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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-11 · Heft 37 (11.9.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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m fäbrik^Sigmünd Hirsch" / zu den^bedeutendsten ihrer Branche. Noch Monaten war es dem Verstorbenen -vergönnt, sein .^OjährigesGeschästsjubiläum zu feiern, aus dessen Anlaß er für seine Arbeiter 20 000 Mark als Pensionssonds stiftete. Es würde zu weit führen, hier in dembeschränkten zur Verfügung stehenden Raum all die guten und segensreichen Werke zu erwähnen, die er in derhiesigen Gemeinde, an deren Spitze er stand, schuf. Wir alle /wissen, daß die-Lücke, die er hinterlassen wird, kaum je wird ausgefüllt werden können. Wer das Glück hatte, dem Verstorbenen im Leben näher-zu treten, wer sein wohlwollendes und stets freundlich dreinblickendes Äuge einmal auf sich ruhen sah, wird den Verklärten, ein Bild edelster Männlichkeit und Ritterlichkeit, niemals vergessen können. Die Beerdigung, die in Heidelberg stattfand, gab Zeugnis von der Wertschätzung und Verehrung, die Herr Sigmund Hirsch im Leben in nah und fern genoß. Kopf an Kopf gedrängt, stand die Menge, um ihm die letzte Ehre zu erweisen. Herr Bezirksrabbiner Dr. Pinkuß hielt eine tief zu Herzen gehende Trauerrede, in der er in trefflicher? Worten ein Charakterbild, des Heimgegangenen,, seines lieben. Freundes, entrollte. In der Synode, deren Mitglied Herr Hirsch war, trat er besonders für die materielle Besserstellung der Religionslehrer und Kantoren ein und so verlieren dieselben in ihm einen warmen Freund und Fürsprecher. Religiös gehörte der Verstorbene, derliberaleMBWung' an, war aber immer Gegner jedweder ' Spaltung. Sein Ziel war, daß die verschiedenen religiösen Richtungen des Judentums in Friede und Eintracht für die Gesamtinteressen unserer Glaubensgemeinschaft arbeiten. Dieses Ideal suchte er wie kaum ein zweiter, im Leben zu betätigen. Die Gemeinde, für die er in ganz außerordentlicher Weise stets gesorgt hat, wird ihm ein, dauerndes und dankbares Andenken bewahren. Gesterretch-Nnssrn. □ Wien, 7. September. Das Andenken des Kronprinzen Ru d'ö l s wurde - in diesen Tagen, wo er fünfzig Jahre alt geworden wäre, viel gefeiert. Bei dieser Gelegenheit wurde das nachstehende bald nach seinem Tode aus den nachgelassenen Schriften vom Grafen Wilczek veröffentlichte, ebenso charakteristische als zutreffende Epigramm aus der Feder des Kronprinzen. Rudolf der Vergessenheit entrissen und als teures Andenken zum ewigen Gedächtnisse im'Wortlaute wiedergegeben: Die Antisemiten! — „Nicht den Glauben, nicht die' Rasse —.Verfolgen sie mit ihrem Hasse — Denn dazu sind sie doch aufgeklärt; — Wie ich die Sache fasse, — Gilt ihr Haß der Wertheimkasse, — Nach der es sie begehrt." — Das neue ungarische Fremdengesetzu das am 1. Mai d. I. in Kraft getreten ist, zeitigt bereits Folgen, die selbst von den größten Pessimisten nicht voraus gesehen wurden. Hauptsächlich sind es galizische, .rumänische und russische Juden, die man. die. Strenge des Gesetzes in geradezu vexatorischer Weise fühlen läßt und die überall ausgewiesen werden. — Am 30. v. M. fand in Czernowitz die sogenannte, jüdische Sprach-Konferenz statt. Es Waren etwa 70 Teilnehmer, darunter einige bekannte Jargon-Schriftsteller, anwesend. Die Eröffnungsrede hielt Dr. N. Birnbaum. I. L. Perez machte den beachtenswerten Vorschlag, alle im Jargon geschriebenen, wertvollen Kulturwerke in lateinischer Transskription herauszugeben. Abends fand im Stadttheater ein jüdisch-literarischer Abend statt. Vor einem sehr zahlreich erschienenen Publikum lasen Perez, Asch, Reisen und Naumberg aus ihren neuesten Dichtungen vor., -Großes Aufsehen erregte Schalom Aschs Uebersetzung der biblischen Erzählung „Ruth". In den Vorstand wurden gewählt: Dr. Nathan Birnbaum (Vorsitzender), I. L. Perez, Warschau, Dr. Eh. Schitlowskh, New Jork, Löbl Taubes (Stellvertreter.) — In Meran wurde Dr. Victor Kurrein, ein Sohn des bekannten Rabbiners Dr. A. Kurrein in Teplitz, zum Prediger, und in Smichow Dr. Arjeh aus Dobrisch zum Rabbiner gewählt. Vvn MH und jfrrn. . Dem Geheimen. Sanitätsrat Dr. Barschall zu der- Kronenorden dritter Klasse verliehen. — Berlin wurde Dr. James Go-ldM.midt- Privatdozentin der juristischen Fakultät der Berliner Universität, ist zum Professor ‘ ernannt worden. — Der von jüdischen Blättern gefeierte Geheime Rat Pros. Henoch gehört seit einem halben Jahrhundert nicht mehr dem Judentum an. -?-■ Am 1. d. M. verschied nach schwerem Leiden der Ingenieur Dr..A. Lehm ann im.4L. Lebensjahre. — Im Alter von 31 Jahren ist Dr. S, Krauß, einer der Herausgeber der „Berliner Universal-Korrespondenz" am 4. d. M. gestorben. Er war auch Mitarbeiter der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". Ehre seinem Andenken! — Dem Immobilienmakler Leopold Emanuel in Köln wurde der Charakter als Kommissionsrat verliehen. — Dem Friedhof-Inspektor Menkel in Bettenhausen, welcher 33 Jahre bereits als Beamter der dortigen israelitischen Gemeinde tätig ist, wurde das allgemeine Ehrenzeichen verliehen. — Eines strafrechtlichen Vergehens sollte sich bekanntlich der jüdische Lehrer .Siegfried Gold aus Dornheim bei Groß-Gerau dadurch schuldig gemacht haben, daß er bei einer Beerdigung einen Talar getragen hat. Der christliche Geistliche erstattete wegen „unbefugten Tragens einer Amtstracht" Anzeige, doch wurde Gold vom Schöffengericht sreigesprochen. Die Strafkammer in Darmstadt verurteilte ihn zu fünf Mark Geldstrafe, weil das Ornat der Geistlichen gemäß § 360 des Bürgerlichen' Gesetzbuches gesetzlich geschützt. sei und dies der Angeklagte hätte wissen müssen. — Beim diesjährigen Besuch des Kaisers während des Kaisermanövers in Straßburg wurde unter anderem auch Oberrabbiner Ury in Audienz empfangen. —. Dieser Tage erließ der Odessaer Polizeimeister den Befehl, genau darauf zu achten, daß anläßlich der herannahenden jüdischen Feiertage keine Privatminjanim geduldet werden. Die Bezirkshauptleute sind ermächtigt, solche Minjanim samt und sonders zu verhaften, und dem Gerichte zu übergeben. — Der Abgeordnete Jrala brachte im Namen aller sozialdemokratischen Gruppen Finnlands einen Antrag auf Gleichberechtigung der Juden in Finnland ein. . Man darf auf den Ausgang der Verhandlungen über diese Petition, die schon in den nächsten Tagen stattfinden soll, äußerst gespannt sein.' — Infolge antisemitischer Agitationen wandern viele Juden aus Bulgarien nach der Türkei aus. — Die furchtbare Feuersbrunst, die am 23. August in Stambul. gewütet und ein ganzes Viertel im Zentrum der Stadt in Asche gelegt hat, hat die zum größten Teil muselmanische Bevölkerung aufs schwerste betroffen.. In dankbarer Erinnerung an die tatkräftige Hilfe, die die türkischen Behörden den Juden bei der großen. Brandkatastrophe in Konstantinopel-Haskieu erwiesen, hat der „Hilfsverein der deutschen Juden" 2500 Franken für die Opfer des Brandunglücks in Stambul telegraphisch angewiesen. — Der Großrabbiner von Moussoul (Türkei) ist augenblicklich damit beschäftigt, in der ganzen Welt Gelder zu sammeln, um die alte Synagoge von Moussoul, wohl die älteste der Welt, für 3500 Personen zu erweitern. Der Großrabbiner, versichert, daß die Judengemeinde von Moussoul sich gleich nach der Zerstörung des Tempels von Jerusalem gebildet habe und darum nun die älteste Judengemeinde Europas wäre. Die Gemeinde hat drei Synagogen, von denen die älteste vor 1265 Jahren gebaut wurde.. — Auch in Liberias (Palästina) ist'nunmehr .ein Kindergarten des Hilssvereins der deutschen Juden eröffnet worden. Nach einer dem Hilssverein zugegangenen Mitteilung aus Palästina wird die Anstalt bereits von vielen Kindern besucht. — Der Gouverneur in Jerusalem, wurde abgesetzt. Als sein Nachfolger ist Subhi Beh, Generaldirektor des Handelsdepartements im Handelsministerium iu Aussicht genommen." — Der neue Sultan von Marokko, Muley Hafid, hat dem Großrabbiner von Tanger mitteilen lassen, daß er. die Juden seines Landes mit Milde und Gerechtigkeit behandeln werde. — Vor kurzem veranstaltete die „Jewish Communal League" in Durban (Südafrika) zugunsten ihrer Hilfskasse eine Ausstellung. Die Ausstellung wurde durch den Gouverneur Sir Matthew Nathan eröffnet. In seiner Eröffnungsrede hob derselbe hervor, daß sein kurzer Aufenthalt in Südafrika ihn davon überzeugt habe, daß die Juden einen wichtigen Faktor in dev Entwicklung Südafrikas bilden. Er sei aber auch überzeugt, daß ihr Einfluß stets ein segensreicher bleiben werde. ::r‘$ W M MM -

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