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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-27 · Heft 48 (27.11.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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* T ’f * Schädigung; des. Mädchenhandels, bet” energisch bekämpft werden ^müßte.-Zuin-Schluß wurde eine.-Anzahl Kommissionen gebildet, Svenen <es obliegt, die notwendiger: Arbeiten in Angriff zu nehmen. / Am Sonntag abend fand ein glänzendes Festessen zu Ehren des Herrn Rabbiner Dr. Rosenthal im großen Saale der Lessing-Loge statt, das die Feierlichkeiten anläßlich seines 70. Geburtstages in würdiger Weise abschloß. Breslau, im November 1908. Der „Verein israelitischer ' Lehrer in Schlesien und Posen" hielt hier am Bußtag die 30. General-Versammlung ab. Der Vorsitzende, Professor Dr. Badt- ' Breslau, eröffnete um 10^ Uhr die Versammlung. Er erstattete den Jahresbericht, in dem er über den Stand der Vereins- und Pensionskasse Auskunft gab. Er erwähnte ferner das Jubiläum des Herrn Rabbiner Dr. Freund-Görlitz und die Zuruhesetzung des Herrn Kantor Hirsch-Grünberg, der nach 40jähriger Tätigkeit in den Ruhestand tritt. - Beiden Herren habe der Verein Glückwünsche überbracht. Die Jahresrechnung des Vereins schließt mit einem Defizit von 55 Mark ab. Dem Kassierer, Kollegen Moops, wird nach Prüfung der Rechnung Decharge erteilt. Mit Rücksicht auf die große Wichtigkeit der Sache wird'der Vortrag des Herrn Rabbiner Fabian-Breslau über das Religionsbuch „Jüdische Religion" von Rabbiner Dr. Coblenz an erster Stelle gehalten. Der Referent, dessen Vortrag durchaus objektiv und sachlich war, erkennt gern an, daß der von Dr. Coblenz eingeschlagene Weg richtig und darum zu billigen sei. /.Die von ihm in seiner „Einführung in den jüdischen Religionsunterricht" aufgestellten allgemeinen Gesichtspunkte seien durchaus berechtigt. Auch einzelne Kapitel, z. B. „Ueber Unsterblichkeit", das- „Messianische Reich" könne man gelten lassen. Aber der Referent ist doch der Ansicht, daß in dem neuen Buche wieder derselbe Fehler sei, den auch die alten aufweisen, und daß der Verfasser seinen eigenen, in der „Einführung" aufgestellten Forderungen nicht gerecht geworden sei. Rabbiner Fabian bestreitet überhaupt die Notwendigkeit eines systematis chen Religionsunterrichts für die Altersstufe, auf der das Coblenzsche Buch gebraucht werden soll. Die Bibel, meint er, sei das allein nötige Religionsbuch für diese Stufe. Den- Ausführungen des Referenten trat Kollege Bähr-Waldenburg zur Seite, dem das Buch in der Auffassung des Gottesbegriffes viel zu frei ist. Auch die Stellung des Verfassers zu den Zeremonien fordert seinen Widerspruch heraus. Diesem Redner sowie Rabbiner Fabian trat Kollege Rosenthal-Grünberg i.Schll entgegen. Er dankte dem Referenten, daß er sich so streng zur Sache gehalten und den Ton der persönlich gehässigen und unsachlichen Kritik vermieden habe, den Dr. Jakob aus Dortmund in seiner Rezension gebraucht hätte. Aber gegenüber den geringen Mängeln dieses Buches, die ihm als einem'ersten Versuche natürlicherweise noch anhaften müßten, solle man doch an die gewaltigen Vorzüge denken, die es aufweist im Vergleich mit den bisherigen Büchern. Da mache sich. öder Schematismus breit; die Sprache fei geschmacklos und oft weit abstrakter, als man es dem Coblenzschen Buche vorwerfen könne. Auch in methodischer Hinsicht sei sein Buch ein gewaltiger Fortschritt. Redner benutzt das Buch in der Tertia des Gymnasiums mit gutem Erfolg. Die.Einflechtung der Bibelsprüche in den Text, wie der Verfasser es tut, sei methodisch . sehr wertvoll. Und endlich sei die Stellung des Verfassers zum Zeremonial-Gesetz durchaus zu billigen. Man denke doch nur an die vielen liberalen deutschen Gemeinden. in denen eine andere Behandlung des Zeremonialgesetzes aus erziehlichen Rücksichten gar nicht möglich sei, wenn man Konflikte zwischen der Schule und dem Elternhaus, oder Konflikte in der kindlichen Seele vermeiden . wolle. Redner führt hierfür ein Beispiel aus dem Schulleben an. Er empfiehlt das Buch warm zur Einführung. — Herr Dozent Dr. Brann-Breslau, der als nächster Redner spricht, dankt, wie der Vorredner, auch dem Referenten für die streng sachliche Behandlung des Themas. Auch er billigt die allgemeinen Gesichtspunkte, nach denen das Buch verfaßt ist, kann aber aus verschiedenen Gründen die Einführung des Buches nicht empfehlen. Ihm tritt Dr. Wolfsohn-Breslau zur Seite. Dieser polemisiert zunächst auch . gegen die gehässige Kritik des Dr. Jakob-Dortmund und sucht dann nachzuweifen, daß das Buch seinem ganzen Wesen nach nicht jüdisch .sei. Infolge mehrerer persönlicher Angriffe diews Redners gegen inige seiner Vorredner und gegen Professor Badt wird ihm schließlich das Wort entzogen, so daß er seine Ausführungen nicht beenden kann. Seiner Behauptung,- das Buch'sei „unjüdisch", tritt im j Schlußwort der Referent, Rabbiner Fabian, entgegen. Es gelangt schließlich eine Resolution Bähr-Waldenburg zur Annahme, daß das : Buch für Volksschulen und die Unterklassen der Gymnasien nicht ge- / eignet sei. — Die anderen Punkte der Tagesordnung wurden schneller erledigt. Kollege Sckweitzer-Glogau hielt einen fesselnden Vortrag. . über das Thema: „Sind die Erzählungen des Alten Testaments für die Charakterbildung der Jugend entbehrlich?" Redner wies in seinen sehr . interessanten Ausführungen nach, daß diese Erzählungen nicht nur nicht entbehrlich, sondern im höchsten Grade geeignet seien, charakterbildend aus die Jugend zu wirken. Das nächste Referat hielt Kollege Plaut-Sohrau (O.-S.) über das Thema: „Die Erhaltung . der jüdischen Volksschule in der Gegenwart." Er gab einen klaren ~ Ueberblick über die historische Entwicklung der jüdischen Volksschule und wies dann nach, daß eine Simultanschule heute nur noch dem. Namen nach existiert. Die christlich-konfessionelle Volksschule sei heute . in Preußen gesetzlich festgelegt. Darum sei es eine zwingende Notwendigkeit der jüdischen Gemeinden, jüdische Volksschulen zu gründen. — Rauschender Beifall belohnte den Redner. Von einer Diskussion über den Vortrag wurde mit Rücksicht auf die sehr erschöpfende Darstellung des Referenten abgesehen. — Es folgte die Besprechung einiger Anträge und Vereinsangelegenheiten. b. Hildesheiin, 18. November. Am 7. November d. I. feierte hier der erste Vorsteher unserer Gemeinde, Herr Gustav Sabel, seinen 70. Geburtstag. Derselbe ist zugleich seit zwei Dezennien Vorsteher der Chewrah Kadischa. Wie in jungen Jahren, so ist er , noch heute einer der eifrigsten in der Erfüllung der Aufgaben der. (lliewrab. Er folgt damit dem Beispiel seines Vaters, der.auch viele Jahrzehnte ein tatkräftiges Mitglied der Chewrah gewesen ist. Ihm schwebt die persönliche Dienstleistung, die wir dem Nächsten schulden, als eine hohe Aufgabe des Judentums vor. In Anerkennung seiner Verdienste ließen der Gesamtvorstand durch den Landesrabbiner Herrn Dr. Lewinsky eine mit schöner Dekoration und mit einer Widmung versehene silberne Platte auf einem Mahagoniblock, die Chewrah einen Pokal, ebenfalls mit ehrenvoller Widmung, überreichen. Möge der Gefeierte noch viele Jahre zum Wohle der Gemeinde wirken können! m. Witten, 19. November. Am 8. d. M. wurde, wie schon kurz gemeldet, der langjährige Vorsteher unserer Gemeinde, Herr- Ascher Löwenstein, zur letzten Ruhe bestattet. Seltene Charaktereigenschaften zeichneten den Verstorbenen aus: Eine edle, vornehme Gesinnung, eine glückliche Frohnatur und ein ausgeprägtes Gefühl für alles Gute, Edle und Schöne. Naturgemäß kamen diese geistigen Vorzüge auch zur Geltung in den Bestrebungen des Vorstehers für , seine Gemeinde. Alles, was geeignet war, ihrem Ansehen und damit dem des Judentums zu schaden, mußte verschwinden oder Besserem Platz machen. An Stelle des alten, primitiven Betsaales erhob sich eine neue, architektonisch wirkungsvolle Synagoge mit Orgel. Der Gottesdienst erhielt zeitgemäße Reformen. Institutionen zur Förderung des Gemeindelebens wurden geschaffen: Ein Frauenverein, ein Verein für jüdische Geschichte und Literatur, ein Totenbestattungsverein u. a. m. Mit den Bestrebungen für die Gemeinde gingen die; für ihren Kultusbeamten Hand in Hand. Nichts wurde versäumt, was der Fürsorge für ihn hätte dienen können. Bestand doch auch allezeit das denkbar günstigste persönliche Verhältnis zwischen dem verewigten Vorsteher und dem jeweiligen Kultusbeamten der Gemeinde. Ihm gegenüber war jener nicht der gestrenge Gemeindegewaltige, sondern der väterliche Freund, dem man liebende Verehrung entgegenbringen mußte. Kein Wunder, daß der Tod eines - solchen Mannes in der Gemeinde sowohl als auch in weiteren Kreisen schmerzlich empfunden wurde. Das kam denn .auch in der selten großen Beteiligung an dem Trauerkondukte ebensosehr zum Ausdruck wie in den warm empfundenen Worten, die Herr Lehrer Mayer am Grabe des Verstorbenen sprach. o. Stuttgart, 18. November. Die Volksschulkommission der Abgeordnetenkammer erledigte gestern die viel umstrittene Frage - der Leitung des Religionsunterrichts. Die israelitischen Volksschulen sollen nach den Beschlüssen der Kommission dem Oberschulrat unterstellt, die näheren Bestimmungen über ihre Beaufsichtigung im Wege

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