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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-20 · Heft 47 (20.11.1908) · p. Seite 554

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 47 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
Seite 554 (sequence 2)
Language
German
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- p "" Rückgang auch dort klar ersichtlich. Schon inv Jahre' 1893"- gelang es den vereinten Kräften seiner Gegner,' ihm sein; Siegener Mandat abzunehmen und den nationalliberalen Dresler für die Reichstagsperiod'e 1893 bis- 1898 in den /Reichstag zu senden. Seit 1898 ist Stöcker zwar immer wieder gewählt, worden, aber doch, mit so. winzigen Majoritäten — das letztemäl waren es nur 46 Stimmen — daß es kaum einer Frage unterliegt, daß dieser Wahlkreis den Antisemiten entrissen werden kann, noch dazu, wenn ein weniger bekannter. Kandidat seitens der christlich - sozialen Antisemiten auf-? gestellt, wird. Es ergibt sich somit die Notwendigkeit, daß nicht nur die liberalen Parteien, sondern auch unsere großen jüdischen Organisationen und der Abwehrverein ihr Möglichstes, tun, um bei der bevorstehenden Neuwahl den Siegener Wahlkreis den. Antisemiten zu entreißen. Dir Woche. >v%;x € f^^*Wfö/xJx s -' Ärdjng-nüs' im philosophischen. Hehrarnt' gegen '.Än -'WidÄME' stand der Fakultäten zurücktreten mußte, beweist ein kürzlich^', von dem Meißener Gymnasialprosessor- Dr. Alfred Leicht/m- . den „Mitteilungen des Vereins' fürdie Geschichte Berlins^‘ veröffentlichter Brief des Kultusministers Dr.^Falk anMoritz. Lazar.us. Am 28. Mai -1873 erhielt' der Begründer der-^' philosophischen Disziplin der Völkerpsychologie, der ' sich - um eine Professur beworben hat, aus dem preußischen Kultus-> Ministerium folgendes offizielle Schreiben- - / „Mit Allerhöchster Genehmigung Seiner Majestät des Kaisers und Königs habe ich Ew. Wohlgeboren eine ordentliche. Pro. ' sessur bei der philosophischen Fakultät der hiesigen Universität, unter der. Voraussetzung verliehen, daß Sie der Universität in einer- - solchen Stellung Ihre Kräfte zu widmen bereit sein werden. Indern . es mir zur, Freude gereicht, Sie hiervon in Kenntnis zu setzen,.' " bemerke ich zugleich, daß die gedachte Fakultät sowie das Königliche Kuratorium und der Rektor und Senat der Universität die nötige Mitteilung erhalten haben. Der Minister der geistlichen, Unterrichts- und Medizinäl- Angelegenheiten Falk." Berlin, 17. November, a wir die großen Sorgen des Vaterlandes nur als Deutsche, nicht, wie das leider so oft vorkommt, auch noch als Juden außerdem zu tragen haben, so können uns solche . heute an dieser Stelle nicht beschäftigen. Indes ist dafür ge-, sorgt, daß wir auch noch unsere besonderen kleinen Leiden zu tragen haben. So entnehmen wir dem eben erschienenen und an anderer Stelle besprochenen Bericht des Verbandes der Deutschen Juden, daß dieser schon unterm 2. Juni d. I. eine Eingabe an den Minister des Innern gerichtet hat, die. mit dem Passus schließt: „Indem wir aus die Besprechung unseres Ausschußmitgliedes Makower mit Herrn Geheimen Oberregierungsrat Heinrichs vom 14. Mai d. I. Bezug nehmen, stellen wir den ergebenen Antrag: die inländischen Polizeibehörden anweisen zu wollen, von Ausstellung polizeilicher Bescheinigungen über das Religionsbekenntnis von Paßnachsuchern, unter welcher Form immer sie erteilt werden mögen, gänzlich Abstand zu nehmen und den einzelnen Paßnachsuchern zu , überlassen, die etwa vom russischen Konsul geforderten Nachweise auf anderem Wege zu beschaffen." Diesem wohlbegründeten Anträge hat der Minister des Innern, wie der Geschäftsbericht leider etwas lakonisch konstatiert, „nicht entsprechen zu können geglaubt". Wir dürfen wohl annehmen, daß der Verband deutscher Juden sich mit diesem Bescheide nicht begnügen, sondern nunmehr, da es sich um eine Bestimmung des Schlußprotokolls des russischen Handelsvertrags handelt, an den Reichstag rekurrieren wird. Jedenfalls wird dort im Falle einer abermaligen Ablehnung seitens der Regierung auf einer materiellen Begründung dieser Weigerung bestanden werden. * Mit der kürzlich hier für die medizinische Fakultät bereits erörterten Frage der Berufung von Juden zu ordentliche n Prozessoren an deutschen Universitäten steht es am schlimmsten zurzeit in der philosophischen Fakultät. Im letzten Jahrzehnt hat es in dieser Fakultät, speziell für das Fach der Philosophie, nur einen ordentlichen Professor mit der Berechtigung zur Abnahme von Prüfungen gegeben, nämlich den Geh. Regierungsrat Professor Dr. Her- ' mann Cohen an der Universität Marburg, der noch in der günstigeren liberalen Aera als Philosoph zu einer ordentlichen Professur gelangte. Daß selbst ein liberaler Kultusminister in Preußen in der Frage der Berufung eines. Juden zum Was geschah nun in Wirklichkeit? Lazarus, der sich um des Friedens willen damals im Mai 1873 der philosophischen Fakultät der Berliner Universität nicht oktroyieren ließ und in seiner bescheidenen Lehrstellung als ehrenamtlich lesender Honorarprofessor bis 1896, das heißt bis zum Aufhören seiner Lehrtätigkeit, verblieb, ist niemals ordentlicher Professor geworden. Er wurde Honorarprofessor, das heißt, er erhielt nicht nur kein Honorar vom Staat, sondern er mußte sich auch sein Leben lang mit dieser rein dekorativen Stellung, ohne jeden Einfluß in der Fakultät, begnügen. Wie langsam entwickeln sich doch diese Dinge des rein selbstverständlichen Fortschritts in Preußenl „Mein deutsches Vaterland" — schrieb Lazarus aus Bern im Mai 1861 — „macht es mir zurzeit noch unmöglich, in der Heimat dasselbe zu erwirken, was mir hier als Fremder gelingt. Im deutschen Geiste bin ich heimisch, ihm verdanke ich des Gedankens und per Rede Kraft; seine Fahne erhebe und trage ich, ob auch Regierende und Fakultätsprofessoren mich zwmgech sie in der Fremde zu tragen" . . . Nicht alle Fakultätsprofessoren sind natürlich so engherzig; bemühte sich doch ein Mann von der Bedeutung Otto Ribbecks wiederholt darum, Lazarus für eine Professur in Kiel zu ge- Winnen. Allein der Verfasser des „Lebens der Seele", ein Werk, das ein Gottfried Keller einen nach innen gekehrten Kosmos genannt hatte, lehnte einstweilen ab, „bevor er den Beweis sehe, daß die Kultusbehörde nicht mehr — hinter die Zeit der Berufung Spinozas nach Heidelberg zurückgehend — den Juden, und das philosophische Lehramt füv unvereinbar halte"... .. Damals hatte, die Fakultät in Kiel sogar den Mut gehabt,, Lazarus dem Minister v. Mühler zur Berufung vorzuschlagen. Allein Herr v. Mühler, der den Juden selbst die Befähigung zur Ausfüllung der Stellung eines Gymnasiallehrers absprach, lehnte ab. Lazarus war in. allerdings so glücklichen Vermögensumständen, daß ihn alle diese Dinge nicht am wissenschaftlichen Weiterarbeiten hindern konnten. Welches Martyrium aber ist noch heute dem unbemittelten Juden auserlegt, der sich der akademischen Lehrtätig- - keit als Philosoph usw. widmet! Der. Mediziner erhält seine . Praxis. Der Philosoph ist zumeist ganz aich den Ertrag seines literarischen Schaffens, angewiesen, und was .das noch heute in Deutschland bedeutet, weiß man z. B. aus' dem Leben Steinthals, der ohne das Eingreifen Lazarus^ bereits. 1855 nach China gehen wollte, und der selbst bei reger publizistischer/

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