Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 49 (4.12.1908)
- Date
- 1908-12-04
- Page
- Seite 579 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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5. . Gin alter Freund unseres Blattes, Reverend Luchs in New- Orleans, serldet uns den nachfolgenden Brief des Präsidenten Roosevelt in deutscher Uebertragung, der in Amerika eine große Aufregung, hervorgerufen hat. Diese „Haspel of Liberty“ verdient es in der Tat, in allen Sprachen gelesen und beherzigt zu werden. Roosevelts Aeußerungen kamen im richtigen Momente zur Welt, und Haben in Amerika zur Klärung der Situation beigetragen. Der Brief ist an I. C. Martin in Dahton, £)., gerichtet und lautet im Auszuge wie folgt: „6. November 1908. Werter Herr! Ich habe Ihren Brief erhalten, in dem es unter anderem heißt: Freilich wird fast allgemein behauptet, Religion solle nichts mit der Politik zu tun haben, so. kann man doch nicht in Abrede stellen, daß dies der Fall ist, und daß die große Masse der Stimmgeber, welche Nicht-Katholiken sind, niemanden, der sich tun ein Amt bewirbt, besonders um das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, unterstützt, der römisch-katholisch ist. Seit Tafts Nomination wird fortwährend behauptet, er' sei ein Ungläubiger (Unitarier) und feine Frau und sein Bruder römisch-katholisch. Falls er mit der katholischen Kirche sympathisiert, so würde das für so viele unan genehm sein, daß sie seine Niederlage herbeiführen könnten. Aus der änderen Seite' würde er ebenfalls geschlagen werden, wenn er ein Ungläubiger wäre. Ich schreibe diesen Brief aus dem einzigen Grunde, um Herrn Taft Gelegenheit zu geben, die Welt wissen zu lassen, was sein religiöses Glaubensbekenntnis ist. Ich habe viele derartige' Briefe erhalten und sie während der Kampagne nicht beantwortet, weil ich es für eine Schmach hielt, mit einer solchen Frage zu agitieren zu dem Zwecke, die Wahl zu beeinflussen. Doch jetzt ist die Kampagne vorüber und es ist Gelegenheit vorhanden, zu untersuchen, wohin Vorschläge, wie Sie sie machen, führen würden. Sie bitten darum, Herr Taft solle die Welt wissen lassen, was er glaube. Düs ist durchaus feine Privatsache, eine Angelegenheit zwischen ihm und seinem Schöpfer, eine Gewissenssache. Würde sein Glaubensbekenntnis dazu benutzt, ihm politisch zn schaden, so wäre das eine Verletzung der ersten Prinzipien unserer Regierung, welche vollständige Religionsfreiheit garantiert. Herr Taft hat mich in Vieser Beziehung nie um Rat gefragt, wenn er es getan hätte, würde ich ihm energisch davon abgeraten haben, öffentlich zu erklären, zu welcher Kirche er gehören Wenn verlangt wird, daß ein Kandidat sein religiöses Glaubensbekenntnis öffentlich bekanntgibt, so kann dies nur einen Zweck haben, nämlich Diskrimination zu üben. Diskcimination gegen die Anhänger eines Glaubens bedeutet Diskrimination' gegen Andersgläubige. Düs unvermeidliche Resultat solcher Praktiken würde ein Ausgeben unserer wahren Gewissens freiheit sein und einen Rückschritt zu den fürchterlichen Zustanden religiöser Streitereien bedeuten, welche in so vielen Ländern den Untergang wahrer Freiheit, wahrer Religion und aller Zivilisation herbeigesührt haben. '■ DiskriMination gegen einen durchaus ehrenhaften Bürger wegen seiner Zugehörigkeit zN einer bestimmten Kirche oder deshalb, weil er wie Abraham Lincoln keiner bestimmten Kirche angehörte, ist ein Verbrechen gegen jene Gewissensfreiheit, .welche eines der Fundamente des amerikanischen Lebens ist. Soweit mit Bezug auf Herrn Taft) Weil er ein Unitarier ist. Jetzt kommen wir zu Ihrer Opposition gegen ihn, weil Sie glauben, seine Frau und sein Bruder seien Katholiken. Zufällig sind sie's nicht, aber wenn siäs wären odev wenn er selbst Katholik wäre, so sollte das niemand abhalten, ihn für das Amt des Präsidenten zü unterstützen. Sie sagen, baß die große Masse der Wähler, die Nicht- Katholiken sind. keinen Katholiken, für ein Amt, besonders nicht für bas Präsidentenamt unterstützen würden. Ich glaube, daß Sie durch eine solche Grklärung Ihre Ländsleute in gemeiner Weiseverleumden. Ich glaube, daß keine' große Zahl unserer Bürger durch solch eng^ herzige Bigotterie beeinflußt werden kann. Derartiges sollte nie' als ein Gründ für oder gegen die Unterstützung eines Kandidaten angesehen' werden. Wissen Sie, 'daß' es jetzt mehrere Staaten in der Union gibt, deren' Bewohner - sich in der Mehrzahl aus Katholiken zusammen setzen? Ich würde - die' Katholiken jener-Staaten ganz gehörig verurteilen, falls sie sich weigerten, für einen Kandidaten zu stimmen, weil er zufällig Protestant ist, falls er der beste Kandidat ist. Und ebenso scharf würde ich im umgekehrten Falles die Protestanten verurteilen. Es gewährt Mit Genugtuung, sagenzu können, daß in vielen Fällen MänUer gewählt und immer wieder' gewählt wurden, wo die Majorität der Stimmgeber in religiöser Beziehunganders dachten als sie. Ich kenne Katholiken, welche seit Jahren Bürger vertreten haben, welche sich zum größten Teil aus Protestanten zusammensetzten Und umgekehrt. Unter den Kongreß- ' Abgeordneten, die ich kenne, war ein-Jude, der von einem Distrikt kam,- wo es fast gar keine Juden gab. Alle diese Männer sind' Beweis dafür, daß Sie Ihre amerikanischen Mitbürger verleumdet haben durch das, was Sie behaupten. ' - Ich glaübe, daß diese Republik viele Jahrhunderte existieren wird. Wenn dies der Fall ist, so werden zweifellos unter ihr'en Präsidenten viele Protestanten und Katholiken sein und wahrschein' lich auch Juden. Während meiner Amtszeit habe ich meirken katholischen Landsleuten gegenüber'so gehandelt, wie-ich hoffe/daß ein zukünftiger Präsident, der Katholik ist, gegen Prokestanken' handeln wird. Hätte ich anders gehandelt, so würde ich von Mir gedacht haben, ich sei unwürdig, das amerikanische Volk zu vertreten. In meinem Kabinett sitzen zurzeit Katholiken und Protestanten' Christen und Juden, und jeder von ihnen wurde ernannt, weil-er nach meinem Dafürhalten sich besonders für den Posten eignete, für den ich ihn ernannte. In keinem Falle hat seine Religion etwas mit der Ausübung seiner Pflicht zu tun, ausgenommen, daß sie' ihn vielleicht veranlaßt, allen gegenüber so gerecht als nur möglich zu handeln. Dasselbe Prinzip, das bei der Ernennung'Vieser Männer obwaltete, der höchsten Beamten unter mir, der Beamten, denen die Durchführung der wichtigen Politik meiner Administration obliegt sollte Vorherrschen bei der Wahl oder Ernennung aller Beamten' im Lande, vom höchsten bis zum niedrigsten. Ergebenst - ge3. Theodore Roosevel-t." flus drr Lrrttner Gemeinde. s. Berlin, 29. November, n der heutigen R e p r ä s e n t a nt e n v e r s a m l u n g berichtete zu- - M nächst der Vorsitzende Louis Sachs zum' geschäftlichen Teil- ^daß der Gemeindevorstand itt die gemischte Kommission' -züv Vorberatung der liberalen und konservativen Petition die -Herrew Kommerzienrat Eisner und Justizrat Timen vorfer entfündk hat.- Der Gemeindevorstand hat ferner-seine Zustimmung - gegeben,- im\ Januar und Juli der Repräsentantenversammlung eine Ausstellungder erledigten und unerledigten Beschlüffe zUgeheN zu lassen. MM dann gelangten eine Reihe von' Zuwendungen zur Annahme:- des Herrn Dr. rng. Georg I. Meyer im Betrage von 12000?Mar( an die? Altersversorgungsanstalt, des Fräulein Therese Meyerowirz- (600 Mark) -und Frau Minna Burg (4000 Mark) zu Grabeserhaltungszwecken, der Frau Dr. Fr ä n k a M r n den geborene Js aac im Betrage von 12000 ^Mavk zur Begründung- .einer Leopold und Henriette Jsaac-StistMg in der- Altersversorgung^ anstatt,- des verstorbenen Rentiers L^ouäs'- Si.mo.n..im^Betrage Von 6000 Mark mit der Auflage^ düs Grab des .Erblassers in ordentlichem Zustande zü erhalten UNdlden .Zinsüberfchutz unter dis Armen zuverteilen, ferner im'-Betrage von -50.00: MnÄ zNr Unterstützung würdiger Zöglinge der PräparandenänstaA Kes jüdischen ^Lehrerseminars, der Frau Johanna SteinMiaH MMßlich ihres- 80. Geburtstages Lm. Betrage von 10 000 .Mdrk^uv'KrrrchtuNg einer Eduard? Steiüthal-Stiftüng fürdie Mäunernbteilüng -..d.eI jüdischen - Hospitals und - des Herrn Leopold. Steinthül. nnd.^ -seiÄe.t Geschwister -im -Betrage -von- 1Ü000 MarL zur Errichtung deiner Joh annd - Steinthal. geborene G oldstein'Stistmrgffür. ./die: .Frau emk Abteilungdes Hospitals. - Schließlich? wird; .noch.--einehvchHsrMe Stiftung deS -verstorbenen Rentiers -Ävn old/. M^rß mmm MMM