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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-04 · Heft 49 (4.12.1908) · p. Seite 582

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
Seite 582 (sequence 6)
Language
German
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IroMW0Zs,Frj.edrich,eiper geborenen Prinzessin von.Schweden, 7 Me Wen jungen . Sohnschön als Knaben dem Dichter vor- Vgestellt' hat. Bei' jeder Anwesenheit in Karlsruhe öder Baden- Baden war Berthold Auerbach oft. Gast der Großherzogin- . Mutter, die in ihren Gesprächen mit ihm alle weltbewegenden Zeitfragen erörterte. Er hat der feinsinnigen Fürstin auch über das Grab . hinaus das treueste Gedenken bewahrt. 'Es warnur zu, natürlich, daß Berthold Auerbach in der Folge dem jungen'Großherzogspaare näher trat. 7 7-. ' Am D2. September 1865,. kurz nach dem Erscheinen seines epochemachenden Romans „Aus der Höhe", schreibt er aus Baden-Baden an seinen Freund: „Ich ward zum Großherzog gerufen und sprach fast zwei Stunden mit ihm, zuerst von seiner Mutter, dann von dem Buche.. Er hat es noch nicht gelesen, aber sich alles von der Großherzogin erzählen llassen . . . Und zwei Tage später berichtet er: „Ich ward zur Großherzogin berufen. Di.e Großherzogin in Trauer" kleidern sieht sehr angegriffen aus, aber durchgeistigt. Sie sagte mir, daß, ehrlich gestanden, ihr . das Bauernleben in meinem Roman bessergefallen hab.e als das Hofleben. Ich suchte ihr das zu erklären. Wir sprachen auch viel von der .Erziehung:-des Erbprinzen(er ist jetzt acht Jahre alt), ich deutete an, daß ich im Plane hätte, , die Geschichte einer 'Prinzenerziehung zu schildern. Sie ermunterte mich dazu. .Sie begleitete mich durchs Vorzimmer, wo der Prinz beim Frühstück .saß; .er stand auf und. gab mir die Hand, ganz so wie damals sein Vater." Vielleicht, ja gewiß sogar hat kaum ein deutsches Herz die schmerzlichen Empfindungen, die das badische Großherzogspaar und insbesondere die Großherzogin Luise während des -Bruderkrieges 1866 bewegten, tiefer mitgefühlt als das des schwäbischen Dichters und deutschen Patrioten Berthold Auerbach, und als am 18. Januar 1871 Großherzog Friedrich von Baden im Versailler Schloß das erste Hoch dem „Kaiser -Wilhelm" ausgebracht hatte, da jubelte er: „Deutsches Reich und Deutscher Kaiser! Das haben wir nun doch!" Wenige Monate später, als die Segnungen des Friedens das deutsche Vaterland wieder beglückten, hat der Großherzog von Baden nach dem Beispiele seines kaiserlichen Schwiegervaters und seines Schwagers, des Herzogs Ernst von Sachsen-Koburg- Gotha, ihn durch Verleihung seines Hausordens ausgezeichnet. . - . Als in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre jene Gehässigkeit gegen die Juden in der Reichshauptstadt sich zu regen begann, die der deutsche Kronprinz als die „Schmach des Jahrhunderts" brandmarkte, und bte das sonnige, heitere Gemüt Berthold Auerbachs so tief verdüsterte, bildete jede Begegnung mit dem badischen' Großherzogspaare eine doppelt freundliche Oase in seinem Leben. Der Herbst des Jahres 1879 fesselte Berthold Auerbach für Monate an Karlsruhe, und dieser Aufenthalt befestigte noch sein Verhältnis zu dem Großherzogspaare. Im Rathaussaale per badischen Residenz, aus der er 52 Jahre früher wegen, mangelnden Nachweises . seiner Substistenzmittel hatte .ausgewiesen werden sollen, hielt er am. 19. November 1879 einen Vortrag über Lenau zum Besten des Frauenvereins, der ureigensten Schöpfung der Großherzogin, und der warme Dank des ihm so gütig gesinnten Fürstenstammes war sein herrlichster Lohn. Zwei Wochen später beging die Großherzogin ihren 41. Geburtstag. Der Dichter von „Barfüßele" übersandte ihr die „Barfüßele"-Statuette von Lauer. . 1) der jetzige Grpßherzog, geboren 1857/ „Sie haben mir eine' Freude machen wollen, und -Sie $ haben mir eine große, sehr große Freude gemocht," lautete der Dank der alten Fürstin mit herzlichem Händedruck. Bei der Abschiedsaudienz am 17. Dezember sprach ihm ' das Fürstenpaar gleichermaßen seine Dankbarkeit ans,was er ihnen in diesen letzten Monaten gewesen und waS er ihnen hoffentlich noch fein würde. Noch hatte der Dichter Gelegenheit, dem 1 ochverehrten ' Großherzogspaare am 25. März 1881 in Berlin anläßlich dev Verlobung der einzigen Tochter seine Glückwünsche aüssprechen zu dürfen, und hieran schloß sich jene Unterredung mit. der Kaiserin Augusta und der Großherzogin Luise, bei welcher keiner der Beteiligten ahnte, daß es die letzte hienieden sein sollte! Berthold Auerbach berichtet darüber seinem Freunde: „Ich legte nun dar, wie tief ich im Gemüte gestört sei durch die Judenhetze; es ist kein Geringes, daß man sich sagen lassen muß, man gehöre nicht zu den Deutschen und sei ohne Vaterland. Das muß ich noch miterleben, der ich bereits sect'.sund-, vierzig Jahre nach bester Kraft für das deutsche Voll arbeite und im Patriotismus niemand nach stehe. — Das wurde mir bestätigt, und die Großherzogin sagte: „Glauben Sie mir, diese häßliche Sache ist nur in Berlin." „Und auch hier ist sie nur vorübergehend," fiel die Kaiserin . ein' und wiederholte, wie unablässig wohltätig sich die Juden bewähren, und er solle sich nur beruhigen, es würde sich alles wieder schön ausgleichen. „Die Großherzogin erzählte mir," fährt er fort, „daß sie nnd der Großherzog meiner gedachten, und wenn ihnen etwas begegnete, oft sagten: „Da solliß der Auerbach dabei sein, er muß es wissen." Am 4. August empfing Berthold Auerbach noch den letzten Besuch des Großherzogs m St. Moritz, der sich sehr besorgt um seine Gesundheit zeigte, ihm rjet, den Herbst in Baden- Baden zuzubringen und auf.des Dichters siebzigsten Geburtstag hinwies. Die deutsche Nation, insbesondere seine Glaubensgenossen, ja die gesamte gebildete Welt hätte gehofft, diesen Festtag freudig zu begehen, doch „es hat nicht sollen sein." Am 8. Februar 1882 hauchte Berthold Auerbach zu Cannes, wo er vergebens Genesung gesucht hatte, seine edle Seele aus, und als er am 15. Februar in seiner Heimat Nordstetten, wie er Jahrzehnte zuvor schon verfügt hatte, an den Gräbern seiner Eltern seine letzte Ruhestätte fand, da sandte das badische. Großherzogspaar seinen Vertreter und ließ herrliche Ehrenkränze auf den frischen Hügel des Dichterfreundes niederlegen. Die Pflicht der Tochter hat Großherzogin Luise von Baden stets in wahrhaft idealer Weise erfüllt, und ihr Gemahl hat diese wenigstens in der Gesinnung eines Sohnes bis zum Ende des ersten deutschen Kaiserpaares geteilt. Mit der erlauchten Mutter fühlte sich die zärtliche Tochter in innigster Harmonie eins, da sie deren Bestrebungen und Lebensziele verstand und teilte, ihrem Vorbilde und Beispiele nacheiferte. Bei jedesmaligem Aufenthalte in Berlin besuchte die Großherzogin mit ihrer hohen Mutter die unter deren Schutz stehenden Vereine und Wohlsahrtseinrichtungen und insbesondere häufig die Volksküchen. Es war nur zu natürlich, daß die liebenswürdige Großherzogin auch der Begründerin der Berliner Volksküchen, Frau LinaMorgenstern, näher trat. Bei fast jedem Besuche in Berlin wurde diese in das Palais entboten, und die unermüdlich tatkräftige Fürstin verschaffte sich in eingehendster Weise von allem, was von Frauen für Frauen in der Reichshauptstadt geschaffen und geleistet würde, Kenntnis. Alle Errungenschaften und Fortschritte für Frauenwohl, die sie in der alten Heimat kennen lernte, war die. Großherzogin alsdann bemüht, ihrem geliebten Baden nutzbar zu machen. In

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