Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Berlin, 6. November 1908. Brtlsge zur „ANgemetnen Leitung de§ Judentums". KorrelpondmHkn und Nachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 1. November. Nicht glänzender konnte der Verein für jüdische Geschichte und Literatur seine Arbeitssaison eröffnen, als mit der Gedenkfeier für Michael Sachs und Moritz Veit, die Rabbiner Dr. Werner-München durch einen in jeder Beziehung vorzüglichen, objektiven und die Eigenart beider Männer plastisch hervorhebenden, rhetorisch — wie immer — vollendeten Vortrag feierte, der auch allgemeinen lebhaften und wohlverdienten Beifall seitens des überaus zahlreich versammelten Auditoriums gefunden hat. — In den auswärtigen Literaturvereinen hat ebenfalls die Arbeit bereits begonnen. In Königsberg und Tilsit sprach Schriftsteller F. Schach-München über „jüdische Kultur in Ost und West", in Glogau Professor Geiger über „Berthold Auerbach", in Thorn über „Was ist uns Börne?", in Schwetz, Kulm und Offeubach über „Goethe und die Juden", in Frankfurt a. M. Dr. I. Heiuemann über „die Wertschätzung der Arbeit im alten Israel", in Köln und Breslau Lic. Dr. I. Benzin ger über „Volksleben im Lande der Bibel", in Hamburg Freiherr Dr. Afred v. Berger über „Hebbels Judith und die Apokryphen", in Mainz Rabbiner Dr. Salfeld über „Die Hundertjahrfeier der deutschen Predigt", in Essen Dr. Leopold Hirsch berg-Berlin über „Juda's Kriegshelden in der Musik". — Ein neuer Literaturverein wurde iu Zweibrücken begründet. 36 Eemeindemitglieder traten sofort bei. Zum Vorsitzenden wurde Bezirksrabbiner Dr. Meyer, zum stellvertretenden Vorsitzenden der Prokurist Otto Löb gewählt. 8. Berlin, 2. November. Anläßlich des 25 jährigen Jubiläums des Ordens „Benai Brith“ wurde in Anerkennung der großen Verdienste, die sich der Großpräsident desselben, Herr Justizrat Timendorser, erworben, als sichtbares Zeichen der Dankbarkeit eine dessen Namen tragende Stiftung gegründet, die anläßlich feines 10 jährigen Amtsjubiläums im Orden ins Leben getreten ist. Für diese Stiftung ist jetzt ein Kuratorium aus den Herren Geheimrat Dr. Cohen, Professor Philippson," Rabbiner Dr. M. Horowitz- Frankfurt a. M. und Dozent Dr. Elbogen bestehend gebildet, und als Zweck dieser Stiftung folgendes bestimmt worden: „Zweck der Stiftung ist die Förderung wissenschaftlicher Fortbildung. Sie soll jüdischen Akademikern, die durch wissenschaftliche Prüfungen Begabung und Tüchtigkeit auf ihren Gebieten bereits nachgewiesen haben, die Mittel gewähren, deren sie bedürfen, um sich in ein Spezialfach zu vertiefen, und darin die Lehrtätigkeit an einer Hochschule zu übernehmen. Bevorzugt werden solche Gelehrte, welche an einer Universität Wissenschaft des Judentums zu lehren bereit sind. Unter den Bewerbern sollen in erster Reihe Brüder oder Söhne von Brüdern berücksichtigt werden, welche die Wissenschaft des Judentums an staatlichen deutschen Hochschulen lehren. Die einzelne Unterstützungsrate soll nicht weniger als 1000 Mark betragen." Der Stiftungsfonds beträgt gegenwärtig 11 000 Mark; es steht aber zu erwarten, daß dasselbe noch beträchtlich anwachsen wird. Zweifellos wird die Zweckbestimmung dieser Stiftung von allen mit Freuden begrüßt werden, die es als einen Mangel empfinden, daß an keiner Universität ein Lehrstuhl für jüdische Wissenschaft besteht. Was an den Universitäten über Judentum und jüdische Wissenschaft bisher gelehrt worden ist. hat bekanntlich nicht zu einer zutreffenden Würdigung der jüdischen Wissenschaft beigetragen. Deshalb darf auch mit Recht angenommen werden, daß die Timendorfer-Stiftung durch weitere Zuwendungen recht bald in die Lage kommen wird, das gesteckte Ziel zu erreichen. 22 Berlin, 3. November. In der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, N., Artilleriestr. 14, liest im Winterhalbjahr Dozent Dr. Elbogen jeden Dienstag abend 8 bis 9 Uhr über „Die Juden im neunzehnten Jahrhundert". Die Vorlesung ist für weitere Kreise bestimmt. Zutritt unentgeltlich. 3. Berlin, 2. November. Das Komitee für Chanukah- Bescherung versendet wieder den folgenden beherzigenswerten Aufruf: „Wir wenden uns von neuem voll Zuversicht an den altbewährten Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen und -genossinnen und bitten herzlich, uns auch dieses Jahr zu Chanukah in den Bestrebungen für unsere Schuljugend zu unterstützen. 1324 jüdische Kinder, welche wir im vorigen Jahre .mit Kleidung, Stiefeln und Lehrmitteln versehen konnten, denken dankerfüllt an ihre Wohltäter, welche ihnen das freudige Bewußtsein verschafft haben, daß der Arme nicht verlassen ist. Es ist unser Streben gewesen und wird es immer bleiben, durch diese Gaben nachJ'orgsältiger Auswahl des Notwendigen und Nützlichen, in .den Kindern . den Sinn für Ordnung und Sauberkeit zu wecken und ihren Fleiß anzuspornen. Auch dieses Jahr erwarten viele Hunderte die gleiche Wohltat; wir hoffen umsomehr aus edle Geber, als durch, die Preissteigerung der notwendigen Gebrauchsgegenstände sowohl die Bedürftigkeit der Armen als auch unsere Ausgaben gestiegen sind. Jede der Unterzeichneten nimmt Gaben an Geld, Stoffen, Jugendschriften usw. mit Dank entgegen und erteilt gern jede nähere Auskunft. Berlin, im Oktober 1908. Das Komitee für Chanukah-. Bescherung: Frau Julie Neumann, Vorsitzende, Potsdamerstr. 121 e. Frau Markus Adler. Frau Max Benjamin. Frau Julius Böhm. Frau Dr. Frankl. Frau Dr. Ginsberg. Frau Professor Dr. Grabower. Frau Anna Jtzig. Frau Professor Dr. F. Liebermann. Frau Clara' Meyer. Frau Professor Dr. Max Moste. Frau Sanitätsrat Dr. Mühsam., Frau Louise Oliven. Frau Louis Oppenheim. Frau Helene Schönwald. Frau Geheime Sanitätsrat Dr. Stern. Frau Dr. Ungerleider. Frau Sanitütsrat Dr. Otto Wiesenthal. Frau Dr. Wreschner. — Im verflossenen Jahre hat das Komitee einen herben Verlust erfahren durch den Tod der Frau Geheime Sanitätsrat Dr. Flatau. Neu eingetreten sind die drei Mitglieder: Frau Clara Meyer, Frau Prof. Mosse, Frau Dr. Wreschner. 22 Berlin, 5. November. Am 10. d. M. feiert einer unserer fleißigsten und begabtesten Schriftsteller Herr Dr. Adolf Kohut seinen 60. Geburtstag - und zugleich sein 40jähriges Schriftstellerjubiläum. Schon seine erste Schrift „I. G. von. Herder und die Humanitätsbestrebuugen der Neuzeit" zeigte die Richtung an, die er einzuschlageu beabsichtigte. Sein zweites Werk: „Alexander von Humboldt und das Judentum" erregte allgemeines Aufsehen. In der Folge wandte sich Kohut allgemeinen publizistischen und literarischen Interessen zu. Aber niemals hat er das Judentum, das er kannte und innig liebte, vergessen, und noch oft widmete er seine ausgezeichnete Feder jüdischen Fragen und Stoffen. Wir nennen hier nur seine Schriften: „Die Goldenen Worte der Bibel", „Moses Mendelssohn und seine Familie", „Geschichte der deutschen Juden von den ältesten Zeiten bis auf die Gegenwart", ein Werk, das großes Interesse und weite Verbreitung gefunden hat, „Berühmte israelitische Männer und Frauen". Hierzu kommen noch zahlreiche sehr wertvolle Aufsätze über Juden und Judentum im allgemeinen und jüdischen Zeitschriften, vor allem auch in unserem Blatte, dessen treuer Mitarbeiter der Jubilar seit vielen Jahren ist, und viele mit allgemeinem Beifall aufgenommenen Vorträge aus den verschiedenen Gebieten der jüdischen Geschichte und Literatur in deutschen und österreichischen Vereinen. Seine umfassende literarische Tätigkeit auf dem Gebiete der deutschen Literatur und der Kunst wird sicher von anderer Seite gerechte Würdigung erfahren. Hier soll nur noch gesagt werden, daß es gegenwärtig wenige Schriftsteller gibt, die so mit eisernem Fleiß, solch treuer Hingabe ^md mit einem so großen, weitauseinanderliegendem Gebiete mit gleichen: Geschick umfassenden Wissen ihr Leben lang treu gearbeitet und geschafft haben wie er. Möge es dem verehrten Jubilar beschieden sein, noch sehr lange in ungetrübter Kraft und nie versagender Frische zu wirken und zu arbeiten! : . 8. Berlin, 25. Oktober. Der Ausschuß der Verbandsvertretung oes Gesamtverbandes der katholischen Kirchengemeinden Groß