Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 38 (18.9.1908)
- Date
- 1908-09-18
- Page
- Seite 454 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Kindes in den abrahamitischen Haushalt erhoben^ wenn auch - die volkstümliche Feier eines solchen Familienfestes erst .in nachbibtischer Zeit zutage tritt.' Der Mohammedaner feiert die Beschneidung als ein „Fest der Reinigung" (Gustin a. a. 0. 227 vergleiche Josua 5, 9 und den Artikel Gircurncision in Jewish Encyclopedia.) Der Deuteronomiker erwähnt die Beschneidung nur in symbolisierender Redeweise (Deuteronomium 10, 10; 30, 6 vergleiche Jeremiah 4, 4 und 9, 24.) Gewiß ist, daß dem Ritus die Idee des Blutbündnisses zugrunde gelegt wurde, wie das aus Exodus 12, 44—48, vergleiche 4, 25—26, zu ersehen. Und hier kommen wir auf das in Verbindung mit dem Passahfest in Exodus 13, 9 und 16 erwähnte „Zeichen an der Hand und zwischen den Augen" zu sprechen. Die Rabbinern verstehen darunter die in nachbiblischer Zeit in Brauch gekommenen Phylakterien.. Erst der von den Samaritanern bis heute erhaltene Brauch .wirft auf diese Stelle Licht. Wie Petermann „Reisen im Orient" 1,137 Stanley „Easlern Church“ I, 561 und Clay Trumbell „Ihe Blood Govenant" 232 aus eigener Beobachtung mitteilen. wird das aufgefangene Blut der auf dem Gerizimberg geschlachteten Lämmer des Passahfestes auf die'Stirn und den Arm der Knaben gestrichen und diesem Zeichen Schutzkraft beigelegt, wie dasselbe oben bei den Syrern und Palästinensern erwähnt worden. Aus solchem talismanischen Opferbrauch haben sich die Tefillin oder Phylakterien entwickelt, gerade wie das Mezuzzah genannte Schutzzeichen an der jüdischen Türe, aus einem in Gestalt einer Hand oder eines Tav-Kreuzes an der Türe angebrachten Blutmal oder ähnlichem (siehe Jesaiah 57, 8) hervorgegangen. Das Deuteron omische Gesetz (6, 8—9 und 11,18—20) will anstelle des Blutzeichens das Gotteswort angebracht sehen, entweder in dem Sinne wie mohammedanische und christliche Häuser Koran- oder Bibelverse an ihren Türen angebracht haben, oder bloß im symbolischen Sinne wie Sprüche 3, 3. Auf alle Fälle erhob das rabbinische Judentum, wohl chasidäischem Brauche folgend, beides zu einem Zeremonialgebot, wobei freilich der talismanische Charakter, beider auch in der rabbinischen Literatur noch anerkannt ist, wie Targum zum Hohenlied 8, 3, Jerusch.?eah 15 d, Babli ^hodah Zorah 11a, Berakot 23 ab, Schorr in Hechalutz VII, 56 und Brann-Kaufmanns Monatschrift 1893, Seite 445, genügend zeigen. Auch das Zizithgebot, welches in Deuteronomium 22,12 die Entblößung der Scham verhüten will, im Heiligkeitsgesetz aber (Numeri 15,37—41) als religiöses Zeremonialgebot sinnbildlichen Charakters in durchaus veränderter Form dargestellt ist, hat mehr und mehr einen talismanischen Charakter angenommen oder behauptet. Siehe Nenahot 43b, losikta Berakot am Schluß und Wdraseb Tehillim zu Psalm 6. Die mosaischen Speisegesetze, in denen ein übelberatener Rationalismus von jeher hygienische Weisheit zu finden glaubte, lassen bei Vergleichung mit den fast gleichlautenden Gesetzen der Inder, der Haranier oder Ältbabylonier, der Aegypter und Perser keinen Zweifel zu, daß sie uralter priesterlicher Ueberlieferung und Anschauung entstammen. Ob Robertson Smiths Ansicht, daß die als unrein verbotenen Tiere als totemistische dem Genuß entzogen wurden, die richtige ist oder nicht, mag unentschieden bleiben; so viel ist sicher, daß der Mosaismus, indem er die Unterscheidung zwischen reinen und unreinen Tieren bereits in der noachidischen Urzeit voraussetzt (Genesis 7, 2), dieselbe als eine uralte Ueberlieferung kennt und als eine mit der priesterlichen Heiligkeit in Bezug stehende Einrichtung ansieht. Während' bei anderen Völkern die Priester und Volksheiligen sich der als unrein gekannten Tiere enthielten und anfangs auch in Israel bloß die Priester und Nasiräer dieselben meiden mußten, wurden diese priesterlichen Speiseverbote allmählich ' auf das ganze Volk-'ausgedehnt, um also der prophetischen Idee: „Ihr sollt Mir eim Königreich von Priestern/ein heiliges Volk sein!" praktischen, Ausdruck im Volksleben zu verleihen. Diese Bedeutung der Speisegesetze erhellt unzweideutig aus einem Vergleich von - Leviticus 11, 44; 20, 25 ff. und Deuteronomium 14, 21 mit Exodus 22,30, Ezekiel 44, 31, Richter 13, 4. Siehe den Artikel „Dielary Laws" in Jewish Encyclopedia. Der großartige Plan, das gesamte israelitische Volk zu< einer Priesternation der Menschheit zu erheben, wie er sich in. den Speiseverboten besonders aussprach, bedurfte jedoch einer mehr angemessenen religiösen Atmosphäre zur Verwirklichung als die biblische Zeit sie-darbot, und dieselbe kam mit der neuen Periode, dem chasid Lisch en oder pcharisäischen und rabbinischen Judentum. Der Nrchtssnwalt. Nach dem Magyarischen von Stephan SzomahLzy.' Samuel Gärtner als Jurist vom ersten Semester aß sogenannte „Täg". Sein Vater war ein armer jüdischer Lehrer in einer kleinen Stadt Ungarns und hätte es lieber gehabt, wenn aus seinem Sohn ein Kaufmann oder Handwerker geworden wäre. Doch Samuel zeigte schon als Gymnasiast seine Löwenklauen und gewann sämtliche Preise des Fortbildungsvereins. Der Direktor des betreffenden Piaristengymnasiums ließ am Ende des Jahres den alten Lehrer zu sich bitten und sagte zu ihm: „Ich weiß, Herr Gärtner, daß der Himmel Sie reichlich mit Kindern gesegnet hat und dennoch möchte ich Ihnen raten, Samuel studieren zu lassen." Samuel hatte eine Tante, die einen kleinen Laden in einer abgelegenen Straße der Hauptstadt besaß; dort bekam der Student in einem kleinen Hofzimmerchen eine Wohnung,, wo er fleißig studierte. Seine - einzige, aber unbefriedigte Sehnsucht war, täglich ein benachbartes Kaffeehaus besuchen und dort von den in großer Menge aufgestapelten Kuchen reichlich viel verzehren zu können. Das waren kühne Phantasiepläne, die doch nicht in Erfüllung gehen konnten, denn er aß nur „Täg". Der alte Lehrer in der Provinz setzte es bei seinen ehemaligen Studienfreunden, die in der Hauptstadt wohnten, durch, daß sein Sohn bei zwei verschiedenen Familien an zwei verschiedenen Tagen zu Mittag essen durfte. So kam es denn, daß Samuel am Sonntag und Mittwoch bei diesen wohlhabenden Leuten sich satt essen konnte, während er freilich an den übrigen Tagen der Woche sich in der.Kunst des Hungerns zu üben Gelegenheit hatte. Da seine Tante sich auch nicht gerade in beneidenswerten Vermögensumständen befand, konnte sie ihm auch nur ausnahmsweise ein Abendbrot verabreichen. Zu. Ostern durfte sich Samuel und seine ganze Familie einer besonderen Freude hingeben. Sein Vater war mit Unterstützung seiner Gemeinde nach Budapest gereist, um die dortigen Bäder zu gebrauchen, und eines Abends begegnete dieser vor dem Kiosk des Elisabethplatzes einen vornehm ge-, kleideten Herrn im Zylinder.' Es war dies Herr Emil Alster, einst ein Studienkollege des Lehrers, nun ein reicher Mann. AlsteL war seines'Zeichens Bankier und machte sich durch seine riesigen Ankündigungen der von ihm betriebenen Geschäfte?