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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-18 · Heft 38 (18.9.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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Qoge -imb unseres Beamtenhauses große; Verdienste - erwbrben^ hat.-' Alsdann begrüßte Herr Golde den Bürgermeister undüberreichteihm den Schlüssel der Leichenhalle mit der Bittedieselbe zu öffnen. Der Bürgermeister dankte für die Einladung und den ehrenvollen Auftrag. Er. betonte das Interesse, das die städtische Verwaltung, von den Gründen der Pietät abgesehen, aus sanitären Rücksichten an dem neu geschaffenen Werk nehme. Unter den Klängen des Harmoniums betrat die Versammlung alsdann die geräumige Halle. Unser freiwilliger, trefflich geschulter Synagogen chor sang: ^Die Himmel rühmen die Ehre Gottes," und es: folgte ein aus unserer Seelenfeier herübergenommener hebräischer Solo-Gesäng des Kantors Levit. Daran schloß sich die Predigt. Rabbiner Dr. Joseph ging von den Psalmworten aus, die über dem Eingang der Leichenhalle angebracht sind: «Der Herr erlöset die Seele seiner Getreuen, und keiner geht verloren, der auf ihn vertraut." Mit dem hebräischen Chorgesang „Enauscli kechozir jomow‘‘ schloß die schöne und erhebende Feier. m Hamburg, 10. September. Die Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland hat nun auch hier eine Ortsgruppe begründet. Unter Vorsitz der Herren Jos. Lippmann und Dr. .Tentler .fand am Sonnabend abend im Logenheim eine Versammlung statt, in welcher Herr Jnstizrat Breslauer-Berlin über die Bestrebungen der Vereinigung einen Vortrag hielt. Der Redner beschäftigte sich mit den verschiedenen religiösen Richtungen im Judentum, denen allen volle Bewegungsfreiheit gelassen werden solle. Die Orthodoxie, als deren charakteristische Vertreter die Herren Dr. Cahn-Fulda und Breuer-Frankfurt a. M. zu betrachten sind weiche in den traditionellen Gebräuchen um kein Jota vom Althergebrachten ab. Die Vertreter der konservativen Richtung wollen für die Gesamtheit alle Gebräuche und Vorschriften erhalten, während sie selbst sich in vielen Fällen darüber hinwegsetzen. Eine dritte Richtung, die Bekenner des Zionismus, zählt in ihren Reihen viele liberale Juden, die jedoch aus Gründen der Politik die Orthodoxieunterstützen. * In der letzten Zeit haben sich erfreulicherweise die liberalen Kreise der deutschen Judenheit zusammengeschlossen; sie wollen nicht etwa die alten Vorschriften und Gebräuche abschaffen, vielmehr solle jeder nach seiner Fasson selig werden können. Sie verlangen für sich, daß diejenigen, die auf Grund wissenschaftlicher Prüfung zu der Ueberzeugung gelangt sind, daß der eine oder andere Brauch veraltet, nicht mehr zeitgemäß ist, und ihn deshalb nicht mehr befolgen, trotzdem weiter als gute Juden gelten können. An der Grundlage der jüdischen Religion solle in keiner Weise gerüttelt werden. Die freie Vereinigung denke beispielsweise daran, für die Jugend einen geeigneten, zeitgemäßen Religionsunterricht zu schaffen und die Frauen, die heute hinter einem Gitter in den Synagogen abgeschlossen sitzen, den Männern gleichzustellen. In hervorragender Weise erscheine die liberale Vereinigung geeignet, solche Glaubensgenossen, die infolge Nichtbeachtung der religiösen Gebräuche mit dem Judentum nur noch in losem Zusammenhänge stehen, vom Abfall fernzuhalten, indem sie ihnen zu der Ueberzeugung verhelfe, daß sie, wenn sie nur den Willen zum Judentum haben, auch noch als gute Juden angesehen werden. Ter Vereinigung seien in kurzer Zeit 960 Mitglieder beigetreten, darunter 57 Rabbiner;-in vielen Städten haben sich Ortsgruppen gebildet, und andere in Berlin. Nürnberg, Köln, Breslau, St. Johann usw. Mit einer Aufforderung an die Erschienenen, auch in Hamburg zur Gründung einer Ortsgruppe zu schreiten, schloß der Vortragende seine beifällig aufgenommenen Ausführungen. In der anschließenden Diskussion erhob Herr Dr. Wittenberg Bedenken gegen die Schaffung einer Ortsgruppe, wahrend die Herren Dr. Rieger, Magnus, Dr. Sonderling sie warm befürworteten. Tie Versammlung beschloß hierauf fast einstimmig, eine Ortsgruppe der Vereinigung für das liberale Judentum zu gründen und wählte in den Vorstand die Herren Dr. Tentler, Fraustädter und Magnus. m. Hamburg, 13. September. Die Einführung des erwählten Predigers Dr. I. Sonderling in sein Seelsorgeramt fand am Freitag abend in feierlicher Weise im festlich erleuchteten Gotteshause der israelitischen Tempelgemeinde statt. Unter den Klängen der Orgel wurde der neue Prediger von den Vorstehern des Tempelverbandes eingeführt. Der Präses des Verbandes, Herr Gemeindevorsteher Joseph Schönseld, sprach zunächst den Wunsch aus, daß es dem ’ -Prediger "gelingen möge, Wich wie in seinem^ ffrüh^een^WMüngS^ kreise-auch -hier zum-Segen^semer Gemeinde zu wirken/ die LiebeMnbZ^ Achtung der Gemeindemitglieder werde.ihm in reichem Maße entgegen- -A gebracht: Tief ergriffen erwiderte Herr Dr. Sonderling, daß er 'sich F .wohl der Ehre bewußt sei, an die Hamburger.Tempelgemeinde.zum Prediger berufen worden zu sein, andie Stätte, wo schon im vorigen - Jahrhundert berühmte Kanzelredner das Go.tteswort - gelehrt Haber,, - er müsse jedenfalls an die Nachsicht seinen Gemeinde appellieren, " daß es ihm gelingen möge, in die Fußstäpfen seiner berühmten Vorgänger zu treten. Hierauf begrüßte Herr Dr Leimdörfer den neuen Amtsbrnder mit einigen zu Herzen gehenden Worten. — Bei dem. am Sonnabend stattfindenden Festgottesdienst hielt der neuerwählte; Geistliche seine Antrittspredigt. Das Gotteshaus war in allen seinen Räumen dicht gefüllt. Als Vertreter des Senats war Herr Senatsv sekretär Dr. Ludwig erschienen. Dr. Sonderling hatte sich zu seiner Antrittspredigt das Textwort aus Deuteronomium 26. 14. „Ich habe gehört auf die Stimme des Ewigen, meines Gottes, ich habe getan alles, was er mir befohlen" gewählt. In etwa einstündiger Rede entwickelte er in wirkungsvoller Weise die Pflichten eines „ Seelsorgers, besonders aus führend, daß der. Prediger. dazu berufen sei, nicht stets auf den starren Buchstabenglauben hinzuweisen, sondern auch die Fackel der Aufklärung leuchten zu lassen. Mit einem Gebet für Kaiser und Reich, für die Wohlfahrt des Senats und der Behörden unserer Stadt schloß die Rede, die bei der Gemeinde einen nachhaltigen Eindruck hinterließ. Nach beendigtem Gottesdienst nahm der neue Prediger in seiner Wohnung die Glückwünsche der Vorsteher und Gemeindemitglieder entgegen. — München, Ende August. Ter frühere Großhändler und nunmehrige Rentner. Kommerzienrat Adolf Wolf in München, ' der durch die Stiftung des schönen „Wolfbrunnens" am Kosttorplatze (neben der Maximilianstraße) schon 1906 einen Beweis anerkennenswertesten Gemeinsinntzs gegeben, zeigt diesen neuerdings in seinem Testamente, in dem er die Stadtgemeinde München vorbehaltlich einer Reihe Legate mit Errichtung und Verwaltung verschiedener Stiftungen beauftragt, deren Kapitalien das Barvermögen des Stifters dotiert. Zunächst soll nach des Testators Ableben mit 20 000 Mark. eine Stiftung errichtet werden, aus deren Zinsen befähigte, dürftige Schüler der Münchener höheren und Hochschulen, einschließlich der Akademie der Tonkunst und derjenigen der bildenden Künste, Stipendien erhalten sollen. Die Verteilung der Stipendien, deren jedes nicht unter 2?0 Mark betrage, erfolgt ohne Rücksicht auf Glaubensbekenntnis und Geschlecht der Bewerber, doch sollen in München Beheimatete den Vorzug haben. Einer weiteren Stiftung zu 25000 Mark Erträgnisse sollen der Unterbringung und Verpflegung von Kindern im Alter von ein bis sechs Jahren dienen. Eine dritte Stiftung, ebenfalls zu 25 000 Mark, und, wie die anderen, den Namerr „Großhändler Adolf Wolfsche Stiftung" führend, will Erwachsenen, ohne Rücksicht auf Konfession und Geschlecht, auf ärztliche beziehungsweise amtsärztliche Anordnung hin den Aufenthalt in einem Bade oder einer Kuranstalt ermöglichen. Der Unterstutzungsbetrag darf da im Einzelfalle nicht weniger als 200 Mark ausmachen. Hoffentlich kommen bei diesen großartigen interkonfessionellen Vermächtnissen wie so oft, die jüdischen Bewerber nicht zu schlecht weg! So hat zum Beispiel soeben auch der Magistrat Münchens mit Dank ein Vermächtnis angenommen, laut dessen ihm die am 5. Juli 1908 daselbst verstorbene Rentiere, Frau Rosa Gift, testamentarisch 2000 Mark mit . der Bestimmung, überwies, diese Summe bei der nächsten Wiederkehr ihres Todestages an würdige dürftige Stadtarme ohne Unterschied der Konfession zu verteilen. Es ist dabei eben eine doppelte alte Er- . sahrung, daß erstlich christliche Wohltäter verhältnismäßig seltener Stiftungen hinterlassen, die auch Juden zugänglich sind, wenigstens letztere auch im Falle der Zugänglichkeit dann doch meist im Hintertreffen bleiben, anderseits jüdische Bewerber bei dem Anteil an un- , konfessionellen Stiftungen ihrer Glaubensgenossen sehr häufig Zurücksetzung erleiden. Weiter erhält die Israelitische Kultusgemeinde zu München 20 000 Mark mit dem Auftrage/ daß sie diesen Betrag als. „Großhändler Adolf Wolfsche Stiftung" gesondert verwaltet und deren Erträgnisse zur Erziehung, Ausbildung und Unterstützung von in München wohnhaften Israeliten verwendet. Die einzelnen Verfügungen bleiben der Israelitischen Kultusgemeinde überlasten. Der/

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