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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-02 · Heft 40 (2.10.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Anerkennung undLiebe. Nach ihm sprach Justizrat Seligs^ohn, der Neumann als den Vater des Hilfsvereins zur Unterstützung jüdischer Studierender pries, der 67 Jahre für diesen Verein gewirkt habe und nun als letzter von den Begründern dahingegangen - sei. Zum Schluß feierte Professor Dr. S, Kalischer den Verstorbenen um der Verdienste willen, die er sich um die Bibliothek der hiesigen jüdischen Gemeinde erworben. Dann sang der Männerchor noch ein Lied und der Sarg wurde hinausgetragen. Eine Abschiedsfeier im Heim des Verstorbenen war dem Leichenbegängnis vorangegangen, wobei der Abgeordnete Paul Singer als langjähriger Freund des Entschlafenen gesprochen hat. Auch er würdigte die großen Verdienste Neumanns um die Gesamtheit nach allen Richtungen hin. Die Teilnahme verschiedener und weiter Kreise,- die sich bei diesem Trauerfall in so erhebender Weise kundgibt, ist ein beredtes Zeugnis für die Bedeutung des Heimgegangenen, dessen Andenken in Ehren fortleben wird. s. Berlin, 25. September. Wie wir bereits kurz aus Rom gemeldet, ist dort am 16. d. M. der Bankier Louis Salomonsohn gestorben. Er war dort als ehemaliger Mitchef und Teilhaber des Bankhauses Nörrenberg & Co. im ehrwürdigen Palazzo Chigi — aus dem er ausschied, als seine Schwerhörigkeit immer stärker ward — eine seit vielen Jahrzehnten wohlbekannte Persönlichkeit. Ein seiner Kenner der wirtschaftlichen, besonders der Finanzlage Italiens, das seine zweite Heimat geworden, hat er wiederholt seine Ansichten darüber in Artikeln, welche zu ihrer Zeit, besonders in den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts allgemeine Aufmerksamkeit in den beteiligten Kreisen erregten, niedergelegt. Er sagte darin die wirtschaftliche Krisis für Italien (um 1890) besonders im Bankwesen deutlich voraus, aber früher, als sie nachher tatsächlich eingetreten ist. Von den Geschäften zurückgezogen, widmete er sich dann naturwissenschaftlichen Liebhabereien; er war einer der besten Kenner der röniischen Campagna, welche er früher zu Pferde, dann als rüstiger Fußgänger durchstreift hat. Seine vielseitigen Beobachtungen in ihr hat er in einem humorvollen Artikel niedergeschrieben, alserauf einer seiner vielen Wanderungen einmal eingeregnet war. Er ist unter dem Pseudonym Louis Renner in der Zeitschrift „Die Nation" 1896 erschienen: „Abseits vom Baedecker", eine geradezu klassische Schilderung der Campagna, ihrer Natur, ihrer Bewohner und ihrer mitunter sehr merkwürdigen Reiseverhältnisse. In der Campagna am Fuße des Albanergebirges, zu Genzano, ist Salomonsohn dann auch, 75jährig, nach langen Leiden gestorben. Er war übrigens ein Onkel des gleichnamigen Direktors der Disconto-Gesellschaft. ll. Hoherrsalza, 25. September. In Gegenwart des Oberpräsidenten von Waldow und des Regierungspräsidenten von Guenther fand heute die feierliche Einweihung der neuen Synagoge statt. Die Ausarbeitung des.Projektes für das großartige Bauwerk lag in den Händen des Stadtbaurats Baumgarten, der auch die Oberleitung des Baues hatte. Die Bauausführungen hatte Bau- . meister Wettke übernommen. Zu der Einweihungsfeier waren zahlreiche -Zuschauer erschienen. Mit dem Mittagszuge 1/21 Uhr traf Oberpräsident von Waldow aus Posen ein,, ferner waren als Ehren-' gäste erschienen Regierungspräsident Dr. von Guenther, Landrat Dr. Buresch-Hohensalza, Regierungsassessor Dr. Schüler, Landtags-, abgeordneter Geh. Kommerzienrat Aronsohn, Rabbiner Dr. Walter, beide aus Bromberg, Bezirkskommandeur Major Becker, Erster Bürgermeister Treinies, Zweiter Bürgermeister Dr. Arter. Vertreter der evangelischen Geistlichkeit von hier, Abordnungen der Nachbargemeinden . Argenau, Kraschwitz, Pakosch und von auswärtigen Rabbinern? die Herren Rabbiner Dr. Perlitz-Nakel, Dr. Rosenberg» Thorn und andere. Die Feier nahm pünktlich um 1 Uhr mittags . ihren Anfang. Baumeister Wettke übergab mit einer Ansprache den Schlüssel des Gotteshauses dem Leiter des Baues, Stadtbaurat Baumgarten, der ihn seinerseits an den Vorsteher Stadtrat Salomonsohn zur Weitergabe an den Rabbiner Dr. Cohn überreichte, welcher die Tempeltür mit Gebet und Segenswünschen öffnete. In der Synagoge wurden einige Lieder von einem wohlgeschulten gemischten Synagogenchor mit Musik abwechselnd gesungen. Während der nun folgenden Liturgie wurden die elf Thorarollen von einigen Mitgliedern des Vorstandes und Repräsentanten durch die Synagoge getragen und in die heilige Lade eingestellt. Es folgte das Weihgebet' beim Anzünden der ewigen Lampe. Hierauf hielt Rabbiner Dr. Cohn die Festpredigt. "In' seiner.formvollendetemMede schilderte-ZK er die Bestimmung, die Bedeutung und'den Zweck desneuenGottesWE Hauses... Der Predigt folgte sodann dasallgemeine Kirchengebe^für den Landesherrn und Gesang des gemischten Chors unter Mit- Wirkung des Kantors Reh selb. An die Feier schloß sich nachmittags x Vs 3 Uhr im Saale von Hotel Weiß ein von der Gemeinde -ihren Gästen gewidmetes Festessen, bei welchem der Oberpräsident den Kaisertoast ausbrachte. In seiner Rede teilte der Oberpräsident mit, daß der Kaiser dem Rabbiner Dr. Cohn für seine langjährige verdienstvolle Tätigkeit den Roten Adlerorden vierter.Klasse verliehen habe. . .;--.v — Chemnitz im September. Der Verwaltungs bericht des Vorstandes unserer Religiönsgemeinde für das Jahr 1907 ist ein / Zeugnis für die gesunde Entwicklung derselben. Die Gemeinde zählt zirka 1250 Seelen. Die Anzahl der zur Gemeindesteuer im Jahre 1907 veranlagten Gemeindemitglieder betrug 557 mit 309 selbständigen Haushaltungen. Auswärts wohnhaft waren 53 Mitglieder mit 30 Haushaltungen. Der im Jahre 1906 gegründete Verband der israelitischen Religionsgemeinden im Königreich Sachsen (Sitz Dresden), welchem sämtliche israelitische Religionsgemeinden angehören, hat schon im ersten Jahre seines Bestehens eine rege Tätigkeit entfaltet. Die Sitzungen desselben behandelten die verschiedensten Angelegenheiten des Gemeindelebens, Der Verband hat unter ayderm auf den Antrag von Chemnitz den Plan ge-'..... faßt, in absehbarer Zeit ein israelitisches Waisenhaus im Königreich Sachsen zu errichten. Am 16. Januar verstarb Rabbiner Dr. Jacob Mühlselder, welcher seit -1885 segensreich in unserer Gemeinde gewirkt. Zu Ehren des Heimgegangenen veranstaltete die Gemeinde am 20. Januar eine Trauerfeier in der Synagoge. Die Religionsschule verband ihre besondere Trauerfeier mit dem Jugendgottesdienste am 19'. Januar. Die Wahl des Herrn Dr. H. Fuchs zum Rabbiner und Leiter unserer Religionsfchule wurde durch Verordnung des königlichen Ministeriums des Kultus und öffentlichen Unterrichts vom 11. Juni 1907 genehmigt. Um den Besuch des Freitag-Abend-Gottesdienstes zu fördern, haben die Gemeindekollegien den Beschluß gefaßt, den Beginn desselben einheitlich zu regeln. Die Predigt-Gottesdienste wurden vermehrt, so daß nunmehr jeden zweiten Sabbat (im Winter abwechselnd jeden zweiten Freitag abend beziehungsweise Sabbat vormittag), außer an den Feiertagen, eine Predigt gehalten wird. Der Synagogen-Chorverein hat den Vorstand bei der Ausgestaltung des Gottesdienstes wie bisher in dankenswerter Weise unterstützt. Im Schuljahre 1906/07 betrug die Anzahl der Schüler unserer Religionsschule 183 (89 Knaben und 94 Mädchen). Das Lehrerkollegium bestand, nach dem am 31. Dezember 1906 erfolgten Ausscheiden des Herrn Dr. Ludwig Golinski, bis zum Ende des Schuljahres aus den Herren Lehrer S. Sommerfeld, Kantor N. Goldberg und Lehrer A. Nathan; die Leitung der Schule führte während dieser Zeit vertretungsweise Herr Sommerfeld. Mit Beginn des Schuljahres 1907/08 trat Herr Rabbiner Dr. Fuchs in das Lehrerkollegium ein und übernahm zugleich die Leitung der Religionsschule. Von diesem Zeitpunkte ab wurde eine weitere Schulklasse eingerichtet, so daß die Religionsschule nunmehr fünf Klassen umfaßt. Ferner hat Dr Fuchs einen Fortbildungsunterricht für schulentlassene Knaben eingerichtet. Neben dem in Glauchau und Meerane bisher von Herrn Lehrer Nathan erteilten Religionsunterricht ist ein solcher auch für Frankenberg und Limbach eingerichtet worden, woselbst Herr Nathan am Dienstag beziehungsweise Sonntag unterrichtet. Am 4. fJlobember 1907 errichtete Herr Wilhelm Dresel in Berlin zu Ehren seiner seligen Eltern Abraham und Susanna Dresel mit einem Kapital von 5000 Mark eine Stiftung, welche den Namen „Abraham und Susanna Dresel-Stiftung" tragen und vom Vorstande der Israelitischen Religiönsgemeinde zu Chemnitz verwaltet werden soll. Das Stiftungskapital besteht in einer vierprozentigen Hypothek auf ein Hausgrundstück in.Chemnitz. Die-Zinsen der Stiftung sollen zu Lebzeiten des Stifters an einen' oder mehrereBedürftige, deren Wahl dem Vorstande der Israelitischen Religionsgemeinde überlassen bleibt, alljährlich verteilt werden. Der Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinde war 1907 aus folgenden Herren zusammengesetzt: Louis Ladewig, Vorsitzender; Bernhard Kupferberg, - stellvertretender Vorsitzender; All I. Kalitzki, Schriftführer; Markus Bernstein.

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