Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 584 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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.., 'mmmmmmmmsmmmmm.._.. unerschöpfliche Quelle des Genusses.- Seine. Hauptbedeutung in der gesamten jüdischen Gelehrtenwelt erlangte er aber, Van .der Seite des seligen-Lektor I. H. Weiß, als Editor- und Kommentator . wichtiger * Werke der althebräischen Literatur und nicht zumwenigsten als Mit-Herausgeber der Zeitschrift „Bet-Talmud". - Mit einer immensen Belesenheit im gesamten rabbinischen -Schrifttum ausgerüstet; mit einer gründlichen Kenntnis! besonders der - Midrasch-Literatur an der Seite Salomon Bubers stehend ünd diesen durch kritischen Sinn und geniale Einfälle noch-übertreffend, lieferte er in seiner Ausgabe des „Sifre" (1864), der ,■ Mechilta“, der ,;Pesikta Rabbati“ (1880), des V;Seder Elijahu rabba“ und ■ „Zuta“ (1900), der „Bo'raittia . Mlecheth hamischkan“ (1908) eine Fülle von Material zur richtigen Würdigung und' Erklärung dieser für die jüdische Altertumskunde und die Religionsgeschichte so wichtigen Schriften. Die beiden letztgenannten Werke.. erschienen im Jahresberichte der Israelitisch - theologischen Lehranstalt zu Wien, deren Lehrkörper er seit der Begründung angehörtei Als: Dozent an derselben hat er auch eine umfassende deutsch - geschriebene'Arbeit über „Onkelos und Akhlas" (1896) in einem Jahresberichte publiziert. Mit dieser stattlichen Reihe auf fleißigen Forschungen' beruhenden selbständigen Püblikätionen ist jedoch sein wissenschaftliches Lebenswerk keineswegs erschöpft. Eine ganze Reihe' überaus wertvoller größerer und kleiner Arbeiten über das rabbinische Schrifttum sind - in den fünf Jahrgängen des „Bei-Ialmud" (1881—1889), in separaten exegetischen: Abhandlungen, in der Zeitschrift V-Rasobiloaeb" und in anderen periodischen Schriften enthalten. Manche dieser Arbeiten, wie z. B. die gediegene und umfassende, überaus aufschlußreiche Einleitung in die Agada (Nethiboth ha-agada) würden es verdienen, durch eine neue separate Ausgabe weiteren Kreisen von Forschern leichter zugänglich. gemacht zu werden. Es kann nicht genug bedauert werden, daß die Zeitschrift „Bet-Talmud", die so viel zum Ruhm des Wiener Bet-Hamidrasch und zur Förderung der Kenntnis der altrabbinischen Literatur 'beigetragen, aus Mangel an Unterstützung eingehen mußte -und daß die im Jahre 1889 geplante Verwandlung derselben ineine Vierteljahrschrift nicht zustande kam. - Lektor Friedmann ist nun aus der Reihe der Lebenden geschieden.' Eine seiner letzten Untersuchungen (tnt „Haschilöach“) hatte die Frage zum Gegenstand: Wann und an 'welcher Stelle wurde zur Zeit Jeremijas der Schrein, der die zw e i Ta fel n enthielt, in die Erde vergraben? r-in -'^2 Nun wird sein eigener Sarg in die Erde versenkt. Die beiden Tafeln aber, auf denen sein ersprießliches. Doppelwerk als Lehrer und als Gelehrter verzeichnet sind, werden zum ewigen Gedächtnis innerhalb der durch die Hochhaltung der hebräischen Literatur sich selbst ehrenden jüdischen Gesamtheit aufbewahrt werden. Grvsnhen rimsLsien über dss Mdrntum. Veröffentlicht von Dr. I. Ziegler-Karlsbad. ■ III. v“J; ~ Der öffentliche Gottesdienst. on christlicher Seite pflegt man unserer Religion den Vor- Wurf zu machen, sie sei nur national und habe die persönliche Saite zu schwach angeschlagen; manche gehen noch (weiter- und behaupten, das Judentum' kenne überhaupt gar keinen Individualismus^ sei sonach gar keineNeligiön, sondern -nur' der, Glaube^an, einennationaten ^Got^-einen:m Fetisch. , Kein gelehrter Jude wird .diesen 1 Vorwurf Hören, ohne gegen-ihn entrüstet zu protestieren. Man denke doch nur an 'die Geschichte der Urväter/ deren; persönlich es Geschick durchaus als ein von Gott geleitetes dargestellt - wird,: in deren Verhältnis zu Gott keine Spur von Nationalismus zu finden ist, man denke an das Gebet des Königs Hiskia vor und nach seiner Krankheit (Jesaias 38), an die verschiedenen Psalmen, die das'persönlichste Religionsgefühl atmen, an das Gebet: Salomos zur Einweihung des Tempels (I. Reg. ,8)--an die Danielsage, um yon der Hinfälligkeit der Anklage überzeugt zu sein. . Mir aber sagt noch mehr mein eigen Herz. Meine Liebe zu Gott ist uneingeschränkt kindlich, persönlich. Wenn meine Seele sich mit Gott, vereint, schwebt ihr nie ein nationaler Gott vor, sondern der Allvater, der da liebet Recht und Gerechtigkeit, der langmütig ist und voll Huld, der Sünde . und Vergehen verzeiht, doch den hartnäckigen Frevler züchtigt und straft. In Krankheit ist mir Gott vor Augen, der, mich erprobt und dessen Erbarmen mich heilt. Im Erfolge danke ich ihm dafür, daß er mir.zur Seite stand. Ich blicke zu ihm auf in Ehrfurcht und Scheu, in Ergebung und Vertrauen, in Demut und Innigkeit. Ich meide die Sünde, die Begierde und strebe nach dem Guten, weil es gottgefällig ist. Ich könnte es beeiden, daß ich mir nie in meinem Leben Gott^ anders gedacht habe als den alliebenden, gerechten Vater und Schöpfer. Sollte mir einer zurufen, das wäre der Einfluß des christlichen Gottesgedankens oder der Philosophie, das sei nicht jüdisch, so gebe ich ihm die Versicherung, daß ich all das —wenn auch in grob menschlicher Form — in ^meinem .Elternhause gelernt habe, in einem Hause, in dem nie .ein „christliches" Buch zu-sehen war, in dem der Vater mit Vorliebe Baobja's „Herzenspflichten" und die Mrrtter die „Zenoreno“ las. Ich habe in meinem Elternhause niemals den nationalen Gott anrufen gehört, nicht einmal als der durch die Verbreitung des Vlutmärchens ausgestachelte christliche Mob — ich kann mich dessen noch dunkel erinnern— alle' Fenster unseres Hauses an einem Passahseste einschlug. Und doch verstehe ich den Vorwurf. Die christliche Welt, kennt das religiöse Seelenleben des Juden gar nicht, ihr ist nur unser Zeremonialgesetz und der öffentliche Gottesdienst bekannt, und unser öffentlicher Gottesdienst ist tatsächlich national. Hier bitte ich Sie, geehrter Herr Rabbiner, mir einige ausführliche Bemerkungen zu gestatten über den öffentlichen Gottesdienst rm allgemeinen. Er ist, so wie ihn Pas Judentum geschaffen und der Kulturwelt gegeben hat, ausschließlich der Gottesdienst der Gesamtheit. Alles, was diese berührt und betrifft, und nur das,Mllt ihn aus. Zog Israel in den Krieg, fehlte Regen dem Boden, wütet? eine Epidemie im Lande, mußte das Volk Tribut zahlen, ins Exil wandern, in allen diesen und ähnlichen Fällen hielt man Bitt- und Bußgebete im öffentlichen Gottesdienste abwie Dank- und Jubelhymnen erklangen, wenn Sieg^und Ruhm dem Volke verliehen ward, weny^der Bauer reiche Ernte heimtrug, die Bewohnerschaft vom Krankheit und Seuche befreit ward. In ' späteren Jahrhunderten schlossen sich diesem wesentlichen Kerne noch das gemeinsame, öffentliche Glaubensbekenntnis cm und die Bekehrung in Form der Thoravorlesungmit darauffolgender Erläuterung. Niemals hat im Judentum der öffentliche Gottesdienst die persönliche Andacht bedeutet. Ich kann mich erinnern-! von Ihnen, geehrter Herr Rabbiner, in einem sehr hübschen Schulvortrage („Allgemeine -Zeitung des Judentums" 1907 Nr. 33. und '34) eine Erklärung über das /Achtzehngebet '..gelesen zü Haben.