Berliner jüdische Gemeinde entfällt. — In Frankfurt a. O. ist am 25. v. M. der Kommerzienrat Paul Mende im 77.Lebensjahre gestorben. — In Meimbressen (Hessen) ist der Lehrer und Kantor,.Abr. Hammerschlag nach 30.jähriger Amtstätigkeit gestorbey.In Mannheim wurden Rechtsanwalt Dr. A Stern und Kaufmann Wächenheim zu Stadträten, der - Kaufmann W. Fulda zum stellvertretenden Vorsitzenden des Stadtverordnetenkollegiums gewählt. — Dr. C. Levy, dessen Ernennung zum ordentlichen Professor an der Freiburger Universität gemeldet wurde, ist nicht mehr Jude. — In Hagenau ist der. Geheime Medizinglrat Dr./Alexander Levy, ein geborener Berliner, im 77 Lebensjahre, allgemein betrauert/ gestorben. Er/war der älteste deutsche Beamte -in -der. .Stadt. -- In Basel wurde Professor. Dr. Gustav Wolfs, Vorsteher der psychiatrischen Klinik, zum Dekan der. medizinischen. Fakultät für 1909 gewählt..— In Paris ist der > frühere Bankdirektor Heinrich Bamberger, ein Bruder von Ludwig Bamberger, im 83. Lebensjahre gestorben. Seine Gattin war eine Fxeiin Amalie, von Hirsch, Tochter des bayerischen Hosbankiers Josef Freiherrn von Hirsch, und eine Schwester des Barons James Hirsch.— Die „Londoner Gesellschaft zur Verbreitung des Christentums. unter den Juden", die jetzt auf eine 100 jährige Tätig-/ feit zurückblickt, verausgabte in dieser Zeit 60 Millionen Mark für ihre Zwecke.... Es wurde berechnet, das ein Renegat der Gesellschaft 1000 Pfund/Sterling , (20500 Mark) kostet! Die englischen Blätter werfen d,ie Frage auf, ob. es nicht besser wäre, dieses Geld für wohltätige Zwecke auszugeben!. —Wie „Heb Hasmän" aus Wilna meldet, sind 18 jüdische Studenten denen die Ausnahme an den russischen ' Universitäten verweigert wurde, zum Islam übergetreten... Als neugebackene- Mohammedaner stand, ihrer Aufnahme nichts mehr im Wege..—In dem bekannten Prozeß, gegen die beiden Söhne des -/ jüdischen Millionärs Brodsky,. die,während .des Kiewer. Pogroms - auf die Holigans.geschossen und. einen derselben schwer verwundet hatten, wurden die beiden Angeklagten dieser Tage' von . dem . Kiewer. Bezirksgerichtfreigesprochen.- Damit 'Md .glücklicherweise die Befürchtungen beseitigt, daß sogar, -diese .Notwehrhandlungen ' den Juden noch als ' Schuld angerechnet werden könnten. Es