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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-02 · Heft 40 (2.10.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
– (sequence 15)
Language
German
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■lium.*,.*. . Der (Hemrtndrbüte. °-->l..-.°«.d-.«.. ' Weilagr zur „Allgemeinen Leitung deS Judentums. A w KorrelponLkn-en und Hschrichtrn. Deutschland. s. Berlin- 28. September. Der soeben zur Veröffentlichung gelangte 78. Jahresbericht der Alters-Verso rgungs-All stalt der jüdischen Gemeinde gibt Kunde von der segensreichen Tätigkeit, die dieses fast ausschließlich auf privater Wohltätigkeit beruhende Institut in immer wachsendem Maße auSübt. Dllrch den im vorigen Jahre fertiggestellten Erweiterungsbau der dritten Anstalt in der Exerzierstraße konnten die überfüllten Häuser in der Großen Hamburgerstraße und Schönhauser Allee etwas entlastet werden. In der Anstalt Schönhauser Allee sind durch Zusammenlegen mehrerer Zimmer größere Tagesräunle geschaffen worden, in denen die Hospitaliten sich zum Lesen und zur Unterhaltung vereinigen können- Neu eingeführt sind musikalisch-deklamatorische Veranstaltungen, ferner finden in regelmäßigen Zwischenräumen in den Anstaltssynagogen Predigten statt. In finanzieller Beziehung war das abgelaufene Jahr ein recht erfreuliches. Durch Zuwendungen, Erhöhung der Zahl der .beitragenden Mitglieder und besseres Zinserträgnis sind die Einkünfte der Anstalt gewachsen. Aber auch die Ausgaben sind stark gestiegen, sie betrugen rund 165 000 Mark. Dank der vermehrten Einnahmen konnte die Zähl der Insassen, in stärkerem Maße als bisher erhöht werden. Unter Berücksichtigung der durch Tod und Ueberweisung an andere Anstalten Ausgeschiedenen wurden 48 Personen neu ausgenommen. Am Ende des Berichtsjahres waren in allen drei Anstalten 270 Hospitaliten gegen 242 um die gleiche Zeit des Vorjahres. Zum Schlüsse des Berichts weist der Vorstand darauf hin, daß noch Räume zur Aufnahme von Hospitaliten vorhanden seien, daß es aber an den erforderlichen Mitteln fehle, und es wird die Bitte um Zuwendung von Stiftungen, Geschenken und Jahresbeiträgen ausgesprochen. s. Berlin, 28. September. Im hiesigen Krankenhause der jüdischen Gemeinde sind im letzten Etatsjahre nach dem Rechnungsbericht 1753 Kranke behandelt worden, welche 52637 Verpflegungstage verursacht haben. Zuzüglich der Verpflegungstage für Aerzte, Schwestern und sonstiges Personal sind im ganzen 82358 Verpflegungstage erforderlich gewesen. Von den Kranken wurden 43 Prozent unentgeltlich verpflegt. Der Gemeindezuschuß belief sich auf 95391 Mark; die übrigen Ausgaben sind durch Stistuugsmittel und freiwillige Beiträge beschafft. Im Frühjahr soll mit dem in der Exerzierstraße zu errichtenden neuen, allen modernen Anforderungen entsprechenden Krankenhausbau begonnen werden. s. Berlin, 29. September.' Am 21. d. M. fand unter Vorsitz des Herrn James Simon eine Sitzung des geschäftsführenden Ausschusses des „Hilfsvereins der Deutschen Juden" statt. Es wurde unter anderem über das Projekt beraten, einen Zusammenschluß der großen jüdischen Vereinigungen für bestimmte Fälle zu organisieren. Der ' Hilfsverein, der bereits anläßlich der ersten Kischiuewer Pogrome eine solche Gesamtorganisatiou in Vorschlag gebracht hatte, und der nach den Pogromen im Jahre 1905 die Anregung zu dem. Zusammenwirken der großen Organisationen gegeben hatte, wodurch alsdann auch eine schnelle und rationelle Hilfeleistung ermöglicht wurde — hat seine volle Sympathie für die . Idee aus- gesprochen, in geeigneten Fällen das Hilfswerk durch Kooperation der berufenen jüdischen Vereinigungen zu zentralisieren, und er hat sich prinzipiell bereit erklärt, einer praktischen, zweckentsprechenden Gesamtorganisation beizutreten. Wie diese Gesamtorganisation herzustellen und wer ihr angehören soll,, darüber, werden weitere Verhandlungen geführt werden, vor allem auch in Rücksicht auf die Bestrebungen des Komitees, dasunter Vorsitz des Herrn Justizrat Horwitz, Berlin, dem gleichen Ziel zustrebt. — Es wurde alsdann in der Sitzung eine Reihe von Bewilligungen vorgenommen, unter anderem für Erziehungsanstalten und Schulen im Orient und für Institute in Deutschland, die sich im Dienste des Hilfswerks - für die osteuropäischen', vor allem die russischen Juden, betätigen. — Bei dem Umschwung der Verhältnisse' in der.Türkei ist die Vermehrung und Verbesserung der Bildungsgelegenheiten daselbst von besonderer Bedeutung. Es wurden dementsprechend Mittel zur Entsendung deutscher Lehrkräfte für Schulen in Konstantinopel bewilligt, deren Reorganisation und Ausbau der Hilfsverein übernommen hat. Geeignete Persönlichkeiten sind bereits gewonnen und sie treten zum Oktober ihre Stellungen daselbst an. Auch nach Bulgarien sind zwei neue deutsche Lehrer an Stelle abgehender entsandt. — Zur Begründung eines Kindergartens — dieser für den Orient so eminent wichtigen und segensreichen Institution — in Saloniki wird der Hilfsverein seine Unterstützung durch Hergabe der erforderlichen Mittel herleihen. Ferner wurde die Begründung einer Wanderbibliothek, in Aussicht genommen, die insbesondere einer Reche kleinerer Ortschaften in Palästina zugute kommen soll. — Herr James Simon machte eine besondere Zuwendung in Höhe von 30t)0 Mark zur Herausgabe und Verbreitung von Schriften für die Jugend im Orient — Schriften unterhaltenden und belehrenden Inhalts, Lieder usw. Literatur für die jüdischen Kinder im Orient, die nach der Entwicklung der dortigen Verhältnisse in der Hauptsache hebräisch geschrieben sein müßte, fehlt noch fast völlig, respektive, es ist noch nicht an eine passende Zusammenstellung für den gedachten. Zweck gegangen. Der Segen, der durch geeignete Lektüre für Phantasie, Geinütsleben und die Weltkenntnis der Jugend in ihrem empfänglichsten, bildungsfähigsten Älter gestiftet werden kann, ist nicht hoch genug zu veranschlagen. Die versammelten Mitglieder des geschäftsführenden Ausschusses gaben zu der schönen Anregung des Herrn - James Simon und seiner hochherzigen Zuwendung ihren lebhaften Beifall kund. — Für den Israelitischen Unterstützungsverein für Obdachlose in Hamburg, der die osteuropäischen. Durchwanderer beherbergt und der ein neues Heim für sein ebenso notwendiges wie segensreiches Werk errichten muß, wurde eine Beisteuer gewährt. Auch der Hilfsverein für kranke russische Israeliten an der Ostgrenze, in Königsberg i. Pr., an dein gleichfalls hohe Anforderungen gestellt werden, erhielt einen Zuschuß. 8. Berlin, 25.September- Die Beerdigung des Sanitätsrats Dr- Salomo n Neu mann fand gestern unter großer Beteiligung weiter Kreise auf-dem Friedhof in Weißensee statt. Die Trauerfeier wurde durch einen Männerchor, eingeleitet. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Eschelbacher. Er erinnerte an das arbeitsreiche Leben .des Verstorbenen, an den Adel seiner Gesinnung und den Geist und das Pflichtbewußtsein, die den Dahingeschiedenen ausgezeichnet haben, und schilderte den Lebensgang des hervorragenden Mannes in ergreifender Rede. Stadtverordnetenvorsteher Michelet gab der Trauer Ausdruck, die das Dahinscheiden des geliebten Kollegen in Gemeindekreisen hervorgerusen hat. Er pries ihn als einen charakterfesten, liberalen und überzeugungstreuen Mann, der sich als Mitglied der städtischen Schuldeputation, Waisenverwaltung, der Deputation für die Statistik und andere große Verdienste erworben hat, und dessen Andenken mit vielen Reformen verknüpft ist, die er mit Rudolf Virchow und Paul Langerhans ins Werk gesetzt hat. Dr. Langerhans habe es tief bedauert, wegen hohen Alters und eigenen Leidens an der Leichenfeier nicht teilnehmen zu können. Geheimer Regierungsrat Professor May et. vom Kaiserlichen Statistischen Amt rief seinem Freunde Worte der Verehrung , nach, wobei er auf die Bestrebungen Neumanns zur Hebung der sozialen Medizin hinwies. Ebenso habe Neumann die Statistik, das Wohnungswesen und viele große Ideen wirksam gefördert. Geheimer Rat Goldberger sprach im Namen der Alliance Israelite und dankte besonders im Aufträge des Zentralkomitees dem stets hilfsbereiten Mann für seine langjährige treue Mitarbeiterschaft. Geheimer-Regierungsrat Professor Geiger widmete im Namen der von dem Verstorbenen mitbegründeten Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums ehrende Worte der

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