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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-20 · Heft 47 (20.11.1908) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 47 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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72. Jahrgang. Nr. 47. Der Oeinetndebote. Vellage zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums". lkorrelpondm?m und Oschrichtem Deutschland. s. Berlin. Soeben hat der Verband der deutschen Inden seinen vierten Geschäftsbericht für die Zeit von Oktober 1907 bis 1908 veröffentlicht. Wir entnehmen daraus, in wie fleißiger und zielbewußter Weise der Verband auch in diesem Jahre gearbeitet und wie eifrig er die Interessen der deutschen Judenheit nach jeder Richtung hin währgenömmen hat. Zunächst wird über die Hauptversammlung vom 13. Oktober vorigen Jahres in Frankfurt a. M. ausführlich berichtet. Dann folgt die Tagesordnung von sieben Sitzungen, in denen über viele wichtige Angelegenheiten beraten wurde.- Hieran schließen sich ein Bericht über die Tätigkeit der vier verschiedenen Kommissionen, Mitteilungen über den Ausschuß und das Bureau, der Kassenabschlub des Jahres, die Etatsaufstellung und endlich das Interessanteste, nämlich das Arbeitsgebiet des Verbandes. Im einzelnen erstreckte sich die Arbeit auf folgende Gegenstände: 1. Lehrbefähigung für den jüdischen Religionsunterricht in Preußen, 2. Religionsunterricht an höheren Lehranstalten, 3. die Zurücksetzung der Juden im Justizdienst, 4. das preußische Schulgesetz, 5. die Paßverhältnisse, 6. die Schächtkommission, 7. Schöffen- und Geschworenenauswahl, 8. Preußische Gemeindeorganisation, 9. Sabbatruhe, 10. Zurücksetzungen beim Militärdienst, 11. Konfessionelle Verwendung im preußischen Staatshaushalt. Fragebogen für die Vertrauensmänner der Korrespondenten, eine Liste der letzteren, verschiedene Eingaben des Verbandes an die Minister des Kultus und des Innern, sowie an die Reichstagsabgeordneten schließen den vom Generalsekretär Justizrat Dr. Lövinson.erstatteten sehr interessanten Bericht ab, dessen Lektüre allen empfohlen werden muß, die für die Angelegenheiten des deutschen Judentums Herz und Sinn haben. — Eine neue Einrichtung, die Versendung eines Korrespondenz- Blattes, in dem die Angelegenheiten des Verbandes besprochen werden sollen,- wird sicher allgemeinen Anklang finden. Die erste Nummer enthält einen lesenswerten Aufsatz von Dr. I. Eschelbacher: „Aufgaben einer jüdischen Apologetik" und „Mitteilungen aus der apologetisch-literarischen Kommission". * * * Berlin, 16. November.- Anläßlich des 25 jährigen Bestehens der von dem Moritz Mannheimerschen Ehepaare begründeten Alterversorgungs-Anftalt der jüdischen Gemeinde in der Schönhauser Allee 22 fand am Sonntag, den 15. d. M. in der Anstaltssynagoge eine gottesdienstliche Feier statt, an der neben den Begründern, dem Vorstand und den Insassen der Anstalt auch eine große Anzahl von Ehrengästen, Damen und Herren der Berliner jüdischen Gesellschaft teilnahmen. Die Feier wurde mit dem Choral „Gott grüße Dich" eröffnet, worauf Rabbiner Dr. Rosenzweig in wirkungsvoller Weise die Festrede hielt. Anknüpsend an das Psalmwort: „Diesen Tag hat der Herr geschaffen, lasset uns jubeln und uns freuen an ihm", entwarf er ein glänzendes Bild von dem Wohltätigkeitssinn innerhalb der Berliner jüdischen Gemeinde, die man mit berechtigtem Stolz eine Muttergemeinde in Israel nennen dürfe. Die Freude des Tages löse sich in Dank gegen Gott aus, daß zugleich mit der Anstalt auch deren Inspektor Herr W. Ch e im und seine Frau, ihr Amtsjubiläum, sowie die Insassin Frau Therese Davidsohn das Jubiläum ihres 25jährigen Aufenthaltes in der Anstalt begehen. Mit dem Wunsche, daß es auch ferner an edlen Frauen und Männern, die ihre Kraft in den Dienst der Liebe stellen, nicht fehlen , möge, und einem Gebet für das Kaiserpaar, die Begründer und Förderer, den Vorstand und die Leiter der Anstalt schloß der Prediger seine Rede, die auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck ausübte. . Nach abermaligem Chorgesang hielt Herr Leopold Badt in feiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vorstandes der Alterversorgungsanstalt eine Ansprachein der er darauf hinwies, daß das Jubiläum der Anstalt zugleich das Jubiläum. vieler Personen sei, die. ihre ganze Kraft und. Liebe diesem segensreichen Institut zuwendeten. Zur Erinnerung an den heutigen Tag sowie insbesondere, zum Zeichen des Dankes und der Verehrung für Herrn und Frau Mannheimer, deren Namen mit der Geschichte der Anstalt für ewige Zeiten verknüpft seien, chabe der Vorstand gemeinsam mit den Ehrendamen eine Ehrentafel gestiftet. Dann beglückwünschte er namens des Vorstandes den Inspektor Cheim und seine Frau zu ihrer 25 jährigen Amtstätigkeit und überreichte ihnen in Anerkennung ihrer der Anstalt geleisteten opferwilligen Dienste ein dementsprechendes Ehrengeschenk.. Eine Ansprache der Frau Wendriner namens der Insassen der Anstalt sowie ein von der Enkelin der JubilarinFrau Davidsohn vorgetragenes Gedicht, bildeten den Abschluß der Feier, die allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. s. Berlin, 16. November. Das in Lehnitz in herrlicher Lage am Lehnitzsee belegene Jüdische Genesungsheim hat in diesem Jahre 439 weiblichen Pfleglingen, welche durch ihre Tätigkeit überanstrengt oder durch Krankheit geschwächt waren, ihre Arbeitsfähigkeit wiedergegeben. Eine gegen das Vorjahr weitaus größere Anzahl von Pfleglingen konnte das Heim in diesem Jahre versorgen, da es bereits im März mit zirka 40 Pfleglingen eröffnet wurde und sich im Oktober noch 60 Personen im Heime befanden. Die Erfahrung hat gelehrt, daß die erzielten Erfolge in den Frühjahrs- - und Herbstmonaten stets die gleichen wie in den Sommermonaten sind, und empfiehlt es sich in Anbetracht dessen, daß das Heim in den Sommermonaten stets überfüllt ist. Gesuche um Aufnahme bereits im Januar, unter Beibringung eines ärztlichen Attestes an das Bureau des Vereins Jüdisches Genesungsheim, Rosenstraße 2/4 zu richten. s. Berlin, 17. November. Im Strafgefängnisse zu Plötzensee, dessen Belagsziffer an jüdischen Gefangenen in den letzten Jahren zwischen 80 und 100 schwankte, war der für den jüdischen Gottesdienst bisher eingerichtete Raum schon längst zu eng geworden. Auf Antrag des israelitischen Anstaltsgeistlichen, des Predigers Levy, entschloß sich die Behörde, im Lazarettgebäude genannter Anstalt eine für ihren Zweck würdig gestaltete Synagoge einzurichten. Es wurde in den Staatshaushalt pro Etatjahr 1908/09 eine entsprechende Summe hierfür eingestellt und vom Landtag bewilligt. Die III. Königliche Bauinspektion hat den Bau in zweckmäßiger Weise ausgeführt und auch die rnnere Einrichtung recht stilvoll getroffen. Am 8. November fand nun die feierliche Einweihung dieser Anstaltssynagoge unter Beteiligung der staatlichen Behörden sowohl,. als auch der Delegierten der hierzu von der Direktion eingeladenen Gemeindeorgane statt. Der zurzeit bereits schwererkrankte (mittlerweile verstorbene) Generalstaatsanwalt Wachler war durch Herrn Staatsanwalt Hauschmann vertreten. Außerdem, bemerkten wir von höheren Beamten den Wirkl. Geh. Oberregierungsrat Professor Dr. Post, den Direktor des Untersuchungsgefängnisses v. Mutverstädt, den stellvertretenden Direktor des Strafgefängniffes Plötzensee Staatsanwalt Schulze, den evangelischen Anstaltsgeistlichen Pastor Kortmeher und sämtliche Oberbeamte des Strafgefängnisses./ Das Rabbinat und der Vorstand der jüdischen Gemeinde waren durch je zwei Mitglieder, Rabbiner Professor Dr. Maybaum und Dr. Blumenthal und die Gemeindeältesten Justizrat Timendorfer und Kaufmann Oliven vertreten, die Fürsorgekommission der jüdischen Gemeinde hatte die Herren Gustav Sachs, Professor Dr. Schäfer und Assessor Lamm als Vertreter entsandt, das Direktorium des großen Vereins" zur Besserung der Strafgefangenen die Herren Reckes und Rechnungsrat Müller. Die Gesänge wurden unter Harmoniumbegleitung von dem aus jüdischen Strafgefangenen bestehenden Synagogenchor exakt ausgeführt. Nach Einhebung der Thorarolle durch Professor Dr. Maybaum. sprach Rabbiner Dr. Blumenthal das Weihegebet, welches auf, die Zuhörer einen stimmungsvollen Eindruck machte. Der Anstaltsgeistliche, Prediger Levy, sprach das Kaisergebet und hielt die Festpredigt,

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