Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-09 · Heft 41 (9.10.1908) · p. Seite 492

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 41 (9.10.1908)
Date
1908-10-09
Page
Seite 492 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228798-3228840--64968-3277056
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

V'7-'T' . dem jüdischen Kurhospital - Aufnahme ' gefunden hatten. Dort erschien sie allwöchentlich -Freitag nachmittags wie - ein rechter Engel der Barmherzigkeit, brachte den Armen und Kranken Blumen und Kuchen, richtete sie mit sanftem -Zuspruch auf, und beträchtliche Summen hat sie alljährlich zur Erleichterung des traurigen Loses jener Enterbten des Glückes in die Hände des damaliger! Rabbiners von Teplitz, Herrn. Dr. Nosenzweig, jetzt in Berlin, gelegt. Dabei gehörte sie zu jenenedlen, stillen Wohltäterinnen, deren linke Hand nie wissen durfte, was die rechte tat, und als ich durch Zufall von einer galizischen Jüdin, einer Insassin des jüdischen Kurhospitals, alle diese echt menschlich schönen Züge der verehrungswürdigen Greisin erfahren hatte und ihr davon sprechen wollte, legte sie mir mit beschwichtigender Gebärde, die Hand auf den Mund, die ich natürlich mit glühenden Küssen bedeckte! Ueber alle ihre hohen Tugenden, ihre seltenen Eigenschaften ging ihre rührende Bescheidenheit. In ihrer Begleitung befand sich ihre Schwägerin, Frau Clara Landau geh. Byck, aus der bekannten Lemberger Familie, die dem Lande Galizien schon Abgeordnete gegeben hat, eine kaum minder verehrungswürdige Frau von Verstand, Gemüt und Bildung, mit der. wir ebenfalls noch jahrelang in Verkehr geblieben sind. Kaum jemals ist mir ein idealeres Verhältnis zwischen Schwägerinnen begegnet. Neidlos hat Frau Landauvon liebevollen Blicken begleitet, Lob und Bewunderung in allen Tonarten jederzeit ihrer „Emilie" gezollt und sich vollständig in den Hintergrund gestellt, während Frau Bernstein stets bemüht war. sie in den Vordergrund zu ziehen. Frau Landau, die in der Müsikstadt Leipzig seit länger als einem Menschenalter lebte, war sehr musikalisch, Frau Bernstein hatte mehr literarische Interessen. Musik, Literatur, Erziehung, hauswirtschaftliche Fragen usw. boten stets überreichen, nie versiegenden Gesprächsstoff. Vier Wochen währte dieses glückliche Zusammenleben, das mir unvergeßlich geblieben ist im Wechselnder Zeiten. Drei Jahre später ist mir in Wiesbaden eine Nichte der beiden edlen Frauen aus Antwerpen begegnet, ihrer würdig. .Wie haben wir in Erinnerungen geschwelgt,' wie wohltuend fühlte diese liebenswürdige Frau sich berührt, m dem Weltkurorte von einer fremden Person mit so aufrichtiger Verehrung ihrer beiden Tanten erwähnt zu. hören. Die Welt ist eben klein! Gott hat der edlen Frau einen großen Schmerz erspart, daß sie aus dem Leben schied, ehe ihr geliebter Sohn in der Vollkraft des Mannesalters allzufrüh seiner Gattin und seiner akademischen Wirksamkeit entrissen wurde. Groß- - Mutterfreuden waren ihr versagt geblieben, es war ihr; nicht vergönnt, das liebliche Wort aus holdem Kindermunde zu hören! Nach ihrem Heimgange sandte mir ihre Tochter das Bild der edlen Verklärten und dankte mir für alle Liebe, die ich ihrer Mutter erwiesen. Wieder habe ich aus dem Schatzkästlein meiner Erinnerungen einen Jnünortellenkranz gewunden, den ich in unbegrenzter Verehrung nach fünfundzwanzig Jahren ehrenden,, treuen Gedenkens auf die Hügel von Anton Ree und Emilie Bernstein im Geiste niederlege. ' Literarische Mitteilungen. _ Der internationale Kongreß für Geschichte der Religionen in Oxford hat natürlich in seiner semitischen Sektion viel Interessantes gebracht. Der Präsident dieser Sektion, Prof. Langdons-Oxford über Mn KapitelXvo^ über. Privat-Buße"; ", der'" Redner wärmt?~ die s längst abgetane' Hypothese Delitzsch's.vom babylonischen. Sabbatwieder, neu aus. Dv. Gaster-London sprach über die „Samaritanische Religion"; er will wieder ein Buch gefunden haben, und zwar das Grundbuch der samaritanischen Religion „Schein Hamphorasch". (Abwarten!) Nun kam der unermüdliche amerikanische Reklanie-Profeffor P a ul Haup t aus Baltimore mit seinem bereits genügend, abgeklapperten Vortragi „War Jesus ein Jude der Rasse nach?", in dem er bekanntlich für seine alberne Hypothese als Kronzeugen den Juristen Rudolf Jhering und Herrn Chamberlain aufführt. Außerdem wurden noch folgende Vorträge gehalten: Prof. Orelli-Basel über „Die religiöse Weisheit Israels", I. Abrahams-Cambridge „Vergleichende Religionswissenschaft", Mr. A. C ook-Cambridge „Kanaanitische Religion in der Zeit der israelitischen Invasion", Mr. G.H. Skipwitch- Bordighera „Die Genesis Israels": Merkwürdigerweise waren nur wenige jüdische Gelehrte beim Kongreß anwesend. M. Jastrow-Philadelphia, alten Babylonien", dann über „Hepatoskopie und Astrologie im folgte die Vorlesung Dr. Stephen Sprechlss!. Sehr geehrter Herr . Redakteur! . y*?ach dem Orientalisten-Kongreß in Kopenhagen fand ich in Ihrem V *2BIatte einen Bericht über den sonderbaren Galiläer-Vortrag des Prof. Haupt auf dem Berliner Historiker-Kongreß. Ich traute meinen Ohren kaum, als ich seine Ausführungen über den heidnischen Charakter der Bevölkerung Galiläas hörte. Das waren ja meine in den „Studien zur Geschichte Galiläas" bereits 1889 vorgöbrachten Argumente für dieselbe These, die ich jedoch. in der Folge als unhaltbar fallen ließ, obwohl. ich auch (Prof. Haupt unbekannte) Talmud- und Midraschtexte, angeführt hatte, welche im Zusammenhang mit Legenden über Simon den Jochai die Hypothese zu stützen schienen. Auch die Schlußfolgerungen über den Ursprung des Christentums fehlen in jener Schrift nicht, nur hatte ich mir als Jude bezüglich der Person des Stifters Zurückhaltung - auferlegt. Ich wies nun in einer Widerlegung Haupts in Kopenhagen auf meine eigene Preisgebung jener Hypothese hin. Es sprachen dann noch mehr oder weniger entschieden gegen ihn die Professoren König, Gunkel (ein wenig schwankend), Fischer-Leipzig, Dr. Alfred Jeremias, Prof. Mahler-Budapest und Dr. Yahuda-Berlin. Hoffentlich ist^Herr Haupt nach seinen Mißerfolgen darüber belehrt, daß es nicht angehe, sich doch die-phantastischen rassenpolitischen Gedanken N. St. Chamberlains für das Studium des Altertums und speziell' des Zeitalters Christi zu inspirieren. Hochachtungsvoll Dr. Armand Kaminka. Wien, September 1908. 3n Beantwortung ihrer Kundgebung in Nr. 37 dieser Zeitung diene der Firma Quelle und Meyer zur Nachricht, daß sie eine ausführliche, wissenschaftliche und pädagogische Begründung meines absprechenden Urteils über das Coblenzsche Religionsbuch im letzten Heft (7. 8.) der „Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums" Seite 497—508 finden kann, wozu mir übrigens eine „ungewöhnlich große Zahl" Zustimmungen, und zwar gerade von liberaler Seite zu gegangen sind. Mit vorzüglicher Hochachtung Dr. B. Jacob , Rabbiner in Dortmund. ■ 0eit einigen Wochen versucht, wie mir von verschiedenen Seiten mitgeteilt wird, ein Mann unter Vorzeigung einer ihm von mir. für einen ganz anderen Zweck übergebenen Visitenkarte Beträge für angeblich geleistete religiöse Funktionen — teilweise mit Erfolg — zu erschwindeln. Die Angaben des Mannes sind erlogen. Dr. M. Hildesheimer. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Mnx Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.