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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-09-04 · Heft 36 (4.9.1908) · p. Seite 424

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 36 (4.9.1908)
Date
1908-09-04
Page
Seite 424 (sequence 6)
Language
German
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letzten Heft der „Zeitschrift der morgenländischen Gesellschaft" veröffentlichte samaritanische Josua-Buch. Es ist bekannt, welches große Aufsehen diese Entdeckung in der ganzen gebildeten Welt gemacht hat. Nach Ansicht des Dr. Gaster soll der samaritanische Josua spätestens aus dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert stammen und soll sogar dem Josephus als Quelle für seine Archäologie gedient haben. In Wirklichkeit erweist es sich als ein plumpes Machwerk der Samaritaner in allerletzten Zeiten. Der samaritanische Josua geht in erster Linie auf arabische Chroniken zurück, und der rezipierte biblische Text wurde vom Kompilator bloß subsidiär benutzt. Als Terminus post quem ift nach den Ausführungen des Dr. Hahuda das Jahr 1355 n. Chr. anzusehen, da der samaritanische Josua von einer Thorarolle spricht, die vor dem Jahre 1355 unbekannt war. Als Abschreiber jener Thorarolle wird von den Samaritanern Abischa, der Urenkel des Hohenpriesters Aron angegeben, und sie soll von ihm im 13. Jahre des Einzugs der Israeliten in Kanaan geschrieben worden sein. . Diese Thorarolle wird nun zum erstenmal in einer vom samaritanischen Chronisten Abul-Fath im Jahre 1355 n. Chr. verfaßten Chronik erwähnt, und es wird ausdrücklich herv'orgehoben, daß sie vom damaligen samaritanischen Oberpriester Pinhas(1304 bis 1358 n. Chr.) durch göttliche Offenbarung entdeckt und im Jahre 1355 am Sabbat des Laubhütten festes „in einer außerordentlich großen Stunde" im Beisein der ganzen Gemeinde öffentlich gezeigt worden sei. Die Thorarolle, bemerkt Abul-Fath, sei bis dahin verborgen geblieben, und es müßte als eine ganz besondere göttliche Gnade angesehen werden, daß sie gerade in seinen Tagen zum Vorschein gekommen sei. Es liegt also aus der Hand, daß oiese Thorarolle eben in seinen Tagen geschrieben worden ist. Herr Dr. Uahuda hat auch nachgewiesen, daß sie von einem Sohn des erwähnten Pinhas geschrieben wurde- Wenn nun diese Thorarolle erst im Jahre 1355 n. CH. bekannt wurde, so kann sie doch dem Verfasser des Josua-Buches nicht vorher bekannt gewesen sein. Ein anderes höchst wichtiges Moment für die Bestimmung der Abfassungszeit ist der Umstand, daß die Samaritaner in ihren Briefen vom Jahre 1689 n. CH. an den holländischen Gelehrten Scaliger ausdrücklich bemerken, daß sie nur einen arabisch, nicht aber hebräisch geschriebenen Josua besäßen. Hieraus geht deutlich hervor, daß ihnen am Ende des 17. Jahrhunderts ein Josua in hebräischer Sprache unbekannt war. Die Abhängigkeit des samaritanischen Josua von beit arabischen Chroniken zeigt sich auch in dem arabischen Sprachcharakter, der sich durch das ganze Buch hindurch wie ein roter Faden durchzieht. Auf Schritt und Tritt treten arabische Wörter und arabische Konstruktionen auf, und das ganze macht unbedingt den Eindruck einer Uebersetzung aus dem Arabischen. Der Vortragende führte eine ganze Reihe von Stellen auf, die gänzlich unverständlich sind, wenn' mansie nicht erst ins Arabische zurück übersetzt. Er wies ferner auf einige Lücken hin, die erst auf Grund der arabischen Chroniken ausgesüllt werden können. An nianchen Stellen erweist sich die Uebersetzung als eine ganz falsche, weil der Verfasser des samaritanischen Josua seine arabischen Vorlagen nicht richtig verstanden hat. Es kommen auch echt mohammedanische Termini darin vor und Gebetsformeln, die von den mohammedanischen Theologen bezw. arabischen Religionsphilosophen des Mittelalters sestgelegt worden sind. Ja selbst die monotheistischen Bekenntnisformeln sind in ihrer Form nicht jüdisch, sondern mohammedanisch! Was nun denjenigen Teil betrifft, der mit dem biblischen Text Parallel geht, so stimmt er mit-diesem vollkommen überein. Ja selbst die orthographischen Fehler, die sich in alter Zeit in den biblischen Josua‘ eingeschlichen haben, sind Wut Verfasser ohne weiteres abgeschrieben worden. Auch in diesem Teil stellen sich beim Vergleichen des samaritanischen Josua mit dem biblischen Text einige Lücken und Fehler heraus, die nur auf Grund des biblischen Textes ausgefüllt resp. korrigiert werden können. Am Schluß seiner Ausführungen zeigte der Vortragende, in welch leichtsinniger Weise der Kompilator dessamaritanischen Josua sein Werk, zusammengestellt hat und gelangte zum Schluffe, daß der samaritanische Josua sein Entstehen erst der Nachfrage europäischer Gelehrter nach einem hebräischen Josua in samaritanischer Rezension zu verdanken hat und möglicherweise ein Produkt der allerjüngsten Zeit sein könne. Herr E. N. Adler-London, Mitglied der lloyal Asiatic Society, führte auch seinerseits einige Daten an, die die Richtigkeit der Ausführungen des Herrn Dr. Hahuda bestätigen, und bemerkte, daß man auch in England die Entdeckung des Herrn Dr. Gaster von vornherein etwas skeptisch ausgenommen habe. ' Von besonderem Interesse ist der von Dr. Iahuda geführte Nachweis, daß die Samaritaner. nicht eine einzige Pentateuch-Handschrist haben, die. älter wäre als 600 Jahre. Hiermit sind alle Angaben der Samaritaner über das hohe Alter ihrer Thorarollen in das Reich der Erfindung verbannt. Ueberhaupt sind die Samaritaner in der Datierung ihrer Handschriften nicht gerade sehr gewiffenhaft.' In den europäischen Bibliotheken soll nach Dr. Hahuda manche samaritanische Handschrift liegen, - die viele Jahre-zurückdatiert ist, und die in späteren Jahrhunderten manchen Forscher in Verwirrung bringen wird. — In der Sitzung vom Sonnabend, den 15. August hielt Herr Professor Paul Haupt-Baltimore einen Vortrag über einige galiläische Ortsnamen in Palästina. Wie auf dem Historiker- Kongreß in Berlin, so hat auch hier Herr Professor Haupt seine Hypothese von der arischen Abstammung JesuChristi zu beweisen gesucht. Da nun ein solches Thema mit orientalischer Sprachforschung eigentlich nichts zu tun hat, so zwängte er es in den Rahmen seines Vortrags hinein, der im Grunde sich nur mit der Feststellung der Lage einiger, nach, seiner Ansicht noch nicht genau bestimmter Orte in Galiläa befassen sollte. Er ging davon aus, daß der Ort Hamath der in der Bibel vorkommt, nicht wie allgemein angenommen wird, in Nordsyrien, sondern in Galiläa, und zwar in nächster Nähe vom Tiberiassee gelegen haben müsse. Diese seine Hypothese stützte er mit allerlei Konjekturen und Emmendationen an verschiedenen biblischen Stellen; er schickte dieses voraus, um die Ansiedlung der Meder und anderer angeblich arischer Mischvölker, die durch die assyrischen Könige in der Gegend vom nordsyrischen Hamath im sechsten Jahrhundert vor Christi veranlaßt wurde, nach Galiläa zu versetzen, um dann hieraus den Schluß herzuleiten, daß Jesus, der unmöglich ein Judäer gewesen sein könne und ebensowenig in Bethlehem geboren worden sei, von arischer Abstammung gewesen wäre. Seine Ausführungen schloß er mit den Worten: Die Feststellung, daß Jesus kein Judäer, sondern ein Arier gewesen ist, sei von höchster weltgeschichtlicher Bedeutung, denn die Rasse sei alles, und alles könne nur aus der Rasse erklärt werden. Auch hier müsse, das Wort Jeremias: „Kann denn ein Neger seine Haut ändern" Anwendung finden, und Jesus könne nimmermehr als Judäer angesehen werden, da er nun doch ein Arier war. Dr. Kaminka- Wien bemerkte zunächst, daß er bereits vor 18 Jahren aus rein geographischen Erwägungen dieselbe Hypothese über den Ort Hamath in einer wissenschaftlichen Zeitschrift... ausgestellt habe, später aber gänzlich hiervon zurückgekommen sei, weil sowohl geographische als auch wichtige historisch',

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