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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-04 · Heft 36 (4.9.1908) · p. Seite 430

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 430 (sequence 12)
Language
German
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daß ich nicht neben diesen'Schwierigkeiten Zeichen des Fortschritts und Grundlagen für Hoffnungen. erblicke! ' Immer noch glaube ich unabänderlich und unerschüttert an den menschlichen Fortschritt, und ich kann es immer noch nicht -glauben, daß der Antisemitismus, diese Mißgeburt aus Rassenhaß und religiösem Vorurteil, der Menschheit als bleibendes Attribut anhafte. Das liberale Judentum macht, wie jede andere Religionsform, seine Krisis jetzt durch. Die, die zu ihm halten, die da vertrauen, daß es richtig und wahr ist, müssen auch an einen endgültigen Sieg glauben, denn wer aus' Seite seiner Lehre steht, der glaubt an den endgültigen Sieg der Wahrheit. Sollte es vergehen müssen, damit seine' Lehren leben, leben unter anderem Namen, propagiert donumfassenden Organisationen, so würde' dieses Ende unrühmlich nicht genannt werden können. Oll nun aber sein Sieg im Leben liegt, ob es siegt durch ' seinen Tod, für die, so es gegenwärtig verfechten/ bleibt das gleich! Der Tod des Siegers ist ein ganz anderer als der, den der Hoffnungsberaubte im Selbstmord findet. Drum werden die, die aus den liberalen Gedanken im Judentum ihre Hoffnung gesetzt hüben, weiter kämpfen, erwartungsvoll und mutbegeistert dem geliebten, wenn auch fernen Ziele" entgegen. Durch Kampf zum Sieg!' Durch Sieg zum Ziel! /Ißepbisto und der Von Benno Planek. Dalles. n dem kühlen Nordsee-Strande. Auf dem blanken Ufersande Trafen zwischen Wandelscharen Zwei Gesellen, welterfahren, Sich nach langer Trennung endlich, Suchen ihre Opfer hier In der Lüste Prunkrevier. Und der eine, selbstverständlich, Sieht verkommen aus, fragwürdig, Müd' und mürrisch, sorgenbürdig! Doch des andern Mienen flinkern Lustig und genußbegierig, Die Geberden leicht und rührig, Und die Aeuglein listig zwinkern, Sündenkundig höhnisch sein. — „Sei gegrüßt mir, armer Teufel!" ... „Ei, das wirst Du selber fein, Nach dem Ausseh'n ohne Zweifel!" . . . Lautet Gruß und Gegengruß. Der, voll Mißmut und Verdruß, Ist gewiß der Dalles, meint Ihr, Und Mephisto wohl der Zweite? O. welch arger Irrtum scheint hier Obzuwalten! Geht beiseite, Lauschet ihrem Zwiegespräch, Wer da klaget über Pech. „Höre meinen Lebenslauf," Sagt Mephisto, „paß nun auf! Nicht mit Unrecht nanntest Du Armen Teufel mich, nur zu! Ach, mir geht es zum Erbarmen. Sonst und jetzo, wie verschieden! Glückt' es sonst mir, einen armen, Dummen Juden auf der Reise Zur nicht rituellen Speise Zu verführen, grinst zufrieden Meister Satan, und gemieden Ward der Sünder von den Seinen. Aber nun, man soll's kaum meinen, Heißt es: Weiter nichts? Schon gut! Wenn er nur nichts Schlimm'res tut. — Bracht ich sonst zum Scharmntzieren Oder nur zum Kokettieren Eine Maid, ha, welch ein Zetern Sich erhob da bei den Vettern Und den Basen. Aber jetzt? Was ich auch ins Werk gesetzt. Eine um den Ruf zu bringen, Will: mir niemals recht gelingen. — Die dort in juwelbeschwerten Prachtgewändern, mit dem Schweif Von Verehrern und Erhörten, Rings umtänzelt vom.Rigll life! Schamerröten und Erbleichen Das besorgt die Puderquaste Ihr, der Schminktopf und die Paste, Und von ihrer Sündenliste Pfeifen Spatzen auf dem Dache, Kräht der Hahn schon auf dem Miste. Schadet all das ihr? Ich lache. — Sieh' den Geck, die Burgruine, Bietet mit verliebter Miene Reichtum, Adelswappen ihr, Nennt sie seines Kreises Zier. Bald zählt sie gar zu den Frommen.. Mag es diesen wohl bekommen! . . O, du gute alte Zeit, Wo es purieio Ehrlichkeit Leicht war, einen schlecht zu machen, In Geschäfts- und Geldessachen Einen Schritt vom Weg zu bringen, Lax zu sein in Ehrendingen, Ein Prozentchen mehr zu nehmen, Sich der Lüge zu bequemen. Ueber solche arme Schlucker Fielen gleich her Tugendmucker, Und die Hölle roch den Braten Trotz verschmitzter Advokaten . . . Heutzutag' muß ich zerbrechen Satans Kopf mir, tot mich sprechen, Zu den ärgsten Freveln treiben, Um in meinem Amt zu bleiben. Mag ein Schuft dann schamlos lügen, Gott und Menschen frech betrügen, Arg verwechseln mein und dein, Fälschen, ein Verräter sein. Der Verleumdung Pfeile wetzen, Ehr' abschneiden und vergiften Oeffentlicher Meinung Schriften. Haß und Zwist und Unheil stiften, Alle gegen.alle hetzen: Zählet er nur zur Partei, Wer und was sie immer sei, Klerikal, x-national, Rückschrittlich und radikal; Nenn' sie sich Antisemiten Oder Feder-Maulbanditen — Sonst nichts? Hämisch lacht die Brut: Wenn er nur nichts Aerg'res tut. Zieht man einmal den Halunken,' Der durch mich gar tief gesunken. Vor Gericht — nun, was geschieht da? Ihn zu retten, sind bemüht da Der Gesellschaft treue Wächter, Sonst auch keine Kostverächter. Holet nur den Psychiater! Raten strenge Sittenkater. Der Verteidiger ruft emphatisch: Seht ihn an doch, wie'sympathisch. Unabweisbar war der Zwäng, . Unbewußt der Freveldrang. Auf den Kläger schaut, ihr Richter! Warum zwang den armen Wicht er, . Ihm die Börse erst zu nehmen, Statt sich früher zu bequemen, Als sie äneinand gerieten, Geld dem Schlimmen anzubieten, Daß die Missetat er meide? Nüchterner Verstand entscheide, Nicht erst die Juristerei, Wer von beiden schuldig sei! — Angeklagter lacht sardonisch Bei dem Speech, der ciceronisch... Doch das Schlimmste ist dabei: Dichterlinge daß, die schofeln, Mich noch übermephistopheln. Leicht ward sonst mir das Verführen, Lust könnt' ich dabei verspüren. Aber jetzt, trotz Müh' und Plag', Kommt für mich kein guter Tag. Welt und Satan, lieber Dalles, Fragen höhnisch: „Ist das Alles?!" - D'rauf der Dalles: „Guter Mann, Da bin ich weit besser dran. Einst mußt ich mich plagen, quälen, Wohnte bloß in dumpfen Höhlen. Trock'nes Brot aß ich mit Schimmel, Ward vertröstet aus den Himmel. Stumm blieb ich bei rohem Schmählen, Ging einher in schlotterigen, Arg zerfetzten Lumpenhüllen, Und ich mußt' mich krümmen, biegen, Um der Not nicht zu erliegen. Ich verbiß den Grimm im stillen... Jetzt hingegen, sieh' mich an, Stelle ich nicht meinen Mann? Aller Sorgen los und ledig,

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