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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-08-21 · Heft 34 (21.8.1908) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 4 (sequence 18)
Language
German
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^neuew>Gemeinde>-.-E-dLe'^GebÄe^Md^-'hebräischer---Sptache^abgefa'ßt^ und mit einer guten französischen: Uebersetzung versehend ‘ Der Rabbiner trägt von 'der Kanzel herab.die Gebete in der Ursprache vor, und gibt dann diese im Französischen wieder. Hierauf hielt er eine kurze aber vortreffliche .und.' sehr ansprechende Rede. . In allen Synagogen, von Paris, ebenfalls in Nizza,- bemerkten wir, daß die Leuchter acht Lichter haben, während im reformierten.Tempel, wie es überall- Usus ist, sich bloß sieben befindend Der ganze Gottesdienst ue's'sk Predigt dauert bloß 3/4 Stunden, machte aber einen sehr würdigen Eindrück.'' Vor der -Predigt las der Rabbiner einen Abschnitt .ans der Thora in der Originalsprache vor. -Der Gottesdienst findet Freitag abend, am Samstag und Sonntag statt. Die Feiertage werden bloß einen Tag beobachtet; am Versöhnungstage finden am Vorabend selbst und dann um 10 Uhr morgens und am Schluß um 5 Uhr abends Gottesdienste statt. — Das Komitee der. neuen Gemeinde besteht aus elf Personen, worunter vier Damen. Präsident. desselben ist: Louis Simon; Vizepräsident: Salvador Levi; Sekretär: Paul Sacerdote; Schatzmeister: Madame Anatole Dreyfus. « Von MH und jfern. -- Dem Privatgelehrten Dr. Alfred Schiff ist das Prädikat Professor beigelegt worden. — Zu Sanitätsräten wurden ernannt die praktischen Aerzte Dr. Friedrich Wehrend, Dr. Eduard Löwen-;hal, Dr. Alfred Rosenbaum, Dr. Viktor Bock, Dr. Samuel Fränkel, Dr. Paul Kronth al, Dr. Julius Mosler, Dr. Eugen Pick, Dr.Siegfried Rosenberg, Dr. Jacob Ruhemann in Berlin, Dr. David Gräupner inRatib'or, Dr. Max Weil in Kulmsee, Dr. Emanuel Sachs in Pollnow, Dr. HerrNänn Elkeles in Posen, Dr. Julius Wolfsohn in Schwerin a. W., Dr. Berthold Riesenfeld in Breslau,- Dr. Max Bloch in Beuthen O.-S., Dr. Richard Rubin in Georgenburtz. — Der Porträtmaler Emanuel Großer hat vom Herzog von Kobürg die Medaille für Kunst und Wissenschaft erhalten. — Der Verein für Arbeitsnachweis, begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., hat durch seine Vermittlung im Momat Juli 1908 145 Personen in Stellung gebracht und außerdem noch 39 Personen vorübergehend Beschäftigung nachgewiesen. — Die israelitische Gemeinde Güttingen hatte sich'unter Berufung auf Bestinimungen des am 1. April d. I. 'in Kraft getretenen Schulunterhaltungsgesetzes entschlossen, eine eigene Volksschule einzurichten. Nachdem die Regierung bereits den Antrag wegen ungenügender Zahl der schulpflichtigen Kinder (es kommen nur vier in Betracht) abgelehnt hatte, ist der Kultusminister jetzt dieser Entscheidung im Beschwerdeverfahren beigetreten. — Die Landesregierung von Neuß-Greiz hat eine Verfügung erlassen, wonach das Schlachten sämtlichen Viehes, mit Ausnahme des Federviehes, nur nach vorgängiger Betäubung stattfinden darf. — In Köln ist Dr. I. Caro von der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums als Religionslehrer und stellvertretender Rabbiner gewählt worden. — Im Alter von 78 Jahren ist Alfred G. Henriques, einer der angesehensten Juden in England, 'früher Vize- . Präsident der Anglo Jewish Association, geftot:6ett. — Dr. Robert Davidsohn, der Verfasser der Geschichte von Florenz, wurde vom König von Preußen zum Professor ernannt. — Fräulein Gustava Zand aus Plock (Russisch-Polen) wurde an der Universität in Zürich zum voctor medicinae promoviert und hat kürzlich an der medizinischen Fakultät der Universität Charkow das Staatsexamen bestanden. — Die Gubernialversammlung der jüdischen Rabbiner beschloß die Regierung zu ersuchen, einen allgemeinen Kongreß sämtlicher russischer Rabbiner einzuberufen.—Im Pogromprozeß von G adj atsch sind 45Angeklagte sreigesprochen. v i er sind zu Arrestantenabteilungen auf einJahr - 26 zu vier bis acht Monaten Gefängnis verurteilt worden. — Die verurteilten Verbrecher des Pogroms in Brjansk sind begnadigt worden. — Der Ende April verhaftete Literat Goldenberg ist aus dem Gefängnisse, befreit und ans Petersburg fortgeschickt worden. In Simferopol wird. eine Versammlung, der Verbandsleute stattfinden, zu welcher die berüchtigten Antisemitenführer Graf Konowinzin. und Purischlewitsch« erwartet - werden. | .Unter' anderem wird auch -die Frage über die, .Verbandszeituüg „Nabatk („Das Sturmläuten") - besprochen werden, , welche eine elende Existenz -fristet. — Der Gouverneur von Taurien lehnte die Bitte einer jüdischen Gruppe aus Feodosija die Bestätigung der Gesellschaft '/„Palästina" --ab, welche bezweckte, die Ideen des Zionismus zu verwirklichen.. — Im Flecken Rybniz (Vessarabien) . prügelten die Bauern und trieben sodann den dort angekommenen Agitator fort, welcher dem „Verbände des russischen Volkes" angehört. — Vor kurzem war man im Flecken R em i g o l, Kowner Gouvernementim Begriff, einen Pogrom zu veranstalten; die Agitation begannen vier Verbandsleute. Es verschwand irgendwo ein christlicher Knabe. Die Schwarze Bande verbreitete^sofort das Gerücht von einem Ritual- - morde. Eine Masse Volk sammelte sich auf dem Markte; sie begannen schon sich zu den jüdischen Buden zu bewegen, als mit einem- : Male sich die Nachricht verbreitet, daß der Knabe gefunden sei. Es. stellte sich heraus, daß er sich in ein anderes Dorf begab, um seine ' Mutter aufzusuchen. Der Pogrom wurde verhütet. Die Aufwiegler wurden zur Rechenschaft gezogen. — Der eigentliche Gründer der Moskauer Volksuniversität ist der bekannte Petersburger Jurist D. A. Dri.l (Jude). In der Verwaltung, derselben befanden sich die beiden gemordeten Dumadeputierten M. Herzenstein und dessen intimer Freund, der Gelehrte Dr. Gregor Jollos s. A. — Aus Elisawetgrad berichtet man, daß der Redakteur des Antisemitenblattes „Glas Naroda" („Die. Volksstimme"), der berüchtigte Chersoner Antisemit Fomenko, vom Gouverneur mit 1000 Rubel bestraft wurde. Vis zur.Zahlung der Geldstrafe wurde das Blatt eingestellt. Aus Mangel an Mitteln hört dasselbe wahrscheinlich auf zu bestehen. — Im Komitee „der Gesellschaft zur Verbreitung der Bildung unter den Juden" in Petersburg fand eine Reihe von Beratungen unter Teilnahme der jüdischen Volkslehrer, die aus der Provinz kamen, statt. Es wurden Fragen erörtert, jüdische Schulen betreffend. — In Kiew wurde die Versammlung der Gemeinderabbiner unter Vorsitz des dortigen Rabbiners Gure witsch eröffnet;, ungefähr 20 Personen nahmen daran teil; es wurden Fragen behandelt, die der Leitung der Petersburger Rabbinerkommission unterliegen. Es wurde die Gründung eines Rabbinerseminars beschlossen. Die Verhandlungen dauerten drei Tage. — Auf Anordnung des Admirals Wiren, des Gouverneurs von Sebastopol, wurde der dortige Kronrabbiner Polonsky, der iy jüdischen Kreisen durch seine gemäßigte Ueberzeugungen bekannt ist, verschickt. — In dem ehemaligen türkischen Parlament, das in den Jahren 1876 bis 1878 auf Grund der von Midhat Pascha ausgearbeiteten Konstitution tagte, befanden sich zwei Juden: der Bankdirektor David Adjiman, der in Konstantinopel, und Davidjon Effendi, der im Vilajet Janina gewählt wurde. — In der Synagoge zu Haidarpascha am Bosporus fand zur Feier der Verfassungserneuerung ein Dankgottesdienst unter Teilnahme vieler Moslemins statt. Oberst Mehmed Jschhan, der Delegierte des Jungtürkischen Komitees, hielt vor dem Allerheiligsten eine Ansprache, worauf die Israeliten und Türken in der Synagoge fraternisierten.— Nach einer Mitteilung des Deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universelle wurde als Nachfolger Moise Levys C. Nahoum, Professor am Rabbiner-Seminar der Alliance, zum Kaimakam Chacham Baschi der Türkei, das ist zum geistlichen Oberhaupt der Israeliten in den Landen des Sultans, gewählt. Nahoum, der den Ruf großer Gelehrsamkeit genießt, ist erst vor wenigen Wochen aus Abessinien zurückgekehrt, wohin er im Auftrag der Alliance eine Expedition zur Ermittlung der Lage des Falascha-Stammes mit ausgezeichnetem Erfolg geleitet hatte. — Um der großen Not zu steuern, in der sich die 4000 durch den furchtbaren Brand in der russischen Stadt Telschi obdachlos Gewordenen befindenhat der Hilfsverein der Deutschen Juden gemeinsam mit dem „Frankfurter Komitee für die osteuropäischen Juden" 5000 Mark zur Verfügung gestellt. Gleichzeitig hat der Hilfsverein in Verbindung mit der Großloge für Deutschland eine weite Hilfsaktion eingeleitet. — I. Delpourgo wurde von der argentinischen Republik zum Generalkonsul in Kobe '(Japan) ernannt. Delpourgo residierte bisher in Shanghai. — In Algier ist eine jüdische Dame, Mademoiselle Azolay, die erste Rechtsanwältin; sie leistete diese Woche den Advokateneid in die Hände des Präsidenten des Appellsenates von Algier. Die Eidesleistung vollzog sich unter besonderer Feierlichkeit.

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