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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-18 · Heft 38 (18.9.1908) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 15)
Language
German
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.72. Jahrgang. Nr. »1 Berlin, 18. September 1908, VlUvUWVMMW4- Drllase zur „Allgemeinen Leitung de§ Judentums. lkorrrlpondrn?rn und Nachrichten. Deutschland. b. Berlin, 12. September. Ein Gedenktag der hiesigen jüdischen Gemeinde ist der 15. September. An diesem Datum ist ihr im Jahre 1858 die Anleihe zum Bau der Synagoge genehmigt worden. Zum Zweck des Baues derselben war mit Genehmigung der Ministerien der geistlichen Angelegenheiten und des Innern, bereits 1856 ein Grundstück in der Oranienburgerstraße erworben und die Aufnahme einer Anleihe von über 200 000 Talern beantragt worden. b. Berlin, 13. September. Die erste Ernennung eines jüdischen Assessors zum Rechtsanwalt und Notar im preußischen Staate ist vor nunmehr einem halben Jahrhundert erfolgt. Es war der Berliner Gerichtsassessor Dr. jur Albert Moßner, der am 9. September 1858 zum Rechtsanwalt bei dem Kreisgericht in Wormditt und Notar im Bezirk des ostpreußischen Tribunals zu Königsberg i. Pr. ernannt wurde. Eine im Juli 1857 ergangene Verfügung des Justizministers hatte bereits die Anstellung von Juden zu Rechtsanwälten „für unbedenklich" erklärt. Es dauerte aber noch über ein Jahr, ehe diese erste Ernennung erfolgte. Sie machte in damaliger Zeit nicht geringes Aufsehen. -Berlin, 14. September. Die Gesellschaft Hachnassath Kal Iah (zur Ausstattung armer Bräute) versendet nachstehenden Aufruf, den wir im Hinblick auf den religiös-sozialen Zweck der Gesellschaft den weitesten Kreisen wärmstens empfehlen: „Wohl kaum eine der Wohltätigkeitseinrichtungen in der «hiesigen jüdischen Gemeinde kann sich eines so ehrwürdigen Alters wie unsere, seit dem Jahre 1720 bestehende Gesellschaft rühmen. Unsere Altvorderen haben es in Gemäßheit der durch unsere Religion gebotenen Vorschriften für eine ihrer Hauptaufgaben gehalten, bedürftigen Bräuten bei Begründung des eigenen Heims helfend zur Seite zu stehen. Die Lebenskraft dieser geheiligten Einrichtung ist nicht versiegt. Die Ansorderungen aber, die man an uns stellt, werden immer größer und halten nicht Schritt mit unserer finanziellen Lage. Durch die allgemeinen wirtschaftlichen Verhältnisse gezwungen, sind die den besitzlosen Klassen angehörenden jungen Mädchen genötigt, frühzeitig in das Erwerbsleben einzutreten; gilt es doch häufig, nicht nur sich selbst zu ernähren, sondern auch für die Ellern und die jüngeren Geschwister mitzusorgen. Ein Sparpsennig kann somit selten erübrigt, eine Aussteuer nicht beschafft werden. Hier einzutreten, ist unsere Pflicht. Helfen Sie uns, bitte, in deren Erfüllung, indem Sie unserer Gesellschaft als Mitglied beitreten oder durch einmalige Zuwendung Ihr Interesse für unsere gute Sache bekunden zum Segen derer, die sich an uns wenden." Der Vorstand der Gesellschaft Hachnassath Lall ah besteht aus den Herren: Emil Pincus, Vorsitzender; Julius Cohn. Martin Fernbach. Ernst Fiegel. Gustav Sachs. 6. Berlin, 15. September. Am 12. d. Dt. hat sich Hierselbst ein Jüdisch-soziales Komitee unter Teilnahme von mehreren Damen und Herren gebildet. Es fand zunächst eine Orientierung über ' die sozialen Fragen der Gegenwart statt, welche für das Judentum von Interesse sind. Als notwendig wurde anerkannt, über die Stellung, zur Berufswahl, zur Gewerkschafts- und Genossenschaftsbewegung, über hygienische Ehereform und soziale Erziehung des Kindes, über die Gefahren, denen die Juden in der Großstadt ausgesetzt sind, unddie genossenschaftliche Siedlung auf dem Lande eingehende Vorträge abzuhalten und in Vereinssitznngen, sowie in einer zu gründenden Jüdisch-sozialen Monatsschrift zu diskutieren. Weiterhin sind in Aussicht genommen: die Abfassung einer Denkschrift, ein Rundschreiben an die jüdischen Gemeinden, Propagierung in den jüdischen Wohlfahrtsvereinen, und späterhin die Bildung einer Jüdisch-sozialen Gesell» ‘ schaff. Die nächste Sitzung findet am Donnerstag den 1. Oktober in Dräsels Festsälen, Neue Friedrichstraße 35, 'Saal Nr. 3, abends 8 V2 Uhr pünktlich statt. Herr Dr. Zlocisti wird in dieser Sitzung Leitsätze über die Sozialhygiene des jüdischen Kindes vortragen, woran sich eine Diskussion mit Redezeit von 10 Minuten für den einzelner Redner schließen wird. Damen und Herren, welche sich für dieses Gebiet interessieren und mitzuarbeiten wünschen, werden zu dieser Sitzung hierdurch eingeladen. s. Berlin, 15. September. Das Neichenheimsche Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde, Weinbergsweg 13, versendet seinen Jahresbericht für die Zeit vom 1. April 1907 bis 31. März 1908. Erzogen wurden in der Anstalt im Berichtsjahre 40 Knaben und 30 Mädchen; entlassen wurden 12 Knaben und 7 Mädchen, darunter zwei Knaben, von denen einer das einjährig-freiwillige Zeugnis, ein anderer das Reifezeugnis eines Gymnasiums sich erworben hatte und neuere Spachen studiert. — Die Gesamtausgaben beliefen sich auf 60125,57 Mark, die durch Zinsen eigener Fonds und einen Gemeindezuschuß von 28148,72 Mark aufgebracht wurden. Für je .einen Zög- ling betrugen die Gesamtausgaben für das Jahr 811,46 Mark, die Tagesverpflegung für den Kopf 68,8 Pfennig. Die an der Anstalt bestehenden Stiftungen sind vermehrt worden durch die Hedwig Borchardt, geb. Berliner-Stiftung und die Adolf und Ottilie Michel- Stiftung. Alle Zöglinge besuchen öffentliche Schulen, erhalten aber im Hause noch Unterricht in Gesang, Turnen und Handfertigkeit. Die ehemaligen Zöglinge haben einen Zusammenhang im „Reichen- Heim-Verein". Die Anstalt steht unter der Verwaltung eines Kuratoriums, dessen Vorsitzender Sanitätsrat Dr. Julius Stern ist, und unter der Leitung des Direktors Dr. Sigmund Feist. — Dem Jahresbericht geht eine wertvolle Abhandlung des Direktors voraus, betitelt: „Erziehung im Waisenhause." ’ s. Berlin, 14. September. Eine der jüngsten- Schöpfungen werktätiger Menschenliebe ist das Jaffasche Fürsorge- und Waisen heim in Charlottenburg, Leibnizstraße 106, dessen erster Bericht vor kurzem erschienen ist. Noch klein und schlicht in seinem Äeußern, erfüllt es doch trefflich einen edlen Zweck. Denn es gewährt Waisen sowie Kindern bedürftiger Eltern Unterkunft, Pflege und Erziehung in einer Weise, an welcher der Menschenfreund nur seine Freude haben kann. Alles atmet hier Gemütlichkeit und Herzlichkeit, die Ausstattung der Räume wie das Verhältnis der Erzieher zu ihren Zöglingen; Regel und Ordnung herrschen, aber sie drücken nicht, sie leiten die Kinderseele sanft zu immer schönerer Entfaltung. Es ist ein gesundes pädagogisches Prinzip, welches in diesem Heim zur praktischen Anwendung gelangt. Leider konnte bis jetzt dieses Institut bei den bescheidenen Mitteln, über die es vorläufig verfügt, nur einen sehr geringen Bruchteil der versorgungsbedürftigen Kinder aufnehmen. Durch die immer mehr sich häufenden Aufyahmegesuche sieht sich nun das Kuratorium dieser segensreichen Anstalt gezwungen, dieselbe in allernächster Zeit zu erweitern. Es wendet sich daher an die hochherzigen Männer und Frauen unserer Gemeinschaft mit der innigen Bitte um gesteigerte und liebevolle Förderung dieses von ihm begonnenen Hilfswerkes. Mögen nun diese Zeilen den bekannten Wohltätigkeitssinn unserer Glaubensgenossen anregen, dieses Fürsorge- und Waisenheim stärker als bisher zu unterstützen, damit die Segnungen einer Familienerziehung, wie sie in diesem Heim durchgeführt ist, einer noch größeren Anzahl von Kindern zuteil werden, die sonst verwahrlost, vielleicht verkümmern und verderben. Spenden und Jahresbeiträge nimmt das Bureau der Großloge Wilhelmstraße 118 mit Dank entgegen. I. Stolp i. P>, 11. September. Unter zahlreicher Beteiligung von Mitgliedern der jüdischen Gemeinde und in Gegenwart des ersten Bürgermeisters Zielke fand hier am 8. d. Mts. die Einweihung der neuen, in edlem Stil, erbauten Leichenhalle statt. Der Architekt Roeser sprach zunächst dem Vorstand der Gemeinde und der Baukommission für deren Beihilfe seinen Dank, aus und überreichte den Schlüssel dem Vorsteher des. Gemeindevorstandes, Herrn L. E. Golde, der sich durch seinen unermüdlichen Eifer Um den Bäu der Leichenhalle, wie vor wenigen Jahren um den Bau unserer schönen Syna

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