Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 45 (6.11.1908)
- Date
- 1908-11-06
- Page
- Seite 533 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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7 dürfen. " Darum würden die jüdischen Frauen noch zum Schluß aufgefordert, mitzuhelfen, nritzuwirkenum das gesäurte Niveau des jüdischen Genreinschastslebens höher zu legen, wohl die Forderungen der Zeit zu hörensie aber immer in Einklang mit unserer jüdischen Eigenart zu bringen. Daß die jüdischen Frauen sich in der jüdischen Gemeinschaft. daheim und zugehörig fühlen, das soll das Ziel sein, wofür Rednerin und . der jüdische Frauenbund kämpfen'wollen. Nach einigen warmen . Dankesworten von Frau Neisser an die Vortragende, begrüßte FräuleiuPaPpenheim das anwesende Ehrenmitglied der Bundes, Frau Lina Morgenstern, Berlin, und wies noch besonders auf zwei Arbeitsgebiete hin, das der Stellenvermittlung und der Fürsorge für sittlich Schutzbedürftige. Der Erfolg dieser vom jüdischen Frauenbund geleiteten Propagandaversammlung war der Anschluß von zehn jüdischen Frauenvereinen und Gründung einer Ortsgruppe in Breslau. Dieser Bericht darf nicht geschlossen werden, ohne daß hinzugefügt wird, daß auch an der Tagung des deutschen Nationalkomitees zur Bekämpfung des Mädchenhandels die in Breslau anwesenden Vertreterinnen des jüdischen Frauenbundes aktiven Anteil genommen haben. Fräulein Pappenheim ei> stattete Bericht über ihren Aufenthalt in Galizien. Da das feinsinnige Referat dem Druck übergeben werden wird, erübrigt es sich, an dieser Stelle darauf näher einzugehen. Der Antrag des jüdischen Frauenbundes: Die Schiffahrtsgesellschaften aller Staaten auszufordern, Delegierte sowohl in das Nationalkomitee wie in die Lokalkomitees zu senden, deren geographische Lage dies wünschenswert macht, wurde von dem Nationalkomitee einstimmig angenommen. So können wir Regsamkeit und Verständnis für alle jüdischen Interessen von seiten des jüdischen Frauenbundes erwarten, und es bleibt zu hoffen, daß er durch den Beitritt aller jüdischen Frauenvereine an Bedeutung gewinnen wird, und daß er auch von seiten der jüdischen Korporationen die Beachtung bald findet, die eine gegenseitige Förderung unbedingt zur Folge haben wird. flus Merlchleüm. Von Mittelschullehrer I. Jacob in Loslau. nter demselben Ditel häbe^ ich vor sieben Jahren einen ausführlichen Bericht über die äußere Und innere Einrichtung des Israelitischen Waisenhauses zu Rybnik und über die Zweckmäßigkeit derselben veröffentlicht. Wie der Wanderer, der ein hochgelegenes Ziel erstiegen, zurückschaut, um den mühevollen Weg noch einmal mit den Augen zu durchmessen, so mögen auch die Freunde und Gönner des Waisenhauses und die geneigten Leser dieses Blattes den Buck zurückwenden, um mit mir die Errungenschaften der letzten sieben Jahre zu überblicken. Was ich damals als zweckmäßig und wirkungsvoll hingestellt Habe, besteht heute noch und hat köstliche Früchte getragen. Es sind aber seitdem neue Einrichtungen mit höheren Zielen getroffen worden, die ganz gewiß die Aufmerksamkeit weiter Kreise verdienen. Meinen Ausführungen habe ich den letzten öffentlichen Bericht des Waisenhauses zugrunde gelegt, der diesen Zeitraum umfaßt. Das erste Blatt des vorliegenden Berichtes ist dem Gedenken des seligen Amtsgerichtsräts Eduard Levy gewidmet. Wer in Obcrschlesien hat nicht diesen Wohltäter der Menschheit gekannt, der mit großem Eifer an allen Wohlfahrtsbestrebungen Anteil nahm. Auch die jüdischen Lehrer Oberschlesiens werden sich gern seiner erinnern, der oft an ihren jährlichen Beratungen Leitnahm. Ja, manchmal hatte sein Erscheinen eine wahrhaft befreiende Wirkung, da er mit überlegenem Geiste scheinbar unüberwindliche Gegensätze mit leichter Hand ausglich. Dieser Mann galt dem Waisenhause viel, und mit Recht wird sein . Andenken daselbst hochgehalten. Auch diejenigen, die sich noch frischer Tatkraft erfreuen, die Herren des Kuratoriums und die Ehrendamen der Anstalt^, haben einen ehrenden Platz in dem Berichte gefunden. Den Trefflichen, die neben ihrer Berufsarbeit Zeit und Kraft dem gottgefälligen Werke widmen, sei an dieser Stelle, der verdiente Dank gespendet. - Ein Wort des Dankes sei hier besonders dem Vorsitzenden des Kuratoriums, Herrn Justizrat Schüll er in Gleiwitz, gewidmet. Fast erdrückt von der Fülle seiner Ehrenämter, hat er selbst den Vorsitz des Oberschlesischen Gemeinde-Verbandes niedergelegt, um seine Kraft seinem Liebling, dem Rybniker Waisenhause nicht zu entziehen. Vornehmlich seiner Tätigkeit hat dieses Institut sein Aufblühen zu verdanken. Dank zugleich allen edlen Menschenfreunden, die durch ihre Liebesgaben das Bestehen der Anstalt und ihr Fortschreiten ermöglichten. Sie ahmen dem großen Unbekannten nach, der ungesehen seine Gaben ausstreut und hinter seinen Liebeswerken zurücktritt; doch ihre Namen werden in dem Berichte des Waisenhauses zur öffentlichen Kenntnis gebracht. In der Tat hat das Israelitische Waisenhaus in Rybnik in den letzten sieben Jahren große Verbesserungen erlebt und dementsprechend schöne Erfolge erzielt. Es sind dies zunächst Verbesserungen, die die äußere Einrichtung betreffen. Früher saßen die Zöglinge im Arbeitssaale an langen Tischen auf Bänken, deren Sitze nach Höhe und Tiefe nicht ihrer Körpergröße entsprachen, deren starre Lehnen dem längeren Sitzen nicht günstig waren. Diese primitive Einrichtung hat zweisitzigen Rettigbänken Platz gemacht, die nicht nur praktisch sich bewähren, sondern auch eine Zierde.des Saales bilden.. Gutes Trinkwasser gab es schon früherreichlich; das Hinüberschaffen des Wassers ins Badezimmer war aber sehr umständlich und beschwerlich. Durch freigebige Spenden und Zuwendungen edler Freunde ist der Anschluß des Waisenhauses an die städtische Wasserleitung und Kanalisation ermöglicht worden. Aber nicht nur die Zuleitung, sondern auch das Wärmen des Wassers ist den modernsten, bequemsten Einrichtungen angeglichen worden. Bemerkt sei noch, daß dadurch die Bewässerung des Gartens jetzt wesentlich erleichtert ist. Eine Einrichtung neuester Zeit ist die Zentralheizung, die zurzeit noch im Bau begriffen ist. Durch Umbau des früheren Wirtschaftsgebäudes sind neue Handfertigkeitsräume geschaffen worden; in einem befindet sich eine Hobelbank für vier Zöglinge, die das Rohmaterial für die Schnitzarbeiten Herstellen, in einein anderen werden die fertigen Gegenstände aufbewahrt. Von dem alten, bewährten Satze ausgehend: ein gesunder Geist wohne nur in einem gesunden Körper, ist der Ausbildung des Körpers in dem letzten Zeitabschnitt in hohem Grade Rechnung getragen worden. Wo früher leere Fläche war, prangt jetzt im Hofe ein Barren und ein Rundlauf. Sicher wären Noch andere Turngeräte aufgestellt worden, wenn der Platz ausgereicht hätte. Dafür befindet sich im Arbeitssaale der Mädchen ein ganzes Turngerüst: senkrechte und schräge Leitern, Kletterstangen, Trapeze, Ringe, Barren, Zimmerrundtauf, Hanteln, Wirbelfäulenftrecker, Muskelstrecker. usw. Einige Stunden des Tages sind diese Geräte auch den Knaben zugänglich. Die geistige und gemütliche Ausbildung hält gleichen Schritt mit der Ausbildung des Körpers. Die Zöglinge besuchen sämtlich die städtischen Schulen, ihre Hausarbeiten stehen