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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-23 · Heft 43 (23.10.1908) · p. Seite 508

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 43 (23.10.1908)
Date
1908-10-23
Page
Seite 508 (sequence 4)
Language
German
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Fragen dem Kongreß unterbreitet werden, - es ungerecht sein wird, die Beratung über die anderen Rechtsverletzungen des Berliner Vertrages auszuschließen, wie beispielsweise die skandalöse Herausforderung des Artikels 44 durch Rumänien seit 3.0 Jahren. Heute ist der einzige Fleck im nahen Osten, wo die befreienden Bestimmungen des Berliner Vertrages nicht beobachtet sind, Rumänien, mitdem Resultat, daß,' während die Bevölkerungen aller anderen Staaten, die Türkei inbegriffen, frei sind, die Juden Rumäniens, einige 250 000 Köpfe, noch immer unter grausamer und barbarischer Bedrückung leiden. Soll diese Frage dem Kongreß unterbreitet werden, und wenn nicht, warum nicht? Europas Ehre hat ein größeres Interesse, darauf zu sehen, daß Rumänien die religiöse Freiheit.. zu der es sich 1880 gegen sehr substantiellen Gegenwert verpflichtete, praktisch durchführe, als darauf, Verletzungen des Vertrages hinzunehmen, für die nichts spricht als eine gewisse großzügige Kleptomanie." Und im „Jewish Chronicle" werden hierzu folgende durchaus zutreffende Bemerkungen gemacht: „Möglicherweise wird als Resultat der Vorgänge im nahenOsten eine Gelegenheit gegeben werden, nicht nur die Haltung Bulgariens und Oesterreichs, sondern auch Rumäniens zu prüfen. Eine Gelegenheit wie diese, wird uns nur höchst selten geboten. Die Mächte können nicht eine Verletzung des Vertrags diskutieren und die andere unerwähnt lassen. Die Juden Europas und Amerikas, die durch die ungesetzliche Bedrückung der rumänischen Juden immer erneuten Schwierigkeiten ausgesetzt sind, haben ein Recht, über diese Frage gehört zu werden. Hier ist auf alle Fälle eine Krisis, bei der eine mächtige, repräsentable internationale jüdische Körperschaft mit einigem Erfolg intervenieren könnte. Bis etwas geschehen ist, müssen wir sehr bedauern, daß das Verhalten Bulgariens und Oesterreichs, die den Berliner Vertrag für nichts achteten, für Rumänien ein unwiderstehlicher Ansporn sein wird, in seiner alten Haltung gegen unsere . Glaubensbrüder zu verharren. Jeder Appell an den Vertrag, als Gewährleister der jüdischen Rechte wird bei den rumänischen Politikern dem Einwand begegnen, daß sie nur tun, was andere Mächte auch getan haben, und beide Signatarmächte, die den Vertrag zerrissen haben, und die Mächte, die diese Handlung zugelassen haben, werden außerhalb jeder Gerichtsbarkeit stehen. Solange der Berliner Vertrag tatsächlich in Wirksamkeit blieb, bestand allezeit ein fühlbarer Schutz für die rumänische Judenheit, der doch immer eine, wenn auch sehr schwache Bürgschaft bildete, an die jederzeit appelliert werden konnte. Die Vernichtung des Vertrags droht die eine kleine Schranke zu entfernen, die zwischen unseren. Brüdern und einer grausamen und unbarmherzigen Bedrückung stand." Der Verband der Drutkchrn Inden. Von Felix Makower. ^^or einigen Jahren trat der Verband der Deutschen Juden ins Leben. Welches sein eigentlicher Zweck war, kann man aus seiner Satzung nicht mit Sicherheit ersehen, denn die Worte, mit denen die Satzung seinen Zweck bezeichnet („Vertretung aller den Juden im Deutschen Reich gemeinsamen Interessen"), sind — wie dies bei dem ersten Jnslebentreten eines solchen Vereins nicht anders sein konnte -- so weit gefaßt, daß man sich darunter alles Mögliche denken kann. Aus der Art, wie nach der Satzung die Behörden des Verbandes gebildet werden — Wahlen aller (auch der nicht beitragenden und nicht ausdrücklich beitretenden) Gemeinden und der größeren jüdischen Körperschaften und Vereine — läßt sich immerhin entnehmen, daß den Begründern des Verbandes der Gedanke vorschwebte, es solle ein Organ geschaffen werden, das geeignet sei, die früher vorhandene und oft beklagte Zersplitterung zu beseitigen. . ^Inzwischen hat jdie tatsächliche Handhabung jenen durchs die Satzung gegebenen Rahmen bereits etwas ausgesüllt, und das Bild des zu Erstrebenden tritt mit etwas größerer.Klarheit hervor. ■ ' Was zunächst den Kreis derjenigen betrifft, die mit demVerban d zu sarn men a rb e it e n, so haben die Gemeinden, soweit nach ihrer Größe eine aktive Beteiligung überhaupt möglich und zu erwarten war, fast ausnahmslos sich beteiligt, ‘ sowohl liberal wie konservativ geleitete; nur noch ganz wenige stehen zögernd beiseite, und deren Zahl verringert sich von Jahr zu Jahr. Diejenigen größeren , jüdischen Vereine, die 'früher in ihrer eigenen Tätigkeit die Folgen der Zersplitterung am meisten empfinden, müßten, und die daher bei der Gründung des Verbandes hervorragend beteiligt waren, der Deutsch-Israelitische Gemeindebund, der Zentralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, der Rabbinerverband in Deutschland und der Verband der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich, sind dauernd demVerbandder Deutschen Juden treu geblieben und haben durch ihre Abgeordneten bei dessen Arbeiten mitgewirkt. Man wird daher sagen können,' daß die Durchführung der geplanten Organisation in hohem Grade gelungen ist. Zu wünschen wäre, daß auch noch einige andere jüdische Zentralverbände ausdrücklich ihren Beitritt erklären, so der Verband für jüdische Wohltätigkeitspflege, der Jüdische Frauenbund, "die Großloge des B'nai-B'rith-Ordens für Deutschland) der Verband der Vereine für jüdische Geschichte und Literatur in Deutschland; später könnte vielleicht einmal auch der Beitritt des Hilssvereins der deutschen Juden und des Deutschen Zweiges bei Alliance in Betracht kommen. — Abseits steht zurzeit eigentlich nur noch eine sehr kleine Minderheit extremorthodoxer Richtung, und auch diese nur in einem Teil — wenngleich wohl der Mehrzahl — ihrer Mitglieder. Mit dieser Minderheit haben sich allerdings in neuerer Zeit in der erweiterten „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" auch diejenigen streng konservativen Mitglieder zu gemeinsamem Wirken zusammengetan, die mit dem Verband Zusammenhalten; sie haben sich aber hierbei ihre eigene Freiheit für dies Zusammenhalten ausdrücklich gewahrt und dies Zusammenhalten auch fortgesetzt betätigt. Immerhin haben sie wohl — soweit der Außenstehende zu urteilen vermag — ihren eigenen Einfluß in der „Freien Vereinigung" überschätzt, denn bisher haben sie nicht einmal vermocht, die Leitung der „Freien Vereinigung" auch nur insoweit zu beeinflussen, daß von ihr der Verband als Zentralstelle laufend Nachricht'von den Schritten erhält, die seitens der „Freien Vereinigung" bei Behörden und Parlamentariern in allgemeinen Angelegenheiten unternommen - werden. Der an und für sich wünschenswerte volle Beitritt der „Freien Vereinigung" zum Verband unter Entsendung ihres' Vorsitzenden oder eines anderen Mitglieds in den geschäftsführenden Ausschuß des letzteren ist leider unter deren jetziger Leitung zunächst nicht zu erwarten; es bedarf einer gewissen Zeit, bis das Gemeingefühl der Juden soweit gestärkt ist,, daß durch den Widerstand der eigenen Anhänger den Führern das Bestreben der Erlangung von Sondervorteilen durch Zusammengehen mit den gemeinsamen Gegnern — um Kirchliches mit Staatlichem zu vergleichen: im jüdischen Befreiungskampf eine Art Rheinbundspolitik — unmöglich wird. . Was ferner die Form der Tätigkeit des Verbandes betrifft, so waren innerhalb desselben ursprünglich zwei Ansichten vertreten. Die einen wünschten ein häufiges Hervorreten des Verbandes nach außen durch oft wiederholte .öffent^ liche Versammlungen in verschiedenen Städten, Veröffentlichungen M Zeitungen und ähnliche Mittel, um die jüdische Bevölkerung über die Zwecke des Verbandes auszuklären und fü

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