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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-04 · Heft 49 (4.12.1908) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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- r1: Berlin, 4. Dezember 1968. Jänrgätig. Nr. 49. Vetlsgr zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums mm Korrespondenzen und Mchrichtm.! Deutschland. . s. Berlin, 27. November. Im „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" hielt am 24. b. 3JI. Herr Professor Dr. S. Kalischer einen Vortrag über die Wertschätzung der Arbeit in Bibel und Talmud. . Der Redner stellte zunächst dar, welch hohe Bedeutung die Alten dieser zugeschrieben haben, sodann erörterte er, wie sie über das Handwerk und den Ackerbau gedacht, und wie sich . beide Zweige bei den alten Israeliten zu hohem Ansehen entwickelt haben. Ein interessanter Vergleich mit den alten Griechen schloß den Vortrag ab, den wir wohl einen der besten nennen können, die bisher in diesem Verein gehalten wurden. Eine glänzende Beherrschung der Materie, eine echt wissenschaftliche und doch auch . wahrhaft volkstümliche Darstellung, eine edle Begeisterung für Juden und Judentum zeichneten diesen Vortrag aus, der denn auch seitens des zahlreich versammelten Publikums wohlverdienten, reichen Beifall fand. — Aus den auswärtigen Literaturvereinen: In Königsberg in Preußen sprach Ptöfessor Warschauer-Posen über die mittelalterlichen Wanderungen der deutschen Juden nach dem Osten, in Tilsit Dr. Perles-Königsberg über soziale Gerechtigkeit im alten Judentum, in Lautenburg Dr.Gütt mann-Kulm über Judentum und Toleranz, in Zempelburg Kantor Meisel-Danzig über Entwicklung des Synagogengesanges, in Lau enb u rg Dr..Salomo w über jüdische Parlamentarier Deutschlands/ in Kattowitz Dr. Goldmann-Oppeln über das Judengesetz von 1847, in Schönlanke Dr.H.Loewe-Berlin über Palästina, in Eberswalde ' Dr. L. A/Rosenth al-Berlin über die drei Rätselbücher der Menschheit, in Jever Dr. Loewenthal-Hamburg über Salome, Dr. Hirschberg-Berlin über die Bibel in der Musik, in Emden und Eschwege Dr. Manheimer-Oldenburg über Erziehung, Bildung und Charakter einst und jetzt, in Hattingen Dr. Neumark-Duisburg über Schiller und die Bibel, in Mühlheim a.R. Dr. Manheimer über den Talmud, in Marburg Dr. Goldstein-Darmstadt über Judentum und Buddhismus, in Prakel und Hameln derselbe über die Poesie der Bibel, .in Unna Herr Victor Klemperer-Berlin . über Karl Emil Franzos, in Paderborn, Lippstadt und Höxter derselbe über Ludwig Fulda, in Braun schweig Dr. Manheimer über jüdischen Volkscharakter, in Essen derselbe über Hochzeit und Ehe, ferner Generalkonsul v. Hesse-Wartegg über die Juden in. Nordafrika, in Köln Frau Irene Tri esch Biblische Rezitationen, in Fvattksurt am Main Dr. S. Jampel über Keilinschrist und Bibelwort, in Mülhausen im Elsaß Dr. Ginsburger-Sulz über Josel von Rosheim und seine Zeit. . * * * Berlin, 1. Dezember. Am 29. v. M. fand im Verwaltungsgebäude der jüdischen Gemeinde eine außerordentliche Generalversammlung des Vereins Hachnassath Kallah statt. Es handelte sich vorwiegend um einen Antrag auf Aenderung der Statuten, der in der letzten ordentlichen Generalversammlung von der Tagesordnung abgesetzt werden mußte, weil die statutarisch erforderliche Zahl von 50 Mitgliedern nicht anwesend war. Der Vorsitzende des Vereins, Herr Emil Pincus, teilte nach. Eröffnung, der Heutigen Versammlung mit, daß der Gemeindevorstand die Genehmigung des revidierten Statuts in Aussicht gestellt habe, und brächte alsdann die vorgeschlagenen Aenderungen zur Verlesung. 1. Die Unterstützung armer: Bräute soll in Rücksicht auf die veränderten Zeitverhältnisse, von 150 auf 300 Mark erhöht werden. 2. Der Vorstand soll.vvn nun ‘ an aus sieben Mitgliedern bestehen. Stellvertreter, sollen künftighin nicht .gewählt werden, doch, steht dem Vorstand das Kooptationsrecht zu. 3. Die Anwesenheit von 50 Mitgliedern zur Vornahme von Statuten-Aenderungen soll Vorschrift bleiben, nur mit der Modifizierung, daß, wenn die erforderliche Anzahl, nicht, .vorhanden sein sollte,, eine nach , vier Wochen .einzuberufende neue Versammlung in jedem Fälle beschlußfähig ist. . Ein. wesentlicher.Pnnkt des. revidierten Statuts istdaß von jetzt ab Geschenke ohne nähere Bestimmung für die lausenden Ausgaben des Vereins zum Besten der an ihn sich wendenden armen Bräute verwendet werden dürfen. Da der Versammlung 52 Mitglieder beiwohnten, von denen der größte. Teil schon .in der letzten Generalversammlung den obigen Aenderungen zustimmte, stand dem Antrag des Registrators N. Cohn auf deren en bioe-Annahme nichts im Wege und erfolgte einstimmig. «- & Berlin, 30. November. Der Verein „Mädchenhaus. Pankow" hielt gestern seine diesjährige ordentliche Mitgliederversammlung ab. Dieselbe wurde durch Herrn Rechtsanwalt F. Makower eröffnet, der über die Verwaltung im abgelaufenen Geschäftsjahr ausführlich berichtete und zugleich mitteilte, daß der : Versuch, auch schulpflichtige Mädchen aufzunehmen, als ein gelungener zu bezeichnen sei. In der hieran, sich anschließenden Diskussion gab Herr Direktor Grunwald die Anregung, die Zahl der aufzunehmenden, schulpflichtigen Mädchen von 7 auf 12 zu erhöhen. Nachdem hierüber aus der. Mitte der Versammlung verschiedene Vorschläge gemacht worden waren, wurde beschlossen, dem Vorstand zu überlassen. wieviele solche Zöglinge künftig ausgenommen werden sollen. Aus dem Bericht ging ferner hervor, daß das verflossene Jahr insofern große Ausgaben verursachte, als zweimal gröbere Reparaturen und Neubauten an dem Grundstück der Anstalt vorgenommen werden mußten. Es wäre daher zu wünschen, daß im kommenden Jahre mehrere Wohltäter für das Mädchenhaus Pankow sich finden möchten. Alsdann erstattete Herr Otto Pariser . den Kassenbericht ‘ und beantragte, für den Vorstand die Entlastung, die einstimmig er-. folgte. In den hierauf vollzogenen Wahlen wurden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Direktor Grunwald und Rechtsanwalt Makower sowie die Revisoren Otto Pariser und Karl Schiff durch Zuruf wiedergewählt. Im Anschluß an die Generalversammlung fand eine Prämienverteilung an elf frühere Zöglinge für treue Dienste statt, an die Frau Kommerzienrat Eisner eine bemerkenswerte Ansprache, hielt. Gesang und eine kleine- Theateraufführung seitens der Zöglinge bildete den Schluß der Versammlung. s. Berlin, 29. November. Im Krankenhause der jüd ischen Gemeinde Hierselbst hat in der Zeit vom 23. bis 26. November die staatliche Prüfung von sieben dem Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zugehörenden Schülerinnen stattgefunden. Sämtliche sieben Schwestern haben die Prüfung mit dem Prädikat „sehr gut" bestanden. Die staatliche Prüfungskommission besteht aus den Herren Geheimen Regierungs- und Medizinalrat Dr. Wehner sowie den Herren Professoren Dr. Israel und Lazarus. Der Prüfung wohnte die Oberin Fräulein Rose Blau beiwelche Meldung von Schülerinnen im Schwesternheim Auguststraße 17 entgegennimmt. >. M. S... Berlin, 29. November. Die Lehranstalt s ü r d i e Wissenschaft des Judentums beklagt den Heimgang einer hoch, verdienten, edlen Gönnerin. Im ehrwürdigen Alter von 87 Jahren ist ihr Ehrenmitglied, Frau Stadtrat Nanny Meyer, am 25. d. M. verschieden. Ihr Heimgang ruft die Erinnerung an jene Zeiten wach, als Stadtrat Moritz Meyer, ihr verewigter Gatte, im Verein mit Professor Moritz Lazarus die Schöpfung einer jüdischen Hochschule erwog./Denn, was ein allzufrüher Tod dem eifrigen Förderer zu.verwirklichen versagte, die Begründung der Lehranstalt, das hat sie im Sinne des Verklärten zur Vollendung gebrächt. Sö^ ist ihr Name aufs innigste mit der Entstehung, aber, auch mit der fortschreitenden Entwicklung des Instituts verknüpft, das in jedem. . Betracht als ihr Werk gelten kann. Hat doch die Vollendete nicht nur unausgesetzt, die reichste materielle Fürsorge zur Stärkung des anfangs so zarten Organismus bekundet, sondern mit stets wachsender Liebe allezeit, auch positive Mitarbeit zum Gedeihen der Lehranstalt geleistete Ihrem Wirken entsprang das Interesse ihrer Söhnederen einer/ 'Oberregierungsrat Dr. Paul Meyer, der Lehranstalt seit ihrem Bestehen als Kurator seine Kraft weiht. Mehr aber noch als 1 " K , . r -

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