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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-11 · Heft 37 (11.9.1908) · p. Seite 436

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 37 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
Seite 436 (sequence 6)
Language
German
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besteht, wurde nur noch verschärft. Die Sephardim behaupten, sie seien die wahren türkischen Bürger unter den Juden, weshalb auch die den Juden zugedachten Sitze im Parlamente ihnen gebühren. Die Aschkenasim wollen dies nicht anerkennen und drohen, sich mit den Mohammedanern oder den Christen zu verbinden. Aber selbst unter den Aschkenasim herrscht nicht die erwünschte Einigkeit. Hier führen die Zionisten einen heftigen Kampf gegen die Orthodoxen- Nur in Konstantinopel selbst haben sie sich geeinigt. In vielen Städten der europäischen Türkei wurden jüdische Wahlkomitees eröffnet. Der Wahlkampf dürste ein sehr scharfer werden- Interessant ist auch die Meldung, daß in manchen jüdischen Kreisen der Plan besteht, in Palästina zum Andenken an die Verkündigung der Verfassung einen nach dem Sultan zu benennenden Wald zu pflanzen. Der neue locum tenens des Chacham Baschi, Herr Nahoum, hat in' den letzten Tagen seine offiziellen Visiten beim Großwesir, Justiz- und Kultusminister gemacht. Der Scheich-ul- Jslam hat bei dieser Gelegenheit mit besonderer Wärme von den Vorzügen der Juden und der traditionellen Freundschaft der Türken mit ihnen gesprochen. Ferner wird aus Konstantinopel gemeldet, daß der Staatsrat Bohor Effendi Askanazi, Exzellenz, vom neuen Ministerkabinett zum Unterpräfekten von Konstantinopel ernannt wurde. Er ist aus der Stadt gebürtig und 65 Jahre alt. Er war in den Staatsdienst als Dolmetsch im Ministerium des Aeußeren eingetreten und hatte eine Reihe Staatsstellungen inne, bevor er in den Staatsrat ausgenommen wurde. Bohor Effendi ist von den Mohammedanern als einer der feinsten türkischen Schriftsteller anerkannt. Er ist ein hervorragender Hebräist; bei verschiedenen Gelegenheiten war er Präsident der Zentralbehörde des Reiches. * Dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle verdanken wir folgende Mitteilung über die Auswanderung nach Amerika im Juli d. I., verglichen mit der Auswanderung nach Amerika vom Juli 1907. Es kamen Einwanderer nach Amerika aus: Zunahme (-f-) 1907 1908 . oder J Oesterreich-Ungarn: Abnahme (— Oesterreich. . -J.. 11864 1912 — 9 952 Ungarn . . . . ... . . . . 9 949 1462 — 8 487 Belgien .. 512 183 — 329 Bulgarien, Serbien und Montenegro 1097 41 — 1056 Dänemark.. . . 417 211 — 206 Frankreich.. 732 407 — 325 Deutschland . 3 057 1581 — 1476 Griechenland.. . 2^64 383 — 1881 Italien . , 19 477 2,451 — 17 026 Niederlande. .. 675 196 — 479 Norwegen.. . 1141 689 ■ 452 Portugal.. 638 290 — 348 Rumänien .. 669 156 — 513 Rußland und Finnland. 23 971 6198 — 17 773 Spanien. 275 169 — 104 Schweden. . . . . . ... . . . . 1162 598 - 564 Schweiz. 223 134 — 89 Europäische Türkei . . .. Großbritannien und Irland: 2075 109 — 1966 England ........... 4 719 2 342 — 2 377 Irland .. 1966 915 — 1 051 Schottland .. 1598 698 — 900 Wales. 196 113 - 83 Anderes Europa. 27 — — 27 Gesamt-Europa. 88 702 21238 — 67 464 Zunahme (+) . , 1907 1908 oder Abnahme (-) Uebertrag: 88702 21238 - 67 464 China ... 118 106 — 12 Japan . . ... 1724 558 — 1166 Indien. 77 34 — 43 Asiatische Türkei .. 1183 356 — 827 Anderes Asien. 76 33 43 Gesamt-Asien. 3178 1087 — 2 091 Afrika ... 207 83 — 124 Australien, Tasmanien und Neuseeland 110 97 — 13 Pazifische Inseln. 5 6 + 1 Britisch-Nordamerika. 2 114 2 779 + 665 Britisch-Honduras. 2 3 + 1 Anderes Zentxal-Amerika ..... 148 84 — 64 Mexiko.. 828 771 — 57 Süd-Amerika.. 288 153 — 135 Westindien. 1 548 1269 — 279 Andere Länder.. . 2 — — 2 Gesamt-Einwanderung.. 97 132 27 570 — 69 562 Die Auswanderung nach Amerika ist also im Juli dieses Jahres sehr erheblich zurückgegangen, von 97 132 ails 27 570. Moritz Vrit. Zum hundertsten Geburtstage. m 12. d. M. jährt sich zum Hundertstenmal der Geburtstag eines Mannes, dem die deutsche Judenheit viel zu danken hat. Man ist so daran gewöhnt, Michael Sachs und Moritz Veit zusammen zu nennen, daß es gar nicht auffallen würde, wenn man in der Woche, wo man der Verdienste Michael Sachs^ gedenkt, auch das Wirken Moritz Veits in Erinnerung brächte. Aber ein seltsames Spiel des Zufalls hat es gefügt, daß Geburts- und Todesjahr der beiden Männer, deren Freundschaft eine geradezu ideale genannt werden darf, und die gar oft mit der Davids und Jonathans verglichen wurde, auch zeitlich zusammenfällt. Moritz Veit war der Sproß einer alten Berliner Patriziersamilie. Seine Ahnen befanden sich unter den ältesten, im letzten Drittel des 17. Jahrhunderts in Berlin eingewanderten jüdischen Familien. Unter ihnen war auch jener Simon Veit, den Moses Mendelssohn zu seinem Schwiegersohn ausgewählt hatte und der, wie wir wissen, unendlich feiner und vornehmer nach der Katastrophe sich benommen hat als die geistvolle Dorothea und ihr romantischer Partisan Friedrich von Schlegel. Auch Philipp Veit war ein reicher und gebildeter Mann; er ließ seinen Sohn Moritz Philosophie und Geschichte studieren. In seinem Hause versammelte er Dichter und Gelehrte. Heinrich Heine war dort ein gern gesehener Gast, ebenso . Leopold Zunz, EduardGans,Moses Moser, Joseph Lehmann u.a. Der junge Veit schloß sich aber mit Vorliebe einem Kreise jüngerer Dichter an, von denen Karl Werder und Heinrich Stieglitz die bekanntesten sind. Mit diesen gab er eine Reihe von Musen-Almanachen heraus, die sich sogar einzelner Beiträge Goethes und der Teilnahme der besten Dichter jener Zeit zu erfreuen hatten. Da ihm als Juden die ersehnte akademische Karriere in Preußen damals verschlossen war, mußte er sich für eine praktische Lebensstellung entschließen und wurde Buchhändler. Die von ihm und Joseph Lehfeldt 1833 begründete Verlagsbuchhandlung wurde eine der bedeutendsten in Deutschland. Ihn selbst wählte das Vertrauen seiner Fachgenossen

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