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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-12-04 · Heft 49 (4.12.1908) · p. Seite 578

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 49 (4.12.1908)
Date
1908-12-04
Page
Seite 578 (sequence 2)
Language
German
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MWWWW -7 /■ b» Negierungskarriere verschlossen bleibt, oder sie Doch'-bei der., ersten Stufe hängen bleiben. ‘ f. Es kann uns Indem natürlicherweise nicht etwa daran liegen, daß der eine oder., andere unserer Mitbürger Offizier, RegierungsraL usw.wird, sondern das, worauf es uns ankochmt, K die praktische volle Durchführung des Prinzipes u-nserer-vollen Gkeichberechtigung mit den Staatsbürgern nichtjüdischen Glaubens. Und solange dies nicht geschieht, nicht durch Tatsachen klar erweislich ist, müssen und werden wir immer von neuem, unsere. Stimme erheben und Gerechtigkeitunser Recht verlangen. Wir find dabei auf die energische Hilfe und . Unterstützung' älter jener Politischen Faktoren angewiesen, denen Gerechtigkeit und Staatsgrundgesetz nicht leeper Schall sind, die vielmehr auf deren Geltung und'strikte -Heachtüng Wert legen. Die Etatsberatungen im Reiche und Preußen geben diesen politischen Faktoren und den Abgeordneten unseres Glaubens die beste/— und soweit die parlamentarische Behandlung der Angelegenheit in Frage kommt — die einzige Gelegenheit, den Finger auf diese Wunde unseres Verfaffungslebens zu legen und immer von neuem Abhilfe zu verlangen. Dieser Pflicht werden sich, wie wir hoffen, weder die liberalen Parteien, noch die Abgeordneten jüdischen Glaubens entziehen! . Dir Wache. Berlin, 2. Dezember., ^aß die Meldungen, die aus anderen Staaten Europas über' die Stellung und das. Ansehen der jüdisch e n «S.o l d at e n in den verschiedenen Heeren unseren Antisemiten sehr gegen den Strich gehen, ist ja sehr begreiflich; aber die törichte Art, in der sie dies zeigen, ist weniger begreiflich. Die Berliner „ Staatsbürgerzeitung" und das Wiener „Deutsche Volksblatt" ärgern sich beide gleichmäßig über diese Tatsache. Sie führen nach den „Mitteilungen zur Abwehr des Antisemitismus" die Liste der hervorragenden jüdischen Offiziere in der österreichischen Armee auf, dje übrigens, wie uns mitgeteilt, wird, nicht ganz korrekt ist. Das. eine. Blatt knüpft an die Ernennung des Feldmarschalls v. Schweitzer an. und sagt: J; „tfecner weiß ich, daß der vor kurzem in Pension gegangene Kommandant, des.. 38. Infanterieregiments Oberst Simon Bogel Jude geblieben ist, ebenso' der Obersts des 72. Infanterieregiments Ulrich Edler v. Trenkheim, welcher noch einen Bruder, den aktiven Oberstleutnant Severin Ulrich, in. der Armee hat. Ferner ist mir der Kommandant des seinerzeitigen 12. Korpsartillerieregiments in Laibach, Oberst Adolf Beer, als Jude in Erinnerung. Ebenso der Major Straß des 2. Husarenregiments. Bei der Marine kommt der im vorigen Jahre in Pension gegangene Oberste Schiffbauingenieur (mit Generalsrang) Popper als Jude in Betracht. Auch der Chef der EwtvÄtschniker in der Marine, Ingenieur Burstyn, welcher im Hrmgew'Jahre . gestorben, ist, war Jude. Ferner find mir als jüdische.. Offiziere bekannt.' Major Grünfeld., (der. Bruder des Pimüstem,. -Wb.Cellisten),Mittmeister- Schey vom 15. Husaren» rezipierst, Oberleutnant v. Goldschmidt vom 12. Husarenregiment, her pensionierte RittWeMr (9. Husareuregimeut) Wolf Bardach, Edler "v. Chlurnd'erg, Lberftleutnant Israel Herschkowitz (68. Infanterieregiment);...' ferner "Oberstleutnant im demselben Regiment Gustav' Morgenstern, - dler, 'wenn ich * nicht irre, auch Jude ist und-vom Aaren die-Dotation für. den tapfersten Soldaten der Armee erhalten-hat." - . '!v.nDiesen ’Auslastungen widmet nun das Wiener „Deutsche Volksblatt"' noch folgende Ergänzungen: >Die Liste ist'wohl sehr unvollständig. Mr können dem Herrn natürlich nicht dm weit über 100 aktiv dienenden Militärärzte/ r die weit über 100 aktiv dienenden Truppenrechnungsführer aus dem - Stamme Israels namentlich auszählen. Vielleicht forscht dieser Herr) auch über die Abstammung de^TiwPPeMivistonärs/in Linz.. FMD --- Karl Glückmann nach. Wir haben üntep den aktiv dienenden . Generalen mindestens zehn getaufte oder ungetaufte- Juden, / unter den Stabs- und Oberoffizieren des Soldatenstandes der Arpree haben' wir mehr als 100 Indem- In der Gendarmerie haben wir^-z. B-den Juden Alois Weinmann, der als Oberstleutnant Landesgendarmeriekommändant ist, den Oberleutnant Riven Leib. Jungfrau, den pensionierten Obersten Leopold Midelbürg usw." Diese Liste ist nun selbstverständlich ganz falsch. ' Der Aerger ist ein schlechter Statistiker. Ergötzlich aber ist es, daß sich die Antisemiten hüben und drüben so sehr über den Erlaß des Kriegsministers ausregen, obwohl bisher noch nicht ein einziger Jude in ganz Deutschland seit diesem Erlaß zum' Reserve-Offizier befördert worden ist. Selbst die brave „Post" regt sich ungebührlich darüber aus. Aber auch, was sie „einen. Offizier" Vorbringen läßt, sind nichts als die alten abgestandenenäntisemitischen Redensarten. Sie bedürfen um so - weniger einer langen Widerlegung, als ihre Ungerechtigkeit und Hinfälligkeit für jeden, der sich auch nur eine Spur Un-- befangenheit bewahrt hat, aus der Hand liegt. Es haben genug deutsche Juden für ihr Vaterland geblutet; sie haben^ Treue und Opsersreudigkeit genug bewiesen. Auch daß sie. als Offiziere so tüchtig sind wie andere, ist durch die Erfahrung bezeugt. Nur Engherzigkeit und Selbstüberhebung kann sie vom Osfizie.rkorps ausschsießen. Die Perspektive, die sich den Gegnern für die Zukunst der Dreibundsarmeeu eröffnet, ist fürchterlich.' Es begegnet ihnen dabei nur das Malheur, den französischen Kriegsminister General Picquart für euren Juden auszugeben, obwohl er ein guter Christ unh nicht einmal-ein besonderer Freund der. Juden ist. Aber es paßt ihnen eben in den Kram — und ihre Leser glauben ihnen ja alles! Nein, nicht im „deutschen Wesen",, wie die „Postz/ sagt, sondern im öden Antisemitismus wurzelt die Abneigung, gegen die. Zulassung der Juden zum Offizierkorps, eine Zurücksetzung, die gegen Recht und Billigkeit, gegen Gesetz und Gesetzestreue verstößt. Angesichts d^r bevorstehenden Einführung der städtischen und ländlichen Selbstverwaltung in.Russisch-Polen wird in allen politischen Gruppen die Frage erörtert, inwieweitdie Juden daran teilzunehmen hätten.. Dep im Jahre 1905 von - der Warschauer Bürgerkommisston .unter Dorsch. des Rechtsanwaltes Suligowski ausgearbeitete Entwurf enthält nur, wenige Beschränkungen für Juden. Es. heißt darin. Daß jeder Einwohner von Warschau, der polnisch lesen und,^schreiben kann, wahlberechtigt ist. Danach, wären außer den. jüdischen Analphabeten, nur die Juden, die.aus Rußland eingewandert sind und nicht polnisch können, vom Wahlrecht ausgeschloffen. Die konservativen Gruppen lehnen jedoch Diesen-! Entwurf mit dem Hinweise darauf ab, daß er im Jahre 1905 unter dem Einfluß der radikalsten Ideen entstanden ist, die seither längst ihren Glanz verloren habendeshalb müsse das Wahlrecht der Juden wesentlich beschränkt werden. .In .diesem Punkte sind alle konservativen Gruppen einig, nur haben sie sich vor der Hand über, das Maß der einzuführenden Beschränkungen noch nicht einigen könnend Sie werden aber leider auch darübereinig werden. Es ist ein wahrer. Jammer, mitanzusehen, wie ein Stück nach dem anderen von Den Rechten wieder genommen wird. Die den Juden in der Stunde, der: Angst gegeben wurden. *., r' .. - -> -v.in. y

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