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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-27 · Heft 48 (27.11.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 48 (27.11.1908)
Date
1908-11-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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- Original wie durch die Kraft und den Schwung der Sprache, durch den natürlichen Fluß der Verse aus und sind von bleibendem Wert. Seit mehreren Jahren führt Klausner mit -regem Eifer und Geschick die Sekretariatsgeschäfte der „Alliance- Isra61ite" in Deutschland und h hat sich auch auf diesem Gebiete die Anerkennung verdient, die an seinem Geburtstage zum Ausdruck gelangte. s. Berlin, 20. November. Gestern ist hier Dr. Wilh elm Freiherr v. Landau im 60. Lebensjahre an den Folgen einer Darmoperation verschieden. Ein Sohn des 1883 verstorbenen Geheimen Kommerzienrats Jacob Landau, widmete er sich anfänglich dem kaufmännischen Beruf, wandte sich dann aber vorzugsweise; wissenschaftlichen Bestrebungen, vor allem archäologischen und ethnographischen Forschungen zu. Er unternahm ausgedehnte Reisen in fast allen Erdteilen; konzentrierte aber später sein Interesse vorzugsweise auf die Orientforschung, namentlich auf die Erforschung der alten vorderasiatischen Kulturen. Lebhaften Anteil nahm er hier besonders an den Arbeiten Professors Hugo Wincklers, den er viel, fach bei seinen Bestrebungen förderte und mit dem er unter anderem die „Vorderasiatische Gesellschaft" begründete. Er selbst hat außer einer Reihe von „Beiträgen zur'Altertumskunde des Orients" ein größeres Werk über phönizische Inschriften und verschiedene Aufsätze in der von Winckler herausgegebenen Zeitschrift „Ex Oriente lux“ veröffentlicht. Außer der Vorderasiatischen Gesellschaft gehörte er auch der Deutsch-Asiatischen Gesellschaft, der Deutschen Kolonialgesellschaft, dem Verein für schlesische Altertumskunde und anderen als gern gesehenes und förderndes Mitglied an. Die Gesellschaft für Völker- und Erdkunde in Stettin zählte ihn zu ihren Ehrenmitgliedern. Der frühe Heimgang des menschenfreundlichen und bescheidenen Mannes, ' der seine reichen Mittel opferbereit in den Dienst idealer Zwecke stellte, und der auch ein glaubenstreuer Jude war, wird über den engeren Kreis seiner Angehörigen und Freunde hinaus aufrichtige Teilnahme erwecken. Das Begräbnis fand Sonntag nachmittag auf dem alten Friedhofe in der Schönhauser Allee statt. Unter der großen Zahl - von Leidtragenden befanden sich der spanische Botschafter, die Vorstandsmitglieder der Deutschen Kolonialgesellschaft, der Anthropol logischen Gesellschaft, sowie der Vorderasiatischen Gesellschaft u. a. m. Rabbiner Dr. Weiße hielt die Gedächtnisrede. Auch die Herren Konsul Staudinger und Dr. Alfred Jeremias widmeten dem heim, gegangenen Freunde ehrende Worte. s. Berlin, 24. November. Am 21. d. M. entschlief nach kurzem - schweren Krankenlager der allgemein geachtete und beliebte Sanitütsrat Dr. Hermann Guttmann im vollendeten 60. Lebensjahre. Der Heimgegangene, der als Arzt in seinem Kreise sich großen Ansehens zu erfreuen hatte, wendete seine Muße mit Vorliebe philantropischen und künstlerischen Interessen zu. Ein Ausfluß dieser Neigung war eine Reihe von Schriften, meist Wanderungen durch das deutsche Land, dann aber auch ärztliche Regeln und Mahnungen, die durch ihren sonnigen Humor, durch ihren wertvollen Inhalt und durch die geistvolle Darstellung allgemeines Interesse erregten und zum Teil dauernde Bedeutung haben. Außerdem gehörte Guttmann eine Reihe von Jahren dem Repräsentanten-Kollegium der jüdischen Reformgemeinde an und hat auch hier mit dem Eifer und der Hingabe, die nun. einmal in seinem Wesen lag, für das Interesse der Gemeinde unermüdlich gewirkt. Alle,, die den Heimgegangenen, der der Schwiegervater des Predigers Dr. M. Levin war, kannten, rühmen seinen aufrechten Charakter, seine große Herzensgüte, seltene Bescheidenheit und seinen wahren Gemeinsinn. Sie werden dem liebenswerten Manne ein treues und dankbares Andenken bewahren. s. Berlin, 22. November. Geh. Sanitätsrat Dr. Max Barschall ist am 16. d. M. nach schwerem Leiden gestorben, Barschall gehörte zu den charakteristischen und vornehmsten Erschei- . nungen unter den älteren Aerzten Berlins. Unter seinen Fachgenossen . wie unter seinen Patienten erfreute er sich gleicher Hochschätzung und Verehrung. Im Gegensatz zu dem Umfang des Wissens und dem zahlreichen Patientenkreis, den er sich in einer über ein halbes Jahrhundert sich erstreckenden ärztlichen Praxis erworben hatte, stand seine große Bescheidenheit. Noch vor kurzem lieferte er hiervon einen Beweis, als er von seinem bevorstehenden goldenen Doktorjubiläum Kenntnis gab, nur zu dem Zweck, seinen Freunden mit dieser Mitteilung zuvorzukommen, da er nicht wünsche, öffentlich gefeiert zu werden. Auf seinen Wunsch ' ist er auch in aller - Stille ^beeä>iA"' worden. ' . ~ J1 ll. Posen, 7. November. Gestern Vormittag fanddieVer^M eidigungsfeier der Rekruten jüdischen Glaubens in der großen) Synagoge statt. Punkt 11 Uhr wurden die jüdischen MannschafteM durch ihre Vorgesetzten , in das Gotteshaus geleitet und vor dem Altar aufgestellt. Die Vertreter des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung hatten sich bereits vorher zahlreich ein?: gefunden. Einige der Herren hatten auch Orden angelegt. Ein.' großer Teil der Gemeinde nahm an dem Akte ebenfalls teil. Herr' Oberkantor Leibowitz eröffnete die Feier durch einen stimmungsvollen Gesang. Hierauf hielt Herr Oberrabbiner Dr. W. Feilchenfeld. die' Ansprache an die zu vereidenden Mannschaften. Er legte den Text? zugrunde: „Seid stark, seid mutig für das Vaterland!" Im Verlauf der Rede ermahnte er die Versammelten zu treuem Festhalten an König und Vaterland und hob die Tugenden des patriotisch, gesinnten Soldaten hervor. - In und außer .dem Dienste müssen der jüdische Soldat das Vorbild seiner Kameraden sein. Das Wohlwollen der Vorgesetzten durch Gehorsam, Ordnungsliebe und Pünktlichkeit sich erwerben. Mit dem Priestersegen schloß er die eindrucksvolle Rede und ermahnte zum Schluffe noch die Soldaten, an Gott zu glauben und seine Lehre hochzuhalten. Kantor Leibowitz trug dann das Gebet für Kaiser und Reich vor und beendete die Feier mit einem Schlußgesang. — Herr Rentier Gustav Krontchal in Berlin hat zur Errichtung eines Monumentbrunnens gegenüber dem Hauptpostgebäude Hierselbst vor einiger Zeit 18 000 Mark gestiftet und diesen Betrag jetzt um 5000 Mark vermehrt. In "der Stadtverordnetensitzung, welche am vergangenen Mittwoch stattfandwurde dem Spender öffentlich gedankt. — Der Magistratsschöffe, der Kaufmann Charles Baruch in Xions, ist zum ersten Stellvertreter des Standesbeamten für den Standesamtsbezirk Xions ernannt worden. — Die jüdische Gemeinde Wongro witz hat auf dem Fried- Hofe eine Leichenhalle erbauen lassen und fand die Einweihung derselben in diesen Tagen statt. — Professor Dr. Peiser von. der Berger-Oberrealschule in Posen, der sich durch seine Arbeiten über die Werke Friedrichs des.Großen auch in weiteren Kreisen bekannt gemacht hat, hat bei seinem Uebertritt in den Ruhestand den Roten Adlerorden IV. Klasse erhalten. — Mit Trauer und Schmerz empfindet die hiesige israelitische Gemeinde den Heimgang, ihres, unvergeßlichen Mitgliedes Herrn Israel Neumark. Seit Jahrzehnten, im Vorstande vieler Vereine tätig, hat der Verblichene mit seltener Treue und Opferfreudigkeit seine Amtspflichten erfüllt. Sein humaner Sinn, sein ausgezeichnetes Empfinden für Gerechtigkeit zeichneten ihn zu allen Zeiten rühmlich aus. n. Breslau, 19, November. Einer Anregung folgend, die bei Gelegenheit der Tagung des Bundes deutscher Frauenvereine seitens der anwesenden Delegierten des jüdischen Frauenbundes gegeben wotden ist, hat sich , am Donnerstag hier eine Ortsgruppe dieser. Organisation gebildet, die sich in erster Reihe zum Ziel setzt, im Anschluß an bestehende Einrichtungen den Humanitären Bestrebungen des Bundes auch in Breslau Geltung zu verschaffen. Die Kon-, stituierung erfolgte durch Wahl des Vorstandes, an dessen Spitze Frau Stadtrat Marck und Frau Justizrat Henschel traten, denen Frau Dr. Guttmann und Frau Dr. Brann als Stellvertreterinnen beigesellt wurden. Das Schriftführeramt übernahmen Frau Rabbiner Fabian und Fräulein Rosa Urbach, die Verwaltung der Kasse Frau Engel. Um einen Ueberblick über die in Angriff zu nehmenden Arbeitsgebiete zu geben, wurden eine Reihe von Referaten erstattet. Frau Justizrat Henschel sprach über die Bildung von Jugendgruppen und deren Ziele; Frau Justizrat Ollendorff legte die Nottvendigkeit dar, eine Auskunftsstelle zu gründen, die erst das Wohltun zur Quelle des Segens machen und in enger Verbindung mit der Auskunftsstelle der Gemeinde eine bessere Organisation der jüdischen Wohltätigkeit schaffen würde. Im Anschluß hieran forderte Frau Rabbiner Fabian die Uebertragung des Elberfelder Systems auf die Armenpflege der Gemeinde, also unt anderen Worten eine amtlich geregelte Teilnahme der Frauen an dieser wichtigen Arbeit. - Frau Stadtrat; Marck schilderte hierauf die Erfolge der städtischen Hauspflege und forderte den hiesigen Frauenverein auf, ähnliche Einrichtungen °zu treffen, und. dann entwarf Frau Dr. Guttmann ein Bild der furchtbaren

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