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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-18 · Heft 38 (18.9.1908) · p. Seite 450

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 38 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
Seite 450 (sequence 8)
Language
German
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werden könne- und daß' nach' Annahmeder'jetzt vorgeschlagenen Er-' gänzungvon einer Lücke in den Satzungen nichtmehv die Rede, sein könne: Herr Emil Pincus wies mit Nachdruckdaraus hin," daß für die von den Antragstellern erwähnten Fälle die Armenkommission in umfassender Weise wirksam sei, daß besonders die ehrenamtlich tätigen Frauen in der Armenkommission -in vollstem Maße ihre Schuldigkeit tun; er erinnerte auch, daß in den Fällen, wo keine Neigung besteht, die Armenkommission um Hilfe anzurufen, der jüdische Hauspflegeverein, mit seinen Mitteln eintritt. "In der Abstimmung entscheidet sich die große Mehrheit der Versammlung . für.den. Beschluß des Ausschusses: — 3lm: 31. Dezember 1908 läuft die Amtszeit folgender Mitglieder des Gemeindevorstandes ab: Julius Jacoby, Kommerzienrat Heinrich Eisner, Justizrat Timendorser, Dr. Wilhelm Feilchenfeld, Salomon Seligsohn. In die Kommission für die Ergänzungswahlen zum Gemeindevorstand, das heißt für die Wiederwahl, werden von der Versammlung die Herren Louis Sachs, Manheimer, Hirsch, Dr. Cohn, Direktor Minden, Justizrat Simon und Geheimrat Blumenthal abgeordnet. In die gemischte Deputation zur Beratung der -Petitionen des „Vereins zur Erhaltung des überlieferten Judentums" und des „Liberalen Vereins für die .Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde" wurden alsdann die Herren Loewenthal, Weinberg. Dr. Cohn und Direktor Minden entsandt. Die Deputation wird aus zwei Aeltesten, vier Repräsentanten . und zwei Rabbinern sich zusammensetzen. — Der Rechnungsabschluß ,des Reichenheimschen Waisenhauses ergibt einen Minderver» brauch von 2148,58 Mark. Im Anfang des Berichtsjahres zählte die Anstalt 70 Zöglinge, und zwar 39 Knaben und 31 Mädchen. Im-Laufe des Berichtsjahres sind- 19 Zöglinge entlassen (12 Knaben, 7. Mädchen) und die gleiche Anzahl von Kindern neu ausgenommen (13 Knaben und 6 Mädchen). Hiervon besuchten 10 Knaben und 5 Mädchen höhere-Schulen, 15 Knaben und 14 Mädchen die KnabenbezielTUngsweise Mädchenschule der jüdischen Gemeinde und 15 Knaben und 11 Mädchen städtische Gemeindeschulen. Von den aus der Anstalt entlassenen Zöglingen wurden vier den Vätern beziehungsweise Müttern zurückgegeben, von den übrigen wandten sich 12 dem kaufmännischen Beruf zu, darunter ein Zögling mit der Berechtigung zum einjährigfreiwilligen Dienst. Ein Zögling hat das Abiturientenexamen bestanden und widmet sich dem Studium, einer hat sich dem Handwerk zugewandt^ Die Gesamtkosten beliefen sich pro Kopf und Jahr für jeden.Zögling durchschnittlich auf 811,46 Mark (gegen 804,32 Mark im Vorjahre), die Ausgaben für Beköstigung pro Kopf und Jahr, durchschnittlich auf 242,35 Mark (gegen 215 Mark im Vorjahre), pro Kopf und Tag 68,8 Pfennig. Die Steigerung erklärt sich einerseits aus der allgemeinen Steigerung der Lebensmittel, anderseits aus der reichlicheren Verpflegung,: welche den Zöglingen im Berichtsjahr zuteil geworden ist: — Ter Rechnungsabschluß der Durchreisenden-Kommission ergibt.einen Minderverbrauch von 5760,70 Mark. 'Im Etatsjahr 1907/08 wurden 4088 Parteien mit 5500 Köpfen bei der Kommission vorstellig, davon waren ihrer Staatsangehörigkeit nach 3242 Parteien Russen, 623 Oesterreicher, 88 Rumänen, 106 Deutsche und 29 anderer Staatsangehörigkeit. 2795 Parteien wurden mit Reisemitteln, 444 mit/Zehrgeldern unterstützt, während 849 abgewiesen wurden, teils, weil.sie bereits früher Unterstützungen erhalten halten und ohne triftigen Grund wieder nach Berlin gekommen waren, teils, weil: sie schon zu lange in Berlin ansässig waren, .um als Durchreisende gelten zu können. Personen, welche zu-letzterer Gruppe zählten, wurden im allgemeinen der .Armenkommission überwiesen. — Der Abschluß der .Für.sorge?Kommission ergibt einen Minderverbrauch von 357,33 Mark. Die Fürsorge erstreckte sich auf 125 Familien gegenüber 89 im Vorjahre. Alle (bxei Abschlüsse . wurden debattelos dechargiert. — Der Beitrag für den Verb and. der Deutschen Juden wurde auf jährlich 6000 Mark erhöht. Zur Regelung seiner finanziellen Verhältnisse will der Verband namentlich die größeren jüdischen Gemeinden zu einer Durchschnittsleistung von fünf .Pfennig auf den. Kopf der jüdischen Bevölkerung veranlassen. Dem Hilfsverein der. Deutschen Juden wurde für die Notleidenden in Telschin ein Betrag von 3000 Mark gewährt. Nach : Erledigung einiger unwesentlicher Vorlagen wurde die öffentliche Sitzung geschlossen. flllks kür dik flugknd. Von Sanitätsrat Dr. S. Steinthal. - ... . großen jüdischen Organisationen sind nicht nur zur Erkenntnis gekommen, daß für diejüdische Jugend nicht genug geschehen kann, um sie ans Judentum zu fesseln,;• sondern es sind auch schon bemerkenswerte Anstrengungen; gemacht worden, die Jugend für unsere angestammte Religion und ihre Geschichte - zu begeistern. Wir erinnern nur. an die Vorträge, welche die Berliner Logen seit einem Jahre-für die Jugend halten läßt, und welche sich auch großen Zuspruchs, erfreuen. Zu den wichtigsten Mitteln, die Jugend dem Judentum zu erhalten,' gehört unserer Ansicht nach die Notwendigkeit, ihr die heiligste Ehrfurcht vor unserem Gottesdienst einzuflößen.. Sie ist durchaus nicht abhängig von einer bestimmten Menge hebräischer'Kenntnisse, muß aber fehlen, solange fast unaufhörlich Störungen des Gottesdienstes erlaubt und üblich sind. Wenn - es im Tempel der Reformgemeinde, in welchem zum Beispiel der Gottesdienst am Kolnidreabend etwas länger dauert als in unseren Orgelsynagogen, möglich ist, daß alle Teilnehmer des Gottesdienstes bei Beginn desselben anwesend sind, und daß niemand'vor Schluß desselben das Gotteshaus verläßt, so muß sich das auch in unseren Synagogen durchführen lassen, in welchen doch wahrlich an ästhetischer Ausführung des Gottesdienstes geradezu Vorzügliches geleistet wird. ~ An den Tagen, an welchen der Gottesdienst länger dauert als zwei Stunden, insbesondere auch am Versöhnungstage, ist es natürlich nicht möglich, daß alle Teilnehmer von Anfang bis zu Ende dableibcn, schon weil-vielen älteren Leuten die Körperkraft dazu fehlt. Für diese Tage muß vom. Vorstand im Einverständnis mit den Rabbinern genau festgesetzt werden, wann eine Entfernung der Gemeindemitglieder stattfinden darf, zum Beispiel an dem Neujahrstage während des. leise gesprochen Musaf- Gebetes. Das außerhalb der Predigt aber fast ununterbrochene Kommen und Gehen muß aufhören. Ebenso muß es streng verboten werden, daß Väter ihre Söhne noch mitten im Gottesdienst hinausschicken, um ihre Garderobe zu holen. Wenn solche Unarten nicht verschwinden, wird das Judentum beim besten Unterricht in Religion und jüdischer Geschichte nicht wieder „Herzensreligion, persönliche Religion, Gegenwartsreligion", was es doch nach den ergreifenden Ausführungen des Herrn Dr. Seligmann in der konstituierenden Versammlung der „Liberalen Vereinigung" wieder-werden soll.- . Wir wissen nicht, ob in anderen Großstädten die Mißstände, die. wir soeben gerügt haben, in demselben Maße herrschen. Es ist aber mehr als wahrscheinlich. Hier in Berlin sind sie vorhanden, und deshalb rufen wir den Vertretern, welche das Programm der neuen liberalen Vereinigung angenommen haben, zu: Hie kkoäus, die Salta! Die kevilmn der bsyerilchen Iudengeletzgebung. ' ---Nürnberg, 11. September. ^-^>^ie in diesem Blatte wiederholt schon mitgeteilt wurde, war 1^/ derLandesverein für Israeli tische Kultus gemeinden ■ - in Bayern auf den 8. d. M. zu einer erneuten Sitzung in Nürnberg berufen worden, um die Tagesordnung der am 28. Mai abgebrochenen Sitzung zu erledigen und vor allem die wichtige

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