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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-02 · Heft 40 (2.10.1908) · p. Seite 474

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
Seite 474 (sequence 8)
Language
German
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dadurch, daß die überlieferten religiösen Gedanken und Satzungen, Formen und Institutionen mit dem Denken, Empfinden und den 7Lebensmöglichkeiten unserer Zeit pietätvoll ausgeglichen werden, besteht?..für. uns die sichere Gewähr, daß das Judentum als eine Lebensmacht in der Gegenwart und für die Zukunft erhalten werde. Zur Betätigung solcher Anschauungen müssen die liberalen Gemeindemitglieder gemeinsam ihre Kräfte einsetzen, dadurch dem Jndifferentismus in den Gemeinden steuern, sowie dem Abfall Vorbeugen. Auch den Frauen muß . der ihnen am religiösen und Gemeindeleben gebührende Anteil Uoll'gewährt werden, und die Unterweisung der Jugend ist so zu gestalten, daß auch diese bei unbeschränkter Hingabe an die Fortschritte der. Kultur und Wissenschaft ihrem angestammten Glauben mit aufrichtiger Liebe und unerschütterlicher Treue zugetan bleibe. Zur Verwirklichung aller dieser Grundsätze ist es geboten, in den Kultusgemeinden unseres bayerischen Vaterlandes Vereinigungen liberal gesinnter Männer und Frauen zu begründen, die für die Verbreitung und Kräftigung der fortschrittlichen Auffassung des Judentums und — unter Berücksichtig ung der lo kalen Verhältnisse — für den Ausbau des Gemeindelebens und der Gemeindeinstitutionen nn liberalem Sinne wirken sollen. Durch den Anschluß solcher Vereinigungen-als Ortsgruppen an die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland soll zugleich ein größeres einigendes Band hergestellt und die Sache des religiösen Liberalismus im gesamten deutschen Judentum gefördert werden. Die Unterzeichneten haben es übernommen, die Begründung solcher Vereinigungen in die Wege zu leiten. Möchten alle Gesinnungsgenossen in großen wie kleinen Gemeinden,- denen die Erhaltung und Vertiefung unseres religiösen Glaubens am Herzen liegt, einmütig sich um sie scharen! Aschaffenburg: GustavHaa8,A.Hamburger,LeopoloSternheimer, Alexander Trier. -Augsburg: Justizrat Bauer, Ludwig Bauer, Rechtsanwalt Dr. Emil Epstein, Gustav Flesch. Emil Gutmann, Moritz Gutmann, Ludwig Heilbronner, Michael Hehmann, Carl Kahn, Kommerzienrat Heinrich.Landauer, .Leopold Rosenberg, Max Schloß, Sigmund Veith. Bamberg: Neumann Frank, Julius Neichmann, Oskar Roedelheimer, Königlicher Hoflieferant, Justizrat Dr. Werner. Bayreuth: Luitpold Kurzmann, Max Luber, Gabriel Roßkamm. Burgkundstadt: Max Lindner, Moritz Lonnerstaedter Max Thurnauer. Fürth: S. Bergmann, Fr. Hirschmann, Gottlieb, Holzinger, Sigmund Holzinger, D. Lehmann, Max Treumann, Justizrat Dr. Wittelshoefer. Kaiserslautern: Rechtsanwalt Dr. Leo Blüthe, Bezirksrabbiner Dr. Landsberg, Rechtsanwalt Dr. Julius Rheinheimer, Jakob Thalheimer. Kitzingen: A. Reiß, Isidor Ullmann. Landau (Pfalz): Bezirksrabbiner Dr. Berthold Einstein, Albert Joseph Salomon Marx, Rechtsanwalt Dr. Hugo Weil.' Lichtenfels: Samuel Kohn, Pankratz Pauson, Philipp Zinn München: Bankier Louis Auerbach, Bankier Heinrich Aufhäuser Kommerzienrat Moritz Ballin, Rechtsanwalt Eugen Beer, Geheimer Kommerzienrat L. Bernheimer, Rentier Carl Cohen, Privatier Louis Dannhauser, Armenpflegschaftsrat Norbert Danziger, Großhändler Gustav Fraenkel, Justizrat Dr. Heinrich Frankenburger, Jmmobiliensensal Karl Friedmann, Justizrat Dr. Isaak Harburger. Fabrikant Adolf Herz, Kommerzienrat M. Kirchdörfer, Privatier Albert Landauer, Großhändler Isaak Lehmann, Königlicher Landgerichtsrat Dr. Alfred Neumeyer, Armenpflegschaftsrat Hermann Niedermeier, Privatier- Michael Nußbaum, Justizrat Abraham Ofner, Privatier Adolf Pauson, Kaufmann Isidor Popper, Privatier Benno Neichenberger-, Kaufmann Albert Schönfeld, Kommerzienrat Adolf Steinharter, Großhändler- Ernst Strauß, Kommerzienrat Josef Thannhauser, Landrat Karl Ullmann, Großhändler Louis Weil, Rentier Isaak Wildberg. Großhändler Heinrich Wolfs. Nürnberg.: Vorbereitendes Komitee, Vorstand und Ausschuß des Vereins für die liberalen Interessen des Judentums: Joseph Aufseeser, Jonas Bamberger, Kommerzienrat Siegfried Bach, Max Bernstein, Kommerzienrat Ignaz Bing, Samuel Bloch, Sigmund Burger, Rabhiner Dr. Chone, Carl Desfauer, Dr. jur. Sigmund Dormitzer, Dr. jur. Michael Erlanger, Justin Erlanger, Therese Falk, Albert Fe.chheimer, Emil Fechheimer, Clara Forchheimer, Rabbiner Dr. Freudenthal. Kommerzienrat. Jacob Gallinger, Dr. jur. Joses Gallinger, Dr. jur. Karl Geiershöfer, Dr. med. Ferdinand. Gold?. sHmidt, Realschuldirektor M. Gombrich, 7Julius Heilbronner,^Jsabella Heim/ Magistratsrat Carl Heim, Justizrat Dr. -Sigmund Heldp Justizrat Emil Joseph thal, Geheimer Hofrat und Justizrat Gustav Josephthal, Heinrich Jung, Jacob Kohnstamm, Max Lauinger. Martin Lebrecht, Mayer May, Ernanuel Mösbacher, Dr. med. Joseph Neuberger, Joseph Neuburger, David Oberndorfer. Baptist Offenbacher/ Ludwig Rosenzweig,; Jeanette Strauß, Max Josef Tuchmann,! Regierungsbaumeister Wallersteiner, Heinrich Weil, Ferdinand Wendriner. Negensburg: Fabrikbesitzer Alfred Binswanger, Bankdirektor I. Haymann, Rechtsanwalt Dr. Heidecker/ Bankier August Strauß. Speyer: Lehrer L. Waldbott. ' W'ürzburg: Justizrat Dr. I. Freudenthal I, Fabrikant Rermann Reiß, Justizrat Dr. Bruno Stern. —Zu jeder.Auskunft sind bereit die Herren: Direktor Gombrich- Nürnberg, Praterstraße 34; Albert Landauer-München, Schwantalerstraße 7. Moritz Guggknheim. Von Nahida Lazarus. ls Lazarus nach seiner sechsjährigen Lehrtätigkeit in Bern die Schweiz verließ, um dem Vaterlande seine Dienste zu weihen, da blieb er doch mit ihrmit Lausend geistigen Fäden verbunden. Besonders fehlte esihm nie an Schützlingen; dafür sorgte schon sein Kollege Professor Schweizer-Sidler in seiner unverwüstlichen Güte, mit der er sich besonders der Studierenden annahm, deren Köpfe reicher als ihre Taschen waren. Mit Vorliebe schickte er sie nach Berlin. „Innig verehrter Herr und Freund," schreibt er im Jahre 1882 „es gilt, Ihnen einen Glaubensgenossen zu empfehlen, dem ich höchste Achtung und Liebe zolle. Es ist ein Herr Moritz Guggenheim Sollte es möglich sein, dem jungen Mann eine Stellung in einer Familie zu verschaffen, bei welcher er seine Studien sortsetzen kann wäre ich Ihnen von Herzen dankbar. Herr G. hat die philologische und die Staatsprüfung und sein Doktorexamen (das hier keinenfalls leicht ist) glänzend bestanden. Scharfer Verstand, umfassendes Denken zeichnen ihn aus. Während seiner Studien ist mir Dr. G. nicht nur durch seinen Geist und seinen eindringenden Eifer, viel mehr noch durch seinen sittlichen Charakter lieb geworden, und mit Freuden erließen wir dem an Geld armen Jünglinge die Kollegienhonorare, und schließlich auch die Gebühren für das Doktorexamen. In der Hoffnung, daß es Ihnen bei Ihrem umfassenden Bekanntenkreis und Ihrem so wohlberechtigten Einfluß möglich sein wird, zu dem Glück dieses trefflichen jungen Mannes wesentlich beizutragen in liebender Verehrung . Ihr Schweizer-Sidler. „Wahrlich," bemerkte Lazarus dazu, „kein Vater konnte zärtlicher seinen Sohn in die Welt entlassen, als es hier der hochangesehene Nachkomme einer alten reformierten Pfarrerfamilie mit dem armen jüdischen Jünglinge tat!" Von Gutem kommt Gutes. Lazarus konnte in der Tat für den ihm so warm Empfohlenen sorgen. Er verschaffte, ihm Privatstunden,' den üblichen Freitisch, und dergleichen Hilfsmittel mehr und begründete für ihn die Stelle eines Bibliothekars an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin, deren Büchersammlung so angewachsen war, daß sie einer besonderen Aufsicht und Verwaltung bedurfte. Der neue Bibliothekar konnte hier sogar wohnen und in dem gut beleuchteten und im Winter gut geheizten großen Bibliotheksaal wie in den Nebenräumen behaglich und ungestört arbeiten. Welche Wonne für den Lern- und Schaffensdurstigen, hier angesichts, alter, nötigen Nachschlagewerke an der .Quelle zn sitzen!. — An den Fest- und Feiertagen und in regelmäßigen Mußestunden, der Woche fand er in Lazarus'

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