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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-10-02 · Heft 40 (2.10.1908) · p. Seite 471

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 40 (2.10.1908)
Date
1908-10-02
Page
Seite 471 (sequence 5)
Language
German
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-Kooperationsantrag' jn prinzipieller Weise zugestimmt hatte, berief' - / das Komitee eine neuerliche Konferenz'jüdischer Notabeln nach Berlin H ^ein, um über seine Tätigkeit Bericht zu erstatten. Für diese Konferenz, . am 20. d. M. im Verwaltungshause der jüdischen Gemeinde' Berlin, Rosenstraße 2/4, tagte, chatten zahlreiche Männer aus allen und anderer Länder ihre Beteiligung : an gemeldet. Ueberdies stellte eine Reihe von Persönlichkeiten der geplanten Aktion ihre Kräfte zur Verfügung und sandte Begrüßungsschreiben -. ein, die in einem folgenden Bericht veröffentlicht werden sollen. Die Konferenz, deren Beratungen durch Iustizrat Dr. Maximilian Horwitz eröffnet und geleitet werden, nahm zwei Referate von Dr. Alfred Nossig: „Der Zusammenschluß der jüdischen Organisationen" und „Leitende Ideen und Arbeitsplan einer allgemein.en jüdischen Kolonisations-Organisation" zur Kenntnis und votierte hierauf folgende, von Dr. Paul Nathan- Berlin beantragte und von Professor Dr. Martin Philippson- Berlin amendierte Resolution: „Die am 20. September 1908 in Berlin tagende Versammlung erklärt ihre Uebereinstimmung mit dem einmütigen Beschlüsse der Versammlung am 29. März d. I. und bezeichnet demgemäß den Zusammenschluß der großen jüdischen Organisationen zu einer ' Gesamtorganisation mit einer ständigen Zentrale, unbeschadet der selbständigen Betätigung jeder einzelnen Organisation auf ihrem Sondergebiet, als dringend geboten. Der Gesamtorganisation wird es obliegen, Aufgaben des Judentums, deren Lösung die Organisationen in ihrer Vereinzelung nicht herbeiführen können, nach gemeinsamer Verständigung auf Grund einheitlicher Gesichtspunkte in Angriff zu nehmen. Die Versammlung erklärt es als Notwendigkeit, daß an dieser Gesamtorganisation alle großen jüdischen Körperschaften mit entsprechenden Zielen Anteil nehmen und es wird zugleich zu erstreben sein, daß alle Länder, in denen ein reges jüdisches Leben vorhanden, in dieser Gesamtorganisation vertreten sind. Schließlich spricht, die Versammlung die Hoffnung und den dringenden Wunsch aus, daß die noch abseits stehenden Organisationen sich möglichst bald anschließen. Mit den Verhandlungen zu diesem Zwecke, insbesondere auch zur Herbeiführung eines Ausgleiches zwischen den heutigen Beschlüssen und den ein verwandtes Ziel verfolgenden Vorschlägen der I. C. A., sowie mit den detaillierten vorbereitenden Festsetzungen über die Zusammensetzung und über den Ärbeitsmodus der Gesamtorganisation, wird ein permanentes Komitee mit dem Rechte der Kooptation eingesetzt, das alsdann erneut Bericht zu erstatten hat. Das permanente Komitee ergänzt sich aus den Vertretern derjenigen großen jüdischen Organisationen, die bereit sind, in das Komitee einzutreten." ' Als permanentes Komitee wurde das bisherige vorbereitende . Komitee eingesetzt. Die Versammlung sprach ferner einstimmig ihr Wohlwollen für den weiteren Ausbau und die tatkräftige Förderung der Kolonisation, insbesondere auch im Orient, aus und überwies die Angelegenheit dem Permanenten Komitee zur weiteren Veranlassung. . ■ - . In, der Interparlamentarischen Union haben die österreichischen Delegierten Dr. Mahler, Stand, Dr. Gabel und Genossen dem interparlamentarischen Rat folgenden An- . trag unterbreitet: „Wenn ein Staat durch die Nichteinhaltung eines internationalen Vertrages Privatinteressen hindert, so ist der durch die Nichteinhaltung geschädigte Private berechtigt, dagegen beim Haager Schiedsgericht Beschwerde vörzubringen." ' - Der Antrag ' bezweckt direkt, den rumänischen Juden die; Möglichkeit zu geben, auf die Durchführung des Artikels 44 des Berliner Vertrages zu dringen. Der Antrag war außer von den. Genannten noch vom Abgeordneten Breiter und den Dumamitgliedern Nisfelowitsch, Efemoff, dem- Führer der russischen Progressisten, und Bulata, dem Führer der Arbeitspartei in der Duma, unterfertigt. - ' Aus Rußland kommt eine seltsame Nachricht. Der „N.J.K." wird nämlich von ihrem Petersburger Korrespondenten folgendes geschrieben: „Wie hier mit großer Bestimmtheit verlautet, beabsichtigt die Regierung, der Duma bereits, in der nächsten Session einen Gesetzentwurf vorzulegen, nach welchem der Ansiedlungsrahon der Juden ziemlich bedeutend erweitert und den Juden ferner das Recht, Grund und Boden zu erwerben, gewährt werden soll." Nach dem gegenwärtigen Verhalten der Regierung den Juden gegenüber macht diese Nachricht einen wenig wahrscheinlichen Eindruck, da alle einschränkenden Bestimmungen gerade jetzt mit Härte und Rigorosität angewendet werden. Aber bei der Plötzlichkeit und Unberechenbarkeit der Entschließungen der russischen Regierung ist es immerhin nicht unmöglich, daß auch die genannte Meldung, die, wie gesagt, mit großer Bestimmtheit auftritt, den Tatsachen entspricht, um so mehr, da der Termin zur Aufnahme der neuen russischen Anleihe immer nähkr rückt. Aufmerksame Zeitungsleser werden, sich erinnern, daß vor den Unterhandlungen über eine solche auswärtige Anleihe regelmäßig derartige Nachrichten über Erleichterungen in den Judengesetzen aus Petersburg kamen, die sich nach Erledigung der Anleihe ebenso regelmäßig als fette russische Enten herausstellten. Also Vorsicht! * Aus Bulawayo wird dem „Jewish Chronicle" über die Juden in Rhodesien geschrieben: Infolge der starken finanziellen Depression, die in manchen Teilen Südafrikas gegenwärtig herrscht, macht sich jetzt eine lebhafte Judeneinwanderung nach Rhodesien fühlbar. Rhodesien eignet sich zunächst für diejenigen, die in Gruben arbeiten oder im. Farmer- Wesen einige Erfahrung besitzen, daher sind jüdische Einwanderer hier in ihrem Fortkommen mchr oder weniger behindert. Es ist deshalb erfreulich, zu hören, daß trotzdem Juden zahlreich zu Grubenarbeiten genommen werden. Andere wieder wenden sich den Tabak bauarbeiten zu. Besonders interessant zu erwähnen ist, daß die berühmte Viehzucht von Zambesi fast ausschließlich in jüdischen Händen liegt, die in der Tat für den Aufschwung von Nordwesi-Rhodesien, das sie bis an den Kongo durchdrungen haben, hervorragende Pionierdienste geleistet haben. Einer dieser Pioniere, A. B. Diamand, ist der erste, der das Land von Lialui, dem Territorium des Königs Lewanika, bis an die Lobitabai durchkreuzt hat. Bulawayo, das geistige Zentrum, der Juden Rhodesiens, befindet sich in sehr gesunder Lage, und die Juden daselbst befinden sich in durchaus guten Verhältnissen. - Der Verlöhnungstsg. Von Dr. H. Fu.ch s in Chemnitz. ^»^eniale Aussprüche wandeln sich proteusartig im Laufe der Zeiten. Sie greisen so tief aus dem Wesen des Menschen, daß jedes kommende Geschlecht seine Ideale und Ausdrucksweise an ihnen messen muß, und dabei trägt es unvermerkt die eigenen Ideale in sie hinein. Man denke an Sätze wie Rousseaus: „Zurück zur Natur!" oder an das Biblische: „Werdet heilig!" und vergegenwärtige sich, welchen Bedeutungswandel sie nur im Lause des letzten Jahrhunderts erlebt haben. \ Aehnlich ergeht es religiösen Institutionen. Der Grund ihrer -Dauer im Wandel der Zeiten ist freilich nicht immer

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