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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-08-28 · Heft 35 (28.8.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 35 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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r.'-'v'" ' « C U'.^ «'««* V'. ' 4t aP-I cb.i%»-«£fc*id n«4 - i«4»k' KaP '(VHaI WMDWMWMW /t>aff diese zur Festigung, des Reiches beitragen und das Wohl aller seiner Völker fördern wird." Die Berichte-der Vertreter der einzelnen Landesorganifationen waren öon Interesse. In England ist ein ' Stillstand zu verzeichnen, der hauptsächlich aus Zwistigkeiten der - englischen Führer der Bewegung zurückzuführen ist. Zu großen Auseinandersetzungen. gab die Finanzlage der Organisation Anlaß. Das Engere Aktionskomitee hatte nämlich vor» -geschlagen, die verschiedenen Institutionen und Fonds der Partei, wie die jüdische Kolonialbankden jüdischen Nationalfonds unter anderen zu gewissen, mäßigen Beiträgen an die Organisation, der sie ja ihr Entstehen und ihre dauernde Weiterentwicklung verdanken,' heranzuziehen. : Dagegen wurden indessen von verschiedenen Seiten Bedenken geltend gemacht, so daß schließlich eine Finanzkommission von sechs Mitgliedern eingesetzt wurde, die einen Plan zur Umgestaltung -der Finanzen der Organisation als solcher ausarbeiten soll. Weiter beschloß die Iähreskonferenz, einen „Palästina-Kulturfonds" zu begründen, der erst dann praktische Arbeit leisten soll, wenn er die Summe von 100 000 Mark erreicht hat. -. Die einzelnen Beiträge zu diesem Fonds müssen sich auf - wenigstens 100 Mark belaufen. Zu diesem eisernen Fonds dürfen nur die Zinsen verbraucht werden. Neben diesem ersten soll noch - ein zweiter Fonds aus den eingehenden Beträgen unter 100 Mark gebildet werden, von welchem 50 Prozent der jährlichen Eingänge verbraucht werden dürfen. Die zionistische Iähreskonferenz be- V schäftigte sich außerdem mit einer großen Anzahl interner Fragen, wie Bildung neuer Föderationen. zionistische Presse, Schekel- Sammlung. Parteifonds usw., ferner mit der - Stellungnahme der zionistischen Partei zu der geplanten alljüdischen Kolonisations- Organisation und anderem. Diezu gleicher Zeit in Köln tagende Generalversammlung der jüdischen Kolonialbank beschloß die Verteilung einer Dividende von 6 Pence pro Pfund-Aktie, das heißt von 2a/2 Prozent für das letzte Geschäftsjahr. In dem Bericht des Aktionskomitees werden auch die vielfachen übertriebenen Mitteilungen berichtigt, die über die Höhe der Kosten des Bankprozesses (Abänderung des Memorandums:" Einschränkung der Tätigkeit auf Palästina und seine Nachbarländer) in Umlauf gesetzt worden waren. Tatsächlich betragen die Gesamtkosten des Prozesses 1661 Pfund — etwa 33 000 Mark. Am 13. d. M. fand eine große Volksversammlung im Saale der Bürgergesellschaft statt. — Mannheim, 13. August. Die vereinigte Verwaltung der hiesigen israelitischen Kranken-Unterstützungsvereine ist, wie aus . dem Jahresberichte hervorgeht, auch im Berichtsjahre stärker als in der^Vorjahren in Anspruch genommen worden. So wurden für Aerzte 5300 Mark, für Apotheke 2000 Mark, für Geldunterstützungen 11200 Mark, ün Stärkungsmittel 225 Mark, an Badekuren 5300 Mark, für Kinderpflege 525 Mark, sowie für Zuteilung von Brautausstattungen 1500 Mark ausgegeben. Dem stehen Einnahmen von Mitgliederbeiträgen mit 12 300 Mark, von Zinsen des Vermögens 24 600 Mark gegenüber. Der Vermögensstand des männlichen Kranken-Unterstützungsvereins beträgt 823 000 Mark, des weiblichen 251400 Mark, der Verwaltungs-Bruderschaft 9100 Mark und eines Separatfonds 12 300 Mark. Alle diese vier Institutionen unterstehen einer gemeinsamen Verwaltung^ Infolge, namhafter Geschenke konnte das Budget noch eine Erübrigung von 2690 Mark machen; auch hatten zur Unterstützung von Armen der Hilfsverein der deutschen Juden, Abteilung Mannheim 1000 Mark, die hiesige Ortsgruppe der ^Uianee Israelite 950 Mark, sowie die jüdische Gemeinde aus einem alten Fonds 400 Mark beigesteuert. Seit Beginn des Berichtsjahres hat die Verwaltung freie Aerztewahl . eingesührt und glaubt damit einemlang gehegten Wunsch vieler Mitglieder entsprochen zu haben. o. Fürth, 18. August. Die Israelitische Realschule (frühere Israelitische Bürgerschule) wurde in diesem Jahre von 132 Schülern besucht. Bei der diesjährigen Absolutorialprüfung bestanden, wie fast ausnahmslos in den Prüfungen seit 1882, alle Schüler der Ober- - klaffe und erlangten das Zeugnis der Reife für den einjährig-freiwilligen Militärdienst. Von den acht Absolventen erhielt einer in allen Fächern der schriftlichen und mündlichen Prüfung die Note I. Die Anstalt ist die einzige israelitische höhere Lehranstalt mit einjähriger Militärberechtigung in Bayern und wird bekanntlich nach streng religiösen Grundsätzen geleitete Durch -den Uebertritt m die ■ neuerdings geschaffenen bayerischen Ober-Realschulen können sich die Absolventen den Zugang zu den meisten Zweigen der Universitätsstudien eröffnen, y:, u. München, 20. August. Die folgenden Mitteilungen eines , jüdischen Reserve-Offiziers werden für Ihre Leser sicher von Interesse sein. „Als jüdischer Reserveoffizier und mit den Verhältnissen vertraut, bemerke ich, daß Juden in allen bayerischen Regimentern als Offiziere ausgenommen werden und tatsächlich in fast allen bayerischen Regimentern jüdische Reserveoffiziere vorhanden sind. Gewöhnlich werden sie in diejenigen Regimenter ausgenommen, in welchen sie dienen! Als Beweis für die Vorurteilslosigkeit, die.in dieser Beziehung in Bayern herrscht, sei Ihnen mitgeteilt, daß der stellvertretende Kommandeur des Infanterie-Lei bregiments (des ersten, bayerischen Regiments und der preußischen Garde entsprechend) einst ein — ungetaufter, wirklicher Jude war! Es war dies der 1897 verstorbene königlich bayerische Oberstleutnant Karl. Heule in München! Derselbe ließ sich dann allerdings später infolge seiner zweiten Heirat taufen! Dies war aber erst nach seiner Pensionierung als Oberst a. D., und als solcher war.er noch ungetaufter Jude'- Wir Juden haben uns in Bayern, was die Osfizierskarriere betrifft, in keiner Hinsicht zu beklagen, denn es gibt auch aktive jüdische Offiziere zurzeit in Bayern. Und zwar noch und wieder!" Wir wären unseren Freunden in Bayern sehr dankbar, wenn sie uns mit zuverlässigem statistischen Material über die früheren und derzeitigen Avancementsverhältnisse der Juden, in sämtlichen bayerischen Regimentern an die Hand gehen wollten. K. Freiburg i. B., 21. August. Während seiner mehrmonatlichen Krankheit betraute Herr Stadt- und Konferenzrabbiner . Dr. Lewin hier Herrn Rabbiner Dr. Auerbach mit seiner Vertretung; die Wahl dieses Herrn gereicht Herrn Rabbiner Dr. Lewin zur hohen Ehre. Der junge Theologe der Breslauer Schule erfaßte und betätigte sein hohes Amt in idealster Weise. In unserer religionsparteilich geschiedenen Gemeinde suchte er die Gegensätze zu mildern, die Gemüter zu versöhnen und durch persönliche Liebenswürdigkeit durch Güte, Sanftmut und Milde aller Herzen jir gewinnen. Wie sehr ihm dies gelungen ist, beweisen die aus Stadt und Land anläßlich seines Scheidens zahlreichen Zuschriften an die Tagesblätter, die übereinstimmend die segensvolle Wirksamkeit, des Herrn Dr. Auerbachs bekunden. Wie wir von zuständiger Seite vernehmen, ist die Bildung eines Komitees im Bezirksrabbinat Freiburg im Gange, um Dr Auerbach, der sich während seiner hiesigen Amtstätigkeit die Liebe und Anhänglichkeit weitester Kreise in Stadt und Land erworben hat, ein Ehrengeschenk zu widmen. Gesterretch-Nnssm. — Wien, 24. August. Das Geburtstagsfest des Kaisers wurde in diesem Jahre in sämtlichen Gotteshäusern der österreichischen Kultusgemeinden mit besonderer Feierlichkeit begangen. Auch in sämtlichen Synagogen der Wiener Knltusgemeinde, sowie der Bethausvereine fanden spezielle gottesdienstliche Veranstaltungen statt. . Von dem Ordenswagen ergoß sich auch ein gut Teil auf die Häupter unserer Glaubensgenossen. — Sehr humoristisch - wurde dieser Tage in der „Wiener Allgemeinen Zeitung" ein Versehen ge-- brandmarkt, das dem edlen Herrn Vergani unlängst unterlaufen war. Wir lassen das Blatt selbst die Geschichte erzählen: „Das „Deutsche Volksblatt" gehört zu jener Sorte dummer Kinder, die, obwohl sie sich schon mehr als einmal tüchtig verbrannt haben, die Finger immer wieder auf die heiße, Herdplatte legen. Das letztemal verbrannte sich das dumme Kind folgendermaßen: In einem reizenden Hetzartikelchen zog es wieder einmal gegen die Juden los, die alles auf der Welt zum willkommenen Anlaß nehmen, ihre braven christlichen Nebenmenschen übers Ohr zu hauen. Sogar die Einführung der Kronenwährung. Indem nämlich diese Juden auf den ' ursprünglichen „Täferln", auf denen die Preise ersichtlich waren, bloß die Bezeichnung Gulden in' Kronen umändern und den Preis der zum Beispiel früher für ein Paar Schuhe galt, nun per Stück, also für einen Stiefel gelten lassen. Dadurch wird der ahnungslos ' vorübergehende Christ getäuscht, weil der . Preis hier um die Hälfte billiger ist, als nebenan beim christlichen Schusterder die Kronen-

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