Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 41 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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ftpoH-l** Dxx (Semetndebote Berlin,».OkloberW». Vellage zur „Allgemetnen Leitung deS Judentums. Korrelponden?en und Kgchrichten. Deutschland. s. Berlin, 2. Oktober. Das „Israelitische Krankenheim" (Elsasserstraße 25) hat zur Ermöglichung einer Erweiterung einen Äufruf zu Geldbeiträgen verschickt, der erfreulichen Erfolg hatte. Die Sammlungen haben in den ersten Tagen an einmaligen Zuwendungen mehr als 1300 Mark, an Jahresbeiträgen über 500 Mark ergeben. Der Inhaber einer der größten hiesigen Warenfirmen hat zum Andenken anseine verstorbenen Eltern eine Zimmerstiftung errichtet. Hoffentlich findet das Beispiel zahlreiche Nachahmer. T. Berlin, 6. Oktober. Anläßlich des Ablebens des allgemein verehrten Sanitätsrats Dr. Neumann dürften die folgenden Bemerkungen von Interesse sein. Unter die ^Anregungen und Betätigungen, die der Verstorbene gab, gehört auch die, jüdische Lehrerinnen im städtischen Dienst anzustellen. Dr. Neumann hat seinerzeit mit geradezu zäher Festigkeit das Verlangen gestellt und Schulrat Bertram solange interpelliert, bis ich am 8. Mai 1876 als Anwärterin, am 1. Oktober 1876 definitiv als wissenschaftliche Lehrerin in städtischen Dienst trat, den ich im 33. Dienstjahre Uoch inne habe. Er selbst hat sich dieses Erfolges stets herzlich gefreut. Nur in den letzten Jahren, als die Reaktion einmal — dann sicher zurückgeschlagen — an unser Ordinariat rührte, nahm er einen einseitigen Standpunkt ein; ihm schien es recht, uns hauptsächlich im Religionsunterricht beschäftigt zu sehen. Aber bloß Religionsstunden an unseren Schulen zu geben, das bedeutet keinen Fortschritt. Die Unparteilichkeit besteht darin, daß wir unsere eigene Klasse haben, als Ordinarien erziehlich wirken, alle Fächer außer der uns glücklich entrissenen Geschichtsstunde geben und nicht mehr Religionsstunden als unsere protestantischen Kollegen. Selbst bei uns Gutgesinnten herrschen so irrtümliche Meinungen über unser Recht und Gleichwertigkeit, daß ich gern einmal die Gelegenheit ergreife, die Sache richtig zu stellen. Neumanns Verdienst aber bedeutete außerdem ideellen Sieg eine Menge gut aufgerichteter Existenzen und für die Allgemeinheit nutzbar gemachter Erzieh- und Lehrtalente. s. Berlin, 4. Oktober. Dem Landgerichtsrat vom Landgericht I in Berlin Dr. Heinrich Pollack ist die nachgesuchte Dienstentlassung bewilligt und ihm gleichzeitig der Charakter als Geh. Justizrat verliehen worden. Geheimrat Pollack hat 1867 das Referendarexamen bestanden. Er nahm dann am Feldzuge gegen Frankreich teil und erwarb sich in ihm das Eiserne Kreuz II. Klasse am weißen Bande. 1873 wurde er Gerichtsassessor und erhielt im Mai 1875 seine erste Anstellung als Kreisrichter in Dramburg. Bei der Justizorganisation wurde er als Landrichter nach Köslin versetzt und kam von dort am 12. Dezember 1888 an das hiesige Landgericht I. Seit dem 1. Juni 1896 war er Landgerichtsrat. s. Berlin, 2. Oktober. Ein in Sportkreisen bekannter Anwalt L.» welcher früher einer Synagogengemeiude in der Provinz an gehörte, hatte sich taufen lassen. Einige Jahre darauf siedelte er nach Berlin über. Hier wurde er sowohl von der evangelischen, als auch hon der jüdischen Gemeinde zur Kirchensteuer beziehungsweise zu Shnagogenbeiträgen herangezogen. Als der Anwalt Klage gegen seine Heranziehung zu Synagogenbeiträgen erhob, wurde er vom Bezirksausschuß abgewiesen. Das Oberverwaltungsgericht erkannte aber zugunsten des Anwalts auf Freistellung. In der Begründung wurde.unter anderem geltend gemacht das Gesetz betreffend den Austritt aus einer Kirche vom 14. Mai 1873 unterscheide zwischen dem Austritt aus einer Kirche zur andern. Der Austritt mit bürgerlicher Wirkung könne nur durch Erklärung einer.Person-vor dem Richter des Wohnorts erfolgen; beim Uebertritt sei dies nicht erforderlich.- Als L. 1899 die christliche Taufe empfing, blieb er bis aus weiteres in seiner Kultusgemeinde verpflichtet, Synagogenbeiträge zu entrichten, weil er unterlassen, hatte, seinen Austritt aus dem Judentum persönlich vor dem Richter zu erklären. Diese. Verpflichtung hörte aber auf, als Lnach Berlin verzog. In Berlin ließ sich der Anwalt als Christ, nieder, in Berlin wurde er niemals Mitglied einer Synagogengemeinde. Kp. Aus der Provinz Posen, im September. Lehrer Lew in in Exin ist zum Vorsitzenden des dortigen simultanen Lehrervereins gewählt worden, -r- Ein früherer Einwohner in Lissa, Geheimer Kommissionsrat Theodor Potsdamer in Schöneberg, hat für ein in Lissa zu erbauendes Volksbad 15000 Mark gestiftet. — Kürzlich ist die nach 50jährigem Bestehen erneuerte Synagoge in Crone a. Br. feierlichst eingeweiht worden. — Frau Bertha Friedmann in Posen, Mitinhaberin der Firma Friedmann & Alport daselbst, hat dem dortigen Oberbürgermeister anläßlich ihrer Uebersiedlung nach Berlin 300 Mark zur Unterstützung von Armen überreicht. i. Breslau, 4. Oktober. Heute habe ich Ihnen, von drei Todesfällen zu berichten, die über den lokalen Kreis hinaus allgemeine Teilnahme erregen werden. Am 30. vorigen Monats ist die Lehrerin Fräulein Marie Land mann dahingeschieden, die als Mitgründerin des hiesigen Vereins „Frauenwohl" sich um die Entwicklung der Frauenbewegung in Schlesien große Verdienste erworben hat. Auch als Lehrerin wie Schriftstellerin erfreute sie sich der Anerkennung weiter Kreise und hat sich sowohl durch ihre liebenswürdige Erzählergabe, wie durch wertvolle Fachartikel viele Freunde erworben. — Am 20. vorigen Monats ist Frau Bertha Schottländer iw 88. Lebensjahre verschieden. Sie war eine sehr wohltätige Frau und hat verschiedene jüdische Stiftungen und Institute mit Legaten bedacht. — Am Dienstag dieser Woche starb im 60. Lebensjahre der, angesehene Kaufmann Eugen Schiff, Senior der bekannten hiesigen Holzgroßhandlung von Simon Bernhard Levi. Ueber 13 Jahre hat er im Ehrendienste der Stadt als. Armendirektor gewirkt und war lange Jahre zuerst im' Vorstand und dann als Kurator im Kaufmännischen Verein von 1834, zu dessen treuesten Mitgliedern er gehörte, tätig. Bei der Beerdigung hielt Rabbiner Dr. Euttmann die Trauerrede, und im Namen des Vorstandes des Verbandes zur Erziehung hilfsbedürftiger israelitischer Kinder sprach Rabbiner Dr. Rosenthal Worte des Nachrufs auf den allgemein geachteten Mann. - Bentheu O.-Schl, 1. Oktober. In der Sitzung des Verbandes der Rabbiner Oberschlesiens^ die am 13. dieses Monats im jüdischen Gemeindehause zu Beuthen, Oberschlesien, stattfand, wurde der bisherige Vorstand, Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz und Rabbiner Dr. Münz-Gleiwitz, wiedergewählt. Aus der Tagesordnung stand eine Reihe von Fragen von weitgehendstem Interesse und hervorragender Bedeutung. Zunächst wurde ein eingehender - Bericht erstattet über die letzte Sitzung des Zentralausschnsses des allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes in Berlin. Hierauf wurde. in erschöpfender Weise der Organisationsentwurf für die preußischen Juden behandelt. Einen besonders breiten Raum nahmen die Ve- . richte ein über die seitens der oberschlesischen Rabbiner geübte . Revision des Religionsunterrichts in den jüdischen Gemeinden des Regierungsbezirks Oppeln und über die darüber mit dem oberschlesischen Synagogengemeinde-Verbande geführten Verhandlungen. Zehn Rabbiner nahmen an der Sitzung teil. M. Hamburg, 30. September. In der Versammlung des Repräsentantenkollegiums der Deutsch-Jsraelitischen Ge-' m ein de, die unter Vorsitz des Herrn Jakob Alexander stattfand, wurde nach Erledigung einiger geschäftlicher Mitteilungen von . Herrn Alexander Levy der Antrag gestellt, den Gemeindevorstand zu ersuchen, eine genaue Aufstellung der bei der Depositenkasse der Gemeinde deponierten Testamente und Legate vorzunehmen und, wenn möglich, mit einer kurzen historischen Einleitung dem Repräsentantenkollegium zu übermitteln. Der Antrag wird genügend