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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-06 · Heft 45 (6.11.1908) · p. [Seite]

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
[Seite] (sequence 12)
Language
German
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^*izr*-^ß s „Welche Erleichterung können sie bringen?? warf-'.David. ungeduldig ein. „Ohne Selbstverteidung". „Das ist sehr wahr. Es werden da eben ein paar hundert Leute an fremden Küsten durch das Fieber oder durch Hunger - zugrunde gehen. Immerhin mögen sie untergehenes geschieht alles zum Ruhme des Zionismus." „Wieso?" fragte Da.vid erstaunt. „Weil dadurch der Beweis geliefert wird-, daß die gottlosen Ideale der Materialisten sich niemals verwirklichen können, daß Israel nur in seinem ursprünglichen Heimatslande zu einer Nation erstarken kann. Dann wird der Zeitpunkt kommen, wo ich auftreten werde." „Die Engländer sind von Dänemark eingewandert, und ich denke doch, daß sie Anspruch darauf haben, eine Nation genannt zu werden?" Die Eulenaugen funkelten zornig.' „Wir sind das auserwählte Volk; damit lassen sich keine historischen Parallelen ziehen. Wie die Taube zur Arche, wie die Schwalbe im Frühling in ihr Land, wie die Flut regelmäßig wiederkehrt, wie die Sterne —" „Ja, ja, ich weiß schon," sagte David, „aber wo sollte in Palästina Raum sein für alle russischen Juden?" „War nicht im Tempel des Herrn Raum für die Millionen, die zum Pasfahfeste kamen," erwiderte Herr Cantberb scharf. Wieder setzte das Telephon ein. Das., Pelzwerk wurde jetzt zu einem billigen Preise angeboten. „Ein gottloser Vundist," erklärte die Eule zwischen den durch Vermittlung des Telephons - geführten Verhandlungen. „Ein Bundist?" David spitzte seine Ohren. Wenn es ihm gelänge, einige dieser Leute, die er für die tapferste revolutionäre Partei Rußlands hielt, zu gewinnen! „Wo ist er?" _ Die Eule versuchte es, sich ein würdevolles Ansehen zu geben; es gelang ihr aber nur höchst unvollkommen. „O, ich kann ihn nicht verraten, er ist immer doch ein Bruder in Israel. Nicht, daß sein Betragen eines solchen würdig wäre, denn er opponiert gegen den von ' uns vorgeschlagenen Kandidaten der Duma." „313 Rubel," rief er dann in entschiedenem Tone durch das Telephon. „Nein, keine Kopeke mehr. Eh?,Was? — Er hat die Verbindung abgebrochen, du elender Blutsauger." Nun warer es, der die Verhandlung mit dem ^Händler wieder aufnahm. David merkte sich die Telephonnummer. „Was habt ihr Zionisten mit dem Parlament in Rußland zu tun?" fragte er die Eule. Aber die Eule war in ihr Telephongespräch vertieft. „315! Was? Sie wollen mir wohl auch das Fell über die Ohren ziehen wie Ihren Zobeln?" - „Ich sehe, daß Sie beschäftigt sind," sagte David, der sich ärgerte, so viel Zeit vergeudet zu haben. „Ich werde mir die Freiheit nehmen, ein andermal wieder vorzusprechen." Ein Blick in das Telephonbuch verriet ihm Namen und Wohnung des Bundisten, und David eilte sofort zu ihm, in . der Hoffnung, ihn für seine Zwecke zu gewinnen. Der Ladenbesitzer jedoch war ein so dicker und dumm aussehender Mensch, daß David der Mut sank. Aber er ging dennoch gleich auf sein Ziel los. „Ich weiß, daß Sie ein Bnndift sind^—" „Ein was?" sagte der Pelzhändler. David lächelte. „O, Sie brauchen mir nichts vorzumachen. Ich bin selbst ein Kämpfer für die gute Sache". Er zeigte den in seiner Rocktasche verborgenen Revolver. „Hilfe, Hilfe, Gewalt," rief der Pelzhändler. Ein bartloser. Jüngling kam aus dem * Innern b'eij^ Zimmers ' gelaufen.' David lachte herzlich. „Herr Cantberg.- sagte mir, daß Sie ein Bundist wären," erklärte er. dem Laden- . Inhaber, „und ich kam zu Ihnen in der Hoffnung, eine ver-.. / wandte - Seele zn finden. Aber ich sehe wohl ein, daß Herr ' Cantberg sich stets irrt. Guten Morgen." ~ v „Halt",, rief der Jüngling. „Geht in .das Wohnzimmer, Reb Jitzchock, und laßt mich mit diesem Feuerkopfe ver-. handeln." Als der korpulente Mann sich darauf mit ungewohnter . Lebhaftigkeit entfernt hatte, fuhr er in ernstem Tone fort: „Diesmal war Herr Cantberg nicht mehr als. hundert Werst von der Wahrheit entfernt." David lächelte. „Sie sind ein Bund ist?" „Stille. Hier im Hause bin ich nur der Schwiegersohn. ' ' Ich studiere den Talmud und esse Ke st (am Freitische). Was gibt es denn neues in Warschau?" „Ich bedarf Ihrer sowohl wie Ihres Schwiegervaters," sagte David ausweichend, „sein Geld und Ihre Muskeln." „Von dem ist kein Geld für unsere Sache heraus zu. chlagen, außer dem, was ich Cantberg durch List 'abnötige." Zm erstenmal glitt hier ein Lächeln über das Gesicht des Jünglings. „Wenn er mit jenem Bourgeois am Telephon verhandelt, reize ich ihn immer mehr und mehr zu sordern, und dafür erhalte ich die . Hälfte des dadurch errungenen Vorteils. Was mich selbst betrifft, so stelle ich natürlich mein Leben dem Hauptquartier zur Verfügung." (Fortsetzung folgt.) *4^ Lprechlasl. Herr Redakteur! Nr. 38, Seite 448 bringen Sie die aus irgend einem russischen Blatte in so viele jüdische Blätter'übergegangene Meldung von dem jüdischen Kürschnerlehrling aus Rußland, der es in zwanzig Jahren zum Senator der Vereinigten Staaten und zum Gouverneur in Boston gebracht hat und feinen Wohltäter belohnen wollte, der leider sich'voreilig erhängt hatte. Herr Redakteur! Sie sind daran schuld, wenn ich der talmudischen Geschichte, daß einmal ein Zettel vom Himmel fiel, der die Nachricht brachte, daß Rabba bar Nachmani in die himmlische Jeschibah berufen worden sei (Baba Mezia 86,a) oder der midraschischen Erzählung, daß Rabbi Akiba auf dem Friedhofe einem, armen Sünder begegnet sei, der sich selbst das nötige Brennholz für seine Strafe im Gehinuom Zusammentragen mußte (S. Machzor Vitrh, p. 122), keinen absoluten Glauben schenke. Gestatten Sie mir, daß ich meine Verwunderung darüber ausspreche, daß Sie eiper so absurden Erfindung Glauben schenken konnten. Sie hätten doch auf dem regelmäßigen Wege etwas davon erfahren, wenn ein Jude, und noch dazu ein vor zwanzig Jahren als Mützenmacher eingewanderter russischer Jude, es zum Vereinigten Staaten-Senator gebracht hatte, geradeso wie Sie die viel weniger auffällige Wahl Isidor Rechners und Simon Guggenheims erfahren haben. Ferner sollte man doch auch in Deutschland wissen, daß die Aemter eines Gouverneurs und eines Senators nicht kumuliert werden können. Es ließe sich doch vermuten, daß, wenn ein Jude zum Gouverneur eines Staates gewählt worden wäre, was bisher nie der Fall war, dieses Ereignis nicht erst durch einen Brief an den Rabbiner von Taganrog bekannt werden würde. Solche Geschichten sollte man doch den Jargonblättern überlassen, die Entdeckungen weniger zu fürchten haben, wenn sie ihre Leser auf diese Weise erbauen. Cincinnati, 11 Oktober. Ihr ergebenster. , TtzHjjhnrd Deutschs Druck und Verlag von 91 it t>oI f Ni o.ffjc in. Berlin.'' "-.7 * - . Verantwortlich für die RedaNiq^ Mnx Bauchwitz in Berlir^ '

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