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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-11-06 · Heft 45 (6.11.1908) · p. Seite 538

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 45 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
Seite 538 (sequence 10)
Language
German
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vorangegangenen wesentlich dadurch, daß die Anordnung des Stoffes übersichtlicher, die Literaturangaben reichlicher, ja ziemlich erschöpfend, und daß wichtige längere Abschnitte neneiugefügt sind. Ich habe das Buch mit besonders großem Interesse gelesen und kann dem Verfasser nur zustimmen, wenn er schreibt: „Wer ernsthast wünscht, über den Talmud oder irgendeinen Teil seines Inhalts Ausschluß zu erhalten, kann aus der (in dieser Einleitung) verzeichneten Literatur jetzt auch ohne Kenntnis der Sprache des Grundtextes eine im allgemeinen ausreichende Belehrung sich verschaffen." Ich verweise dabei ganz besonders auf das Kapitel II: Zur Geschichte des Talmuds, Kapitel IV: Inhalt der 63Mischnah- Traktate nach der Anordnung des Moses Maimonides, Kapitel VIII: Geschichte, des Talmudtextes und X: Zur Charakteristik des Talmuds. Kapitel Xl enthält Textproben in ganz vorzüglicher Uebersetzung, die aber, da sie ausschließlich das halachische Gebiet behandeln, doch nicht ausreichen, um den Laien für das talmudische Gewebe zu begeistern. Ausgewählte Stücke aus dem agadischen Teile wären zweckdienlicher gewesen. Vielleicht entschließt sich der Verfasser, bei der V. Auslage, die hoffentlich in absehbarer Zeit folgen wird, dies nachzuholen. Indessen ist die Einleitung in den Talmud von Strack nicht bloß einLehrbuch für Laien. Auch Talmudkundige können aus diesem Buche, insbesondere aus seinen reichen Literaturangaben und historischen Darlegungen unendlich viel lernen. Praktische Vertrautheit mit dem Talmud ist nämlich durchaus nicht identisch mit dem zum Zwecke eines ergebnisreichen Studiums unbedingt erforderlichen grammatischen und historischen Verständnis. Die Einleitung von Strack ist nicht bloß ein vorzügliches Lehrbuch für Laien, sondern auch ein trefflicher Wegweiser für den Fachmann, ein unentbehrliches Nachschlagebuch, das systematisch und methodisch geordnet auch in der hebräischen und in der deutschen Sprache bisher überhaupt nicht vorhanden war. Wenn Altmeister Zunz jetzt noch., am Leben wäre, er würde nach altjüdischem Brauch: Loruob meschanne ha-Ittim sagen und für seine Klagen über die von Eisenmenger, Schudt und deren Nachtretern gegen die Juden und den Talmud gehäuften Anklagen in hervorragenden Arbeiten vorurteilsloser christlicher Gelehrten auf dem Gebiete des jüdischen Schriftums Tröste und Genugtuung finden. Wenn das Märchen: „Das Judentum halte den Talmud ängstlich mit allen nur erdenkbaren Mitteln geheim" nunmehr zerstört ist, so ist das in erster Reihe das Verdienst derjenigen christlichen Gelehrten, die ihre umfangreichen jüdischen Kenntnisse in den Dienst der Wahrheit gestellt haben. Das hat unser Autor schon oft und ganz besonders jetzt mit seiner Einleitung in den Talmud bekundet, die, weil sie eben streng objektiv und wissenschaftlich gehalten, die glänzendste Apolo-- getik des Judentums ist. „Die Juden," bemerkt Professor Strack, „sind nicht bemüht, vor den Christen etwas zu verbergen, und sie können auch nicht etwas vor ihnen verbergen. .Der Talmud, der Levuledan Aruch und andere jüdische Schriftwerke sind Geheimbücher nur für diejenigen — Juden nicht minder als Christen — welche weder die zum Lesen der Grundtexte erforderlichen Kenntnisse sich erworben haben, noch von den vorhandenen Uebersetzungen usw. wissen. Für solche ist auch Cäsars Lellum Gallicum ein Geheimbuch." Möge diese Einleitung in den Talmud, der wir die größte Verbreitung wünschen, nach des Verfassers eigenen Worten dazu beitragen, „daß die Erkenntnis der Wahrheit gefördert werde und dadurch auch die Gerechtigkeit im Urteilen." .•Mgpsr Ghetto-Komödien. Von I. Zangwill. Samooborona. IV. - Schwester suchte einzulenken. Vielleicht hatte die Erwähnung der Ambulanzen Sympathie iir ihrer sozialrevolutionären Seele erweckt. „Siesollten sich in ihrer eigenen Partei umsehen," sagte sie. „Meine Partei —" „Nun ja, die Ghetto-Reaktionäre — die Zivilisten, Territorialisten, Jtoisten und wie sie alle heißen mögen." „Gibt es hier welche?" rief David eifrig. „Man hört ja von nichts anderem," sagte Simon bitter. „Glücklicherweise machte die Polizei.ihren Zusammenkünften ein Ende, sobald sie dahinter kam, daß sie in Wirklichkeit gar nicht daran dachten, nach Zion oder Uganda auswandern zu wollen." " David notierte sich eifrig die betreffenden Namen. Simon empfahl ihm besonders zwei junge Leute, Grodsky und Lerkoff, die ganz ausgesprochene Sozialisten seien. Aber Grodsky hatte, wie David bald fand, seine eigenen Ideen. „Nur die S. Z. können Israel erretten," sagte er. „Was bedeutet das: S. Z.? fragte David. „Es sind die sozialistischen Zionisten." „Aber kann es nicht auch außerhalb Zions Sozialisten geben?" „Natürlich kann es das. Wir haben uns vom Zionismus aus entwickelt. Die unbedingte historische Notwendigkeit ist, ein nur uns angehöriges Land zu erwerben, aber es ist kein besonderes Land dazu nötig. Unsere Mitglieder in Minsk nennen sich die S. T/s, Sozialistische Territorialisten." „Aber während Ihr auf Euer Land wartet, vergeht nicht der Antisemiten!" erinnerte David ihn. „Simon Rubensky glaubte, daß gerade Sie der richtige. Mann für das Selbstverteidigungskorps wären." „Ich sollte mit Rubensky Hand in Hand gehen? Mit einem P. P. S/s.? (Polnische Partei des Sozialismus). Niemals würde ich das tun." „Er will sich uns aber gar nicht anschließen." Der S. S. zögerte. „Da muß ich doch mal eher andere meiner Partei fragen. Ich muß erst an das Hauptquartier schreiben." „Briefe reisen heutzutage weder schnell noch sicher." - „Aber die Disziplin einer Partei ist alles," meinte Grodsky. David verließ ihn und suchte Lerkoff, der sich als Arzt erwies. „Ich möchte hier eine Zweiggesellschast der Samooborona gründen," erklärte er, „Herr Grodsky hat halb und halb versprochen ..." „Dieser Bourgeois," rief Lerkoff verächtlich. -„Ich wilb nichts mit Verrätern seinesgleichen zu tun haben." „Warum ist er ein Verräter"?" fragte David erstaunt. „Weil alle Territorialisten Verräter sind. Wir wahren Zionisten müssen die heilige Flamme des Sozialismus und

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