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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-08-21 · Heft 34 (21.8.1908) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 3 (sequence 17)
Language
German
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i.?Äpril frei g ewordenen Stellen würden sofort neu besetzt;' außerdem konnten im Laufe des Jahres noch drei Knaben ausgenommen werden, so daß sich am Schlüsse des Jahres.26 Kinder (14 Knaben und 12 Mädchen) im Hause befanden und damit das Haus zunächst voll besetzt war. Die finanzielle Lage der Anstalt ergibt sich aus den dem Bericht beigefügten Anlagen. Die Einnahmen betrugen infolge verschiedener Spenden etwa 2000 Mark mehr als im Vor» .jahr; die Gesamtausgaben waren gegen den Etat um ca. 7000 Mark -höher. Der Vorstand, besteht, aus den Herren: Justizrat Behrendt- Danzig, Justizrat Steinhardt-Danzig, M. Kädisch-Danzig, Stadtrat Belgard-Graudenz, Stadtrat Herzfeld-Graudenz, D. Wolff-Thorn, A. Jakob-Thorn, Stadtrat Löwenstein-Elbing, S. Levy-Elbing, Kommerzienrat Goldfarb-Preußisch - Stargard , I. Lippfeld- Dirschau. Das Damen-Komitee bilden: Frau Stadtrat Belgard, Vorsitzende, Frau Stadtrat Herzfeld, Frau Kiewe, Frau Löwinsohn, Frau Justizrat Grün, sämtlich in Graudenz. i. Hildesheim, 14. Juli. Hier ist nach mehrjährigem Leiden im 63. Lebensjahre der Lehrer Elieser Stern gestorben. Er war 40 Jahre Im Lehrer- und Vorbeteramte tätig gewesen; 35 Jahre entfallen davon auf sein Wirken in Hildesheim. Der Gemeinde- und der Schulvorstand zollen dem bewährten Pädagogen in einem warmen Nachrufe hohe Anerkennung. Landrabbiner Dr. Lewinsky ließ es sich nicht nehmen, aus ferner Sommerfrische herbeizueilen, um am Grabe die Verdienste des Verstorbenen gebührend zu würdigen. Lehrer Bach hob im Aufträge des Vorsitzenden des Vereins jüdischer Lehrer der Provinz Hannover die treue Arbeit des Kollegen im Dienste des Vereins hervor. Stern hat Jahrzehnte das Doppelamt eines zweiten Vorsitzenden und eines Kassenwartes des genannten Vereins mit Umsicht und Treue geführt. Durch die Schärfe seines Geistes hat er die Verhandlungen des Vereins günstig beeinflußt und seinem lebhaften Eifer für die gemeinsame Sache ist ein wesentlicher Anteil an den Erfolgen des Vereins zuzuschreiben. Ehre seinem Andenken! Gelsenkircheit, 12. August. In der letzten Stadtverordnetensitzung referierte Bürgermeister Klose wegen Uebernahme der jüdischen Volksschule.auf die Stadt folgendermaßen: „Das jüdische Schulwesen unserer Stadt ist von dem mit 1. April d. I. in Kraft getretenen Volksschulunterhaltungsgesetz vom 28. Juli 1906 nicht berührt worden; die israelitische Schulsozietät besteht deshalb nach wie vor auf Grund des Gesetzes vom 23. Juli 1847. Es mangelt sonach immer noch an der vollen Einheitlichkeit in der Verwaltung unserer städtischen Volksschule. Um diese notwendige Einheit, die nur im Wege der Vertragsschließung möglich, herbeizusühren, haben Schulvorstand und Repräsentantenversammlung der israelitischen Schulgemeinde unterm 6. März d. I. die Auflösung der Schulsozietät einstimmig beschlossen und sich damit einverstanden erklärt, daß die israelitische Volksschule zu einer städtischen Schule umgewandelt werde. Gleichzeitig wurde der mit der Stadtgemeinde Gelsenkirchen zu schließende Vertrag vom gleichen Tage mit den dazu gehörigen Vermögens- und Schuldennachweisen genehmigt. Ich bitte, diesem Anträge zuzustimmen." Das Kollegium erhob keinen Widerspruch. o. Köln, 10. August. In der Nacht zum 3. d. M. ist hier die bekannte Schriftstellerin Frau Berta Leiser, geborene Grünebaum, im Alter von 44 Jahren nach schwerer Krankheit, jedoch unerwartet, durch den. unerbittlichen Tod den Ihrigen entrissen worden. Sie war eine strebsame, allgemein geachtete und begabte Frau, die durch ihre anmutigen Skizzen aus dem jüdischen Familienleben in der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" und in anderen jüdischen Blättern, sowie auch durch interessante Vorträge in den jüdischen Literaturvereinen sich einen guten Namen gemacht und eine gedeihliche Wirksamkeit entfaltet hat. Die Beerdigung fand am 5. d. M. auf dem Friedhofe in Deutz unter großer Beteiligung von nah und fern statt. Am Grabe hielt Herr Rabbiner Dr. Rosenthal eine ergreifende, zu Herzen gehende Rede. Ehre dem Andenken der trefflichen» Frau! — Frankfrtrt a. M., 5. August. Auf dem in dieser Woche hier stattgefundenen 39. Deutschen Anthropologentag sprach. Geh. Sanitätsrat Neuburger (Frankfurt a. M.) über „Das Jubiläum des Darwinismus und Lazarus Geigers". Lazarus Geiger war ein Frankfurter Schulmann, der in vollkommener Zurückgezogenheit lebte. Erst nach seinem Tode fand man unmittelbar nach dem Erscheinen von Darwins grundlegendem Werke in seinem Nachlaß umfangreiche sprachvergleichende .Studien, die man. als eine Parallelerscheinung zu dem Darwinismus bezeichnen kann. Geiger hat darin die langsame Entwicklung der Menschheit von unartikulierten Lauten bis hinauf zur vollendeten Sprachbeherrschung dargestellt. w. Karlsruhe, im August. Für die badischen Juden ist der 25. August d. I. ein Gedenktag von ganz besonderer Bedeutung. An diesem Tage sind 25 Jahre verflossen, seit Herr Geheimer Oberregierungsrat Dr. Mayer als Mitglied in die oberste israelitische Religionsbehörde Badens eintrat. Sein segensreiches Wirken während dieses langen Zeitabschnittes muß als Ausfluß eines hohen obersten Zieles angesehen werden: Stärkung des religiösen Gefühls und Lebens im einzelnen zwecks einer religiös-sittlichen Charakterbildung und Anregung der Gesamtheit zur ersprießlichen Mitarbeit an der praktischen Betätigung der hohen Mission des Judentums. Die Mittel und Wege, vermittels derer Herr Geheimer Oberregierungsrat Dr. Mayer die Verwirklichung seines Ziels zu erreichen bestrebt war, im einzelnen klar zu legen, würde zu weit führen. Nur darauf sei hingewiesen, daß sich seine selbstlose Tätigkeit besonders auf drei Gebieten äußert: auf dem der Verwaltung, dem der Schule und dem der Pflege des Gottesdienstes. Auf allen aber erkennen wir das Wirken einer innerlich freien, von hohen Gesichtspunkten aus urteilenden Persönlichkeit. Die weittragende Bedeutung dieses Namens einer eingehenden Würdigung zu unterziehen, dürfte späteren Zeiten Vorbehalten sein. Hier soll nur dem Wunsch Ausdruck verliehen werden, es möge dem Jubilar vergönnt sein, seine erfolgreiche Tätigkeit noch recht lange weiter entfalten zu können zum Segen der badischen, zum Segen der gesamten Judenheit. Oesterreich-Ungarn. Wien, 17. August. Unglaublich, aber leider wahr ist es, daß ein sonst so vortrefflicher Mann wie der Abgeordnete Ministerialrat Kamill Kuranda öffentlich den Rat geben konnte, den Kampf gegen den Antisemitismus aufzugeben. Das heißt, die Liberalen sollten diesen Kampf aufgeben. Den Grund hierzu wird man nicht schwer finden: weil sie dadurch in der gegenwärtigen Situation noch unpopulärer werden, als sie es ohnedies schon sind. Man sieht, wie weit die Verwirrung .der Geister hierzulande schon gediehen ist. — In Teplitz i. B. ist der Geheime Sanitätsrat Dr. Ignaz Hirsch, Ehrenbürger der Stadt Teplitz-Schönau, gewesener Stadtrat, Mitglied der Bezirksvertretung, gewesener langjähriger Ordinarius des israelitischen Badehospitals in Teplitz, am 10. d. Mts. im 78. Lebensjahre gestorben. — Der Nestor der jüdischen Lehrer in Oesterreich, Schuldirektor Emanuel Bondi, dessen Lehrbücher früher allgemein verbreitet waren, und der über fünfzig Jahre in Pohrlitz i. M. gedeihlich gewirkt hat, ist am 7. d. Mts. im Alter von 90 Jahren verschieden. — Der ungarische Minister des Innern hat soeben seinen Entwurf zu einem neuen Wahlgesetz fertiggestellt. Dieses Gesetz enthält unter anderen! die Verfügung, daß das Wahlrecht an die Kenntnis des Lesens und Schreibens geknüpft sei und Analphabeten demnach kein Wahlrecht besitzen.. Aus diesem Anlasse ließ der Minister Graf Andrassy eine Statistik der in Ungarn lebenden Analphabeten nach Konfessionen ausarbeiten. Laut dieser Statistik gibt es in Ungarn am wenigsten jüdische Analphabeten, nämlich nur 249 123, das heißt 34,37 Prozent. Die übrigen Konfessionen haben weit mehr aufzuweisen. Frantzrrtch. L. T. Paris, 26. Juli. Wir benutzten den heutigen schönen Tag, um dem kürzlich begründeten reformierten Tempel der „Union liberale israelite" einen Besuch abzustatten. Wir begaben uns nach 10 Uhr morgens nach der rue 6opernie (XVI. Arondissement) 24. Ein kleiner, schöner und einfach eingerichteter Saal im Rez-decausse empfängt uns. Gerade um IOV2 Uhr trat der Rabbiner Dr. Louis-Germain Lövy (früher Rabbiner in Dijon) ein. Ein jugendlicher Mann in den dreißiger Jahren, unbedeckten Hauptes, in den Talith gehüllt, nimmt er seinen Platz vor der Kanzel ein.' Wie im Gotteshause der Berliner Reformgemeinde sitzen die Männer und Frauen zusammen. Es gibt keinen Kantor, aber eine Orgel und ein schöner Chor befinden sich im anstoßenden Gemach, ohne daß man die Sänger sieht; darunter waren wundervolle, herrliche Stimmen von jungen Leuten. Man gibt uns das Gebetbuch der

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