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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-13 · Heft 46 (13.11.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 46 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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18. November 1908, vormittags lOVs Uhr "l Breslau im Sitzungssaale der Repräsentanten der Synagogengemeinde (Wallstraße 14, II Treppen) stattfindet. Die Tagesordnung ist folgende: 1. Bericht über das letzte Vereinsjahr.1907)08 sowie über die Tätigkeit des Verbandes der jüdischen Lehrervereine' im Deutschen Reiche. -2. Rechnungslegung der Kassenverwaltung, 3. Neuwahl des Vorstandes. 4. „Sind die Erzählungen des alten Testaments für die Charakterbildung der Jugend entbehrlich?" (Verbandsthema, Schweitzer-Glogau.) 5, Dr. Coblenz: Jüdische Religion (Rabbiner . Fabian-Breslau). 6. „Die Erhaltung der jüdischen Volksschule in .der Gegenwart" (Plaut-Sohrau O./S,). 7. Bericht, „den Normallehrplan für Neligionsschulen einer allgemeinen Revision zu unterziehen" (Moops-Breslau). 8. Bericht über den Delegiertentag in Hannover (Bähr-Waldenburg). 9. Antrag Bähr-Waldenburg: Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen wolle beschließen, die Gemeindeverbände Breslau-Liegnitz, Oppeln, Posen und Bromberg zu bitten, in Erwägung, daß die jüdische Lehrerschaft allezeit bereitwillig ist, an allen Bestrebungen zur Hebung des Judentums mitzuarbeiten, und daß sie durch ihre Sachkenntnis und Vertrautheit mit den religiösen Verhältnissen der kleineren Gemeinden jede beabsichtigte Förderung derselben besonders wirksam zu unterstützen in der Lage ist: in federn Bezirke einem dieser kleinen Gemeinden angehörenden Lehrer oder Kultusbeämten auf den Verbandstagen Sitz und Stimme einzuräumen. Diese vier Kollegen sollen alljährlich vom Verein nominiert werden.. 10. Einsetzung einer Jugendschriften-Kommission. 11. Bericht über einige Neuerscheinungen auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes: Tennenbaum,^ Jüdische Tempelgesänge für den Sabbath; Löwy: Schaare-Tefillah und Vorstufe für den Uebersetzungsunterricht; Dr. Freund, Jüdisches Volksschulrecht. (Heymann-Breslau. Hamburger-Brieg und Moops-Breslau.) 12. Etwaige Anträge aus der Mitte, der Versammlung. n. Breslau, 6. November. Am Montag wurde hier die Stiftung der Brüder Littauer feierlich eröffnet. Sie dient zu einem Heim für Sieche und Krüppel und ist mit 250 000 Mark fundiert. Die Stadt hat auch einen Zuschuß gegeben. Die Zahl der Pfleglinge beträgt gegenwärtig zwölf. Oberbürgermeister Bender erösfnete die Anstalt mit einer Ansprache. — An den Folgen eines' Brandunglücks ist im hiesigen jüdischen Krankenhause die Lehrschwester Anna Ucko im Älter von 22 Jahren gestorben. Gestern abend fand die Ueberführung des Sarges nach dem Oberschlesischen Bahnhof zum Transport nach Zabrze statt, wo heute die Beerdigung stattfinden wird. Der Ueberführung voran ging in der von Leidtragenden dicht gefüllten Leichenhalle des Krankenhauses, die in einen grünenden Pflanzenhain umgewandelt war, eine tiefbewegende Trauerfeier. Nach einem Sologesang, des Oberkantors Cerini ergriff Rabbiner Dr. Guttmann an dem mit einer Fülle der kostbarsten Kranzspenden bedeckten Sarge das Wort zu einer ergreifenden Trauerrede. Im Namen der Aerzteschaft des Krankenhauses widmete sodann Primärarzt Sänitätsrat Dr. Sandberg der so jäh ihrem Berufe und ihrer Familie Entrissenen einen tiefempfundenen Nachruf, in welchem er den Opfertod schilderte, den die junge, tüchtige Krankenschwester in Ausübung ihres schweren Berufes erlitten. Mit abermaligem Gesang schloß die Feier. K. Altrich, 1. November. Der gestrige Sabbat brachte ein., für die hiesige Gemeinde wehmütiges Ereignis. Herr Hauptlehrer und Prediger Neuß, der nach 14jühriger segensreicher Tätigkeit in den Ruhestand tritt, verabschiedete sich in einer ergreifenden Rede. Unsere Gemeinde verliert in Herrn. Reuß nicht nur einen vorzüglichen Redner"und Prediger, der in zu Herzen gehenden Worten seine Hörer zu fesseln und zu beeinflußen verstand, sondern auch eine tüchtige Lehrkraft, die reiches Wissen mit Umsicht und Energie verband und unsere Schule auf ein hohes Niveau brachte. Seine pädagogische Begabung wurde stets in den Revisionsschriften der Vorgesetzten Behörden sehr lobend anerkannt. Es wird der Gemeinde schwer fallen, eine in allen seinen Aemtern gleich tüchtige Persönlichkeit wieder zu erhalten, und sein Wirken wird bei Schule und Gemeinde unvergeßlich bleiben. Ihrer Hochachtung und Verehrung verlieh die Gemeindevertretung in einem anerkennenden Schreiben und durch ine Ehrengabe Ausdruck Mögen an Herrn Hauptlehrer Reuß sich die guten Wünsche erfüllen, die ihm seine vielen Verehrer aus vollem Herzen mit, auf den Weg nach Berlin gaben. ' m. Hamburg, 4. November. Herr Otto May, Begründer und Mitinhaber des früherern Bankhauses Adler LMay, istin Charlottenburg/ wo ,er zum Besuche seiner Tochter weiltegestorben. Der Verblichene, der ein Alter von 75 Jahren erreichte, war ein Bruder des bekannten Bürgerschaftsmitgliedes Dr. Hermann May und war in der Verwaltung vieler gemeinnützlichen Institutionen tätig. Sein Hauptinteresse bezeugte er dem Müdchenwaisenhaus der Gemeinde, dem Paulinenstift; in diesem so segensreich wirkenden Institut bekleidete er mehrere Jahrzehnte das Amt eines Vorsitzenden. In weitesten Kreisen unserer Vaterstadt genoß der Verewigte große Hochachtung, und erregte sein so plötzlicher Tod tiefeaufrichtige Teilnahme. Die Leiche wurde von Charlottenburg nach dem israelitischen Friedhof in Ottensen überführt. Zur Beisetzung hatte sich eine außerordentlich große Anzahl Leidtragender eingefunden. Der Gemeindevorstand war durch die Herren Jos. Schönfeld und Alfred Levy vertreten; der Vorstand des Waisenhauses und Delegierte vieler Gemeinde- und Wohltätigkeitsinstitutionen hatten sich auf dem Friedhof eingefunden. Auf Wunsch des Dahingeschiedenen hatte man denn von einer größeren Trauerfeier Abstand genommen, auch wurde keine Gedenkrede gehalten. Der Beamte der Neuen Beerdigungsgesellfchaft Herr Jgn. Mandl trug'die rituellen Gebete vor. Unter den Klängen des Psalm 91 wurde der Sarg zur Gruft getragen. Dicht, hinter dem Sarge folgten die Zöglinge des Waisenhauses; ihnen schlossen sich Hunderte von Leidtragenden an. * Bamberg, 6. November. Die Folge, der schlechten Besoldung der israelitischen Religionslehrer auf dem Lande ist, daß keine Bewerbungen um offene Stellen einlaufen. So geschah es in einer nahegelegenen Ortschaft; nur ein ehrsamer Schuhmachermeister, ein Lehrerssohn, hat sich um den Posten bemüht, und er dürfte unter den gegebenen Verhältnissen vielleicht die Stelle-erhalten. Das sollte den bayerischen Juden doch zu denken geben! Gesterreich-Nnssrn. □ Wien, 9. November. Das Ministerium Beck ist abgetreten und das Sprichwort: „Es kommt selten etwas. Schlimmeres nach", wird wieder einmal Lügen gestraft. Denn es kommt tatsächlich etwas Schlimmeres nach. Der neue Leiter soll Minister Bienerth sein, ein mit den Christlich-Sozialen liebäugelnder Herr; ferner sollen zwei waschechte Judenfeinde, der Prinz Alois Lichtenstein und der Präsident des Abgeordnetenhauses Dr. Weiskirchner, und zum Ueberfluß noch ein tschechischer Klerikaler in das neue Kabinett eintreten, das übrigens nur der Vorläufer eines einheitlich christlich-sozialen Ministerium bilden soll. Schöne Aussichten! — Im galizischen Landesausschuß erklärte Dr. Jahl in Beantwortung einer Interpellation der Abgeordneten Dr. Löwenstein und Genossen, daß der Landesansschuß auf Grund von Daten, die nunmehr gesammelt werden, die Ursachen der Verarmung der jüdischen Bevölkerung in Galizien eingehend prüfe, und in dieser Angelegenheit eine Enquete einberufen werde, um gemäß den Ergebnissen der Untersuchung mit der Regierung Verhandlungen einzuleiten. — Am 15. Oktober erhielt Reichsratsabgeordneter Dr. Gabel einen Brief, aus dem der folgende Vorfall bekannt wurde: Am 4. Oktober, also am Vorabend des Jom Kippur wurde in Kretonnes die 13 jährige Tochter des Michael Wieselthier, Hinde Wieselthier, von zwei Bauernweibern entführt. Während die Eltern zu Kol Nidre sich in der Synagoge befanden,, drangen die zwei Bäuerinnen mit Hilfe des Bauern Jacko Wrubel in die Wohnung des Wieselthier, erbrachen die Schränke, nahmen die der Hinde Wieselthier gehörigen Effekten an sich, entwendeten auch andere Wertsachen und entführten dann das wehrlose Mädchen in das Kloster der Felicianerinnen in Krakau. Die Anzeige wurde bereits erstattet. Abgeordneter Dr. Gabel wird nun in dem Schreiben gebeten, in dieser Angelegenheit bei der Statthalterei zu intervenieren. Es wiederholte sich hier dieselbe Komödie, wie in allen früheren gewaltsamen Tauffällen, indem die Behörde sich darauf berief, daß das Mädchen nicht gewaltsam entführt und getauft wurde, sondern angeblich freiwillig das Elternhaus verlassen , und die Taufe genommen 'habe/. Aüfi Veranlassung des Dr. Gabel wurde die Angelegenheit zur Kenntnis der Regierung gebracht. — Der - in dem

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