Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1908)
- Date
- 1908-11-20
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Eund^^ pje Urkundeeiner Stiftung^' . deren'.Bestimmung noch aussteht. Wie'Gesang die Feier begonnen hattet -so schloß sie in den Nachmittagsstunden ein Kinderchor. Un- ^.zählig'wären die'Gaben, die den Festtifch schmückten, unzählig die' ' Telegramme und' Briefe, unter denen sich auch ein in warmen -MMyrteu-giehaktenerrMückwunsch des Oberbürgermeisters Dr. Bender - befand. ' ' ' ' ' Gleiwitz, 13, November. - Große Teilnahme in allen Kreisen der'hiesigen jüdischen Gemeinde erweckte das am 10. November erfolgte Hinscheiden des greisen hochverdienten emeritierten Lehrers Heinrich . '.Goldstein. Er hak das Alter von 94 Jahren erreicht. Geboren dnu 30. August 1814 in Giesdorf, Kreis Namslau, erhielt er den ersten-Unterricht von einem Hauslehrer. Seit seinem zehnten Lebensjahre besuchte er die seinerzeit berühmten' Talmudschulen in Kempen- '?^'^ZKkz^ipäter..besuchte er einige Jeschibot in Mähren und. Ungarn. Hier hatte der Jüngling nicht bloß für sich, sondern auch für die Existenz seines jüngeren Bruders zu sorgen, in dem er einen solchen Wissenseifer anfachte, daß dieser es bis zum Rabbiner der Brüder- ,gemeinde in Posen gebracht hat, bei welcher heute noch der Name Goldstein einen ausgezeichneten Klang hat. — 1836 kehrte Heinrich. ' Goldstein nach Oberschlesien zurück, und bereitete sich eifrig für das. Lehrfach vor. 1840 übernahm er in Gleiwitz zunächst die Leitung einer jüdischen Privatschule, dann aber entfaltete er an der ehemals berühmten hiesigen öffentlichen jüdischen Volksschule eine etwa dre^ Jahrzehnte lange segensreiche Lehrtätigkeit. Er war auch schriftstellerisch tätig; besonders hervorzuheben ist sein' Präparationsbuch für Schüler für. den ersten Pentateuch-Unterricht. Mit dem 60. Lebensjahre trat er in den wohlverdienten Ruhestand. Nun ist er zur ewigen Ruhe eingegangen, er, der sich, wie Herr Rabbiner Dr. Münz in seiner ergreifenden Grabrede ausführte, die Krone, des Greisenalters, der Thora und des güten Namens erworben hat. Ehre seinem Andenken! St. Wendel (Regierungsbezirk Trier), 10. November. Die hiesige israelitische Gemeinde, die bisher keinem Rabbinate angehörte, hat seit 1. Oktober d. I. den Großherzoglich Oldenburgifchen Landrabbiner für das Fürstentum Birkenseld, Dr. Baron, mit der Ausführung" der rabbinischen Funktionen betraut, nachdem die Regierung ., zu Birkenseld und der israelitische Landesgemeinderat des Fürstentums die. erforderliche Genehmigung erteilt hatten. Am Samstag den 7. d. M. hielt Herr Dr. Baron hier seine erste Predigt und' am folgenden Tage eine Visitation der Religionsschule, die ebenfalls unter seine Aufsicht gestellt ist. Möge das Wirken unseres Rabbiners der Gemeinde zum Segen und ihm selbst zur Befriedigung gereichen! Bom Breisgau, im November. Ein vorzüglicher Lehrer und ebenso trefflicher Mensch, von ausrechter, vornehmer Sinnesart, Hauptlehrer Steidin gsseld in Freiburg, beging kürzlich in aller Stille sein 25 jähriges Ortsjubiläum. Nicht nur der Schule hat er in 42 jähriger reichgesegneter Tätigkeit gedient, was' auch von seiner Behörde durch Verleihung des Verdienstkreuzes vom Zähringer Löwen erkannt wurde, sondern auch den Interessen, der Humanität und Wohltätigkeitspflege hat er stets eifrige Förderng angedeihen lassen. So ist sein Name eng verknüpft mit dem jüdischen Händwerkerverein und ganz besonders mit dem israelitischen Frauenverein Freiburgs, dessen Schriftführer Herr Steidingsfeld seit einer langen Reihe von Jahren ist und den er eine Zeitlang als Vorsitzender geleitet hat. - Möge dem Jubilar noch manches frohe Jahr an der Seite seiner gleichgesinnten Gattin beschieden sein! Gesterreich-Nnsarn. □ Wien, 16. November. Das Ereignis der Woche, ist der Empfang der Deputation jüdischer. Gemeinden aus Bosnien, und der.Herzegowina durch den Kaiser am 11. d. M. Der Deputation gehörten 31 Herren an, alle ausnahmslos in Bosnien und der Herzegowina geboren. Sie repräsentiertensaft-sämtliche spaniolischen Gemeinden in den neuen Provinzen und. sind Aerzte, Advokaten, Großindustrielle und Kaufleute. Einige kamen im malerischen Nationalkostüm der Bosnier, die meisten in Salontoilette mit dem roten Fez, den sie auf dem Kopse behielten, als sie in den Audienzsaal geführt wurden. Als der Kaiser einträt, erschollen Ziviorufe.Josua D. Salom, der Führer der Deputation, hielt an den Kaiser eine Anspräche,, worauf der Kaiser folgendes ^erwiderte: .„Ihr Erscheinm - und der Ausdruck Ihrer loyalen^ Gesinnungen gewährt Mir aufrichtige 'Befriedigung, da es Mir wohl bekannt, ist, daß'Ihre. Glaubensgenossen stets ein Element der Ordnung in Ihrer Heimat gewesen sind. Durch die fortgesetzte Betätigung,. - der bürgerlichen Tugenden in brüderlicher Eintracht mit dem gesamten Volke Bosniens und der Herzegowina werden sie auch , in, - Hinkunft ein wertvoller Faktor des kulturellen und wirtschaftichen öffentlichen Lebens bleiben. Meines landesväterlichen Wohlwollens mögen Sie bei Ihren patriotischen Bestrebungen versichert sem." Dreifache Ziviorufe folgten der in deutscher Sprache gehaltenen Rede des Monarchen, welche hierauf Sektionschef Baron Lazzarini in serbokroatischer Sprache, verlas. Bei dem hierauf folgenden Cercle sprach der Kaiser, obgleich ursprünglich nur eine Anzahl prominenter Herren zur Vorstellung be- ' stimmt waren, jedes einzelne Mitglied der Deputation an und konversierte mit den Herren über berufliche und wirtschaftliche Verhältnisse in ihrer Heimat. Er war sehr erfreut, daß die meisten auch gut deutsch sprechen, mit anderen konversierte er italienisch. Besonders, äußerte der Kaiser seine Freude über die von Industriellen und Kausleuten ihm gemachten Mitteilungen von der günstigen Wirt-, schäftlichen Lage einzelner kaufmännischer Zweige. Dann ging die Deputation zum Reichsfinanzminister,. der ihr die Zusicherung gab, daß die Juden der neuokkupierten Länder gleich den anderen Konfessionen eine bestimmte Zahl von Mandaten erhalten werden. Hierauf wurden die Herren vom Vorstand der. Kultusgemeinde empfangen. Die ganze Sache machte einen sehr, guten Eindruck. In Prag ist am 8. d. M. der Kaiserliche Rat. Philipp Falkowicz, nach einem Leben an Inhalt und Arbeit reich, dahingeschieden. Vom fernen Osten war er vor etwa einem Viertelahrhundert nach Prag gekommen, ausgerüstet mit .ungewöhnlichem geistigen Fähigkeiten, umfassender Bildung und hinreißender Beredsamkeit, nicht minder aber mit warmer Empfindung für alles Schöne und Güte; und so gelang es ihm, der in seinem Berufe als General-, repräsentant der „Fonciöre" mit den weitesten Kreisen in Berührung - kam, auch in kurzer Zeit einen ersten Platz sich in der Gesellschaft und insbesondere in der. israelitischen Gemeinde Prags zu erringen. Der Verblichene war unter anderen eines der eifrigsten Mitglieder der Kultusgemeinderepräsentanz, Direktionsmitglied des israelitischen Knabenwaisenhauses, Obmann.des Verwaltungsausschusses deS Kaiser- FranzJoseph-JubiläumsteryPels und Obmann des Zentralvereins, zur Pflege jüdischer Angelegenheiten. Insbesondere in letzterem Vereine wirkte'er durch mehr als zwei Dezennien mit rastloser Hingebung, und sein Hauptstreben galt mit bestem Erfolge dem ein trächtigen Zusammenwirken aller in diesem Vereine vertretenen Richtungen. — Bei den am 10. d. M. stattgefundenen Richterbesörd erungen in Ungarn wurden drei jüdische Richter an die königliche Kurie berüfen. Es. sind dies Ignaz Neuberger und Hugo Beck, die zu Senatspräsidenten» und Dr. Ignaz Devai, der zum Richter an der Kurie ernannt wurde. — An der hiesigen Universität gab es wieder.Kämpfe und blutige Köpfe. 2000 arische Studenten haben 400 zionistische überfallen und blutig geschlagen —. zum Dank dafür, paß letztere ihnen in der letzten Zeit Folge geleistet! England. e. London, 10. November. Am 4. d. M. fand hier eine große und sehr zahlreich besuchte Versammlung der Jewish Religions Union in dem schönen Saale von Portman Rooms, Bakerstreet,- statt, .bei Welcher Rabbiner Dr. S el ig m än n - Frankfurt a. M, und Rabbiner Dr. Lövy aus Paris Vorträge hielten. Nachdem der Präsident. Claude Montefiore die Sitzung mit einer kurzen Ansprache eröffnet hatte, erteilte er zunächst dem Rabbiner der Pariser Reformgemeinde das Wort. . Herr Dr. Lövy besprach die religiöse Lage des Judentums, m Frankreich feit der Revolution; er bemerkte, daß weder die Notabelnversammlung von 1806 noch das große Sanhedrium von 1807 oder die Konferenz der Grand-rabbins von 1856 noch die drei Sitzungen des Kongresses der französischen Rabbiner seit 1906 eine wirkliche Aenderung im Kultus hervorgerufen haben. Dieses geschah erst durch die Verbindung einzelner im Jahre. 1898, die schließlich 1907 zur Konstituierung der Union liböraie isra&ite geführt hatte. Der Redner