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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1908-08-21 · Heft 34 (21.8.1908) · p. Seite 404

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
72 (1908)
Issue
Heft 34 (21.8.1908)
Date
1908-08-21
Page
Seite 404 (sequence 10)
Language
German
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doch müßte eine Sammlung dieser seiner Aufsätze noch jetzt von Interesse sein. Die Bilder aus dem häuslichen Leben und aus dem Ghetto haben hohen Reiz und dichterischen Wert. Der Raum verbietet mir leider, Auszüge aus diesen Publikationen zu geben, die voll poetischer Kraft und Innigkeit sind. Auch ein Roman Formstechers aus dem jüdischen Lebender viele dankbare Leser'gesunden, ist hier zu verzeichnen: „Buchenstem und Cohnberg", ein Familiengemälde aus der Gegenwart (Frankfurt a. M. 1861). Auch dieses Werk ist im Geiste der freien Forschung und des Fortschritts auf religiösem Gebiete geschrieben, indem der scharfe Gegensatz ideeller und gemeiner Naturen in der Welt, die er schildert, insbesondere der Verbindung des Geizes und der Habsucht mit dem äußerlichen religiösen Schein glücklich dargestellt wird, eine Erscheinung, die bekanntlich nicht bloß bei den Juden zu finden ist. Der dichterische Inhalt dieses Werkes hebt es weit über die belletristische Produktion des vorigen Jahrhunderts hinaus. Die Tendenz ist dieselbe, die sich durch das gesamte geistige Schassen des Mannes zieht, dessen wir — nach hundert Jahren — gern gedenken und der in dem Entwicklungsgang des deutschen Judentums für allezeit eine hervorragende Stelle einnimmt. Von drr Uusltellung Milcher Lauten und Lultussegenltändr?u Düsseldorf. Von Rabbiner Dr. Samuel-Essen. H. in in seiner Einfachheit erhaben wirkender leerer Raum war das Allerheiligste im zweiten Tempel; die Synagoge gab dem Schrank einen würdigen Inhalt: die Thorarolle. Kaum ein Schriftwerk der Welt hat soviel kindlich-naive mystisch-scheue Verehrung erfahren, als dieses. Beweis dessen auch die äußere Behandlung, die ihm zuteil ward; die außerordentliche Sorgfalt bei ihrer Herstellung, ihre Ausschmückung mit silbernen Granatäpselbäumchen, Kronen und Schildern, ihre Einhüllung in kostbare Stoffe. Wie eine Braut ihr Geschmeide, konnte die Thora ihren Schmuck aufweisen, und mit der verschwenderischen Opferfreude ihrer Verehrer Prunken. „Glänzend würde die jüdische Ausstellung sein können," sagt der offizielle Führer mit Recht, wenn die Schatzkammern der Synagogen und die kostbaren Gegenstände im Privatbesitz reicher Juden als Beigabe herangeholt worden wären. Daß es nicht geschehen und wir auf eine spätere Gelegenheit vertröstet worden, ist bedauerlich, denn im Thoraschmuck fand die jüdische Silberschmiedekunst ihre vornehmsten Aufgaben. Und hier ging sie Wege, die ihr von einer ganz bestimmten Richtung der Volksseele vorgezeichnet waren, dem stark ausgeprägten Versinnbildlichungstriebe. Der Jude ergreift gern einen treffenden Vergleich, ein packendes Bild, um dem abstrakten Gehalt seiner Lehrsätze ein Gegengewicht zu bieten. Gebetriemen und Pfostenschrist sind nichts als die Darstellung beliebter Metaphern nach dem Wortsinn, also die Versuche einen günstigen Inhalt den Sinnen nahezubringen; ob besonders glückliche, wollen wir dahingestellt sein lassen. Denn sie sind nur erträglich, wenn die „Liebe von oben", das ist in unserem Falle die Schönheit, daran teilgenommen, und daran hat es oft gefehlt. Hier in der Ausstellung wandelt man freilich in Schön' heit, und bedauert, wie gesagt, gerade darum, so wenig Stücke vom Thoraschmuck zu finden. Die wenigen dargebotenen Objekte (darunter iein Weihgeschenk von R. Isaak Lampronti und sonstige Merkwürdige keiten) geben nur eine schwache Vorstellung davon, welche Fülle von Motiven diese Schellenbäumchen, diese reichvergoldeten, spangen- und bogengezierten, edelsteingeschmückten Kronen und diese kettenbehangenen Schilder in Wirklichkeit aufweisen. Da ist nichts bedeutungslos. Die Bäumchen (Rimmonim) gehen wahrscheinlich auf Aepfel und Glöckchen zurück, die den Saum des hohepriesterlichen Mantels einfaßten, die Kronen, die man oft noch über-die Bäumchen stülpte, entsprechen dem gangbaren Vergleich von der Thorakrone, die im Unterschied zum Aronsdiadem und zur Davidskrone „für jedermann bereitliege". Der Schild ist nichts als der Brustschild des Priesters, ja das Gehäuse am Schilde vielleicht das Täschchen -für die Urim und Tummim. Mancher denkt auch wohl an die hübsche Legende, die die kronenartigen Verzierungen gewisser Buchstaben im Thoratext auf Rabbi Akiba zurücksührt, der damit die hundert, in jedem Schriftvers verborgenen Auslegungen andeuten wollte. Daß wir uns auf richtiger Fährte befinden, dafür zeuge Josephus, der in seiner Schrift „Vom Alter des jüdischen Volkes" auch dem Vorwurf zu Leibe geht, die jüdische Gottesverehrung sei arm, nüchtern, sinnenseindlich. Nichts davon, beteuert er, sei wahr; im Gegenteil habe alles bis herab auf die Farbe der Priesterkleidung symbolische Bedeutung, und so könne der jüdische Kultus an Herz- und finnerhebender- Schönheit mit jedem andern wetteifern. Er sagt damit nur, was das übereinstimmende Zeugnis des Talmud bestätigt; ein Nachhall davon erfüllt noch unsere Festgebete, ein Nachglanz aber blickt uns aus tausenden von Thoraschreinen entgegen. Könnte einmal eine größere Anzahl alter und interessanter Thoraschmuckstücke untersucht werden, wir erhielten noch manche Aufschlüsse über kulturelle Beziehungen verschiedener Art; wir blickten vielleicht in die eine oder andere jüdische Kunstwerkstatt, ja auch dieser oder jener zu Unrecht vergessene Name eines Jüngers von Bezalel und Oholiab tauchte vor uns auf. Erwarten wir auch keine Namen, wie Peter Bischer und Veit Stoß, so hätten doch auch geringere für uns Bedeutung. Erfreulicherweise gehen auch die Intentionen des Direktors Frauberger dahin, und damit konform den Forschungen der „Gesellschaft zur Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums" in Wien, unter Leitung von Dr. M. Grunwäld. Dem praktischen Bedürfnis aber will Direktor Frauberger demnächst, wie wir mitteilen dürfen, durch ein bevErnst Wasmuth in Berlin verlegtes Tafelwerk entgegenkommen. Der Moment ist günstig gewählt, da der Aufschwung vieler Gemeinden die Nachfrage steigern dürfte. Welche dankbare Aufgabe für jüdische Kunstgewerbler, uns der drohenden Gefahr der Schablone zu entreißen. Jenen späten Nachruhm, den wir den Künstlern vindizieren wollten, werden die bescheideneren Künstlerinnen kaum erwarten, die jüdischen Frauen und Mädchen, denen die herrlichen Thorahüllen und Vorhänge zu danken sind. „Und alle kunstsinnigen. Frauen spannen mit eigenen Händen und lieferten Gespinste in blauem und rotem Purpur, Karmesin und Byssus" (2. Buch Moses 35,26). So hielten sie es seit den Tagen der Stiftshütte, aber ihre Beiträge zur Stoff- und Gewebkunde sind bislang unbeachtet geblieben. Da das bildlose Stiftszelt in glücklicher Inkonsequenz Cherubim, also Fabelwesen zuließ, so war für den figürlichen Schmuck die Auswahl nicht allzu beschränkt. Hier finden wir außer gestickten Blumen und Früchten, Kronen und Säulen auch Löwen, Hirsche, Adler; ja besonders

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