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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-16 · Heft 42 (16.10.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 42 (16.10.1908)
Date
1908-10-16
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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■; - geladen waren.. -Der Verein konstituierte sich nun als selbständiger; .^^unaLHLilgiger'Verein-mntev^ dem Namen „Verein Kindergarten für Israeliten", dem sofort 61 Mitglieder beitraten. Hier ist nun - auch die Tätigkeit des seligen Rechtsanwalts Herrn' Julius Plotke dankend zu erwähnen, dessen Einfluß es gelungen ist, die selige Frau Treutchen Höchberg zur Stiftung eines ansehnlichen -Legats zu veranlassen) >von dem die eine Hälfte gleich ausbezahlt wurde, die andere testamentarisch dem Kindergarten vermacht würde. Zugleich sei auch hier noch erwähnt, daß einige Jahre später, 1899, ebenfalls Herr Rechtsanwalt 'Plotke es war, -der eine namhafte Schenkung der Frau : Baronin von Hirsch auf Gereuth an den Kindergarten vermittelte. Run aber galt es, eine tüchtige Kraft für die Leitung des Kindergartens zu gewinnen, denn hing ja von der richtigen Lösung dieser Frage die Lebensfähigkeit und der Erfolg des Instituts ab. Der Vorstand fand in Fräulein I. Elbogen aus Schildberg, die noch heute den Kindergarten leitet, eine Leiterin, die mit Sachkenntnis und Hingabe den Kindergarten geführt und ihn auf die Höhe gehoben hat, auf der er sich jetzt befindet. Mit zehn Kindern wurde im Juni 1890 der Kindergarten, für den zwei Zimmer im zweiten - Stock des Kaufmännischen Vereins, Langestraße, um einen billigen Preis gemietet waren, eröffnet. Am 12. Oktober 1892 wurde der Kindergarten nach den Parterre-Räumlichkeiten des Hauses Hanauerlandstraße 17, das der israelitischen Suppenanstalt gehört, verlegt. Auch in diesem Jahre hat der Verein viele Freundlichkeiten erfahren. Beiträge, gelegentliche Spenden und Geschenke an Nutzgegenständen, sind ihm zugewendet worden. Am 16. Dezember wurde das Vor- > standsmitglied Herr Lincoln Menny Oppenheimer selig, fast plötzlich dem Verein durch den Tod entrissen. Der Vorstand und die Verwaltung des Vereins setzen sich folgendermaßen zusammen: Professor Dr. A. Sulzbach, Vorsitzender; Sally Löwenick, stellvertretender Vor" sitzender und Oekonom; Leo Hvlzmann, Kassierer; Dr. med. Heinrich Mayer, Schriftführer; Benny Oppenheimer, Gegenschreiber; Eduard Cohen; Jnstizrat Dr Ludwig Hecht; Dr. med. Gustav Levi; Dr. med. . Ludwig Mehler; Jacques Schwarzschild; Adolf Stern. . c. Wiesbaden, 9. Oktober. Der neugewählte Rabbiner unserer Gemeinde, Dr. Adolf Kober wurde gelegentlich des gestrigen Gottesdienstes in der Synagoge durch Polizeipräsident, v. Schenck in sein Amt eingeführt, nachdem er vorgestern bereits durch diesen als Bezirksrabbiner vereidigt worden ist. Der Polizeipräsident wies in einer kurzen Ansprache darauf hin. wie die Gemeinde und jedes einzelne Glied Dr. Kober als Kultusdiener und Lehrer zu achten und zu ehren, ihm zu helfen habe in seinen, Amte mit Rat und Tat, und dem Rabbiner selbst legte er ans Herz, das Vertrauen,' das ihm die Gemeinde durch seine Berufung erwiesen, zu rechtfertigen, indem er mit Treue und Gewissenhaftigkeit seines Amtes walte. Wenn er das tue, so könne er auch des Schutzes und Beistandes der staatlichen Behörden gewiß sein. So, schloß der Polizeipräsident, möge er allezeit sein Amt führen zur eigenen Befriedigung und zum Segen der Gemeinde. Ein Segenswort für die letzteren war es auch, mit dem Dr. Kober seine Antrittspredigt begann, die allgemeinen Beifall gefunden hat. Der Gottesdienst wurde durch den „Synagogen Gesangverein" verherrlicht, der unter anderem vor Beginn der Predigt die Beethovensche Hymne „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre" sang. — Die Städtische Schuldeputation hat an den scheidenden . Bezirksrabbiner Dr. Silberstein das folgende Schreiben gerichtet: „Wiesbaden, 2. Oktober 1908. Die Schuldeputation hat in der gestrigen Sitzung mit Bedauern von ihrem Ausscheiden Kenntnisgenominen und mich beauftragt, Ihnen innigen Dank für Ihre Teilnahme an den im Interesse unserer Volks- und Mittelschulen gepflogenen Beratungen und zugleich die herzlichsten Glück- und Segenswünsche zu Ihrem fünfzigjährigen Dienstjubiläum und zu der nunmehr für Sie anbrechenden wohlverdienten Ruhezeit .auszusprechen. Möge Ihr Lebensabend recht heiter sein!"; — Slraffburg, 12. Oktober. In seiner nächsten Sitzung wird sich der Landesausschuß nicht nur mit dem Lehrevbesoldungsgesetz, sondern auch mit einem Gesetzentwurf zu befassen haben, der Gehalt und Ruhegehalt der Religionsdiener sämtlicher Religionsgesellschäften einer neuen, zum Teil einer erstmaligen gesetzlichen Regelung unterzieht. So sollen die Gehälter der Geistlichen, also auch der Rabbiner, erhöht und den katholischen und israelitischen Religionsdienern der Anspruch auf eine Pension von Gesetzes wegen eingeräumt werden, den die protestantischen Geistlichen und deren Hinterbliebenen auf Grund des Gesetzes vom 6. Juli 1901 schon seit Jahren besitzen. Die Mittel für diese als unabweislich von allen Seiten anerkannte Erhöhungen sollen aber nicht aus der Staatskasse stießen, sondern sollen durch besondere Kultuszuschläge aufgebracht werden. Und zwar soll jede Konfession ihren Bedarf besonders decken, so daß also besondere Steuerzuschläge (Kirchensteuern) für die drei Religionsgesellschaften eingeführt werden.'. . ■ * Gesterretch-Nnssrn. □ Wien, 13. Oktober. Wir haben nun in Oesterreich sogar einen jüdischen Feldmarschall-Leutnant. Das vor wenigen Tagen zur Ausgabe gelangte Armee-Verordnungsblatt brachte die Verleihung des Titels und Charakters eines Feldmarschall-Leutnants an den Generalmajor des Ruhestandes Eduard Ritter v. Schweitzer. Feldmarschall-Leutnant Schweitzer, der sich in der Armee einen glänzenden Namen zu erringen wußte, ist in Gyöngyös von armen jüdischen Eltern geboren, trat im Jahre 1866 als einfacher Soldat in die Armee ein, kämpfte noch im selben Jahre in . Böhmen, machte im Jahre 1878 die Okkupation von Bosnien mit, erhielt als Oberleutnant für besonders tapferes. Verhalten den Orden der Eisernen Krone III. Klasse' mit der Kriegsdekoration und wurde gleichzeitig in den erblichen Ritterstand erhoben. Nach der Okkupation absolvierte er die Kriegsschule mit sehr gutem Erfolg, avancierte 1892 außertourlich zum Major, 1895 zum Oberstleutnant, 1893 zum Oberst und wurde noch in demselben Jahre zum Kommandanten des Infanterieregiments Nr. 26 Michael Großfürst von Rußland ernannt. Nach vierjähriger ausgezeichneter Kommandoführung wurde er im Jahre 1902 Offizier des Franz Joseph-Ordens und avancierte im Jahre 1904 zum Generalmajor und Kommandanten der Jnfanteriebrigade Nr. 53. Nach vollendeter 40 jähriger Dienstzeit trat er im Jahre 1906 unter Verleihung des Ausdruckes der allerhöchsten Zufriedenheit in den Ruhestand über. Feldmarschall-Leutnant Ritter v. Schweitzer, der zu den volkstümlichsten Generalen der Armee zählt, besitzt eine Reihe von hohen fremdländischen Dekorationen, unter anderem ist er Kommandeur des russischen Stanislaus-Oröens mit dem Stern und des sächsisch-ernestinischen Hausordens vom weißen Falken. Er ist ein glaubenstreuer Jude. — Nach einer Erklärung des Präsidenten unserer Kultusgemeinde in der letzten Plenarsitzung des Vorstandes wurde ermittelt, daß in den letzten Feiertagen in 52 temporären Betstätten 12 500 und in den in Wien bestehenden 55 ständigen Bethüusern 17 635 behördlich genehmigte Betplätze zur Verfügung standen, „daß sohin für das Bedürfnis in ausreichendster Weise vorgesorgt ist". Wenn man bedenkt, daß hier über 150 000 Juden wohnen, so muß man sagen, daß unser Vorstand den Begriff der ausreichendsten Fürsorge sehr merkwürdig aufzufassen scheint. — Daß die galizischen Behörden sich bemühen, in ihrer Politik den Inden gegenüber russische Muster nachzuahmen, ist seit langem bekannt. Wie geschickt sie praktisch die hier nichtvorhandenen russischen Judengesetze zu ersetzen wissen, zeigt das Verhalten gewisser Schuldirektoren. Obwohl die berüchtigte Resolution Schmid im österreichischen Reichsrat bekanntlich abgelehnt wurde, die, ganz wie in Rußland, die Juden zu den mittleren und höheren Schulen nur nach einer bestimmten prozentualen Norm zulassen wollte, führen diese Direktoren den Willen des Herrn Schmid und seiner Gesinnungsgenossen praktisch aus, indem sie jüdischen Eltern, die ihre Kinder an dem betreffenden Gymnasium oder der Mittelschule usw. unterbringen wollen, mit bedauerndem Achselzucken die Antwort geben, die Anstalt sei' bereits überfüllt. Und da helfen weder Bitten noch Proteste. Wenn der Herr Direktor sagt, daß die Anstalt überfüllt ist,, dann ist sie eben überfüllt — auch wenn hinterher noch eine ganze Anzahl christlicher Schüler ausgenommen werden! Dieses Schauspiel wiederholt, sich in einer ganzen Reihe von Anstalten Jahr für Jahr, und die jüdischen Ettern müssen von einer Schule zur andern waüdern, um ihre Kinder irgendwo unterzubringen. Auf diese höchst einfache Art ersetzt man in Galizien die nichtvorhandenen antisemitischen Gesetze. &

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