Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 580 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Hettockmön, welche, wie der . Referent Herr. Weinberg mit Rech t [ hervorhebt, noch späten Geschlechtern zum Segen ge- - reichen wird. Der Wert des . Nachlasses beläuft sich nach bisheriger Schätzung auf zirka 480000 Mark. Auf die jüdische Gemeinde würden etwa 240 000 Mark entfallen. Nach Abzug der Verwaltungskosten der Stiftung 'soll der Rest des Zinsertrages verwendet■/ werden zur einen Halste, um daraus mittellosen, jüdischen Zöglingen technischer o-er gewerblicher Anstalten Beihilfen zu gewähren, zur anderen Hälfte für die Zwecke der zu Berlin bestehenden Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums nach Maßgabe der Bestimmung des Kuratoriums dieser Anstalt, das auch berechtigt sein soll, darauf nach seinem, Ermessen Stipendien an bedürftige Studierende der Anstalt zu. verteilen. Sollte die Lehranstalt zu existieren aufhören, so soll ' der für sie bestimmte Betrag zur Unterstützung bedürftiger jüdischer . Studierender der hiesigen Universität verwendet werden, namentlich solcher, welche sich der jüdischen Theologie widmen. Zu'diesen, beiden Zwecken sollen zwei Drittel der Stiftung verwendet werden- und daraus eine, vom Gemeindevorstand zu verwaltende Stiftung unter dem Namen Dr.- Bernhard Weiß-Stiftung, zum-Andenken .an den verstorbenen Vater des Erblassers errichtet werden. Vom dritten Drittel des Erbteils,, welches in die Dr. Bernhard Weiß- Stiftung nicht einbezogen wird, ist ein Viertel der Altersversorgungsqnstalt unserer Gemeinde, ein Achtel dem Lehrlingsheim in Pankow und ein Achtel dem Berliner Ashlverein für Obdachlose zuzuwenden. Ueber den Rest dieses Drittels steht der jüdischen Gemeinde freie Verfügung zu. Die Auswahl der Stipendiaten und der Umfang der Unterstützung soll durch Beschluß eines Kollegiums erfolgen, das aus dem jedesmaligen Vorsitzenden der Repräsentanten-Verfammlung. dem jedesmaligen Vorsitzenden des Kuratoriums der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums und einer dritten vom Gemeindevorstande aus den direkten männlichen großjährigen Nachkommen des Dr. Bernhard Weiß zu. wählenden Person bestehen soll. Laut Beschluß der heutigen Repräsentanten-Versammlung wird der Gemeindevorftand aufgefordert, über die Verwendung der zirka 40000 Mark, worüber ihm freie Verfügung zusteht, eine besondere Vorlage zu machen. — Das Gutachten der Herren Rabbiner in Sachen der Anstellung jüdischer Organisten wird von öer Tagesordnung abgesetzt. — Die Wahl der turnusmäßig ausscheidenden Genieinde-Aeltesten und Stellvertreter an Stelle der Herren Julius Jacoby, Kommerzienrat Heinrich Eisner, Justizrat Timendorfer> ^)r. Wilhelm Feilch'enfeld und Salomon Seligsohn ergab die einstimmige Wiederwahl der Genannten. — Zu längerer Debatte gab alsdann der Antrag Weinberg Veranlassung betreffend Errichtung von Synagogen im Nordwesten und Südosten Berlins. In sehr eingehender Dar. legung begründete der Antragsteller den Antrag. Er erkannte voll und ganz an, daß der Gemeindevorstand in Gemeinschaft mit den Repräsentanten, nach Kräften für den Religionsunterricht und für die Ausgestaltung und stetige Vermehrung der sestgottesdienstlichen Veranstaltungen eingetreten sind und die notwendigen Einrichtungen getroffen haben, hob dagegen mit Nachdruck hervor, daß der Gemeindevorstand trotz mehrfachen Drängens der Nepräsentanten-Versammlung nicht dery vorhandenen und auch vorn Vorstand-unerkannten Bedürfnis nach Errichtung von Synagogen entsprochen habe.. Er wies darauf hin,, wie er bereits vor 20 Jahren in einem an die Gemeindemitglieder versandten Zirkular auf die Synagogerr-Not aufmerksam gemacht, hat,.und -gab den ziffernmäßigen Beweis, daß Synagogen.sowohl im Südosten wie im Nordwesten.. dringend erforderlich seien. . Stadtteilewie die genannten, mit etwa 10 000 Seelen dürfen nicht ohne Synagoge sein. Es ckann keinem Zweifel, unterliegen, so zitierte er, nach einem von Dr.-Äreund im/Auftrage des Gemeindevorstandes verfaßten Bericht, daß es/zü den' wichtigsten und dringendsten .Aufgaben , der - jüdischen Gemeinde gehört,: für ausreichende Gelegenheit zur-.Befriedigung des gottesdienstlichen Bedürfnisses ihrer Mitglieder Sorge. zu tragen. Ganz abgesehen von dem an sich , durchaus . nicht unwesentlichen Moment, daß die Mitglieder ein .gewisses. R echt haben,... als .Aequi-i valent -für ihre. Steuerleistung zu fordern,-daß ihnen -die Teilnahme an einem Gemeindegottesdienst ermöglicht. werde,, ist. bei der Beurteilung' der vorliegenden Frage vor allem nicht außer Betracht zu lassen,'; die /ebenso betrübliche wie unbestreitbare Tatsachedaß für einen nicht, unerheblichen:. Teil, HerGemeindenptglieder Besuch des Gottesdienstes an den Hohen.Festtagen/das: .wichtigste,? vielfach sogar das einzige Band darstellt, , welches sie noch? mft? dem Judentum verbindet. Die Teilnahme an dem Gottesdienst, den die Gemeinde, veranstaltet, ist für sie der sichtbare .Ausdruck ihrer Zugehörigkeit zu der letzteren und gleichzeitig der lebendige Quell ihres jüdisch-religiösen Gefühls. Zerschneidet man dieses letzte BandverL stopft .man diesen Quell religiöser Verjüngung, .'so . schafft man .-die Voraussetzung für die gänzliche Loslösung zahlreicher Elemente von dem Judentum. Wie. vom Gemeindevorftand-betont worden sei,' biete auch die finanzielle Seite keinerlei Schwierigkeiten. Der Vorstand solle deshalb die Notwendigkeit der Errichtung von Synagogen' im Nordwesten und Südosten . Berlins anerkennen, und . geeignete Vorschläge hierzu machen. Vom Gemeindevorstand erklärte der Dezernent Herr Netter außerstande zu sein, im Namen des Vorstandes den Antrag zu beantworten. Er betonte nur, daß wenn auch ein Bedürfnis für die Errichtung von Synagogen in einzelnen Stadtteilen anerkannt werden müsse, dieses doch nicht so bedeutend sei, um sofort an den Bau von Synagogen heranzügehen. Wenn dem Bedürfnis auf Grund der vom Vorredner gegebenen Zahlen Rechnung getragen werden sollte, so müßten noch ungefähr acht Synagogen errichtet werden. Es sei. ein Ding der Ünmöglichkeit, auch nur zwei Synagogen gleichzeitig zu errichten; die Schwierigkeiten, die dem Bau der Synagoge Fafanenstraße bisher entgegenstanden, seien erst jetzt im wesentlichen gehoben, und es sei begründete. Aussicht vorhanden, daß in allernächster Zeit. d. h. im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden könne. Bei der Geschäftslage der Gemeindebehörde sei es ausgeschlossen, schon jetzt den Bau einer zweiten Synagoge zu" veranlassen, bevor die genannte Synagoge unter Dach sei. Das Bedürfnis an sich nach fernerer Errichtung von Synagogen sei mehrfach vom Gemeindevorstand anerkannt worden. Prof. Bla sch ke beantragte, die Vorlage -dem Ausschuß III zur Vorberatung zu. überweisen, der die Geschäftslage des Gemeindevorstandes und die Finanzlage eingehend prüfen soll. Nach seiner -Meinung müssen die Äörberatungon zu einer solchen Vorlage bereits völlig fertig sein, wenn der Zeitpunkt gekommen sei, ' nn dem der Bau begonnen werden könne. Herr Willibald Löwen-, thal schließt sich dem Anträge der beiden Vorredner an und erhebt den schweren Vorwurf gegen den Gemeindevorstand, daß er der Entwicklung der Stadt nicht Rechnung trage und so, wie bisher, auch in diesem Falle nachhinke. Im Nordwesten Berlins sei ein großer Fehler gemacht-worden, daß nicht schon längst ein Terrain für eine Synagoge erworben worden sei, wenn der Vorstand sich auch jetzt noch besinne, bis auch dieser Stadtteil wieder völlig ausgebaut worden sei, so komme man wieder, zu spcit.. Es sei. also dringend erforderlich, hier Vorsorge zu treffen. ..Rechtsanwalt Dr. Cohn verweist auf die mehrfachen ^Beschlüssi' der.Repräsentantenversammlung in dieser Angelegenheit und hebt mit Nachdruck hervor,' daß man Heute noch nicht einen Schritt weiter', sei als /vor zwei Jahren, wö bereits die Notwendigkeit der Errichtung einer.Nordwestsynägoge anerkannt worden sei. Die Vorlage wurde darauf einstimmig dem Ausschuß überwiesen. — In die Kommission zur Unterstützung durchreisender Juden..wurde Herr Max ".Stern, in die Kommission für die festgottesdienstlichen.und musikalischen Angelegenheiten Professor Kalischer gewählt, dieausscheidenden Mitglieder der Friedhofs-' kommisfion wurden sämtlich'wiedergewählt. Die Versammlung erklärt sich alsdann einverstanden mit dev. Einverleibüng der Ortschaft Nikolassee in Hen..SyflaLogMbe^rxk...>.Der Rechnungsabschluß des Hospitals ergibt einen Minderverbrauch von' etwa 7800 Mark und' wird genehmigt. Auch der Konstananschlag für den Erweiterungsbau des .ersten Verwaltungsgebäudes im Betrage von 320.000 Mark wird' gut geheißen. Formell erhebt nur Herr Dr.. Ginsber'g Einspruch, indem er daraufhinweist, daß . der Gemeindevorstand sich über einem Beschluß der Repräsentantenversammlüng. betreffs der Gemeinde-. bihliothek.einfach hinweggesetzt habe." Auf "Anfrage von Professor Kabischer wird, bestätigt, daß das Gsssamtärchiv der deutschen Juden. ebenfalls.- im. Verwaltungsgebäude' untergebracht werden Wird. Zur Vornahme von .Reparaturen^, im. .Reichenhei.mschen Waisenhause,in... der ' Mädchenschule". und. yöu " baulichen ' "Veränderungen in der Synagoge Rykestraße werden die. erforderlichen ■rl"»