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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-25 · Heft 39 (25.9.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 39 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 15)
Language
German
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WMMWM 72. öakrxavx. 39. kerlin, 25.8eptember!9Ü8. Vellage zur „Allgemeinen Leitung drK Judentums". LorrelponLrnHM und Kschrichtrn. Deutschland. i 22 Berlin, 22. September. Am 20. und 21. d. M. fand hier ■i eine Allgemeine Jübische Kolonisations-Konferenz statt, | zu der eine Reihe van Vertretern verschiedener Organisationen sowie 3 eine große Zahl hervorragender und angesehener Persönlichkeiten er. schienen waren. Ueber die Beratungen, die streng geheim geführt wurdengeht der Presse ein Cornmuniquö zu, das bis zur Stunde des Redaktionsschlusses noch nicht vorliegt. Wir können daher vorläufig nur mitteilen, baß Resolutionen in bezug auf den Zusammenschluß der Organisationen und auf den Ausbau der jüdischen Kolonisation, insbesondere auch im Orient, gefaßt wurden, die wir in der nächsten Nummer wohl werden mit- 1 teilen können. *** Berlin, 21. September. Im Sommer des nächsten Jahres werden 25Jahre verflossen sein, seitdem der Verein „Freunde der Taubstummen-, Jedide Jlmim" begründet worden ist. Aus kleinen Anfängen hervorgegangen, ist er, dank der rastlosen Tätigkeit hochherziger Männer, insbesondere des unvergeßlichen Geheimen Sanitätsrat Dr. Marcuse, zu seiner jetzigen Höhe emporgewachsen. Die Errichtung der Taubstummenanstalt in Weißensee bildet ein glänzendes Zeugnis für das zielbewußte Streben des Vereins. Treu seiner Devise: „Oeffne deinen Mund für den Stummen", hat der Verein, auf dessen Notwendigkeit Schreiber dieser Zeilen schon im Jahre 1883 in einem größeren Aufsatz im Hamagid aufmerksam gemacht hat, sich die große Aufgabe gestellt, allen taubstummen jüdischen Kindern in, Deutschland eine Stätte der Bildung und Erziehung zu bereiten, um sie durch die Beibringung der Lautsprache zu nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft heranzubilden. Leider nimmt von Jahr zu Jahr die Zahl der jüdischen Taubstummen in unserem Vaterland zu, und dementsprechend wächst auch die Anzahl der Kinder, die Aufnahme in der Anstalt verlangen, aber wegen Raummangels abgewiesen werden wüsten. Um diesem Uebelstand abzuyelsen, hat der Vorstand des Vereins beschlossen, den Bau zu erweitern und benutzt die Gelegenheit der bevorstehenden 25. Wieder- ■ kehr des Gründungsjahres, sich mit nachstehendem Aufruf, den wir; aufs wärmste empfehlen, an die OeffeNtlichkeit zu wenden: „Getreu den Grundsätzen unserer erleuchteten Zeit, die mit der sozialen Fürsorge für die Unglücklichen bei der Erziehung der Kinder einsetzt, wollen wir an der Erweiterung unserer Taubstummenanstalt mit aller Kraft arbeiten, damit möglichst alle taubstummen jüdischen Kinder aus unserem deutschen Vaterlande in ihr herangebildet und dadurch davor bewahrt' werden, daß sie zu Proletariern herabsinken und den Gemeinden zur Last fällen. Hierzu bedürfen wir aber Euerer Mithilfe, teure Glaubensgenossen! Wie Ihr uns bisher stets beigeständen, so werdet Ihr uns auch fürder nicht im Stich lasten. Darum wenden wir uns voll Zuversicht an Eure Hochherzig- } feit mit der Bitte, uns die Mittel, sei es durch jährliche Beiträge, durch Erhöhung der bisherigen, durch Schenkungen zum Baufonds, | , oder durch Stiftungen respektive Vermächtnisse. zur Verfügung zu stellen." Etwaige Gaben und Zuschriften sind an Herrn Adolph Salomon-Berlin-Chärlottenburg, Knesebeckstraße 35/36, zu richten. 22 Berlin, 23. September. Der folgende Aufruf eines Komitees,, von hervorragenden Männern in Deutschland, Oesterreich, Italien, Holland, Frankreich und England, geht uns in Sachen der Falaschas in Abessinien zu: „Sehr geehrter Herr! ' Seit einigen Jahren ist die Aufmerksamkeit unserer Glaubensgenossen wiederum , auf die Falaschas gelenkt, jenen versprengten jüdischen Stämm in Abessinien, der seit Jahrhunderten einen schweren Kämpf für seinen Glauben zu bestehen hat, und der, um in diesem Kämpfe nicht zu unterliegen, uns in dringender Weise um Moralische Unterstützung und Kräftigung anfleht. Es ist eine Ehrenpflicht der gesamten Judenheit, gegenüber diesem'Notschrei .Herz und Hand nicht zu verschließen. Wir müssen die Falaschas durch Verbreitung von Schriften, durch Erteilung von Unterricht so schnell wie möglich die erbetene Hilfe senden und so das Band fester knüpfen, das sie mit dem Judentum verbindet. Der einzige, der in der Lage ist, diese schwierige Aufgabe zu erfüllen, in dem unwegsamen, von der Kultur noch wenig berührten Lande mit Erfolg zu wirken, ist Dr. I. Faitlowitsch. Er hat durch Unterstützung des verewigten Grand-Rabbin Zadoc Kahn, unter Subvention des Baron Edmund von Rothschild in Paris, in den Jahren 1904/05 eine Reise bis tief ins Innere von Abessinien gemacht, sich eine gründliche Kenntnis von Land und Leuten angeeignet, überall Verbindungen angeknüpft und sich das Vertrauen und die Achtung der nicht leicht zugänglichen Falaschas erworben. Die von ihm überbrachten eingehenden Nachrichten über die Falaschas, die von anderen berufenen Fachmännern und von Abessiniern, die sich in Europa aufgehalten haben, bestätigt werden, bilden eine m jeder Beziehung hinreichende Grundlage für die Eröffnung des praktischen Hilfswerkes. Wir haben nun deshalb Herrn Dr. Faitlowitsch zum zweitenmale nach Abbessinien gesandt, zunächst, damit die Falaschas in den Hoffnungen, die sie seit seiner ersten Anwesenheit hegen, sich nicht getäuscht sehen und damit die von ihm in amharischer Sprache verfaßten Schriften über Juden und Judentum unter ihnen verbreitet werden, dann aber auch, damit die vorbereitenden Schritte zur Gründung einer Schule getan werden, in der junge Falaschas zu Religionslehrern für ihre Stammesgenossen ausgebildet werden sollen. Weiter wird Herr Dr. Faitlowitsch eine Anzahl junger und begabter Falaschas auswählen, von denen einige in eine jüdische Schule nach Jerusalem und die anderen in die erwähnte entweder in Abbessinien selbst oder in Erhträa zu errichtende Lehrer-Bildungsanstalt gebracht werden sollen. Selbstverständlich wird die zu gründende Schule in streng traditionellem Geiste geleitet werden. Wir wenden uns mit der Bitte um Unterstützung unseres Werkes an die Judenheit aller Länder und wir sind der festen Ueber» zeugung. daß unsere Bitte für den versprengten Bruderstamm, der seit Jahrhunderten losgelöst von jedem Zusammenhang mit All-Israel, auch in den Tagen blutigster Verfolgung und schwerster Bedrückung dem Gott Israels die Treue bewahrt hat, nicht ungehört verhallen wird. Jeder.der Unterzeichneten ist bereit, die Zeichnung von Jahresbeiträgen oder einmaliger größerer Spenden entgegenzunehmen." Der Aufruf ist, wie gesagt, von 44 hervorragenden Männern aller Kreise unterzeichnet. Beiträge sind an Herrn Rechtsanwalt Dr. A. Klee, 6., Königstraße 49, zu senden. 8. Berlin, 16. September. Auf Grund der vom Verein jüdischer Religionslehrer in Berlin entworfenen Prüfungsordnung hatten sich drei Lehrerinnen einer Prüfung behufs Erlangung eines Zeugnisses über ihre Befähigung als Religio ns lehr er in bei den Herren Prediger Dr. I. Bleichrode, Schulleiter Dr. M. Hildesheimer» Rabbiner Dr. E. Munk und Dozent Dr. I. Wohlgemuth unterworfen. Die Prüfung hat am 18. und 19. August (schriftlich), sowie am 20. August (mündlich) stattgesunden und erstreckte sich über sämtliche in der Prüfungsordnung angegebenen Gegenstände; sie sollte hauptsächlich den Nachweis erbringen einer gründlichen Durchbildung in den hebräischen Fächern. Den Kandidatinnen war der erforderliche Nachweis gelungen; teilweise konnte ihnen sogar die Befähigung zugesprochen werden, auf den obersten Stufen der Religionsschule Unterricht zu erteilen. **.* Berlin, 21. September. Wie wir soeben erfahren, hat Herr Rabbiner Dr. Eschelbächer am 12. d. M. sein 60. Lebensjahr vollendet. Der großen Bescheidenheit dieses allgemein beliebten und hochbegabten Seelsorgers ist es wohl züzuschreiben, daß sein Jubeltag so unbeachtet vorübergegangen ist. Mit allen seinen Freunden und Verehrern senden wir ihm nachträglich unsere herzlichsten und wärmsten Glückwünsche. s. Berlin, 22. September. Vor kurzem ist infolge eines Gehirn-, schlages in Brüssel der Bankier Albert Samson, ein geborener -ffg .‘.’-vA'ä -H m ■3 - -4 Z ■?i -M

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