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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-04 · Heft 49 (4.12.1908) · p. Seite 581

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
Seite 581 (sequence 5)
Language
German
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- hofiert bewilligt. Für die Letztgenannte Vorlage tritt besonders?^B^chtSanwaÜ-.'Dr?E aW'^ ein nnd plädiert eingehend für den Umbau - iber? Wochentagssynagoge in deb Rhkestraße. Für den Zeichenunter» ' richt in den Klassen^3a.'ünd'3d der Mädchenschule wird eine zweite Lehrkraft bewilligt,, ebenso die Kosten für die Michael Sachs-Feier in Höhe von 506 Mark, die Kosten für die Teilung einer Klasse in der ' Religionsschule Weißensee. Zur Vorlage der Ausführung einer - Wüste für Abraham Geiger wird ein Schreiben von Geheimrat Geiger vorgelegt,, der. die Herstellung eines Bronzereliefs empfiehlt, ' da keiner' der lebenden Künstler Abraham Geiger gekannt habe und . ' es deshalb sehr' schwer, wenn nicht geradezu unmöglich sein würde . eine wirklich ähnliche Büste zu bilden. Der Gemeindevorstand ist dagegen der Ansicht, daß es wohl möglich sein dürfte, nach einer guten Photographie auch eine gute Büste zu schaffen. — Dem Synagogenverein Osten wurde auch für das Jahr 1908/09 eine Subvention von 1500 Mark, dem Religionsverein Rixdorf für die Zeit - vom' 1. Oktober 1907 bis' 31. März 1908 nachträglich eine Extrasubvention von 600 Mark und für eine zweite Lehrkraft eine solche von 150- Mark zugesprochen. Ein Antrag von Mitgliedern der Versammlung betreffend das Verfahren bei Probepredigten wurde in die geheime Sitzung verwiesen, in der dieser Antrag zu .-eingehendster Diskussion Veranlassung gab. Die Grohher?ogm Lutte von Laden. Zu ihrem 70. Geburtstage. Von ReginaN e i s s er. iri der Familie ein teures Glied, eine verehrüngs- , Vv würdige Frau ihr siebzigstes Lebensjahr vollendet, wird man sich gern ihr Bild lebhaft vor Augen führen und sich all des Guten klär bewußt werden, das von ihr ausgegangen ist. Um wie Viel mehr wird dies bei einer Frau der Fall sein, deren Leben ein Quell des reichsten Segens für ihr Geschlecht und somit, für die Gesamtheit ist. Herbes Leid ist der Frau, die unter den Fürstinnen ihrer Zeit eine so bevorzugte Stellung einnimmt, nicht erspart geblieben, aber gerade in allen trüben Tagen hat sie sich auf das trefflichste bewährt als musterhafte Fürstin, wie als Gattin, Mutter, Tochter und Schwester. Durch ihre Persönlichkeit ist es der Großherzogin stets gelungen, sich nicht nur-bei ihren Mitschwestern und Gesinnungsgenossinnen, sondern in den ' weitesten Kreisen, die sie näher kennen, unbedingtes Vertrauen zu erwerben. Dazu trägt die Anmut ihres Wesens, die Grazie ihres Geistes, die Teilnahme, die sich in allen ihren Aeußerungen kundgibt, nicht wenig bei. Man hat stets das Gefühl und den Eindruck, daß sie ihre eigene aus dem Herzen kommende Ueberzeugung ausspricht. Dabei verbindet sie in ihrem Verhalten Würde, Liebenswürdigkeit, Willenskraft, Pflichttreue und Selbstbeherrschung. Die Tochter des Heldenkäisers, der selbst auf dem Sterbebette noch nicht Zeit hatte, müde zu sein, und der Schülerin Goethes, die „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut" und „Die Pflicht.ist das Erhabenste und Treue die erste Pflicht" zur Richtschnur ihres Lebens gemacht hatte, besitzt hohe Willenskraft, gepaart mit ungewöhnlicher Herzenswärme. Ihre hohe Auffassung des landesmütterlichen Berufes läßt sie seit einem halben Jahrhundert alle ihre Bemühungen den Werken reinster Menschenliebe zuwenden und zeitigte jene ausgedehnte Wirksamkeit züm Wöhle der badischen Frauenwelt und somit des ganzen badischen Volkes, die. ihr für alle Zeiten unvergessen bleiben wird und durch die sie sich selbst das dauerndste Denkmal geschaffen hat. ..Die Einsicht und Ausdauer, mit. der die junge Landes- Not steüerte'und zugleich die Hebung dcr Fraüenbildung und Veredelung des Familienlebens im ganzen Lande anstrebte, war von Anbeginn ihres. öffentlichen Wirkens unübertrefflich. Der Großherzogin Luise von Baden, ist das selten hohe Glück zuteil geworden, mit ihrem trefflichen Gatten länger als ein halbes Jahrhundert in wahrhaft idealer Ehe zu leben, und als der treue Lebensgefährte am 28. September 1807 von dieser Erde schied, konnte sie mit dem Dichter sagen: „Nun hast du mir den ersten Schmerz getan!" Die Häuslichkeit, welche die Großherzogin ihrem Gatten gründen half, wurde ein Muster für alle, die fürstliche Ehe eine Segensquelle für das badische Volk und Land. Der Erziehung der drei Kinder wurde der Ernst und die Liebe gewidmet, deren die Jugend so sehr bedarf, und auch hierin wurde das fürstliche Elternpaar vorbildlich. Wie in den meisten Familien, so wechselte auch in der des Großherzogspaares Freud und Leid. Glücklichen Ereignissen folgten die schweren Schicksalsschläge des schmerzensreichen Jahres 1888. Die Trauer der fürstlichen Eltern um den geliebten Sohn ergoß sich in Werken der Barmherzigkeit. Das Krankenheim des Fräuenvereins; zu Karlsruhe und das Ludwig-Wilhelms-Pflegehaus in Baden- Baden gewährten den Stiftern nach den Worten des Großherzogs „reichen Trost in der Liebe und Fürsorge für andere". Damals schrieb die Großherzogin: „In dem immer ärmer gewordenen Leben soll mir der dreifach durchkämpfte Schmerz zu einer Kraft werden, nur um so mehr zu streben, . Liebe zu üben und anderer Not zu lindern." Und mit: unermüdlicher Op erwilligkeit und Pflichttreue weihte sie fortan in noch erhöhtem Maße ihre Kraft ihrem Lebenswerke. In den Wissenschaften und Künsten hat das Großherzogpaar zu allen Zeiten Segensmächte der Geistesbildung erkannt; Liebe und Vertrauen herrschte stets zwischen dem Fürstenpaare, das kein Vorurteil kannte und wahre Tüchtigkeit allerorten zu schätzen wußte,, und dem Volke. So war auch. Baden das Eldorado der Juden geworden. Schon 1868 war. ein Israelit, Moritz Ellstätter, zum Finanzminister ernannt wordender dann fünfundzwanzig Jahre trefflich seines Amtes waltete. Noch weiter zurück datieren die Beziehungen des Großherzogpaares und insbesondere der Großherzogin Luise, zu Berthold Auerbach. Wir verdanken diesem selbst in seinen Briefen an seinen Vetter Jakob Auerbach, die sein, reiches inneres und äußeres. Leben so . getreulich widerspiegeln, ungemein wertvolle Mitteilungen hierüber.. „M syI der Richter mit dem Fürsten gehen." Als Berthold Auerbach im Jahre 1860 Berlin zu seinem Wohnorte wählte, wurde er schon damals wiederholt zu den berühmten Teeabenden der Prinzessin von Preußen befohlen, wo er im engeren Kreise der königlichen Familie seine Erzählungen vorlessn durfte. Die Königin von Preußen und die erste Kaiserin des neuen deutschen Reiches wie das Kronprinzenpaar haben Berthold Auerbach bis zu seinem Heimgange unentwegt ein gleichermaßen reges Interesse bewährt, und König Wilhelm I. hat namentlich in den ersten Jahren seiner Regierung die Vorlesungen, .von „Edelweiß", „Joseph im Schnee" und anderen Schöpfungen . des Dichters mit warmer Anteilnahme begleitet. Am 17. Juni 1861 berichtet Berthold Auerbach seinem Herzensfreunde: „Vergangenen Freitag ließ mich die Königin rufen, um mir vor ihrer Reise Lebewohl zu sagen. Sie war überaus liebenswürdig, und ich mußte ihr versprechen,' aus meiner Schweizerreife auch nach Baden zu kommen, da die Großherzogin mich kennen lernen will." ' Bekanntlich hatte Berthold Auerbach eine'große Vorliebe für das badische Land und Volk und weilte oft zu längerem oder kürzerem Aufenthalte dort. . So war er schon. Jahrzehnte lang in sehr fteündschastlichen Beziehungen zu der Mutter des

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