Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 47 (20.11.1908)
- Date
- 1908-11-20
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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«N ^^WWWWWWWNWNWWWWWWWUW ' ~ _^V- > scMlderte nun .die PrinzipiengdiesermeueniGemernöeündgihrer Organs sation in sehr geistvoller und"eingehender Weise. Nach ihm,'sprach Rabbiner Dr: Seligmann', der den Zustand des liberalen Judentums in Deutschland ausführlich beleuchtete. Er schilderte den Ursprung, die verschiedenen Phasen dieser' Bewegung in den letzten Jahren, .in welcher die Liberalen zu , dem Entschluß gekommen' sind, alle ihre Kräfte im Interesse der Sache anzuspannen. Dann ging - er näher darauf ein, was. in seiner'Gemeinde in den letzten Jahren zu diesem Zwecke geschehen sei und welche Ausgaben das liberale Judentum zu erfüllen .habe, um die Lehre mit dem Leben auszugleichen. Beide Vorträge fanden lebhaften Beifall und machten einen tiefen Eindruck auf das Auditorium. Ohne Zweifel wird diese Versammlung den Anstoß geben, um auch die Sache des liberalen Judentums in England . endlich in Fluß -zu bringen. — Am 9. d. M. ist hier der große englische Kunsthändler und Kunstkenner Sir Joseph Du Veen gestorben. Dulden war es, der im Jahre 1906 zum großen. Schmerze der deutschen Kunstfreunde die berühmte Sammlung Hainauer in Berlin um die Summe von fünf Millionen Mark ankaufte und ins Ausland brachte; ein-in vieler Beziehung unersetzlicher Verlust. Im vergangenen Jahre glückte ihm noch ein weit bedeutenderes Geschäft, eines der größten, die im Kunsthandelüberhaupt bisher vorgekommen sind: der Ankauf der berühmten Sammlung Rudolf Kann in Paris, für die er nahezu 20 Millionen Mark bezahlte. Die Entwicklung seiner Unternehmungen zu solchen Riesendimensionen war ausschließlich das persönliche Verdienst des Verstorbenen. Nächdem er sich in Hüll als Antiquitätenhändler einiges Vermögen erworben hatte, begründete er mit seinem Bruder 1877. einen Kunsthandel in New York. Seiner Wirksamkeit vornehmlich ist es. zuzuschreiben, daß, sich die amerikanische Geldaristokratie nach, und nach für Kunst und Kunstwerke zu interessieren begann. Zwei Jahre später siedelte er nach London über, und seitdem wuchs sein Geschäft-schnell ins Riesenhafte. Bei den größten Versteigerungen war Joseph Duveen — die Baronetswürde hat er im letzten Jahre erhalten — der größte und gefürchteste Bieter. Die engliche Kunst verliert inDuveen aber auch einen hochherzigen Förderer. Von Msh ynd ssern. — Den Privatdozenten in der medizinischen Fakultät der Universität Berlin Dr. Felix Hirschfeld und Dr. Georg Abelsdorff' ist das Prädikat Professor beigelegt worden. — Der Geheime Kommerzienrat I. Loewe, der am 24. November sein 60. Lebensjahr vollendet, ist von der technischen Hochschule zum Dr. ing. honoris causa ernannt worden. — Professor Dr. Felix Liebermann ist zum korrespondierenden Mitglied der königlichen bayerischen Akademie der WissenschafteninMünchen ernannt worden. — Kaufmann Hermann Wedel in Greifswald ist zum Direktor (Vorsitzenden des Vorstandes) der dortiger Bürger-Ressource einstimmig gewählt worden. Die Bürger- Ressource ist mit der älteste Verein der Stadt, besteht seit zirka. 85 Jahren und zählt 400 Mitglieder. Wedel ist langjähriges Mitglied der Bürger-Schützen-Kompagnie, und wurde vor kurzer Zeit mit dem Amt der Vertretung der Arbeitgeber für die Ortskrankenkasse Greifswald betraut. — In Gr. Glogau wurde am 9. d. M. bei der Stadtverordnetenwahl der dritten Abteilung der jetzt 78 jährige praktische Arzt, Dr: Gabriel, zum achtenmal zum Stadtverordneten trotz heftiger Gegenagitation der Beamten, katholischen und evangelischen Arbeitervereine usw. mit 686 von 1150 Stimmen auf weitere sechs Jahre wiedergewählt. — In Witten ist im Alter von 83 Jahren Herr Ascher Löwenstein, der seit 1870 dem Vorstande der Synagogengemeinde angehörte und 27 Jahre lang ihr Vorsitzender war, gestorben. — In Ahlen i. W. ist . am 4. d. M. der Lehrer Simon Kaufmann im 70. Lebensjahre verschieden. 42 Jahre lang hat er. in dieser Gemeinde gewirkt. Ehre seinem Andenken! — Das israelitische Konsistorium in Straßburg hat an Stelle des zurückgetreteneu Präsidenten Lazare Lantz aus Mülhausen Bankdirektor Lueien Mannheimer aus Colmar zum Präsidenten des Oberel» sässifchen" Israelitischen Konsistoriums gewählt: — Henry Aron, wurde zum Ehrenbürgermeister im zweiten Arrondissement in Paris ernannt.' An seiner Stelle wurde Alex Levy Lehmann zum Maire gewählt. — Am 19. v. M. wurden in Dubno durch das. Kiewer r Militärgericht das Ürteil über fürif ArtilleriesoldatengefälEt/d-i^ %! Schubowka eine jüdische Familie töteten, bestehend aus denüManne; A der Frau und einer erwachsenen Tochter,. welches vergewaltigt .!wurde-. £ Die Leichen'wären. mit verschiedenen chLuslichsm^K^ary-ch.edeckt-^und verbrannt. Das Gericht verurteilte zwei zur Toi^strafedurH» Len L Strangeinen zur lebenslänglichen Zwangsarbeit) und zwei, wurpen K freigesp.rochen. .7^- Das .PetersLu rger Plenum der FriedensrichE^ bestätigte das Urteil des Friedensrichters zu zweiwöchentlichem ^Arrest / gegen den Vorsteher der Zarskoseloer Kirche, Kutschumow, der einem Juden, verbot, einer Trauung in der Kirche beizuwohnön.'^>. Aus Nikolaj'ew schreibt man, daß die städtische . Dprav^a: / b.e» schlossen habe,' den-Antrag des .Vorsitzenden des „Verbandes 'des russischen Volkes",die Juden aus dem städtischem Dienste zu entlassen, der Dümä (Stadtverordnetenversammlung) nicht vorzulegen)uud diesen Antrag des Verbandes'zurückzuweisen. — Die Peter sb u.rger . Universität erhielt die .Anzeige, daß der Minister der Volksaufklärung Schwarz, der bekannte Reaktionär, die Vorstellung derselben, in der Universität über die Prözentnörm noch 50 jüdische Studenten aufzünehmem die aus anderen Hochschulen, in die höheren Semester)? kommen wollen, abgelehnt hat. Dieser Mitteilung fügen wir keinen Kommentar hinzu; die Sache spricht für sich selbst. — In den ersten. - Sitzungen der zusammentretenden Duma soll die Glaubenssragr behandelt werden. Das Bureau des.„Verbandes des.17.-Oktobers" bereitet Referate vor, Professor Graf Komärowskh ist. mit einem' solchen über die Glaubensfrage beschäftigt. — Gutschkow, der Leader der Oktobristen, sprach sich gegenüber einem Mitarbeiter einer Zeitung hinsichtlich der jüdischen Frage folgendermaßen aus: Die^ Duma wird sich in der gegenwärtigen Session mit der jüdischen Frage nicht befassen; von der Gleichstellung kann jetzt nicht einmal die Rede sein, weil das Volk gegen die Juden noch viel feindlicher als die Negierung gestimmt ist. Teilweise lokale Erleichterungen sind hier und da möglich. — Der Polizeipräsident von Odessa erhielt die Erlaubnis der Regierung, den Juden Litimski auf Vorschlag des Generalgouverneurs Tolmatzow ausnahmweise zum „ Polizeiinspektor zu ernennen. In dem betreffenden Erlasse wird der Polizeipräsident angewiesen, in dem Aufnahmedekret des Litimski/, ausdrücklich zu betonen, daß seine Ernennung eine Ausnahme von den gesetzlichen Bestimmmungen bedeute und für die Anstellung von Juden im Polizeidienste kein Präjudiz bilden könne. — Die Odessaer jüdische Gemeinde übergab dem Generalgouverneur Tolmatschew 500 Rubel für arme jüdische Studenten, die nicht imstande sind, das Lehrgeld für die Universität zu zahlen. — In Petersburg! wurde eine „Gesellschaft der jüdischen Volksmusik" eröffnet. Unter den Begründern derselben befinden sich die Opernsänger Dawydow - und Tomars. Der Zweck derselben ist die Sammlung, Erforschung und Bearbeitung der Muster des jüdischen musikalischen Schaffens. -V Der Senat hat die'Klage des Grafen Kononnizyn, des bekannten Odessaer Antisemiten, über die Verfügung Stolypins, die Ausweisung der Juden, die sich außerhalb des Ansiedlungsrayons vor 1904 ansässig machten, zu inhibieren, abgewiesen. In Anbetracht der Meinungsverschiedenheiten über die Gesetzlichkeit dieses Zrrkulars ist die Durchsicht desselben dem Justizminisier Tscheglowitow übergeben worden. — Der Unterstaatssekretür des Innern im englischen Ministerium, Herbert Samuel, ist zum Geheimen Staatsrat ernannt worden. Der Gouverneur von Natal, Sir Matthew Natan ist zum. Großkommandanten des Ordens von St. Michael und St. George befördert worden. — Der Chackam Baschi von Konstantinopel wurde einer Konferenz des Justizministers und Ministers für Kultus zugezogen, in welcher dem Ehacham die offizielle Mitteilung gemacht wurde, daß die Regierunggleich nach Eröffnung des Parlaments einen Gesetzentwurf über dieMilitärdienstpflicht der Nichtmohammedaner . vorlegen werde. Da diesem Gesetze das Prinzip zugrunde liegt, )daß'-, von der aktiven Dienstpflicht die -Geistlichen aller Konfessionen zu befreien sind, wurde der Chacham Baschi aufgefordert, so rasch als' möglich die Namen derjenigen Rabbiner bekannt zu geben, die dem Rabbinatskörper der türkischen Hauptstadt angehörem —' Der Großrabbiner der-Türkei-Hat die Absetzung des. Chacham .Baschibutt Jerusalem, E.^Panisel, verfügt. Der Fall erregt in Jerusalem' großes Aufsehen. * /. . /.vv-*.