Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 46 (13.11.1908)
- Date
- 1908-11-13
- Page
- Seite 552 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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David warf dem Bundisten einen vorwurfsvollen Blick zu. „Warum drängen Sie sich dazwischen? Vielleicht wird es sich bald genug ausweisen, daß mein Weg zur jüdischen Emanzipation der kürzeste ist." Die Männer lächelten überlegen, und der Pelzhändler ^schüttelte den Kopf. Ich gehöre auch der Partei zur Beförderung der Erziehung an — ich bin nur für friedliche Methoden." „Das merke ich," sagte David trocken. Um ihn los zu werden, gab der Bundist ihm die Adresse eines Mannes, der sich fern von der polnischen Politik hielt, eines seiner Vettern, Belschevski mit Namen, der vielleicht der Samooborona beitreten würde. Aber Belschevski erklärte, daß er Territyrialist sei. David war unklug genug, ihm zu sagen, daß er bei Grodsky gewesen, der derselben Partei angehöre und ihm halb und halb versprochen habe — „Was, ich sollte mit diesem hirnlosen, aufgeblasenen Volksredner gemeinsame Sache machen? Der ist ja noch viel schlimmer wie die hysterischen Zionisten! Wir bedürfen eines Landes, nicht des Sozialismus." „Darin stimme ich mit Ihnen überein. Aber wir bedürfen vor allen Dingen der Selbstverteidigung." „Die einzige Art der Selbstverteidigung, die es für uns gibt, ist, daß wir aus Rußland auswandern und in ein uns ' selbst angehöriges Land ziehen." „Fünf und einviertel Millionen von uns? Wenn jede Woche regelmäßig zwei Schisse, eins von Libau, dem Norden, eins von Odessa, dem Süden, mit 2000 Passagieren abführe, so würde ein Vierteljahrhundert darüber vergehen, ehe alle Juden Rußland verlaßen hätten. Und in dieser-Zeit würde - eine neue Generation erwachsen sein." Der Territorialist sah verlegen drein. „Außerdem," fuhr David fort, „welches neue Land würde 200 000 Juden itn Jahre ausnehmen können?" Der Territorialist lächelte verächtlich. „Warum haben Sie nicht gleich gesagt, daß Sie ein simpler Bourgeois find? Die unbedingte historische Notwendigkeit, die die I. 1.-0. entstehen ließ, wird ihren rüstigen Fortgang nehmem Gewiß ist, daß so bald das Land, in dem wir uns selbst regieren werden, bereit ist, uns zu ernpfangen, ich fest entschlossen bin, mit dem ersten Schiffe, das dahin fahren wird, aus Rußland fortzureisen. ' „Haben Sie schon ein solches Land in Aussicht genommen?" „Noch nichts Wir haben bis jetzt nur Zeit dazu gefunden, uns mit unserer Verfassung zu beschäftigen. . Es wird keine ' sozialistische Konstitution - werden, wie-dieser Idiot Grodskststch/" einbrldet. Aber eine demokratische Verfassung. Alle erblichen?" Vorrechte werden abgeschafft." „Aber wo liegt dieses Land?" ' ' „Nun, es gibt doch noch jungfräuliche Länöer." / , „Selbst jungfräuliche Länder sind versprochen," - sagte Davide „Sollte es wirklich noch ein Land ohne Herrn und Meister geben, so wird es zweifellos ein sehr, häßliches,, ungesundes Land sein. Jedenfalls werden wir lange darum werben müssen. Lernen Sie tu der Zwischenzeit von mir, wie man eine Pistole abfe u" „Von Herzen gern — ~ nur, um wilde Tiere tot zu schießen." ■■■■•:/ „Das ist ja auch alles, was ich-von Ihnen verlange", sagte David grimmig. Durch diesen Halberfolg ein. wenig ermutigt, wandte David sich kühn an einen Teehändler, der ihm ganz unbekannt war und bat ihn,, sich an einer Sammlung' zum Ankauf von Waffen zur Selbstverteidigung zu beteiligen. Der Teehändler, ein kleiner, untersetzter Mann, der ein schwarzes Mätzchen von zweifelhaftem Schnitt trug, protestierte auf das lebhafteste gegen solche materialistischen Maßregeln. Man müsse den Fortschritt der Kultur vertrauen! Hebräisch sprechen — darin allein lag Israels Rettung. Man sollte schon ' die kleinen Kinder lehren, in der Sprache des Jesaias und des Hosea zu lallen — das allein sei der wahre Zionismus. (Fortsetzung folgt./ Sprechlasl. 7r» 3>.iü Geehrte Redaktion! Ihrem Bericht über die Sitzung der Repräsentanten der jüdischen Gemeinde zu Berlin vom 24. Oktober d. I. erlauben wir uns nachstehende Berichtigung zu geben: * . . 1. Es sind nicht wie angegeben vier, sondern nur zwei Zimmerstiftungen der Alter-Versorgungsanstalt und zwar die der Herren Louis Eduard Sachs und Max Mecklenburg im Betrage von je 12000 Mark zugefallen. Ferner eine Sonderstiftung der Frau Pakscher von 10 000 Mark zugunsten der Hospitaliten der Anstalt in der Exerzierstraße. 2. Von dem Zinsertrag der Schenkung des Herrn Moritz Manheimer zur Grabeserhaltung sollen alljährlich zehn der ältesten Hospitaliten je 5 Mark und nicht 50 Mark erhalten. Der Vorstand der Alters-Versorgungs-Anstalt der jüdischen Gemeinde. Bach. Bitte! ‘ beabsichtigen die Schaffung einer pädagogischen Sammelstelle und wenden uns deshalb an Rabbiner, Lehrer und sonstige Interessenten mit der Bitte um Einsendung von Schulberichten, Lehrplänen, Programmen, Pädagogischen Abhandlungen aus Zeitschriften, pädagogischen Werken, Katalogen von Lehrer- und Schülerbibliotheken sowie überhaupt gedruckten und handschriftlichen Materials jeder Art, das sich auf deN jüdischen Religionsunterricht und jüdische Schulen bezieht. Die Sendungen werden an die Adresse des Herrn Rabbiner Leo Fabian, Breslau, Neudorfsträße 34*; freundlichste erbeten. Die pädagogische Kommission der Vereinigung.. ' der liberalen Rabbiner Deutschlands. Dr. Freude nt h a l-Nürnberg. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. < > Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin^