Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 72 (1908)
- Issue
- Heft 35 (28.8.1908)
- Date
- 1908-08-28
- Page
- Seite 4 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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MWMMMNWWNWWMMVMchWDiADWWWWWMNzWWWMWA Währung für zwei Stiefel, also für ein Paar eingeführt hat. Besonders hart wurde der „jüdische Schuster" Hlawatschek mitgenommen, der obige Manipulationen vorgenommen haben sollte. Als wir diesen Namen lasen, stutzten wir: Ein Jude, der Hlawatschek heißt? Sonderbar! Aber am nächsten Tage mußte das „Deutsche Volksblatt" eine .Berichtigung" abdrucken. Von dem Juden Hlawatschek. Dieser schrieb, daß er erstens kein Jude sei, sondern ein guter Katholik und Abonnent des „Deutschen Volksblatt", zweitens, daß er die „Taferln" nur deshalb belassen habe, weil die neuen Taferln, die er bestellt habe, noch nicht eingetroffen seien und jeder, der in der Auslage die Preise in Gulden verzeichne, von der Behörde bestraft werde. Er habe also nicht anders können. Und drittens sei er — Bürger von Wien!!! . . . Die krampfhaften Wendungen, in denen sich das „Deutsche Volksblatt" nach dieser „Berichtigung" erging, forderten entschieden zum Mitleid heraus. Diesmal hat sich das dumme Kind wirklich gehörig verbrannt." — In Hermanmestec wurde die durch das Ableben des Rabbiners Dr. N. Kronberg erledigte Stelle durch einstimmige Wahl Dr. I. Folkmann verliehen. Von Mh und jfern. — Justizrat Dr. Edwin Katz hat die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Ritterkreuzes erster Klasse des Königlich Sächsischen Albrechtsordens erhalten. — Herr Max Simon, Inhaber der Firma Gebrüder F. und M. Simon, hier, und Mitinhaber der Firma Gebrüder Simon, Aue i. S., ist zum Kommerzienrat ernannt worden. — Im 61. Lebensjahre ist der Justizrat Ferdinand Cohn aus Glogau am 21. d. M. gestorben. — .Der Fabrikbesitzer Hermann Löwenherz in Lauenförde a. d. Weser wurde zum Kommerzienrat ernannt. — Zur Mittagstafel bei den Kaiserlichen Majestäten in Wilhelmshöhe am 16. d. M. war auch Oberlandesgerichtsrat Dr. Sommer in Cassel geladen. Bekanntlich ist derselbe ein Klassenkollege des Kaisers aus seiner Kasseler Ghmnasialzeit. Seit kurzem gehört Dr.. Sommer auch dem Kuratorium des israelitischen Waisenhauses an. — Anläßlich der hundertjährigen Jubiläumsfeier der Landessynagoge des Großherzogtums Baden im Jahre 1909 erscheint in kurzer Zeit eine Festschrift, von Bezirksrabbiner Dr. Lewin in Freiburg verfaßt und herausgegeben. — Dem Vorstandsmitglied, der jüdischen Gemeinde in Metz, Leo Hecht, wurde der Charakter als Kommissionsrat verliehen. — In Dettenw eil er wurde unter großer Beteiligung ein Mann zu Grabe getragen, der 25 Jahre lang Soldat war, an fünf Feldzügen teilgenommen hat und das hohe Alter von 83 Jahren erreicht hat. Simon Blum trat 1852 in die französische Armee ein, war zunächst zwei Jahre in Afrika und nahm dort an den militärischen Streist zügen teil; dann war er 1854 mit in der Krim, 1859 in Italien, 1862 in Mexiko und beteiligte sich nach achtzehnjähriger Dienstzeit noch am Kriege 1870/71 gegen Deutschland. 1877 nahm er nach fünfuudzwanzigjähriger Dienstzeit seinen Abschied underhielt 1200 Franken Pension die er noch 31 Jahre lang bezog. — In dem neuen Gesetzentwurf über die Trennung von Kirche und Staat im Kanton Basel ist der israelitischen Gemeinde von I960 ab ein Beitrag von 15 000 Franken aus Staatsmitteln zu gewähren, zahlbar in drei Jahresraten. — In der zweiten Abteilung des Petersburger Bezirksgerichtes, ist der Anklageakt über die Entführung zweier jüdischer Mädchen Potschtalitz durch die Joaniten bestätigt worden. Wie bekannt, wurden die Mädchen (Bella zwölf Jahre und Dora neun Jahre) von der Joaniterin Darja Schikurina und ihren Teilnehmern den Bauern Jelisejew und Koruienko geraubt. Der Prozeß wird im Oktober verhandelt werden. — Die „Rußkoje Snamja" berichtet die Begnadigung von 24 Personen. — In Petersburg wurde eine Gesellschaft des gegenseitigen Kredites errichtet, in welcher Fremdlinge (Jnorodzy) nicht ausgenommen werben. — Im September wird in Petersburg eine Beratung über die Emigration stattfinden. — In Symferopol ist, infolge Mangel an Mitteln, die antisemitische Zeitung „Rabat" („Das Sturmläuten") eingegangen. — Unter der Zahl der Sekten der letzten Zeit zieht die Sekte „Neuisrael" die Aufmerksamkeit der Missionare auf sich, Ueber die Lehre dieser Sekte wird in Kiew ein Disput der Missionare veranstaltet werden. — Der Stadthauptmann von Petersburg verfügte, daß der weitere Aufenthalt der jüdischen Lehrer, die nach der * Residenz kamen, die Kurse des Professors Borodin zu hören, nicht mehr zugelassen werden darf, da der Termin vorbei ist, der dem Komitee der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden in Rußland bewilligt wurde. — Durch Zirkular verordnete der Handelsminister (Nr. 3160 — vom 1. Juli)- den Direktoren der Handelsschulen die strengste Beobachtung der Prozentnorm für die jüdischen Schüler. Im Falle aber, daß diese Norm bereits überschritten sei, infolge früherer Vergünstigungen, darf man in diesem Jahre die jüdischen Kinder bloß in der Vorbereitungs- und in der ersten Klasse aufnehmen, namentlich in der Zahl und in der Höhe, wie es durch das Reglement dieser Schulen vorgeschrieben ist. — Aus Kissanow (Panbower Gonon) schreibt man, daß von dort die Juden, die bereits seit 15 Jahren ansässig sind, sortgeschickt werden. Mehrere Familien, in der Zahl von 40 Personen, mußten in 24 Stunden die Grenze des Pombower Gouvernements verlassen. — Der bekannte englische Publizist Stade fragte Stolpin nach dessen Meinung über die jüdische Frage; der Ministerpräsident erwiderte, daß in dieser Frage die Hauptschwierigkeit, irgendwelche Reform durchzuführen, die Möglichkeit biete, eine gefährliche Gährung in jenen Kreisen'der Bevölkerung hervorzurufen, die aus dieser oder jener Ursache die Juden nicht lieben. Der Rassen- und Religionshaß ist in der Masse, von ökonomischer Konkurrenz kompliziert, gegen die Juden, und macht es unmöglich, irgendwelche Maßregel zugunsten derseblen durchzuführen. — Vom Hilssverein deutscher Juden wird gemeldet: „Eine bewaffnete Bande junger Leute überfiel am 19. August die jüdischen Einwohner des Langerons, einer Vorstadt Odessas, am Meere. Eine große Anzahl der Bewohner der Vorstadt wurde durchsucht, viele verfolgt und roh geschlagen, ein Mann wurde schwerer verwundet. Es wurde darauf heute vom Generalgouverneur Tolmatschow eine Bekanntmachung folgenden Inhalts veröffentlicht: „Da sich in letzter Zeit die Ueberfälle wiederum häufen, und da es festgestellt ist, daß die meisten dieser Ueberfälle vom neuen Verbände der echt russischen Leute Archangel Michael arrangiert worden sind, so warne ich den Verband dringend, derartiges weiter zu begehen. Sollte die Warnung nicht fruchten, so werden die Exzedenten ausgewiesen oder mit Gefängnis respektive mit 3000 Rubel Strafe belegt werden." Seit Jahren ist dies in Odessa die erste entschiedene Stellungnahme der Behörden gegen die Ausschreitungen der Schwarzen Hunderte. — Die Großloge für Deutschland, die dem Hilfsverein der deutschen Juden bereits auf so vielen Gebieten ihre wertvolle Unterstützung geliehen hat, hat demselben als Beitrag zu der gemeinsamen Hilfsaktion für die Opfer der Brandkatastrophe in Telschi 1500 Mark überwiesen. — Die Negierung hat die Wahl des Professor Nahoum zum Chacham Baschi von Konstantinopel bestätigt. — In Jerusalem starb vor einigen Tagen der Vater des bekannten jüdischen Dichters und Politikers Israel Zangwill, M oses Zangwill. Der Verstorbene, der ein Alter von 70 Jahren erreichte, stammt aus Rußland und wanderte als junger Mann nach England aus. — Die New Parker „Times" berichtet über die glanzvolle Schwimmleistung eines jüdischen Mädchens, Annita Kellermaun, die am 30. Juli d. I. in Boston eine Schwimmtour von 12 Meilen in 6l/a Stunden durchgemacht hat. — Der Rev. John Sharp, der 28 Jahre lang die Oberleitung der Ausgaben von Bibelübersetzungen bei der britischen und ausländischen Bibelgesellschaft in Händen gehabt hat, macht über seine Tätigkeit einige interessante Mitteilungen. 1880, als er sein Amt antrat, war die Bibel in 238 Sprachen übersetzt, jetzt liegt sie in 412 Sprachen vor. Aber es bleibt noch immer außerordentlich viel zu tun. — Der Staatssekretär Dernbürg wurde bei seiner Ankunft in Bulowayo vom Bürgermeister E. Basch, der gleichzeitig Präsident der jüdischen Gemeinde ist, empfangen. Als er von diesem erfuhr, daß es in der Stadt eine antijüdische Bewegung gebe, gab der Staatssekretär seiner Verwunderung darüber Ausdruck: „Ich dachte, daß dieses Ding schon längst ausgestorben ist. Ich selbst stamme ja auch von Juden ab!"