Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-09 · Heft 41 (9.10.1908) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228840--64970-3277058
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

unterstützt und kommt aus dir Tagesordnung der nächsten Sitzung: ' Sodann lag ein Antrag des Gemeindevorständes vor,' der Verwaltung der Töchterschule die Genehmigung zu erteilen zur lieber" - nähme des Kapitals der Haushaltungsschule'(8450 Mark) und außerdem aus Gemeindemitteln noch weitere 8000 Mark für den-Ausbau der Haushaltungsschule zu bewilligen. Zur Begründung wurde ausgeführt, das; die Israelitische Haushaltungsschule sich auflöst, und der Haushaltungsunterricht in den Lehrplan der Israelitischen Töchterschule eingefügt wird. Das beantragte Kapital ist zur Schaffung neuer Räume notwendig; gleichzeitig soll auch ein neuer Physiksaal errichtet werden; Ein Antrag, die Angelegenheit einer dreigliedrigen Kommission zu überweisen, wird abgelehnt. Der Antrag des Gemeindevorstandes wurde nach kurzer Debatte angenommen. Der Bericht der Kommission zur Verbesserung der Gemeindefinanzen wurde in geheimer Sitzung beraten, doch wurden die Verhandlungen noch, nicht zu Ende geführt. Vielmehr soll über die drei Anträge der Kommission in der nächsten geheimen Sitzung weiter beraten werden. i. Sassendorf, 20. September. Unter - äußerst zahlreiAer Beteiligung der Vertreter fast sämtlicher Synagogengemeinden der Provinz Westfalen erfolgte am 20. d. M: die feierliche Grundsteinlegung für das hier im Bau befindliche Israelitische Kinderheim für die Provinz Westfalen. Nachdem die Festteilnehmer, welche sich in Soest versammelt hatten, von dort mit einem Sonderzuge nach hier befördert worden und an der Baustelle eingetroffen waren, nahm die Feier mit einer Ansprache des Vorsitzenden des Vereins „Israelitisches Kinderheim" und des Verbandes der Shnagogengemeinden Westfalens, Herr S. Flörsheim-Dortmund, ihren Anfang. Der Redner legte in seiner Ansprache die Gründe näher dar, welche zur Gründung des Kinderheims geführt hätten. Man wolle, da ja auch Kinder der christlichen-Konfessionen Aufnahme finden können, die Liebe, welche die israelitischen Kinder in den anderen Anstalten genossen haben, den Kindern , der christlichen Mitbürger wieder vergelten. Die vortreffliche Rede klang in einem dreifachen „Glück auf" auf das Gedeihen dieses Werkes der Charitas, der Hygiene aus, dieses Werkes, das kommenden Geschlechtern zugute kommen soll. Aus der nun von Herrn M. Liebenfeld-Voclmm zur Verlesung gebrachten und in den Grundstein versenkten Urkunde erwähnen wir, - daß der Anstoß zur Gründung des Kinderheims auf dem am 26. Mai 1906 in Iserlohn abgehaltenen Synagogentage gegeben wurde. Der bauleitende Architekt. Herr Robert-Bochum überreichte nunmehr mit einer'kurzen, den Wunsch nach glücklichem Vollenden des Baues aussprechenden Rede den Grundsteinshammer dem Vorsitzenden, Herrn Flörsheim-Dortmund. Die ersten Hammerschläge vollzog Herr Ehrenamtmann Schulze-Henne aus Löhne und Herr Vikar Silkenbäumer. Nach Wiedereintreffen der Festteilnehmer auf dem Bahnhof erfolgte ihre Rückbeförderung nach Soest abermals mittelst Sonderzuges. In Soest fand aus Anlaß der Feier im Saale des Hotels „Zur Krone" ein Festessen statt. F. M—1. Frankfurt a. M., 1. Oktober. Nach dem Vorbilde des in Steglitz vor neun Jahren' durch Fräulein Pauline Münchhausen errichteten „Heim für israelitische Lehrerinnen, Erzieherinnen und Repräsentantinnen" besitzt nun auch Frankfurt a. M. eine gleiche Heimstätte, ein weiteres Reis in dem reichen Kranze der Wohlfahrtseinrichtungen dieser Stadt. Dem vor einigen 'Jahren zur Erreichung dieses Zieles gegründeten Vereine hatte Frau Clara Bermann, in Uebereinstimmung mit ihrem früher verstorbenen Gatten, ihr Haus (Rückertstraße 53), in dem sie lange Jahr in glücklichster Gemeinschaft verbracht hatten, für die Zwecke dieses Vereins testamentarisch bestimmt. Am 30. September dieses Jahres vormittags 11 Uhr fand die feierliche Uebergabe des Hauses durch den Testamentsvollstrecker Herrn Justizrat Dr. Blau an den Verein statt: Nach einem von einem gemischten Chor vorgetragenen Einleitungsgesang aus Mendelssohns Elias übernahm für den Verein Herr Justizrat Dr.' Martin Mayer dieses so vortrefflich geeignete Heim. Cr sprach den werktätigen Männern und Frauen, welche den Anstoß zu seiner Gründung gegeben und das Interesse für Ziele und Zweck des Vereins bei ihren Mitbürgern zu erwecken verstanden hatten, insbesondere den Herren Direktor Adler, Ludwig Schiff und Bernhard Kahn den herzlichsten Dank des Vereins aus. Herr Direktor Adler wies daraus hin, daß die Berliner Gründungen der verhältnismäßig - kurzen-Zeit ihres Bestehens den Beweis ihrer Lebenskraft,'/aber-auch des .vorhandenen Bedürfnisses geliefert habe: von zehn Insassinnen bei der Begründung fei ihre Zahl jetzt auf fast einviertel Hundert gestiegen. ' Wie dort, so sei nun auch hier ein warmes, sonniges Heim geschaffen, denen, die es vor allem verdienten, den nicht angestellten Lehrerinnen, Erzieherinnen und Repräsentantinnen israelitischer Konfession. Von den in unserem Vaterlande lebenden jüdischen Lehrerinnen, ungefähr 1200, sind kaum ein halbes Hundert an öffentlichen Anstalten angestellt und genießen die-' gleichen Wohltaten, wie ihre christlichen Kolleginnen. Die weitaus größere Mehrzahl muß sich schwer und mühselig ihr Brot bis ins hohe Alter zu verdienen suchen. Denn nicht allein die Sorge um das eigene Fortkommen, sondern recht oft noch dazu die um die Angehörigen ruht auf ihnen. Und wenn sie für diese das letzte hingegeben haben und nicht mehr arbeitsfähig sind, dann hören sie wohl von „Heimen", die'andere aufnehmen, während sie ihnen aus finanziellen oder konfessionellen Gründen verschlossen sind. Also nicht etwa der Wunsch, uns von den anderen abzusondern, sondern die soziale Not hat zur Schaffung eines solchen Heims gedrängt. Möge das hier gegründete Heim ebenso segensvoll wirken, wie'sein Berliner Vorbild; möge der sprichwörtliche Wohltätigkeitssinn der Frankfurter jüdischen Mitbürger sich auch dieser neuen Wohlfahrtsanstalt zuwenden, damit allen Anforderungen, die an sie gerichtet werden, entsprochen werden könne. Der Redner gedachte noch dankend der Herren und Damen, die sich um die Ausführung des Willens der Stifterin besonders bemüht hatten, der Herren j Justizrat Dr. Blau, Drey fuß und Haas, der Damen Frau Ludwig I Schiff, Frau Sanitätsrat Dr. Jaffa, Frau Dann und Fräulein Meier und schloß mit dem Wunsche: „So warm und heiter am heutigen Herbsttage die Sonne auf uns herniederschaut, so sonnig, warm und heiter möge sich 'in diesem Heim der Lebensabend aller Damen gestalten, die hier Zuflucht finden werden". Hierauf gab Herr Justizrat Dr. Blau als Testamentsvollstrecker seiner Freude darüber Ausdruck, daß der letzte Wille seiner Mandantin so schön in Erfüllung gegangen sei, sowie dem Wunsche, daß das Heim allezeit wohlwollende Gönner finden möge. Zum Schlüsse richtete Frau H enschel (Berlin) als Delegierte des Berliner Lehrerinnenvereins Worte der Begrüßung und des Dankes für die Einladung an die Versammelten. Sie komme über Weimar nach Frankfurt, von einer Goethestadt in die andere, und sei von Herzen erfreut, zugegen sein zu dürfen, da ein Haus der Bildung ins Leben trete. Möge in diesem Heim jederzeit der Geist altehrwürdiger jüdischer Tradition blühen, erhellt, erwärmt und befruchtet durch den Geist der Zeit! Es erfolgte hierauf eine Besichtigung des Hauses, in dem vorläufig acht Zimmer zur Aufnahme von Damen bereit sind; zurzeit sind drei Pensionärinnen angemeldet. — Wiesbaden, 2. Oktober. Am zweiten Neujahrstage hielt der Stadt- und Bezirksrabbiner Dr. M. Silberstein - hier, da er mit diesem Tage aus seinem Amt schied,das er im allgemeinen fast 50 Jahre, davon 25 Jahre in der hiesigen „israelitischen Kultusgemeinde", verwaltet, seine Abschiedspredigt, nach der ihm von den Mitgliedern des Vorstandes wie auch aus der Mitte der Gemeinde zahlreiche Aufmerksamkeiten erwiesen wurden. Schon gelegentlich seines 70. Geburtstages, 1904, wurde der Jubilar von der Gemeinde in der ehrendsten Weise gefeiert und von dieser durch mancherlei Beweise der Verehrung erfreut. Die Gemeinde selbst widmete ihm damals einen großen silbernen Tafelaufsatz und die ihm unterstellten jüdischen Neligionslehrer ein Gedenkblatt mit ihren Photographien. Der bis zuletzt in voller geistiger und körperlicher Frische seines Amtes Waltende ist in Witzenhausen (Hessen) geboren. Seine akademischen Studien ab- - solvierte er an der Berliner Universität (1855 bis 1858). Seine amtliche Laufbahn begann er in Altpreußen» wo er 1858 bis 1868 wirkte, von da bis 1884 amtierte er in Württemberg, von wo er. ohne daß eine Bewerbung seinerseits erfolgte — er war insbesondere durch seine (1882) am Grabe Berthold Auerbachs, zu dem er freundschaft- . liche Beziehungen hatte, gehaltene'Rede weiteren Kreisen bekannt geworden — hierher berufen wurde. Hier wie auch in seinen früheren Wirkungskreisen entfaltete er eine erfolgreiche literarische Tätigkeit. Hier hat er auch auf humanitärein Gebiet segensreich gewirkt, wovon insbesondere der „Waisen-Unterstützungsfonds" zeugt. Seiner Anregung verdankt auch die Gemeindebibliothek ihre Begründung, die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.