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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-18 · Heft 38 (18.9.1908) · p. Seite 451

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
Seite 451 (sequence 9)
Language
German
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'^Beratung über UWMNMWMWWMWMMZ WOMMWWM'5-ÄA'ZWÄNs die Revisiou der bayerischen. Jüdengesetzgebüng zu Ende zu führen. . - : Nach dem sehr erregten- Verlauf der Maiverhandlungen, in V denen stärker noch als die religiösen Verschiedenheiten die. Gegen- > sätze zwischen der geistlichen und weltlichen Gemeindevertretung 3iitci&egetreten tonten, schien ein friedlicher Ausgleich recht zweifelhaft; zu sein. Unterdessen hatte sich noch dazu eine starke Gruppe von Revisionsgegnern und zwar gerade aus dem orthodoxen Lager herausgebildet. die entschlossen war, überhaupt die Absetzung dieses Gegenstandes von der Tagesordnung zu fordern. Nichtsdestoweniger verlief . . . die Sitzung doch friedlich und führte nach dem Antrag Osner-Fraenkel zur Einsetzung einer Revisionskommission. Die Schatten der letzten erregten Tagung ballten noch einmal drohend über dem Beginn der neuen sich zusammen, als nach den warmklingenden Eröffnungsworten des greisen Vorsitzenden, Geheimen Hof- und Justizrat Josephthal, im Namen und Auftrag einer großen Anzahl von Ausschußmitgliedern Herr Schuldirektor Gombrich-Nürnberg entschiedenen Protest gegen die Preßbehandlung einlegte, welche die Vorgänge im Mai in einigen jüdischen Blättern gefunden halten; dieser Protest fand ebensolchen Beifall der Versammlung, wie die vorgetragenen Beweisstücke deren ganze Entrüstung hervorriefen. Nach Erledigung einiger geschäftlichen Mitteilungen und nach einem warmen Appell des Rabbiners Dr. Werner-München zugunsten des „Zentral- Vereins deutscher Staatsbürger" trat man alsbald in die Beratung .der Revision des Edikts vom 10. Juni 1813 ein. Der Antrag des Rabbiners Dr. Kohn-Ansbach auf Absetzung des Gegenstandes von der Tagesordnung und ein gleichlautender Antrag, der im Interesse der Erhaltung des Landesvereins von Rabbiner Dr. Eckstein' Bamberg eingebracht worden war, wurden abgelehnt, nachdem Justizrat Ofner-München in sehr entschiedener Weise und unter Hinweis auf die gegenwärtigen unhaltbaren Zustände für die unbedingte Notwendigkeit und Unaufschiebbarkeit der Revisions- Vorbereitung sich ausgesprochen hatte. Es wurde infolgedessen zur erneuten Beratung über die Zusammensetzung der Kommission geschritten, welche diese Vorbereitung in die Hand nehmen sollte, und für welche die Rabbiner bereits in der Versammlung im Mai die Hälfte der Sitze für sich verlangt hatten. Es lag dazu ein neuer Antrag der bayerischen Rabbinerkonferenz vor, der erneut die Bereitwilligkeit zur Mitarbeit aussprach und im Interesse der Arbeit selber nicht die Ein. setzung einer großen Kommission.wünschte, sondern die eines kleinen Arbeitsausschusses von zwei bis drei Rabbinern und ebensoviel Laien in Vorschlag brachte. Dr. Kohn-Ansbach und Dr. Werner- München begründeten und unterstützten diesen Antrag, während Justizrat Bauer-Augsburg für die Aufrechterhaltung der in der letzten Tagung beschlossenen Kommission von 18 Mitgliedern eintrat. Auch Justizrat Ofner-München erklärte sich gegen den Antrag der Rabbinerkonferenz und besonders gegen das darin wiederum sestgehalteue Prinzip, daß die Hälfte der Kommissionsmitglieder aus Rabbinern bestehen müsse. Eine größere Kommission sei erforderlich, damit alle Interessen darin ihre_ Vertretung fänden, und da eine Majorisierung bei Beschlußfassungen der Kommission nicht stattfinden könne, so sei auch die Zahl der auf die einzelnen Jnteressenkreise entfallenden Vertreter gleichgültig. Die Rabbiner Dr. Neuburger- Fürth und Dr. Stein-Schweinfurt betonten besonders, daß die Parität zwischen Laien und Geistlichen, bisher stets im Landesverein gewahrt worden sei; der letzterebezeichnte das Verhalten der Maiversammlung den Rabbtnern gegenüber als symptomatisch für die mit. der Revision verbundenen Absichten, was von Justizrat Bauer-Augsburg bestritten und mit dem Hinweis darauf, daß die Vorbesprechungen der Rabbiner für die damalige Tagung lange vor denen der Laien stattgefunden hatten, zurückgewiesen wurde. *■' Herr Sigmund Fraenkel-München beleuchtete die Notwendigkeit einer Revision und der Mitarbeit der Rabbiner und beantragte die Kommission aus sieben Rabbinern, sieben Laien und einem Lehrer zusammenzusetzen. Nach einer kurzen Pause, in welcher die Rabbiner zu einer Besprechung über die Sachlage zusammen- . traten, erklärten sich diese bereit, für den Antrag Fraenkel zu stimmen, wenn die sechs. Vorstandsmitglieder der bayerischen Rabbinerkonferenz indie Kommission-berufen würden. Justizr.at Held-Nürnberg schlug nunmehr vor, der Rabbinerkonferenz gleichfalls entgegenzukommen und deren Antrag eines Arbeitsausschusses in der Gestalt . anzunehmen, daß ein, liberaler und ein orthodoxer Rabbiner, zwei liberale Laien und als fünftes Mitglied Fraenkel-München die Kommission bilden sollten. Nachdem die übrigen Antragsteller ihre Anträge zurückgezogen hatten und ausdrücklich nochmals das Prinzip der Majorisierung in der Kommission abgelehnt worden war, wurde der Antrag Held angenommen. Als liberaler Rabbiner wurde Dr. Freudenthal- Nürnberg, als orthodoxer Rabbiner Dr. S.tei^n- Schweinfurt für den Ausschuß vorgeschlagen. Da beide die Wahl ablehnten, wurde auf Antrag Dr. Freudenthals die Kommission ' wie folgt zusammengesetzt: Rabbiner Dr. Neub nrger-Fürth, Rabbiner Dr. Kohn-Ansbach, Justizrat Ofner-München, Jüstizrat Held-Nürnberg, Siegmund Fraenkel-München, als Stellvertreter Rabbiner Dr. Werner-München, Rabbiner Dr. Freudenthal-Nürnberg, Justizrat Bauer - Augsburg, Justizrat Stern-Würzburg, Emil Wassermann-Bamberg. Den zweiten Punkt der Tagesordnung bildete der Bericht der Kommission für die Schächtfrage, den Dr. Neuburger-Fürth erstattete. Es wurde beschlossen, dem Direktor des Fürther Schlacht- Hofes, Stadtbezirkstierarzt Seyfferth, den Dank des Landesvereins für den von ihm konstruierten vorzüglichen Niederlege- Apparat. auszusprechen und 500 Mark für Anschaffung solcher Apparate in kleinen Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Alsdann trat man in die Beratung des wichtigen gemeinsamen Antrages der bayerischen Rabbinerkonferenz und des bayerischen Lehrervereins betreffs der Besserstellung der Religionslehrer ein. dessen wir bereits früher ausführlich gedacht haben. Die Lehrer Goldstein-Heiding sfeld und Dingfelder- München referierten hierauf sehr sachlich und eingehend über die Lage der bayerischen Religionslehrer unter Hinweis auf das von Dingfelder in seiner Schrift zusammengeftellte Material. Trotz der Ermüdung nach den langen vorangegaugenen Verhandlungen gestaltete sich die Debatte noch recht lebhaft: Jnstizrat Ofirer- München erklärte den Vorschlag Dingfelders, durch Erhebung von Gemeindesteuern in den Großgemeinden zu diesen^Zwecke den bestehenden Mißständen abzuhelsen, für ungesetzlich und undurchführbar und verwies auf Propagandatätigkeit und erneute Gesuche an die Staatsbehörden. Kommerzienrat Gälhinger-Nürnberg hielt dem Vorschlag einer solchen Besteuerung nicht für ganz abweisbar und wünschte eine Beratung desselben in den einzelnen Kultusgemeinden. Herr Martin Lebrecht-Nürnberg wies darauf hin, daß die Lehrer durch stärkere Einführung von Gartenbau- und Handfertigkeitsunterricht mit Hilfe der Simonstiftung ein Mittel zur Besserung ihrer Stellung zur Verfügung hätten. Herr Din g selb er» München sprach den Wunsch aus, daß wenigstens bei der geplanten Revision des Edikts gesetzliche Mittel zur materiellen Hebung des Lehrerstandes geschaffen würden. Dies wurde sodann in sichere Aussicht gestellt, eine Kommission, zur weiteren Behandlung des ganzen Gegenstandes, erwählt und zugleich die beantragte Bereitstellung von Geldern des Landesvereins zur Umwandlung von sechs Elementarverweserstellen in definitive genehmigt. Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden teils kurz erledigt, teils abgesetzt und die Sitzung nach mehr als sechsstündiger Dauer in später Abendstunde geschlossen. Es war eine der bedeutungsvollsten Tagungen des Landesvereins, die hoffentlich von Segern für die Entwicklung des Judentums in Bayern sich erweisen wird. Ganz besonders charakteristisch war dabei, daß die ursprünglich von orthodoxer Seite in Fluß gebrachte Revision des Edikts nur durch das Eintreten der liberalen Mitglieder des Ausschusses dem in der Tagung erreichten Ziele zugeführt werden konnte. Es wäre lebhaft zu wünschen, daß diese ohne Rücksicht auf den Parteistandpunkt nur der Sache dienliche und loyale Haltung der bayerischen Liberalen auch für ihre Gegner etwas vorbildlich werden möchte! S

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