Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 43 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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städtischen Stiftung gespendet, aus deren Zinfem zunächst seine langgedienten Arbeiter eine Rente erhalten sollen. Nach dem Ableben der Rentenempfänger soll die Stiftung der Stadt Kottbus für gemeinnützige Zwecke zufallen. Ferner hat er 50000 Mark für' die Volksküche und hilfsbedürftige Schulkinder in Kottbus zur Verfügung gestellt. In der gestrigen geheimen Sitzung der Stadtverordneten wurde die Annahme beider Stiftungen beschlossen und zugleich der Beschluß gefaßt, Grünebaum in Anerkennung seiner Verdienste um die Stadt Kottbus das Ehrenbürgerrecht anzutragen. ' ff. Posen, 18. Oktober. Hier starb im Alter von 36 Jahren der Kaufmann Alex Rosenberg, Mitinhaber der bekannten Schühwarenfabrik Gebr. Rosenberg. Die Fabrik wurde im Jahre 1898 gegründet und ist unter der Leitung der beiden Inhaber, von denen der jetzt Verstorbene der technische Leiter war, zu schöner Blüte gelangt, ihre Arbeiterzahl ist im Laufe der Zeit auf 125 gestiegen. Der Verstorbene erfreute sich in den Kreisen seiner Geschäftsfreunde allgemeiner Beliebtheit. — Die KrankenverpfleguNgs- und Beerdigüngs-Gesellschaft -der israelitischen Gemeinde hatte im abgelaufenen Vereinsjahre nachstehende Einnahmen: eine Spende zu . 500 Mark, drei zu 100 Mark 800 Mark, eine zu 55 Mark, 14 zu 50 Mark — 700 Mark, 10 zu 30 Mark -- 300 Mark, eine Spende zu 25 Mark, 11 zu 20 Mark 220 Mark, 3 zu 15 Mark -- 45. Mark, 10 Mark und darunter 315.75 Mark, Kranzüblösungsspenden 13 Mark, Summa aller Einnahmen 2573.75 Mark. Hierzu Bestand aus dem Vorjahre, einschließlich anderer bedeutender Einnahmen ergibt 136 343.95 Mark. Die Ausgaben betrugen an Gehältern, Unterstützungen, Krankenwesen usw. 24448.55 Mark, so. daß ein Bestand für das laufende Jahr von 111895.40 Mark verblieb. — Der Verein .für jüdische Geschichte und Literatur in Sch wersenz hielt seine Generalversammlung ab. Nach Begrüßung der Anwesenden durch den Vorsitzenden, Herrn Aron Katz, erstattete Lehrer Broh als Schriftführer den Jahresbericht. Nach diesem zählt - der Verein 34 Mitglieder, sind im Winterhalbjahre vier Vorträge gehalten und drei Vereinsfestlichkeiten begangen worden. Außerdenr wurde eine Vereinsbibliothek begründet. Rendant Sally Kasper erstattete den Kassenbericht, nach welchem die Einnahmen 422.55 Mark, die Ausgaben 342.13 Mark betrugen, die Kasse also über einen Barbestand .von 80.36 Mark verfügt. Dem Rendänten wurde nach Prüfung der Kasse durch die Herren Heimann Knoblauch und Magnus Katz Entlastung erteilt und schließlich der ganze Vorstand wiedergewählt. Die Versammlung beschloß, Ende Oktober ein Stiftungsfest zu feiern. — Auch der jüdische Krankenverein. der älteste der in der jüdischen Gemeinde bestehenden Vereine, geleitet von den Herren Jülius Salomon und Samuel Kempner, hielt kürzlich seine Generalversammlung ab. Der von ersterem erstattete Jahresbericht stellt zunächst fest, daß sämtliche Mitglieder der jüdischen Gemeinde dem Vereine angehörten. Trotzdem führt der Referent aus, daß wegen Rückganges der Anzahl der Gemeindemitglieder zu befürchten sei, der Verein würde für die Folge feiner Aufgaben nicht gewachsen sein, wenn seine Einnahmen nicht eine anderweitige Regelung erführen. Der Vorstand schlage deshalb vor, den Mitgliederbeitrag nach drei Klassen zu erheben. Diesem Beschluß wurde zugestimmt. Den Kassenbericht erstattete Lehrer Grünfeld. Die Kasse verfügt über einen Ueberschuß von 654 Mark. Der alte Vorstand wurde wiedergewählt. — In Krotoschin fand zu Ehren des nach einer mehr als 40jährigen Tätigkeit im Schuldienste aus dem Amte scheidenden Hauptlehrers Ries ein Festkommers statt, an dem neben den Amtsgenossen auch Freunde des Scheidenden aus der Bürgerschaft teilnahmen. Mehr als 23 Jahre hat Hauptlehrer Ries in unserer Stadt gewirkt. Ausgerüstet mit reichen Gaben des Geistes und des Herzens, hat er es verstanden, die'ihm anvertraute Jugend zu tüchtigen Menschen zu erziehen. Infolge seiner vorzüglichen Charaktereigenschaften und seines gesunden Humors war er hier eine allgemein geachtete Persönlichkeit, die in vielen Vereinen ihre reiche Erfahrung in den Dienst derselben'stellte und durch ihre dichterischen. Erzeugnisse so manches Vereinsfest verschönte. Durch Verleihung des Kronenordens IV. Klasse hat die Vorgesetzte Behörde, die im Jahre 1899 Hauptlehrer Ries auch zum Ortsschulinspektör ernannte, dessen Verdienste gern anerkannt. Der Lehrerverein, dessen langjähriger stellvertretender Vorsitzender er war, hat seine Vereinstätigkeit durch Ernennung züm Ehrenmitglieds gewürdigt und durch Ueberreichung eines künstlerisch ausgeführten Diploms > durch den gegenwärtigen Vorsitzenden,. Oberlehrer Hohensee. auch sichtbaren Ausdruck verliehen: Rektor Storch und Kreisschulinspektor Schulz richteten herzliche Dankes- und Abschiedsworte an den Scheidenden, ' der allezeit ein reges, tätiges'Vereinsmitglied, ein treuer'Kollege,' ein warmer Freund und ein pflichttreuer, gewissenhafter Lehrer war, der wohl Standesbewußtsein, aber nicht Standesdünkel, Ehrgefühl,/aber nicht Ehrgeiz kannte und den nun auch -die besten Wünsche seiner Kollegen und Freunde nach Posen geleiten, wohin er seinen Sitz verlegt' hat. Hauptlehrer Ries dankte mit bewegten Worten für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen. .— In letzterer Zeit sind in unserer Provinz Zweifel darüber aufgetaucht, ob Lehrer an öffentlichen -jüdischen Volksschulen als Repräsentanten oder Mitglieder des Vorstandes der Shnagogengemeinden gewählt werden dürfen. Ein diesbezüglicher Ministerialerlaß für Synagogengemeinden in der Provinz Posen besagt, daß Kultusbeamte in der Gemeinde, wie Kantoren und Schächter, weder wählen noch gewählt werden dürfen. Dahingegen besitzen Lehrer, ausschließlich an staatlichen Volksschulen, dieselben Rechte hinsichtlich der Wählbarkeit wie die anderen Mitglieder der Gemeinde. — In der Plenarsitzung der städtischen Körperschaften zu W r o n ke wurde der einstimmig gewählte Kaufmann Herrmann Mottek als Beigeordneter eingeführt. — Frau Auguste Gold stein geb. Schocken in San Franziska und Rentier Siegfried Schocken in Berlin schenkten der jüdischen Gemeinde Rogasen 2500 Mark. Die Gemeinde hat nur die Verpflichtung übernommen, die Gräber der Eltern der Stifter zu erhalten. Gleitvitz, 14. Oktober. Der Verein israelitischer Lehrer Oberschlesiens hielt am Mittwoch hier unter dem Vorsitz des Herrn Hauptlehrer Petzal-Zabrze seine diesjährige Versammlunglab. Außer einer beträchtlichen Zahl von Vereinsmitgliedern waren auf erfolgte Einladung Herr Justizrat Schüller und Herr Rabbiner Dr. Münz erschienen, ersterer als Delegierter des Verbandes der oberschlesischen Synagogen-Gemeinden. letzterer als Vertreter der Gemeinde Gleiwitz. Als Hauptgegenstand der Tagesordnung kann man die Stellungnahme der Versammlung zu einem Vorschlag des Synagogen-Gemeindeverbandes des Negierungsbezirks Oppeln betrachten, eine Prüfungskommission für solche Personen einzüsetzen, welche kein Seminar absolviert haben, aber in kleinen nicht leistungsfähigen Gemeinden das Kültusamt versehen und neben demselben noch den Religionsunterricht erteilen sollen. Nach sehr langer Debatte sprach sich die Versammlung zustimmend zu dem Vorschlag aus; sie brachte aber zugleich den Wunsch zum Ausdruck,, daß bei Bildung der Prüfungskommission neben Rabbinern auch anerkannt tüchtige Lehrer und Pädagogen zu Mitgliedern ernannt werden sollen. Die anderen Punkte, der Tagesordnung betrafen interne Angelegenheiten. welche kein allgemeines Interesse haben. d. Bremen, 16. Oktober. Die Witwe des am 14. März 1905 Hierselbst verstorbenen Malers Joseph Neumark war nebst ihrem Ehemann Mitglied der israelitischen hiesigen Gemeinde. Sie lebte mit ihm in Gütergemeinschaft und hat,ihn als Beisitzwitwe beerbt. Am 17. März wurde Joseph Neumark auf dem israelitischen Friedhofe beerdigt/und hatte die'Witwe neben dem Grabe ihres Gatten sich, eine Stelle für den Fall ihres Ablebens reserviert und dafür 50 Mark bezahlt. Späterhin nahm die Witwe Neumark Veranlassung, aus .der. israelitischen Gemeinschaft auszutreten, weil ihr angeblich von dem Vorstande übel mitgespielt worden wäre. Es handelte sich um folgendes: Als Frau Neumark ihren Mann bestatten lassen wollte, habe ihr Sohn alsbald nach dem Tode ihres Mannes an den Rabbiner geschrieben, daß der Verstorbene seinem Wunsche gemäß auf dem Rhinsberger Friedhofe — dem konfessionslosen Gottesacker Bremens — bestattet werden solle und angefragt, ob der Rabbiner unter diesen Umständen die Leichenrede im Sterbehause halten werde. Dieser habe hierauf dem Sohne gar nicht geantwortet, sondern sei zu der Witwe Neumark gegangen, und seiner Ueberredung sei es gelungen, sie zu veranlassen, die Leiche auf dem israelitischen Friedhofe beerdigen zu lassen, obwohl sie dem Rabbiner gegenüber auf' den Wunsch des Verstorbenen hingewiesen habe, dem der israelitische Friedhof wenig sympathisch gewesen sei. Ihr sei.es aber später leid gewordendaß sie dem Drängen des Rabbiners nachgegeben habe)