Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 40 (2.10.1908)
- Date
- 1908-10-02
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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vorbereitet werden. Schon jetzt beträgt die. Summe der Beiträge mehrere Millionen Kronen, aber sie wird bis zum Jubiläümstage sich noch, ansehnlich vermehren. Denn die Juden Oesterreichs verehren und lieben den Monarchen, und sie vergessen des'Wortes nicht, das er einst gesprochen: „Die Juden sind' das bindende Element meiner Staaten!" — Der Kaiserliche Rat Leopold Bon dH in Prag, Vizepräsident der Handelskammer, erhielt mit allen tschechischen Stimmen das Landtogsmandat der Prager Handelskammer, das sein -Vater, Gottlieb Bondy seligen Angedenkens, so lange innegehabt hat. — Auf dem Simmering ist am 23. d. M. der namhafte Physiker, Dr. James Moser, Privatdozent an der Wiener Universität, ein geborener Berliner,im Alter von 56Jahren plötzlich gestorben. Er erlag einem Herzschlage, der ihn unmittelbar nach einem Spaziergange getroffen hatte. — Die christlichsoziale Partei in Szeged in, deren Präsident der Szegediner Pfarrer ist, hat eine Hetzschrift herausgegeben und Plakate affichiert, in welchen die Katholiken zur Verfolgung und Vernichtung der Juden aufgefordert werden. Der Oberstadthauptmann von Szegedin hat die Konfiszierung der Flugschrift und der Plakate angeordnet und diese der Staatsanwaltschaft übermittelt, damit gegen die Verfasser und Verbreiter wegen Aufreizung gegen die Konfession das'Strafverfahren eingeleitet werde. Vun Sah und jfrrn. — Der von jüdischen Blättern gefeierte Bildhauer Professor Max Klein gehörte nicht mehr dem Judentum an. Ebenso war Chefredakteur des „Pester Lloyd", Dr. Max Falk, längst getauft. — Die Stelle eines Bibliothekars bei der Technischen Hochschule zu Berlin ist vom 1. Oktober d. I. ab dem Bibliothekar der königlichen Bibliothek Professor Dr. Heinrich Simon, der das Amt bereits vorläufig verwaltete, durch Ministerialerlaß endgültig übertragen worden. — Herr Caspar Levy, Chef der hiesigen Maklerfirma Cohn, Levy & Co., ist am 26. d. M. im Alter von 61 Jahren hier gestorben. Er war Direktor des Berliner Maklervereins, ehe er seine eigene Firma gründete, und gehörte dem Börsen- . Vorstand und dem Aeltestenkollegium der Berliner Kaufmannschaft an. — In Friedeberg N.-M. ist Herr B. Levy, der lange Jahre Mitglied des Vorstandes der dortigen Gemeinde war, nach langem Leiden gestorben. — Hauptlehrer Rieß in Krotoschin hat den Kronenorden IV. Klasse erhalten. — Dem Amtsgerichtsrat Dr. Moll in Breslau wurde der Charakter als Geh. Justizrat verliehen. — Auf dem Begräbnisplatz der jüdischen Gemeinde in Bernstein in der Neumark sind dieser Tage von ruchlosen Händen einige Grabdenkmäler vollständig zerschlagen, mehrere beschädigt und eine Anzahl umgeworfen worden. Der Schaden soll sich auf etwa 500 Mark belaufen. Die Täter sind noch nicht ermittelt. — In Odenkirchen ist an seinem 79. Geburtstags der Rentier Andreas Heymann,gestorben, der das älteste Mitglied des dortigen Landwehrvereins war, dem er kurz nach dessen Gründung — fast genau vor 51 Jahren — beitrat. Er machte den Krieg von 1866 als Landwehrosfizier bei der Mainarmee mit. Viele Mitglieder des Landwehrvereins gaben dem allseitig beliebten Kameraden das letzte Ehrengeleit. — In Frankfurt a. M. hat Dr. S. Kirchheim, leitender Arzt des Gemeinde- Hospitals seit dessen Begründung, aus Altersrücksichten dieses Amt niedergelegt. — Bis jetzt sind für die Landtagswahlen im Großherzogtum Hessen dem Vernehmen nach sechs deutschsoziale (antisemitische) Kandidaten aufgestellt. — An der Universität Freiburg i. Br. feiert die Intoleranz wieder einmal Triumphe. Dort hat sich die Studentenschaft zu einem neuen Verbände zusammengeschlossen. Ausgeschlossen davon wurden aber die katholischen Verbindungen und die jüdische Verbindung im K.-C. (Kartell- Convent der Tendenzverbindungen deutscher Studenten jüdischen Glaubens). — In Saarburg wurde Herr Silvain Beer abermals mit 18 Stimmen zum Bürgermeister gewählt, nachdem der Vorschlag, einen Berufsbürgermeister zu wählen, mit Majorität abgelehnt wurde. — Im Monat Juli haben in Ungarn 60 Mischehen zwischen Juden und Christen stattgesunden! — In Amsterdam hat Professor Max Liebermann jüngst im Judenviertel bei den Studien für ein neues Gemälde Unannehmlichkeiten zu bestehen gehabt. Verschiedene Bewohner desselben waren entrüstet, weil sie ihre Gesichtszüge auf einer am Fenster stehenden Skizze abgebildet sahen. Mgch der Darstellung ^des „Nieuws van den Dag" hatteder gegens - Liebermann in Szene gesetzte Sturm den Grund, daß' der Künstlereinige Personen dafür bezahlt hatte, daß sie ihm auf der Sträß'e> ^Modell standen, und als nun auch andere ihr Bildnis auf beiii Gemälde sahen, glaubten sie, ebenfalls Anspruch auf eine Belohnung zu haben und drangen, als diese nicht erfolgte, in das Zimmer^ Liebermanns, um ihr vermeintliches Recht geltend zu machen. Ein/ Leid wurde dem Künstler "nicht zugefügt, aber die Polizei hatte zu arbeiten, um die gegen ihn andringende Schar zu vertreiben. -- Die Baronin Edmund v. Rothschild hat dem jüdischen Krankenhause zu Nizza, das von Jacob Plaut, seligen Angedenkens, begründet wurde, 25 000 Franken zugewendet. — Der „Corriere d'Jtalia" erhält aus Monako folgende merkwürdige Depesche: „Von einer Person, die allen Grund hat, sich für sehr gut informiert zu halten, erfahre ich, daß in kurzem Alfred Drehfus vom Fürsten Albert znm Generaldirektor der Polizei von Monako ernannt werden wird. Die Nachricht wird ganz sicher schon in den nächsten Tagen bestätigt werden." — Die Stiftung des verstorbenen Bankiers. Albert Samson in B rüssel beträgt nicht drei, sondern 30 Millionen, und die Erbin ist nicht die.Universität, sondern ..die Akademie der. Wissenschaften in Berlin. — In Belgraid fand am 21. d. M. die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt. Zur Festlichkeit er-, schien auch König Peter, sämtliche Minister und ein zahlreiches, aus-' erlesenes Publikum. — Vor einem Jahre starb in Warschau Frau Rachel Hufnagel, die der . jüdischen Gemeinde 100000 Rübel mit der Verfügung vermachte, daß ständig zehn fähige junge Leute, die sich dem Rabbinerberufe widmen wollen, in. einem Seminar herangebildet werden sollen. Mehr als zehn Hörer dürfen nicht unterstützt werden. Der Kursus ist' auf fünf Jahre berechnet. Und wenn die zehn Hörer das Rabbinerdiplom erlangt, können wieder andere zehn ausgenommen werden. Laut Verfügung der Stifterin sind fünf anerkannte jüdische Gelehrte zu wählen, welche abwechselnd einen Tag in der Woche die Vorlesungen zu halten und die Aufsicht über die Hörer zu übett haben. Von den Zinsen des Kapitals — ungefähr 6000 Rubel jährlich — sollen die Hörer und die Lehrer eine Zulage'von je' 24 Rubel'pro Monat erhalten, während der Rest zur Deckung der übrigen Auslagen, wie.Schullokal, Heizung. Diener usw. verwendet werden soll. Die Anstalt wurde bereits eröffnet. — In L o dz wird ein Verein gegründet zum Zwecke des Ankaufs von Land in Palästina. Dieser Verein wird vorläufig aus 200 Personen bestehen. Jedes Mitglied zahlt beim Eintritt in den Verein einmalig je 300 Rubel in barem Melde, also wird das Kapital des Vereins auf diese Weise 60 000 Rubel erreichen. — Der Magistrat der Stadt Jassy, hat beschlossen, alle Schulreparaturen und auch sonstige Arbeiten nicht mehr den jüdischen Unternehmern zu übergeben, sondern nur den Rumänen. Es ist dabei interessant zu bemerken, daß die Bevölkerung der Stadt Jassy aus mindestens 50 Prozent Juden besteht, die nur Handwerker und Kaufleute sind, von denen gewiß die Stadt den größten Teil ihrer Einnahmen bezieht. — Bei einem in Odessa vor kurzem von Banditen, die sich „Anarchisten" nennen, verübten Ueberfall zeichnete sich ein Jude in der Abwehr der Mordgesellen durch große Tapferkeit aus und tötete einen der Rebellen. Der Generalgouverneur hat. nun angeordnet. diesen Juden bei der Polizei anzustellen. — Der Generalgouverneur von Sewastopol ordnete an, daß alle Juden aus dem Südteil der Stadt ziehen, ,wo die Kasernen der Garnison stehen. Den Juden ist auch ein vorübergehender Aufenthalt in diesem Stadtteil verboten. — In Smolensk wurde die Kirche beraubt; den Räuber, den Bauern Andrer Iwanow. Lithinenko, aus dem Gouvernement Witebsk. hat man erwischt. Die offiziöse „Telegraphen-Agentur" lügt telegraphisch in alle Welt: „Den Räuber, den Juden Lithin, hat man mit den gestohlenen Gegenständen festgenommen." — In. Wilna erscheint seit kurzem eine Wochenzeitung „Der Schadchen", die als offizielles Organ der hierstark vertretenen Heiratsvermittlerzunft gelten soll! — In Poona in Indien ist der SubedarJakob Davide Bargaraker im 82. Lebensjahre gestorben. Er diente, wie sein Vater, in der indischen Armee von der Pike auf und zeichnete sich in verschiedenen Kriegen durch Mut und Tapferkeit aus. Die Bens-Jsraelgemeinbe daselbst hat. in ihm , eines ihrer, angesehensten Mitglieder verloren. .-