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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-11 · Heft 37 (11.9.1908) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 2 (sequence 16)
Language
German
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fei'1 te: E M fef: W' Stiftungen im Laufe der Zeit nennen wir hier nur : <Die Begründung des Vereins für fortbildende Vorträge (Hochschulkurse) zu Königsberg; -die Begründung des Vereins „Jrauenbildung — Frauenstudium" daselbst; die Gartenbauschnle für Frauen dort; die Stiftung für weibliche Studierende jüdischer und christlicher Konfession bei dev ' Königsberger Synagogengemeinde; die große Beisteuer zur Wegründung des israelitischen Studienbeförderungsvereins für Ost- und Westpreußen; die Stiftung für den Neubau des israelitischen Waisenhauses zu Königsberg, für das Altersheim der jüdischen Gemeinde Königsberg und für das jüdische Siechenhaus der Provinz Ostpreußen und die große Förderung der Bestrebungen der jüdischen Lehrerschaft Ostpreußens besonders für ihre Versorgungskasse. — Die Verdienste der verehrten Jubilarin um das Zustandekommen der Ausstellung für jüdische Kunst in Berlin sind von dem Komitee seinerzeit öffentlich hervorgehoben worden. So offenbart sich hier ein Lebenreich an fruchtbaren, Menschheit fördernden Werke vor uns, schön, weil es gut ist und gut, weil es nützlich ist. In diesem Aussehen im gemeinnützigen Schaffen erhält sich die Jubilarin selbst jung und lebensfroh. Möge ihrem Alter im Kreise .ihrer hochstrebenden Kinder noch viel Glück und Freude beschieden sein.!. Posen, im September. Dem großen Kreise seiner Verehrer und Freunde wird es angenehm sein'zu erfahren, daß der Königliche Geheime Sanitätsrat Dr. Hermann Hirschberg am Freitag den 28. August, sein fünfzigjähriges Doktorjubiläum begehen konnte. Geheimrat Hirschberg ist ein Sohn unserer Provinz. Geboren am 6. Oktober 1835 in Gnescn, hat er den größten Teil seines Lebens in seiner Heimatsprovinz zugebracht und seine ärztliche Tätigkeit besonders in der Provinzialhauptstadt ausgeübt. Nachdem er im Jahre 1854 sein Abiturientenexamen auf dem Gymnasium in Glogau bestanden hatte, studierte er auf den Universitäten Wien und Breslau, wo er im Jahre 1858 promovierte und im Jahre 1859 das Staatsexamen absolvierte. Aerztlich tätig war er zunächst als aktiver? Militärarzt. Er trat im Juli 1859 in das Heer als Arzt ein und diente bis zum Jahre 1872. Im Jahre 1860 zum Assistenzärzte und 1866 zum Stabs- und Bataillonsarzte befördert, nahm er mit Auszeichnung am Feldzuge 1866 gegen Oesterreich beim I. Armeekorps teil und erhielt nach dem Gefechte bei Tobitschau den Roten Adlerorden IV. Klaffe mit Schwertern. Ebenso zog er als Arzt beim V. Armeekorps unter General von Kirchbach 1870 mit ins Feld beim 46. Infanterieregiment. Hirschberg gehörte zu den Militärärzten des V. Armeekorps, welche gleich nach den ersten Schlachten das Eiserne' Kreuz erhielten. Nach dem Feldzuge nahm Hirschberg im Jahre 1872 seinen Abschied aus dem aktiven Militärdienste, betrieb in Posen von da ab bis heute eine umfangreiche ärztliche Praxis und ging in die Laufbahn des beamteten Arztes über. Als solcher wurde er hier in Posen 1876 Kreiswundarzt und im Jahre 1888 Kreisphhstkus des Kreises Posen-Ost, nachdem er im Jahre 1881 durch die Verleihung des Sanitätsratstitels ausgezeichnet worden war. Im Jahre 1900 wurde Hirschberg zum Geheimen Sanitätsrate befördert. Im Jahre darauf schied er, 66 Jahre alt, aus seiner amtlichen Stellung. Die ihm ans Herz gewachsene ärztliche Praxis behielt Hirschberg aber bei, und noch heute in seinem 73. Lebensjahre, ist er rastlos als Arzt tätig. Geheimrat Hirschberg hat in seinem langen Leben immer zu den Aerzten gehört, die ihre Praxis im engsten Zusammenhänge mit der fortschreitenden medizinischen Wissenschaft ausübten, und so sehen wir den für seinen Beruf begeisterten Arzt unausgesetzt nach allen Richtungen hin tätig. Am Tage seines Jubiläums waren von dem Oberpräsidenten, dem Regierungspräsidenten und von den städtischen Behörden herzlich gehaltene Glückwunschschreiben eingelaufen. Der bisherige Polizeipräsident, Regierungspräsident von Hellmaun gratulierte persönlich. Am Vormittag brachte die Musik des Infanterie-Regiments Nr. 46, bei welchem Truppenteil der Jubilar den Feldzug 1870/71 mitgemacht hatte, ein Ständchen. Mittags erschienen unter Führung des Geheimrats Kuman Deputationen des ärztlichen Regierungs- B'ezirksvereins sowie des Vereins Posener Aerzte und überreichten eine künstlerisch ausgeführte Adresse. Der Korps-Generalarzt des V. Armeekorps Dr. Korsch feierte als Vertreter des Sanitätskorps den Jubilar in anerkennenden Worten als das Muster eines Sanitätsoffiziers und Arztes. Bewegten Herzens dankte der Jubilar allen Erschienenen in ^trefflicher Rede.^ ' 3um" Dank für die An- , regungendie er durch' das Königlich-Hygienische Institut iu Polens erhalten, widmete er diesem zur Förderung der wissenschaftlichen Arbeiten auf dem Gebiete der Hygiene und der pathologischen- Anatomie eine „Hirschberg-Jubiläums-Stiftung" mit einem Kapitel von 4000 Mark. Der Direktor des Instituts, Geheimrat Wernicke, dankte im Namen desselben für diese hochherzige Stiftung. Die Breslauer Universität hatte mit einem/ die Arzttätigkeit des. Jubilars hochanerkennendem Glückwunschschreiben das Doktordiplöm erneuert. Ueberaus groß war die Zahl'der Gratulanten. Die ec* hebende Feier wird allen Teilnehmern in lieber Erinnerung bleiben. Kp. Ans der Provinz Posen, im September. Die Regierung zu Posen hat die jüdische Volksschule zu Xions,. die zuletzt nur noch sechs Schüler, zählte, aufgelöst und den Lehrer Löb daselbst an bie. Simultanschule zu Birnbaum versetzt. — Kaufmann. Edmund Mendelsohn in Schönsee ist zum ersten Vorsteher der dortigen Synagogengemeinde gewählt worden. — Kaufmann Emil Seidel in Krotoschin ist zum Magistratsmitgliede daselbst gewählt worden. — Bankier Lesser in Posen ist zum Handelsrichter ernannt worden.. — In Ostrowo starb plötzlich im Atter von 76 Jahren dev langjährige Synagogendiener I. Jacob. — In Xions ist Kaufmann Varuch zum Magistratsschöffen gewählt worden. — Der jüngst in Breslau verstorbene Rentier Moritz Brandt hat seiner. Heimatgemeinde Pleschen ein Legat von 5000 Mark hinterlassen. — Der israelitische Darlehns-Hilssverein in Ostrowo begeht demnächst festlich das Jubiläum seines 25 jährigen Bestehens. s. Malchin, 3. September. Kürzlich wurde an dieser Stelle über die Gedenktafel berichtet, die dem Erfinder des Automobils, dem hiesigen Ingenieur Siegfried Marcus, von den verschiedenen Automobilklubs an seinem Geburtshause hier gewidmet werden soll, und daß schließlich der Besitzer desselben seine Erlaubnis zurückzog. Wie es heißt, hat man nun jetzt von diesem Projekt Abstand genommen und will die Denktafel am Rathause anbringen, eventuell auf dem Marktplatze eine Säule mit der Büste des Automobilerfinders errichten. Das Komitee hat dieserhalb Verhandlungen mit der Stadt Malchin eingeleitet. , — Minden, 4; September. Nach einer Mitteilung aus Rahden, ist es den wiederholten Eingaben der jüdischen Gemeinde gelungen, die Umwandlung der bisherigen Privatschule in eine öffentliche Volksschule zu erlangen. Der bisherige Lehrer Rhein ist nach 15jähriger Dienstzeit im Privatschuldienst nunmehr in den öffentlichen Schuldienst übernommen worden, allerdings nach den bestehenden gesetzlichen Vorschriften für die ersten vier Jahre nur mit den Bezügen eines einstweilig angestellten Lehrers. Die Schule war zuletzt von 22 Kindern besucht. — Bielefeld, 8. September. Das Schächtverbot in Bielefeld war am 25. v. M. Gegenstand einer Verhandlung des hiesigen Schöffengerichts. Die Fleischermeister hatten ohne Rücksicht auf das polizeiliche Verbot durch den geprüften Schächter die Schlachtung nach jüdischem Ritus fortsetzen lassen. Die prinzipielle Seite der Sache, nämlich die Frage, ob gegenüber den Anordnungen der Ministerialinftanz ein polizeiliches Verbot für einzelne Landesteile gültig erlassen werden kann, kam.nicht zur Entscheidung. Das Schöffengericht stellte nämlich fest, daß die polizeiliche Verordnung nicht ordnungsmäßig bekanntgemacht war, und gelangte deshalb zur Freisprechung. m. Weinheim a. d. Bergstraße, im September. Unsere Gemeinde hat einen unersetzlichen Verlust erlitten. Am 24. v. M. verstarb nach kurzer Krankheit der Vorsteher, Herr Sigmund Hirsch. Mit ihm ist einer jener Männer, die immer seltener werden, aus dem Leben geschieden. Ausgestattet mit einer unvergleichlichen Begeisterungsfähigkeit für alles Schöne und Gute, verband er mit dieser Eigenschaft ein warmes Herz.und stets offene Hand. Der Lebensweg des Verstorbenen ist kein leichter gewesen. Im Jahre 1868 kam der junge in Neukalen in Mecklenburg gebürtige Gerbergeselle nach der Bergstraße und gründete hier eine Gerberei. Der jugendliche, 23 jährige Meister hatte anfangs mit manchen Widerwärtigkeiten zu kämpfen, aber dank seiner außerordentlichen Willens- und Schaffenskraft gelang es ihm, doch aus seinem kleinen Betriebe mit der Zeit eine angesehene Fabrik zu schaffen und heute gehört die „Roßleder-. :k , y *

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